Nur Ruhe - Selbsthilfeportal über Depressionen und Selbstmord

Gästebereich (Schreiben ist ohne Registrierung möglich) => Gästebereich => Thema gestartet von: Ponyhof am 18 Oktober 2020, 17:25:17

Titel: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 18 Oktober 2020, 17:25:17
Hallo :-)

ich weiß nicht mehr, wann ich das erste Mal vom Sterben geträumt habe. Glaube ich war damals noch nicht im Kindergarten.
Ich weiß nicht mehr, wann ich den ersten Plan gemacht habe, wie ich mein Leben beenden könnte. Glaube ich war damals in der Grundschule.
Ich war elf, als ich verinnerlichte, dass ich den Tod nicht wert bin - anderen zu Liebe weitermachen muss, auch wenn ich's NICHT will. 
Und so habe ich mich durchs Leben gequält. Unzählige Tage. Unzählige Träume vom Tod. Morgens mit Gewalt aus dem Bett gequält, den Tag mit zusammen gebissenen Zähnen ertragen. Schule. Uni. Job. Tag für Tag. Jede Nacht wenige Stunden Ruhe, bevor das Zähne zusammen beißen von vorne begann. Getrieben von dem Traum, das alles möge einen Sinn haben. Dass alles gut werden würde, dass Gott / Schicksal / whatever mich erlösen würde... bald...

Naja. Ich verrate hier wohl niemandem ein großes Geheimnis, wenn ich schreibe, dass "der" ultimative Sinn des Lebens nicht existiert. Dass kein gütiger Gott mir die Erleuchtung geschickt hat. Dass ich vergeblich nach Sinn gesucht und zu viel bezahlt habe. Könnte ich die Zeit zurück drehen und nochmals wählen, ich würde mich für den Tod entscheiden. Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß. Ich wäre schon tot. Längst.

Hätte
Würde
Wäre

... Es verwundert sowohl mich als auch diverse Therapeuten bei denen ich war. Aber irgendwie bin ich quasi "aus Versehen" immer noch am Leben. Und auch wenn mir diese Erkenntnis nicht geschmeckt hat, so ist mir inzwischen klar geworden, dass sich die Vergangenheit nicht auslöschen lässt. Nicht einmal durch den Tod.
Es WAR unerträglich.
Ich WÄRE besser gestorben.
Weiter zu leben WAR die falsche Entscheidung.
So war es.
Punkt.
Daran ändert es jetzt auch nichts mehr, wenn ich jetzt vom Balkon hüpfe, also wozu? "Don't cry over spilled milk" sagt der Brite - oder vielleicht "Don't die over a spilled past"? ;-)

Die Frage, die sich auftut ist die, ob das Leben was noch KOMMT etwas zu bieten hat, was mir Anreiz ist diesen Teil Leben noch mitzunehmen. Ich bin sicher, dass die Vergangenheit vergangen ist. SOWAS kommt nie wieder. Aufgearbeitet hab ich's auch. Und nun?  Es liegt an mir, etwas zu finden, wofür ich morgens aus dem Bett aufstehe...

Schwer genug.

Ich grüße alle da draußen, die bis hier gelesen haben. Es fällt mir schwer über dieses Thema zu sprechen. Nicht weil ich mich schäme, gar nicht. Sondern, weil ich die Standard-Antworten ("Sie müssen positiv denken" - "Gegen Depressionen gibt es Medikamente" "In ein paar Jahren werden sie froh sein, noch am Leben zu sein" "Erinnern Sie sich an eine Zeit, als es anders war? - Nein - Oh"...) der Therapeuten schon alle kenne und nichts damit anfangen konnte. Aber ich dachte, vielleicht geht es ja jemandem ähnlich wie mir? Könnte doch nett sein, bei der konfusen Suche nach etwas-zu-tun Gesellschaft zu haben? Ach, keine Ahnung. Ich dachte gerade, dass ich schließlich nicht wissen kann, ob irgendjemand da draußen etwas interessantes zu meiner Geschichte zu sagen hat. Oder selbst eine interessante Geschichte hat. Oder...

Liebe Grüße

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast985 am 19 Oktober 2020, 02:45:46
Hallo Ponyhof,
bei mir ist es ähnlich!
Während meines Lebens gab es immer wieder Tage mit Trauer, Trostlosigkeit, Einsamkeit und Sehnsucht. Die Schmerzen im Herzen, das Trommeln im Kopf, die permanente Müdigkeit, das sich ständig mühen, um am Leben teilzunehmen. Ständig die Frage nach dem Sinn des Lebens. Immer wieder die Sehnsucht nach dem Ende.

Auch ich bin in der Reha gewesen und bin in Therapie.
Die Aussicht auf mein Leben sind auch nicht so, dass ich in Begeisterung ausbreche.
Ich will keine Sorgen, Schwierigkeiten und Probleme, ich bin Müde.
Jeder Tag ist eine Herausforderung! Die Nächte!
Ich will nicht die Vergangenheit auslöschen.
Ich will nicht die Zukunft erfahren.
Ich will in der Gegenwart keine Ängste.

Für Dich! Frag nicht, wofür Du aufstehst! Frag Dich, wofür Du Liegenbleiben sollst? Nicht die Suche sollte Dich leiten, sondern das Erfahren.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 19 Oktober 2020, 18:49:11
Hallo Gast 985 :-)

Ich freu mich Dich zu lesen. :-)

Ja, dieses "Ich will nur meine Ruhe und ohne Angst sein" Gefühl kenne ich auch gut. Es ist schlimm: Man würde alles aufgeben um die Angst loszuwerden. Aber letztlich bleibt die Angst und man muss da doch durch. Alle Opfer umsonst... *blöd*
Was mir niemand gesagt (und niemand geglaubt) hat:
Ich brauchte die Option des Suizids um die Angst zu ertragen. Ohne das Wissen: Im Notfall bring ich mich um, wäre ich nicht in der Lage gewesen die Angst ertragen zu lernen. Keine Chance. Und weil das so war, war jeder Rat- oder Vorschlag gegen die Depression ein Rat- oder Vorschlag hin zu mehr Angst...

Ach es ist alles kompliziert...

Du schreibst, Du mühst Dich am Leben teilzuhaben? Es ist schon seltsam, wie das Leben sich einerseits nicht beenden und andererseits nicht leben lässt findebich.?  "The truth was that she simply wasn't very good at Life" (Tanja French) Vielleicht ist es so einfach. Ich bin vielleicht einfach nicht besonders gut in dieser Sache "Leben" ich bin so schlecht: Ich bekomme es weder gelebt noch beendet. Seltsam...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast985 am 19 Oktober 2020, 23:29:37
Hi Ponyhof,
es ist richtig, dass ich auch nicht gut im Leben bin.
Es ist auch richtig, der Gedanke, die Möglichkeit, das Leben zu beenden, das Leben erhält.
Das Befassen mit der Planung der Selbsttötung ist eine innere Beruhigung.
Wann kommt der Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt?
Ob Du schlecht im Leben bist, kann ich nicht beurteilen. Will ich auch nicht.
Da Du bis hierher gekommen bist und mit mir liest, kannst Du nicht schlecht durchs Leben gegangen sein.
Hubs! Ich auch nicht!

Menschen begegnen sich, es sollte so sein. Nenn es, wie Du willst, wir beide sollten uns lesen.

Ich wünsche Dir Kraft.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 20 Oktober 2020, 23:46:16
Hey Gast 985 :-)

ich freue mich Dich zu lesen. :-) So gesehen hast Du natürlich Recht. Wir sind jedenfalls jetzt hier gelandet und können einander lesen. So ist es...
Ich persönlich glaube, dass der Punkt, an dem der Tod zum Selbstläufer wird, nur die eine "Grenze" ist, die es gibt. Die zweite, (die ich persönlich erlebt habe), ist ein Punkt, an dem man so erschöpft ist, dass die Entscheidung es jetzt tatsächlich zu beenden nicht mehr im Rahmen des Machbaren liegt. *tja* Es ist halt nicht soooo einfach, sich für den Tod zu entscheiden, das braucht ein paar Nerven und Kräfte...

Ich wünsch Dir morgen einen schönen Tag. Könnte doch einfach Mal was nettes passieren?

Liebe Grüße

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 21 Oktober 2020, 13:51:38
Hey Ponyhof.

Es hat mich sehr berührt von dir zu lesen.
Wahrscheinlich weil ich ähnliche Gedanken und Gefühle kenne.
Als Kind habe ich es noch nicht sterben genannt. Ich wollte weg, fliegen können, unsichtbar sein, Superkräfte haben, hab mir gewünscht adoptiert worden zu sein und dass meine echten Eltern, nette Eltern sind oder dass meine Eltern mich im Urlaub vergessen oder ich entführt werde. Später war es dann die Todessehnsucht und auch Versuche, die scheiterten.
Dann hatte ich ein paar gute Jahre, habe tolle Kinder bekommen, aber dann kam so viel Mieses und die Depression mit Todeswünschen kam zurück. Dazu die Schuldgefühle meinen Kindern gegenüber.
Im Moment mache ich wieder Therapie und habe wirklich liebe Menschen, ohne die ich nicht mehr wäre.
Mein Überlebensspruch ist im Moment von Albert Camus: "Es kostet mehr Mut zu leben, als sich das Leben zu nehmen."

Alles Gute dir!
Herzlich, Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 21 Oktober 2020, 15:21:58
Hallo Darksoul86

Ich freu mich von Dir zu lesen. :-) Ja, Camus mag ich auch gerne, der hat ne Menge interessanter Dinge geschrieben, war glaube ich eine sehr interessante Persönlichkeit.
Mein Motto ist seit einiger Zeit "If you are going through hell - keep going!" (Churchill zugeschrieben)
Ich denke da ist viel wahres dran (also an beiden Zitaten meine ich).
Weiterleben ist weder Kleinigkeit noch gesetzt, aber wenn's denn sein muss, dann vorwärts um nicht ewig in diesem dämlichen Loch zu hocken, so toll ist es da drin nicht...
Wie geht es Dir mit Deiner familiären Situation, wenn ich fragen darf? Ich habe lange Zeit auf Kinder verzichtet, weil ich hoffte, es würde noch besser mit meiner psychischen Verfassung... (mein Vater hat damals Kinder bekommen, weil er dachte Familie sei das einzige was er am Leben schön findet. Tja. ICH fand's als Kind gar nicht schön, ihm den Sinn-des-Lebens zu machen, daher wollte ich so nicht sein, wollte erst meinen Mist selber auf die Reihe bekommen.) Dann wurde ich krank und das Thema Kinderwunsch war vom Tisch.
Und wie der Mensch so ist - man träumt von dem, was man nicht hat - und ich frage mich, wie es wäre, wenn ich Kinder hätte... Trotz allem...
Naja. *Hätte* *wäre* *würde*
Letztlich ist das mit den Kindern auch nur eine weitere Eventualität auf einer langen Was-wäre-wenn Liste.
Wenn es anders gelaufen wäre, wären wir jetzt nicht hier und - Wie @gast985 so treffend geschrieben hat - dann wären wir uns nie begegnet.

In diesem Sinne... Keep going ;-)
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast985 am 21 Oktober 2020, 20:27:09
An einem Tag ging es mir unendlich schlecht.
Ich lag auf dem Bett mir war kalt, konnte nichts Sehen, stimmen waren nur noch dumpf und verzehrt wahrzunehmen. Mein Körper erdrückte mich mit seiner Masse. Atmen fiel schwer.
Ein grelles Licht blendete, eine wohlige Wärme zog durch meinen Körper, dieser fühlte sich so leicht an als würde ich über mir schweben.

Grelles licht, wohlige Wärme, Leichtigkeit meines Körpers und freies Atmen.
In diesen Moment wollte ich bleiben! Nicht mehr zurück!

Menschen, die ein selbstbestimmtes sterben wüschen, scheitern oft an dem richtigen Zeitpunkt!

Pony – Hof, warum der Name? Pony: Klein, Süß,  Beherrschbar.
                Hof: Geschützter Raum, Spielplatz. = UNBESCHWERTHEIT
Ponyhof: Arbeit, Hartnäckigkeit, Energie und Mühe? Ich habe viel Zeit auf einem Hof verbracht.

 

Gast985, warum der Name? Immer mitten drin, aber nie dabei. Geben, nie nehmen!

Trauer, auch hier werden viele Sprüche benutzt!
Das Leben geht Weiter.
Die Zeit heilt alle Wunden.
Es war das Beste für Ihn, Sie und euch.
Streitigkeiten über die Beisetzung.
Streitigkeiten, Infragestellung des Verhaltens kurz vor dem Tod.
Das führt bei dem Trauenden, der die Verantwortung übernahm, dem die Verantwortung übertragen wurde zu selbst Zweifel. Diesen Text habe ich einer guten Bekannten geschrieben einfach nur, um ihr beizustehen, ohne Sie zu nerven.
Ohne Scham die drückende Last und den Schmerz von ihr aufzunehmen um Sie zu entlasten.

Zuhören und beistehen ohne, wenn und aber hilft!

Ein jeder hat das Recht auf seine Entscheidungen.

Ponyhof, ich schenke Dir einen Tag.

Liebe Grüße
Gast985
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 22 Oktober 2020, 16:54:46
Hallo Gast985

warum der Name "Ponyhof"? Gute Frage, eigentlich bin ich gar nicht so ein Ponyhof-Mädchen. Bin's auch nie gewesen, ich bin mehr die "Wasser" Fraktion. Warum mir trotzdem spontan der Name Ponyhof eingefallen ist?
Ich glaube, weil ich die Redewendung "Das Leben ist kein Ponyhof" mag.
Du sagst es selbst:
Auf einem Ponyhof zu arbeiten, ist ein Knochenjob. Ställe ausmisten, Scheiße schaufeln usw. (Und nix für mich, wie gesagt.)
Und was sagen wir? "Das Leben ist deutlich SCHLECHTER als ein Knochenjob, bei dem man mit schmerzendem Rücken stundenlang Scheiße schaufeln muss, wo ich fehl am Platz bin"
Japp, DEN Eindruck hab ich auch...

Ja, der richtige Zeitpunkt zu sterben. Wer weiß schon wann der ist? Meine Großmutter wurde 96. Sie wurde dement und hatte Angst vor den Fehlern, die ihr durch die Demenz unterliefen... Es war keine schöne Zeit. "Es ist nicht gut, dass die Menschen so alt werden" sagte meine Mutter einmal beim Anblick meiner Großmutter... Aber als meine Mutter dann mit Anfang 60 die Diagnose Krebs bekam, kämpfte sie wie eine Löwin. Genützt hat es nichts...
Zu spät gestorben. (Großmutter)
Zu früh gestorben. (Mutter)
Besser gar nicht geboren worden. (Ich)
Irgendwie haben wir Frauen meiner Familie das nicht raus mit dem Leben und dem Sterben...
Meine Großtante hat ein ungewöhnliches Leben geführt. Ist oft angeeckt und hat alles auf die harte Tour gemacht. Sie hat sich mit 80 -als sie das Gefühl hatte jetzt abzubauen - das Leben genommen. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass SIE diejenige ist, von der man sich ne Scheibe abschneiden sollte. Furchtlos ins Leben. Und wenn's vorbei ist furchtlos in den Tod.

Gast985 - ich schenke Dir ein Stück ungeteilte Aufmerksamkeit. Nur für Dich. :-)

Liebe Grüße

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast985 am 23 Oktober 2020, 01:33:35
Hallo Ponyhof,
mit meiner Anmerkung, dass ich selbst auf einem Hof gelebt habe, will ich nur zum Ausdruck bringen, dass es eine schwere Arbeit ist.
Aber sie gab auch viel zurück!
Ich habe gern Scheiße geschaufelt!!

Unser Leben wird bestimmt durch Glauben und deren Prediger.
Was ist falsch am Sterben? Warum muss bis zum Ende behandelt und operiert werden, um dann in einem Hospiz zu sterben? ?????

Meine Mutter hat mich empfangen und geboren, um Ihre Freiheit zu erlangen.
Ich war ihr Besitz.
Mit ihrem neuen Partner begann für mich das Martyrium. Misshandlungen, Demütigung.
Wie oft habe ich geträumt von der Befreiung, Fliegen durch die Wolken der Sonne entgegen.
Flucht über die Meere auf unbekannte Inseln. Wie oft habe ich geträumt, geliebt zu werden, in den Armen meiner Mutter geborgen zu sein. Wie oft habe ich an mir gezweifelt? Da ich keine Liebe erfuhr, war ich auch nicht wert zu leben!!!

Besser gar nicht geboren worden. (Ich)????

Hier ist ein offenes Forum, deswegen hab ich euch mitgelesen. (Darksoul86 und Ponyhof)

Kinder wollte ich nie! Ich hatte Angst, als Vater zu versagen. Ich hatte Angst, mein Kind zu Enttäuschen. Wenn man ohne Liebe aufwächst, wie kann man da Liebe geben?

Nun, wenn das Schicksal eine Kinderlosigkeit beschlossen hat, ob bei der Frau oder dem Mann, was soll man da sagen? Die üblichen vermeintlichen Ratschläge? Tipps über Ersatz? ?? ? Ich bin männlich und somit überhaupt nicht geeignet für irgendwelche Ratschläge.

Ich biete dir an, an deiner Seite zu stehen!
Ich biete dir an, deinen Schmerzensschrei zu empfangen!
Ich biete dir an, deine Wut als Prellbock entgegenzunehmen!
In der Hoffnung, dass dir der druck und Schmerz ein wenig genommen wird.

Ponyhof, es ist Sommer, du läufst und springst im leichten Sommerkleid barfüßig durch eine Wildblumenwiese. Lege dich in sie hinein. Rieche den Duft der Blumen und des Grass. Spüre auf deiner Haut die warmen Sonnenstrahlen. Lausche den Geräuschen und lass dich von ihnen in den Schlaf begleiten. Keine Angst, ich sende dir einen Engel, der über dich Wacht!

In Achtung und Respekt

gast985
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 23 Oktober 2020, 14:13:08
Hallo Gast985

Danke, das ist lieb von Dir. Ich bin mit dem Heulen und Hadern aber ziemlich durch. Bringt ja nix...
Nein, die große Frage ist

"Was jetzt???"

Ich habe noch ein paar Jahrzehnte Leben übrig (selbst wenn es mir ergeht wie meiner Mutter). Ich habe keine Kinder und werde -wohl- auch keine mehr bekommen. Ich habe einen Beruf, der mich unabhängig macht, der aber nicht "die" Erfüllung ist. Ich habe einen Mann, der mich liebt und mit mir durch dick und dünn geht, aber mir -logisch- auch keinen Lebensinhalt bieten kann.

Kurz:
Von außen sind keine größeren Veränderungen zu erwarten und wenn doch, dann vermutlich nur zum schlechteren. Wenn ich was anderes will, dann muss ich was ändern, nur WAS???
ICH bin nicht glücklich. Mir fehlen Träume, Pläne, Ziele, Ideen, Hobbys... Mir fehlen Gründe morgens aus dem Bett aufzustehen.
Ich habe Freundinnen, aber ich finde mich selbst so langweilig, dass ich denen gar nichts von mir erzählen mag - also treffen wir uns nur selten. Zu WAS auch? ... Ich bin das Jammern so leid, aber es scheint das einzige zu sein, worin ich gut bin.
Früher habe ich gern Musik gemacht - aber auch das war für mich eine Form meine destruktiven Gefühle auszudrücken. Seit ich das Gefühl habe nicht mehr jammern zu mögen, habe ich auch keine Lust mehr auf Musik.
Früher habe ich gern geschrieben. Aber ich habe über meine Verzweiflung geschrieben. Seit ich beschlossen habe, das hinter mir zu lassen, habe ich nichts mehr zu sagen...
Ich habe - um überhaupt irgend etwas zu tun - mit Sport angefangen. Ich bin schon deutlich fitter geworden. Aber auch dazu muss ich mich aufraffen, es ist nicht so, dass ich das gern tun würde...

Und so habe ich das Gefühl, das einzige, was ich früher gern gemacht habe waren kreative Formen mit dem Schmerz umzugehen. Wenn ich versuche den Schmerz hinter mir zu lassen - dann bleibt dabei alles zurück, was ich je gemocht habe.

Neue Ideen habe ich keine.

*Tja*

Und nun???

Keine Ahnung...

Gast985, ich bin irgendwann nach Jahren zu der Erkenntnis gelangt, dass "Besser nie geboren worden" ja letztlich auch nur auf die Frage: "Springe ich jetzt vom Balkon oder nicht???" hinausläuft.
Ich war ja nunmal da. Rückwirkend nie geboren werden, gibt's nicht. Von daher denke ich, dass wir der Wertschätzung anderer zu viel Gewicht beimessen. DIE haben nämlich letztlich auch alle keinen "echten" Grund hier zu sein, sind auch nur "einfach so" da. Und haben "einfach so" beschlossen, dass sie etwas wert sind. Diese Option steht uns ebenso offen wie jedem anderen. Denn den Beweis, dass es gut war, dass sie geboren wurde. Besser als nie-geboren. Den kann selbst Mutter Theresa nicht führen...

"Es fragt uns niemand ob es uns gefällt
Ob wir das Leben lieben oder hassen.
Wir kommen ungefragt auf diese Welt
Und müssen sie auch ungefragt verlassen." (Mascha Kaleko)
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast985 am 24 Oktober 2020, 02:01:56
Hallo Wassernixe, (ehemals Ponyhof)

Ich taufe Dich mit dieses Pseudonym.

Warum?
Du schwimmst durchs Leben.
Beruf: Schwimmst mit! Nicht hinterher, aber auch nicht vorweg.
Einen Mann: Du schwimmst um ihn rum und gleitest durch seine Hände.
Freundinnen: Du schwimmst um sie herum, durch sie hindurch.
Musik und Schreiben: Du schwimmst davon.
Sport: kleine Insel zum Ausruhen.

Wer immer schwimmt und nie an Land geht, wird irgend wann ertrinken.

Beruf: Schwimm gegen den Strom und biege in einen neuen Fluss.
Mann: Schwimm mit ihm, lass dich von seinen Händen vertrauensvoll durch die Wogen tragen.
Freundinnen: Schwimme mit ihnen als Ballett.
Musik und Schreiben: Wen man davon schwimmen will und es eine Gegenströmung gibt, zieht dich der Sog in die Tiefe. Schwimm darauf zu und Du wirst merken, das das Wasser immer flacher wird.
Sport: Da hast Du dir eine Insel geschaffen zum Ausruhen. Lass diese Insel größer werden.

Was jetzt?
Ich weiß es nicht, dein Problem!

Veränderungen von außen hat es noch nie gegeben, nur Anstöße zum Nachdenken!
Veränderungen kommen immer von einem selbst. Deine Seele und dein Herz werden Dich leiten!
Wenn es Dir gelingt, auf deine Seele und Herz zu hören, kommen die Träume von selbst. Kommen die Träume, kommen die Pläne, Ziele, Ideen und Hobbys zu Dir zurück.
Vertrau auf DICH!
 Kämpfe nicht gegen deinen Schmerz, nimm ihn an, er wird mit der Zeit kleiner!

Jetzt habe ich, der mit sich selbst nicht klarkommt, Ratschläge erteilt!!!!!!!!!!!!!

Nun sei es wie ist, es tat mir gut mit Dir zu lesen!

Ertrinkenden kann man helfen, in dem man ihnen einen Rettungsring zuwirft.

Ich hoffe, dass ich Dir einen, wenn auch klein Rettungsring zuwerfen konnte.

Lasse die Träume zu Dir zurückkommen
vom Herzen Gast985
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 24 Oktober 2020, 23:58:58
Hallo Gast985,


mit etwas hast Du auf jeden Fall Recht: der Schmerz wird kleiner. Ich habe die letzten ~3 Jahre darauf verwendet die Vergangenheit zu verarbeiten, Trauma für Trauma für Trauma. Jetzt ist es schon besser. Katharsys oder wie das heißt. Irgendwann ist genug mit heulen.
Wenn Du mit allem anderen auch Recht hättest, würden die Träume und Pläne dann als nächstes kommen.
Vertrauen?
Habe ich nicht.
Woher auch?
Aber ich schätze, wir werden es sehen.
Wenn Du Recht hast, werden die Träume demnächst kommen, werden den Platz all der Emotionen einnehmen, die nachgelassen haben.
Wenn Du Recht hast, brauche ich gar kein Vertrauen, denn dann wird es nämlich einfach so sein, ob ich dran glaube oder nicht.
Also warten wir ab, ich hab ja sowieso keine bessere Idee...

Also, wo wir gerade bei Ratschlägen sind, Gast985, warum also nennst Du Dich so? Warum nennst Du Dich nicht Pferdefreund, oder Blumenwiese oder sonst etwas konstruktives? Wenn Du gern auf Ponyhöfen arbeitest, was hindert Dich? Warum liest Du gescheiterte Existenzen wie mich hier im Internet und schreibst traurige Texte, anstatt Dich mit Blumenwiesen, Tieren und der Natur zu umgeben? Die Vergangenheit ist vergangen, die Gegenwart gehört Dir...

Jaja, es klingt so leicht.  Wenn's nur so einfach wäre...

Ponyhof - Wassernixe - What is in a name? (Shakespeare)
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast985 am 25 Oktober 2020, 03:09:00
Hallo Wassernixe, (ehemals Ponyhof)
Oft genug sollen Pseudonyme nur die Unscheinbarkeit ihres Trägers verbergen.
© Martin Gerhard Reisenberg
(*1949), Diplom-Bibliothekar und Autor
Mit meinem Pseudonym kann keiner eine Erwartung und ein Bild verknüpften.
Ich bleibe unscheinbar, kann keinen Enttäuschen.

6 Jahr Internat. Immer in Gruppen. Die Lehrer und Erzieher kannten meine Schwierigkeiten (Depression), deshalb bekam ich in jeder Jahrgangsstufe ein Einzelzimmer. Es war ein gemischtes internationales Internat. Da ich Einzelgänger war, hatte ich so meine Probleme. Trotzdem war ich mitten drin, aber nie dabei.

Warum auch immer, kamen Schülerinnen und Schüler auf mich zu mit ihren Problemen. Meine Auseinandersetzungen mit den Schülerinnen und Schüler so wie den Lehrkörpern hat wohl den ein oder andern ermutigt, bei mir Hilfe zu suchen.

Mit 15 Jahren habe ich in den Ferien gearbeitet, als Tellerwäscher und hinter dem Tresen.
Die Menschen, die ich dort kennenlernen durfte, Schwule, Lesben, Prostituierte, Kriminelle und Lebens Gescheiterte haben mir Achtung und Toleranz gelehrt. Gelernt habe ich das Wertfreie und das Ungeteilte zuzuhören wichtiger ist als Ratschläge.


Wenn Menschen ihre Sorgen und Ängste veröffentlichen, hat das einen Grund.
Ich antworte ihnen, um zu zeigen, was sie sagen, wichtig ist. Ich mich für sie interessiere. Sie nicht allein sind.

Mein Ponyhof war ein Bauernhof. Der gehörte der Schwester meiner Mutter. Sie, der Bruder meiner Mutter und Oma waren die, die mich von Herzen geliebt haben!
Zu Hause in einer Nacht wurde ich wach, weil ich die Stimme meiner Tante hörte, wie Sie mich rief. Ich hatte Gänsehaut und konnte nicht mehr schlafen. Am Morgen rief ich dort an. Und erfuhr, dass sie in der Nacht Verstorben ist. Das war es mit meinen Ponyhof.


Meine traurigen Texte sind der Ausdruck meines inneren.
Immer ging es auf und ab in meinem Leben ein ständiger Kampf um Anerkennung und Liebe. Immer wieder erlitt ich Verluste von Menschen, die mir sehr viel bedeutet haben.
Ich kann und will nicht mehr, habe aber noch ein wenig Zeit.


Man soll sich mehr um die Seele als um den Körper kümmern; denn Vollkommenheit der Seele richtet die Schwächen des Körpers auf.
                   Demokrit griechischer Philosoph (um 460 vChr - um 370 vChr)

In diesen sinne vom Herzen
Gast985
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 25 Oktober 2020, 17:17:51
Hallo Gast985

interessant, Deine Geschichte. Aber ich frage mich, ob Du Recht hast. Geht das? Niemanden enttäuschen durch am-Rand-bleiben? Oder entäuscht man nur andere als man sonst enttäuscht hätte? - z.B. die, die Dich gern Mitten in ihrem Leben gehabt hätten, nicht nur am Rande?
Jaja, bei anderer Leute Leben hat man immer leicht reden...

Ich bin heute mal wieder besonders müde. Habe auf absolut gar nichts Lust. Wozu das ganze??? usw.
An solchen Tagen denke ich, es war ne blöde Idee mit dem Sport anzufangen. Kostet Energie, die ich nicht habe, aber dringend brauche um hier ein gewisses Maß an Normalität aufrecht zu erhalten (Job, Haushalt usw.). Aber was würde ich statt dessen tun? - Rumsitzen und mich schlecht fühlen? Ach... 24 Stunden sind einfach zu viel für einen Tag für mich. Ich wünschte, ich könnte 20 davon schlafen, das wäre es.
Keine Ahnung. Mal sehen, wie ich es morgen fertig bringe zur Arbeit zu gehen. Hilft ja nix...

Viele Grüße

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast985 am 26 Oktober 2020, 01:08:07
Hallo Ponyhof,

wir kennen uns nicht persönlich, man kann nur zwischen den Zeilen spüren!
Die Beziehung zu deinem Mann? Die Unterstützung durch ihn???? Geht mich nichts an!!!

Ich habe heute einen ganz schlechten Tag!! Habe mir schmerzen zugefügt.

Ich möchte gar nicht recht haben. Wenn andere Menschen es gestatten, äußere ich nur meine Gedanken und Überzeugungen.

Völlig wertfrei und ohne Anspruch auf das einzig Richtige.

Wer mag, kann sich daran orientieren, als Anregung oder sagen, der spinnt.

Du schreibst, dass du sehr müde und antriebslos bist.

Frage: Schilddrüse! !!!!

Währen wir eng befreundet und du Single, hättest dich mir anvertraut, sehe ich Möglichkeiten, dich aufzumuntern. Auch ein ernstes Wort könnte ich mir vorstellen.
Was echte Freunde für einander Tun. Einfach nur da sein.

Aber wichtiger glaube ich, ist eine enge Freundin als ein enger Freund. Von wegen der weiblichen und männlichen Seele und Gedanken. (Männer Ticken anders)

Nicht das Internet, sondern die / der Freund*innen (ist das so gendergerecht?) Als reale Person von Angesicht zu Angesicht ist wichtig.

Mir hilft das Schreiben mich abzulenken und wenn das für mein gegenüber was bringt oder auch nur unterhält so ist das in Ordnung.

PS.: Es gab nur 3 Personen die mich in der Mitte haben wollten. Sie sind Tod.

Ich wünsche Dir Kraft.
gast985

Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 26 Oktober 2020, 08:13:54
Hallo Ponyhof.
Danke für deine Antwort und entschuldige meine verspätete. Ich war die letzten Tage sehr beschäftigt. Familie, Arbeit....
Ja, ich kann gut verstehen, dass du dich fragst, wie wäre es mit Kindern. Ich frage mich manhhmal, wie wäre mein Leben ohne gelaufen. Ich glaube schlechter. Allerdings habe ich letztens einen Vortrag gehört, da sagte der Wissenschaftler, dass Kinder nicht wesentlich zufriedener machen. Frauen sind sogar oft als Single mit vielen Freunden glücklicher, Männer dagegen sind mit Partnerin am Glücklichsten.... Naja, Statistik halt.
Du fragtest, wie es mir heute mit der Familie geht.

Ich hatte keine große Wahl über Kinder oder nicht nachzudenken, da ich mit 17 plötzlich Mutter war. Ja, ok, ich hätte abtreiben können. Aber ab dem Zeitpunkt, nwo ich dieses Würmchen auf dem Ultraschallbildschirm sah, habe ich es geliebt und wollte es schützen. Ihm ein besseres Leben geben, als mir. Naja und dann war es auch ganz schön und wir haben noch 2 weitere Kinder bekommen. Sie sind im Alltag ein Geschenk, geben mir auch viel und lenken mich ab.
Sie sind wohl ganz gut geraten, bekomme ich oft rückgemeldet. Leider sieht meine Depression häufig nur die Fehler, die ich gemacht habe. Aber zumindest habe ich geschafft ganz anders zu werden als meine Eltern. Das war und ist mein größtes Ziel.
Mit meinem Mann bin ich im Moment sehr unglücklich. Aber wir versuchen daran zu arbeiten. Eigentlich ist er ein guter..... Zumindest schlägt er mich nicht, ist ein guter Vater, das ist wenigstens etwas. Aber er hat auch Depressionen und sucht gerade erfolglos einen Therapieplatz. Ja, so sieht es im Moment aus.

Du schriebst, du willst den Schmerz hinter dir lassen.... Ich dachte das auch lange, habe mich aber jetzt entschieden, ihn als Teil meines Lebens zu sehen und mit ihm statt gegen ihn zu arbeiten. Ich beschäftige mich intensiv mit Buddhismus, da geht es auch oft darum, Alles so zu akzeptieren, wie es ist. Nicht leicht, aber ich versuche es. Ich schreibe auch Texte, um den Schmerz zu verarbeiten. Danach kann ich davon irgendwie besser loslassen.

In Bezug auf Freunde, habe ich auch immer recht oberflächlich kommuniziert und gedacht, ich sei langweilig. Aber ich habe beschlossen authentischer zu sein und ich muss sagen, daß war für mich das Allerbeste und ich bin sehr positiv überrascht worden. Ja, Manche gehen dann, aber dafür kommen und bleiben ganz wunderbare Menschen, zu denen ich mich sehr nah fühle.

Wünsche dir weiterhin viel Kraft, auf deiner Suche, nach dem weiteren Weg!
Herzlichst
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast985 am 26 Oktober 2020, 16:24:19
Hallo Ponyhof,

es ist, glaube ich, an der Zeit, dass sich unser gemeinsames Lesen trennt.
Ich danke dir für die Zeit, die du für mich aufgebracht hast sowie deine Energie.

Wir werden wohl auf diesen weg uns nicht wirklich weiterbringen.

Für mich war es eine wunderbare Lese Zeit, die ich sehr genoss.

Es scheint, dass du eine neue Mitleserin bekommen hast.


Die Aufmerksamkeit und Belastung reicht für zwei nicht aus.
Es ist gut so.
Ein gemeinsames Lesen grade wenn es um Frauenthemen geht, da bin ich raus. 

Hallo Darksoul86
wenn ich darf.

Der Weg aus der Depression begann 2017.
Mein Hausarzt stellte eine Überweisung zum Psychiater aus.
Ich bin dann persönlich in die Praxen gegangen und hatte wohl Glück, das eine medizinische Assistentin bei meinem Anblick mitleide hatte, und mich als Notfall vorsprechen lies.
Ich hatte einen Psychiater!
Während der suche, habe ich mir schon einen Termin in einer Tagesklinik besorgt.
Kurz vor Ende in der Tageslink habe ich bei der Krankenkasse eine REHA beantragt und letztendlich durch die Rentenkasse bewilligt bekommen.
Bin bis heute in einer Psychotherapie. Ein langer und beschwerlicher Weg.
Vielleicht nutzt es dir.

Für euch beide wünsche ich eine gute gemeinsame Lese zeit.

gast985
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 26 Oktober 2020, 17:06:19
Hallo Gast985

ich verstehe nicht, warum Du jetzt gehst. "Die Aufmerksamkeit und Belastung reicht für zwei nicht aus" - wieso nicht? Glaubst Du, ich wäre nicht in der Lage zwei Personen separat zu antworten?

Meiner Schilddrüse geht's gut, danke der Nachfrage, hab meine Blutwerte extra vor dem Winter checken lassen.

Mein Mann? Er unterstützt mich wie kein anderer es könnte und daher glaube ich auch nicht, dass Du oder eine FrwundIN oder sonst jemand mich aufheitern könnte. Denn das Problem habe ich ja seit Jahren. Ich habe Freundinnen. Einen Partner. Und alle haben sie mich unterstützt, sind die besten... Aber dieses "Ich mag das Leben nicht" Gefühl, es steckt soooooo tief drin. NICHTS scheint es zu geben, was man da tun kann, so ist das halt.

Naja. Aber ich will Dich nicht weiter nerven, wenn Du gehen möchtest, solltest Du gehen. Keine Verpflichtung hier zu sein. Es war schön mit Dir zu schreiben.
"Doch einen Schritt auf so verschied'nen Wegen, haben wir zusammen gemacht. Und kamen einander von ferne entgegen, Leb wohl. Adieu. Gute Nacht." (Reinhard Mey)
Ich wünsche Dir alles Gute.

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 26 Oktober 2020, 17:26:41
Hallo Darksoul86

alles gut, Du brauchst doch nicht "prompt" zu antworten, viel zu tun kennen wir doch alle...
Ich finde das klingt nach einem klugen Weg, den Du da angefangen hast. Funktioniert es? (Also mit der Akzeptanz meine ich?)
Über den Schmerz geschrieben habe ich früher viel. Finde die Texte, die auf diese Weise entstanden sind selber schön. Damals habe ich auch viel mit anderen über "sowas" geredet. Ne Menge tiefsinniger Gespräche geführt, Musik gemacht und so...  - aber ich konnte so irgendwann nicht mehr weiter machen, es war zu gegensätzlich zum "normalen" Leben. Ich konnte nicht mehr arbeiten, konnte nicht mehr "funktionieren" in unserer Gesellschaft...  Vielleicht war die Entscheidung pro Normalität contra Leben-mit-dem-Schmerz die falsche, ich weiß es nicht, aber ich konnte es nicht mehr ertragen. Ich wollte nicht irgendwann in der Klapse hocken und mit den Wänden reden .... daher habe ich mich für die Alternative entschieden...  Ach, es ist alles kompliziert...

Deine Ehe klingt aber auch suboptimal zur Zeit. ;-) "Er schlägt mich nicht" ist natürlich wichtig, schon klar, aber vielleicht als Grundlage einer glücklichen Beziehung doch nicht gerade berauschend... Bei uns ist es auch schwierig. Nicht, weil mein Mann nicht toll wäre (Er schlägt mich nicht nur nicht, er liebt und unterstützt mich und steht immer zu mir. Er ist interessant und lustig und...) sondern, weil ich mich selbst nicht leiden kann. Es ist auf die Dauer nicht gut, nur mit dem Selbstwert aus der Beziehung zu leben, vielleicht kennst Du das Problem auch? Aber natürlich kann man kein Selbstwertgefühl hexen. Tja, letztlich glaube ich, dass manche Dinge im Leben etwas sind, was man alleine können muss. Liebe, Freundschaft, Familie... alles gut und wichtig... aber letztlich müssen wir jeder für uns unser Leben selbst leben. Nix zu machen...

Herzliche Grüße
Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: richtigstellung gast985 am 26 Oktober 2020, 21:48:39
Ponyhof
Hallo Ponyhof,
Richtigstellung:

Alles hat seine Zeit. Auch die Zeit, die Menschen miteinander verbringen.
Du hast mich nicht genervt, ganz im gegen teil.

Du kannst dich mit Sicherheit mehr belasten.

Das Schreiben fällt mir sehr schwer. Ich habe eine lese und Rechtschreibschwäche. Nur durch das Internet (Duden, Rechtschreibung und Grammatik) habe ich die Möglichkeit, ohne mich lächerlich zu machen, am Forum teilzunehmen. Deswegen kamen meine Antworten erst zu fortgeschrittenen Zeiten.

m Gegensatz zu: „Ich mag das leben nicht“, Liebe ich mich nicht! Ich habe mich immer enttäuscht!
Sei bitte nicht böse auf mich!

Alles Gute für DICH. Mögen deine Hoffnungen in Erfüllung gehen.
Es fällt mir schwer, DICH gehen zu lassen!

gast985
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 26 Oktober 2020, 21:51:12
Hallo Gast985.
Ich antworte mal zuerst dir.
Für dich ist hier ganz viel Platz!! Ich mag dich gar nicht vertreiben. Und ich finde, dass du auch zu "Frauenthemen" (wobei ich nicht weiß, was davon wirklich Frauenthemen waren) etwas beitragen kannst. Also fühl dich frei zu schreiben, wem, wa sind wann immer du möchtest.

Danke für deine Infos zu deinen Therapieerfahrungen.
Hilft es dir denn?
Ich mache gerade schon meine 2. Therapie. Erst 3,5 Jahre Verhaltenstherapie und seit 3 Sitzungen nun tiefenosychologische Therapie. Die 1. hat mir total geholfen. Aber es ist mal wieder viel Mist passiert, der mich total aus der Bahn geworfen hat.
Ws. stirbt meine Mutter in den nächsten Monaten.

Ich hoffe sehr, mein Mann findet auch einen guten Therapeuten. Aber eine Reha wäre vielleicht auch gut für ihn.

Dir weiterhin viel Kraft!
Herzliche Grüße
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 26 Oktober 2020, 21:59:32
Hey Ponyhof.

Ja, was du schreibst, kann ich auch verstehen. Manchmal muss ich das Ganze auch beiseite schieben. Zumal ich eine PTBS habe und dann zu oft Flashbacks habe oder dissoziiere...meine Kindheitstraumata will ich/ muss ich in der jetzigen Therapie angehen.
Grundsätzlich klappt es aber mit der Akzeptanz ganz gut.
Nur im Moment ist so viel los... Zu der Ehekrise kommt meine todkranke Mutter. Zu der ich keine besonders gute Beziehung habe, was vielleicht in diesem Fall gut ist.

Schön zu hören, dass dein Mann dich unterstützt und liebevoll ist. Aber es geht dir trotzdem nicht gut...wodurch könnte sich das ändern? Wie kannst du an Selbstwert gewinnen? Hast du Dinge, auf die du stolz sein kannst? Dinge, wo du merkst, du schaffst was Tolles?

Seit ich meditiere.... Insbesondere zu Selbstmitgefühl, inneres Kind und Liebende Güte, gelingt es mir etwas besser mich selbst zu mögen.
Aber ich stehe auf wackeligem Grund. Mich erschüttert schnell etwas und alle Erfolge sind weg.

Meine Güte, das Leben ist auch wirklich kompliziert.

Hab erstmal einen schönen Abend!
Herzlicher Gruß
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ina am 26 Oktober 2020, 22:22:22
 
Tja, letztlich glaube ich, dass manche Dinge im Leben etwas sind, was man alleine können muss. Liebe, Freundschaft, Familie... alles gut und wichtig... aber letztlich müssen wir jeder für uns unser Leben selbst leben. Nix zu machen...

Halle Ponyhof!

Muss man das wirklich? Warum? Warum muss man unbedingt alleine klarkommen können?

Sicher: Ehen, Beziehungen und Freundschaften können enden – manchmal sogar schneller, als man es für möglich gehalten hat. Aber man kann auch wieder einen neuen Partner finden und neue Freundschaften schließen. In der Zwischenzeit hat man es natürlich verdammt schwer, aber wenn man wieder einen oder mehrere Menschen gefunden hat, mit denen man sich wohlfühlt und die zu einem passen, kann man mit neuer Kraft weitergehen.

Ich weiß nicht so recht, ob ich gerade wirklich ausdrücken kann, was ich meine. Also ein neuer Versuch:

Ich bin davon überzeugt, dass es eine ganze Menge Menschen gibt, die jemanden an ihrer Seite brauchen, um Probleme zu bewältigen, durchs Leben zu finden und überhaupt einen Sinn darin zu sehen. Und das finde ich sogar völlig in Ordnung. Mich selbst zähle ich auch zu diesen Menschen. Ja, natürlich muss ich mein Leben selber leben, aber ich muss, möchte und kann das nicht alleine. Ich muss und möchte mein Leben – meine Erlebnisse, meine Gedanken, meine Freude, meine Trauer usw. – mit jemandem teilen. Ich kann mir noch so viel Gutes tun: Wenn ich dies mit niemandem teilen kann, bleibt es oberflächlich und erreicht mich nicht wirklich. Es dringt nicht bis in meine Seele vor. Ich habe meistens das Gefühl, dass es mir kaum etwas bringt, Dinge nur für mich zu tun. Ich muss sie für mich und jemanden anders tun, damit sie sich sinnvoll anfühlen und etwas in mir bewegen und verändern.

Natürlich bin ich selbst diejenige, die an sich arbeiten muss, ihre Vergangenheit bewältigen muss, Therapien gemacht hat und ihr Leben gestalten muss. Aber es gab immer mindestens einen Menschen in meinem Leben, der diese ganze Last mitgetragen hat und ohne den ich es nicht geschafft hätte. Das musste und muss ich auch nicht. Es war also praktisch immer jemand da, mit dem ich mein Leben geteilt habe und der es somit gewissermaßen "mitgelebt" hat. Das beruhte übrigens in den meisten Fällen auf Gegenseitigkeit (war also auch umgekehrt so) und war für beide genau das, was gebraucht wurde und gewollt war. Ich finde es in Ordnung, jemanden zu brauchen und sein Leben nicht nur für sich selbst zu leben. Menschen sind unterschiedlich. Die einen können und wollen alleine zurechtkommen, die anderen können und möchten das nicht.

Dabei besteht natürlich auch die Gefahr, dass man sich von jemandem abhängig macht. Aber bedeutet das überhaupt unbedingt Gefahr? Ich sehe es nicht so und habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass es etwas Wunderschönes und unglaublich Wertvolles sein kann, einander wirklich zu brauchen und sich so eng miteinander zu verbinden, dass man wohl schon von einer (gegenseitigen) emotionalen Abhängigkeit sprechen kann. Der Begriff ist gemeinhin wohl eher negativ konnotiert und dafür gibt es sicher auch berechtigte Gründe. Wenn sich zwei Menschen dessen aber bewusst (!) sind und sich einvernehmlich darauf einlassen, weil sie es nicht als überfordernd, einengend o.ä. empfinden, sondern ganz viel Kraft daraus ziehen und ihre Erfüllung darin finden, spricht meiner Meinung nach nichts dagegen. Das gibt es übrigens auch zwischen Personen, die nicht von psychischen Erkrankungen betroffen sind. Dann haben sich nämlich eventuell einfach zwei Menschen gefunden, die nicht bereit und gewillt sind, allein mit ihrem Leben klarzukommen; zwei Menschen, die sich geben, was sie brauchen, um ihr Leben meistern zu können und es nicht (nur) selbst leben zu müssen.


Ob Du mit meinen Zeilen etwas anfangen kannst, weiß ich nicht (aber ich weiß, dass es nicht sooo viele Leute gibt, die es so sehen oder auch selber schon Erfahrungen dieser Art gemacht haben), aber das ging mir gerade so durch den Kopf, als ich Deine letzten Sätze gelesen habe. Ich hoffe, es ging nicht ZU sehr am Thema vorbei...

Liebe Grüße
Ina
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast985 am 26 Oktober 2020, 23:49:04
Hi Darksoul86,
du bist nicht der Grund.
Es ist schlimm, seine Mutter zu verlieren. Schaumal meinen Beitrag Trauer oder Warum, vielleicht hilft es dir.
Meine Frau Stirbt jeden verdammten Tag ein Stück mehr! Ich sauge jede Minute, die ich sie erreichen kann, auf. Irgendwann werde ich sie in pflege geben müssen, bis dahin muss ich mich verabschiedet haben.

Meine Meinung zu dem Vorgehen deines Mannes.
Erst zum Psychiater. Meistens Therapieren sie nur mit Tabletten und man braucht trotzdem noch einen Psychotherapeuten. Die Psychiater sind die entscheidenden Ärzte, um eine Reha mit Aussicht auf Erfolg zu beantragen.
In die Tagesklinik, dann die Reha und anschließend Psychotherapie.

Schon während meiner Reha ist die Krankheit meiner Frau Ausgebrochen.
Seitdem bin ich damit beschäftigt, für sie das Beste rauszuholen. Einlesen in die Krankheit, Krankeneheuser und Ärzte suchen. Anträge ohne Ende mit Widerspruch einlegen. Und für alles und jeden ein neuer Vorgang.
Um die Medikation neu einzustellen, muss ich sie auf richterliche Anweisung in die geschützte Abteilung der Psychiatrie einweisen.

Dieses alles behindert meine Therapie, es saugt mir meine letzte Lebensenergie aus.
Deswegen gehe ich aus dem Forum raus, so schwer es mir fällt.
Das Forum war eine Ablenkung meiner sorgen und Nöten. Aber ich kann nicht mehr.
Ich habe keine Tränen, meine Seele ist erloschen, mein Herz blutet.
Ich werde bestimmt noch mal mit Lesen.
Ponyhof und dir wünsch ich eine gemeinsame gute Lesezeit.
Gast985
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast985 am 27 Oktober 2020, 00:24:14
Hallo InaDiva,

grade beim Einstellen meiner Antwort auf Darksoul86 hab ich deinen Artikel gelesen.

Es ist richtig, wir Menschen Brauchen einander!

Zu jeder Zeit wird uns ein Mensch begegnen, den wir brauchen, unabhängig vom Geschlecht und Hautfarbe.
Dabei ist es völlig egal, ob es Positiv oder Negativ ist, es macht uns zudem, was wir sind.
Nur aus diesen Begegnungen können wir lernen und uns selber Entwickeln.
Nur mit diesen Begegnungen können wir unsere Gefühle, Lernen.

Liebe, Trauer und Hass können nur entstehen, wenn wir uns auf andere Menschen einlassen. Wenn wir zu Beginn unseres Lebens nicht auf unsere Mutter einlassen,
würden wir die Wärme, Geborgenheit und Liebe nicht erfahren.
Ich habe in einem Bericht gelesen das Soldaten, die im Sterben lagen, immer nach der Mutter gerufen haben. Wenn wir unsere Gefühle nicht erfahren, nach wen rufen wir im Sterben??????
gast985 wünscht eine gute Nacht, wer auch immer mit liest!
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 28 Oktober 2020, 10:11:35
Hallo Gast985

ja, man sagt, dass man im Tod nach der Mutter ruft. Oder nach dem dann liebsten Menschen vielleicht.

Was, wenn es so jemanden nicht gibt, fragst Du? Nun, ich könnte mir vorstellen, dass man dann mit einem Lächeln hinüber geht vom Leben zum Tod.
Denn es ist doch so: Entweder nach dem Tod kommt NICHTS MEHR. Dann hätten wir es geschafft und bräuchten das Leben nicht mehr (er)tragen.
Oder nach dem Tod kommt etwas neues. Mit neuen Möglichkeiten, Chancen usw.
Ich denke, Menschen, die wir lieben / die uns lieben / die uns wichtig sind / denen wir wichtig sind, sind ein sehr wichtiger Teil dessen, was uns mit dem jetzigen Leben verbindet und uns den Tod fürchten lässt.
Ich denke je weniger einen hält, desto geringer ist die Angst. Vielleicht wird dann der Übergang leicht sein, wenn es so weit ist. Weil die Zeit dann reif ist für eine Veränderung...

Naja, das dachte ich gerade noch zu Deinem letzten Beitrag.
Nein, ich bin nicht böse auf Dich, keine Sorge.
Mach's gut und vielleicht liest man sich irgendwann nochmal...

Gruß
Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 28 Oktober 2020, 10:40:39
Liebe Darksoul86

Oh ja, kompliziert ist es wirklich.
Also, das mit dem Selbstwert ist ziemlich vertrackt bei mir, ich kann mich nämlich WIRKLICH nicht leiden. Sprich, alles was ich "geleistet" habe betrifft ja "nur" mein eigenes Leben - aber da das nichts wert ist... Teufelskreis.

Wenn ich andere frage, was ich ihrer Ansicht nach geleistet habe, sagen sie, ich hätte zwei Studienabschlüsse (stimmt) einen tollen Mann (stimmt) käme im Beruf gut klar (stimmt einigermaßen) könne schön schreiben (stimmt manchmal) schön singen (stimmt manchmal), ich könne gut zuhören, sei krisenfest und und und... aber das ist in meinen Augen halt alles nichts wert - denn besser wäre es schließlich, ich wäre nie geboren worden. Und wenn ich nicht geboren wäre - dann bräuchte ich auch kein Examen, keinen Job, keinen ... usw.

Tja. Das ist es was andere sagen.

Was sage ICH?
Wenn ich darüber nachdenke, worauf ICH SELBER tatsächlich STOLZ bin. Dann gibt es da nur diesen einen Punkt:
Ich habe es nicht an die nächste Generation vererbt. Ich habe NICHT, wie mein Vater "Kinder sind die einzige Freude im Leben" Kinder bekommen, denen ich dann ein depressives Weltbild, die Unfähigkeit Probleme zu lösen und das Verbot um Hilfe zu bitten "Sowas darfst Du nicht Mal denken" beigebracht habe. Ich habe NICHT vor einem Kind gestanden und auf keins seiner Probleme eine Lösung gewusst, nur dafür gesorgt, dass niemand mitbekommt, dass das Kind depressiv und suizidal ist - wie peinlich... Ich habe nicht zugesehen, wie sie mit aufgeschnittenen Armen herumlief, habe mich nicht gefragt ob sie sich umbringt und dabei die größte Sorge gehabt, was die Leute denken.

Ich habe das alles nicht getan. Es hat dazu geführt, dass ich jetzt keine Kinder habe. Es hat dazu geführt, dass mein Mann keine Kinder hat (ich hätte sie ihm gewünscht). Es hat zu unzähligen "Mit einer anderen Frau wärst Du besser dran" fruchtlosen Diskussionen geführt, die nichts besser gemacht haben... 
Kurz: Das einzige worauf ich WIRKLICH stolz bin in meinem Leben hat mich unglücklicher, einsamer und beschämter gemacht. Trotzdem BIN ich stolz darauf. Ich könnte nicht damit leben, ein Kind, das ich liebe aufwachsen zu lassen, wie ich aufgewachsen bin. Es wäre mir nicht möglich mir das zu verzeihen und auf die Leistung dann eben auf das zu verzichten, was so viele als "das wichtigste im Leben" bezeichnen, dann eben irgendwann einsam und alt im Altersheim zu verschimmeln , DARAUF bin ich stolz.

Ansonsten... Ein Therapeut hat mir einmal den Rat gegeben, auszuprobieren was passiert, wenn ich mich "einfach Mal" benehme, als SEI ich etwas wert. Irgendwas. Das probiere ich seit dem manchmal klappt es ganz gut - manchmal bringt es mich in Teufels Küche. Ich nehme Mal an, das ist der Unterschied, was ich "von außen betrachtet" wert bin bzw. nicht wert bin...

Ähm, ja. Soviel dazu.

Es tut mir leid, dass es Deiner Mutter so schlecht geht - ich war 23 als meine Mutter starb... Wir hatten auch kein gutes Verhältnis. Ich habe dann irgendwann *Scheißdrauf* gedacht und beschlossen, dass wir nichts mehr klären, nichts mehr besprechen, nicht mehr streiten - dass ich einfach nur möchte, dass sie weiß, dass ich sie liebe, wenn sie stirbt. Sonst nichts.
Keine Ahnung, ob das klug war, aber bereut habe ich es nie...

Ich wünsche Dir Kraft, Geduld, Ausdauer und eine Schulter zum ausheulen. Klingt fürchterlich viel bei Dir zur Zeit ...

Liebe Grüße

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 28 Oktober 2020, 10:54:04
Liebe Ina

ich weiß nicht, ob ich erklären kann, was ich meine... Ich habe das Gefühl, dass man in meiner Familie die Lebensfreude / Sinn des Lebens immer bei der nächsten Generation gesucht hat. Und so war es die Aufgabe der Kinder, die Eltern glücklich zu machen, aber die wurden einfach nicht glücklich... und am Ende waren alle unglücklich, wie ein schwarzes Loch.

Ich habe den Eindruck - und das mag an meiner vermurksten Psyche liegen - dass wenn der motivierende Faktor, den wir brauchen um unser Leben zu meistern von AUSSEN kommt... Dass wir dann niemals genug haben sondern uns in einer abwärts-Spirale bewegen. Entweder ICH treffe für MICH die Entscheidung mit meiner eigenen Muskelkraft meinen Hintern von der Couch zu nehmen und etwas an meinem Leben zu ändern - oder ich werde ewig auf der Couch warten, bis jemand kommt und mich hochzieht. Und dieser jemand wird immer ein kleines bisschen mehr Kraft brauchen als am Tag davor... Bis er sich dazu setzen wird... usw.

Also Ja, Menschen sind wichtig. Freunde sind toll, Partner sowieso und man kann einander helfen und Probleme gemeinsam bewältigen und und und. Da bin ich absolut Deiner Meinung. Aber die Kraft den Arsch aus dem Bett zu bewegen und "Los geht's!" die Dinge anzupacken (auch gemeinsam anzupacken) ich bleibe dabei. DIE "muss" ich selbst aufbringen. Sonst hat alle Mühe von außen keinen Sinn - im Gegenteil. Damit reißt man andere in den Abgrund...

Hoffe das war jetzt nicht zu verworren.

Liebe Grüße
Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 26 Dezember 2020, 10:46:23
Weihnachten ist kein Ponyhof

Ich hasse Weihnachten. Weihnachten ist für mich das Fest des Streits, des Stress` und der unpassenden Geschenke. Ich kann mich aus meiner Kindheit an kein Weihnachten ohne alles drei erinnern. Ich glaube das muss so. Und kein noch so sorgfältig geschriebener Wunschzettel hat bei uns je dazu geführt, dass mein Vater nicht losrennt, irgendeinen Schund kauft, der pflichtbewusst ein paar Wochen rumfliegt, bevor er in Müll landet (warum ich ihm diese Sachen nicht zum Umtausch zurück gebe? Weil er dann mit was anderem auch-nicht-besserem ankommt - den ursprünglichen Krempel aber nicht umtauscht und man dann doppelt so viel Müll hat. JA, ich hab's angesprochen. Schon vor Jahren. JA, ich hab Vorschläge gemacht. NEIN, da ist nix zu machen. Ehrlich nicht.)
Ich bin Weihnachten so dermaßen leid, am liebsten würde ich diese Tage aus dem Kalender streichen.
Naja. Jedenfalls geschafft. Dieses Jahr freue ich mich tatsächlich auf das Ende des Urlaubs, mir fällt Zuhause die Decke auf den Kopf.
Naja. Montag geht's zurück zur Arbeit, vielleicht wird mir die Normalität gut tun - auch wenn ich mich dabei "normalerweise" frage, wozu ich mich jeden Morgen aus dem Bett quäle.
Irgendetwas mache ich falsch.
Aber da ich weder weiß, was es ist, noch was ich statt dessen tun soll, mache ich mit der nächsten Schaufel Sch*** weiter.
Das Leben ist kein Ponyhof...

Liebe Grüße an jeden, der bis hierher gelesen hat.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast985 am 26 Dezember 2020, 12:11:36
Hallo Ponyhof,

es gab für mich auch schöne Weihnachten, nicht viele, aber doch das eine oder andere,
bevor ich auf der Straße landete.
In den Zeiten der Feiertage und des Urlaubs war alles geschlossen und alle waren bei ihren Familien oder im Urlaub. Ich war allein.
Um sich nicht mit mir zu beschäftigen, brauchte ich den Trubel, keine Ruhe, keine Zeit und ruhe zum Nachdenken.
Immer dann, wenn ich über mich nachdenken konnte, kam die Verzweiflung und Traurigkeit, die Sehnsucht, das alles zu beenden.

Wozu du jeden Morgen aufstehst?
Weiß ich nicht! Da du es bis jetzt getan hast, ist da was!
Was du falsch machst?
Weiß ich nicht! Da du bis jetzt einen Partner, Arbeit und Wohnung sowie Freund – innen hast, kann nicht alles falsch sein!

Das Leben ist ein Ponyhof!

Für dich und alle, die mit Lesen, wünsche ich ein Jahr der Stärke und Liebe.

gast985
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 26 Dezember 2020, 12:57:26
Ja, ich weiß. Ich "sollte" das so empfinden. Wäre besser für mich.
Ich "sollte" auch stolz auf das sein, was ich geleistet habe und leiste.
Ich "sollte" Selbstwertgefühl für selbstverständlich halten und nicht ratlos davor stehen und "das muss schön sein für die, die das so sehen können" denken.
Ich sollte mich freuen über die Menschen, die mich lieben, statt "Die Armen. Sie sind dazu verflucht, mich in ihrem Leben zu haben, wegen ihrer Liebe" zu denken.
Ich sollte...

*Achselzuck* Ich höre mein Leben lang, wenn ich nur aufhören würde mich als wertlos zu empfinden, dann wäre alles gut. Ich glaube sogar, dass das wahr ist. Aber ich kann solche Gefühle nicht herbei zaubern.

Ich EMPFINDE es nunmal nicht. Ich empfinde weder mich noch mein Leben als wertvoll. Ich empfinde nur Müdigkeit und Lustlosigkeit beim Gedanken, dass ich noch ein paar Jahrzehnte Leben herumkriegen muss, bis es endlich geschafft ist.

Warum ich bis jetzt jeden Tag aufgestanden bin weiß ich. Ich wollte es meiner Familie nicht antun zusammen zu brechen. Ich war es mir nicht wert mich umzubringen. Also habe ich mich regelmäßig in den Hintern getreten und mich zur Arbeit, zum Einkaufen, zur Therapie, zu was-auch-immer aufgerafft.

Du hast es klüger gemacht als ich, @Gast985 Dich am Rand zu halten.
Wenn ich keine Familie. Keinen Partner. Keine Freundinnen hätte. Wenn ich ganz allein auf der Welt wäre. Wenn mein Leben mir gehörte... Ja DANN könnte ich aufhören damit aus dem Bett aufzustehen.
DANN könnte ich...

*Ach*... Hätte-hätte-Fahrrad-Kette.

Ich TUE es ihnen nicht an, das IST nunmal Fakt. Nicht, solange das Leben nicht nochmal unerträglich wird. So unerträglich wie damals, als... *lange Geschichte*
Jedenfalls tue ich es zZt nicht. Solange es bleibt wie es ist, bringe ich mich nicht um, sondern halte das Leben aus.
Punkt.
So isses. Und weil das so IST, muss ich irgendwie die nächsten paar Jahrzehnte mit größtmöglichem Anstand herum bekommen, was anderes bleibt ja nicht. Es wäre "nur" schön, wenn sich Dinge fänden, die das morgens-aufstehen und Tag-mit-Anstand-rumkriegen verlockender machen würden. Vielleicht sogar so verlockend, dass sie den Traum vom sterben unnötig machen. Schließlich muss ich das Leben doch sowieso ertragen, da "sollte" ich doch das Beste draus machen? Der Tod kommt sowieso. Kein Grund ständig davon zu träumen - das erschwert nur die Wartezeit.

Also weiter.

Weihnachten geschafft. Super.
1. Grund morgen früh wieder aufzustehen: Es ist NICHT Weihnachten. Ich brauche morgen KEINE Familienfeier zu besuchen. Das ist für ein Jahr geschafft, ist doch was. Kein besonders spektakulärer Grund, aber ich habe beschlossen zu nehmen, was ich bekomme...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast958 am 27 Dezember 2020, 00:34:01
Es ist schon erstaunlich, mit was wir uns Depressiven so alles beschäftigen!
Es ist schon erstaunlich, was wir Depressiven so alles für Gründe haben!
Es ist schon erstaunlich, was wir Depressiven so alles für Ausreden haben!
Im Lauf unsers gemeinsamen Lesen möchte ich einfach mal über dich spekulieren.
Sei nicht Böse, aber ich nehme mir das jetzt einfach mal heraus.
Frau?
Ü 30?
Berufsausbildung?
Job?
Keine Kinder?
Feste Beziehung in gemeinsamen Haushalt?
Ist es nicht so, dass du dich als Mensch behauptest?
Ist es nicht so, dass du die Jahre gemeistert hast?
Ist es nicht so, dass du eine Ausbildung abgeschlossen hast?
Ist es nicht so, dass du einen Job hast?
Kinder, ich hatte Angst vor der Verantwortung bei dir zu spät?
Hast du dich deinem Partner ergeben und lebst so neben ihn?
Warum schiebst du die andern vor, um deine Entscheidung hinaus zu schieben?
Was haben deine Freundinnen damit zu tun?
Warum schiebst du deine Eltern vor?
Wenn du ganz allein auf dieser Welt wärst, gäb es nichts, worüber du dir Gedanke machen müsstest.
Das Leben gehört dir sonst keinen! Oder lässt du dich durch andere Leiten?
Alles was du tust, tust du für dich, nicht für andere, die du auch noch als ausrede vor dir herschiebst.
Du bist der Meinung, dass du dein restliches leben Ertragen musst?
Wie stark muss dein Partner sein zu ertragen, dass seine Partnerin seine Liebe Zärtlichkeiten erträgt.
Unser aller Leben ist geprägt von dem, was wie erlebt und ertragen haben.
Für jeden ist seins das Schlimmste, es ist geschehen.
Jeder trägt diese Last auf seinen Schultern!

Weise Lebensführung gelingt keinem Menschen durch Zufall. Man muss, solange man lebt, lernen, wie man leben soll.
Lucius Annaeus Seneca römischer Politiker, Dichter und Philosoph (4 vChr - 65)

Gruß gast958
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast985 am 27 Dezember 2020, 00:38:29
Entschuldigung der Wein !!
Gruß gast985
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 01 Januar 2021, 09:29:08
Hallo gast985

entschuldige die späte Rückmeldung. Ich habe über Deinen Post nachgedacht (was heißt schließlich "spekulieren"? Das meiste hatte ich doch bereits erzählt?) - aber ich fürchte, ich verstehe nicht, worauf Du hinaus willst. *achselzuck*

Aber da Du in Sorge scheinst, mir auf die Zehen getreten zu sein, wollte ich auch nicht nicht - oder nichts-sagend antworten.

Daher hab ich jetzt "einfach" Mal Deine Fragen beantwortet.

Wer weiß, was Du siehst, was ich nicht sehe. Vielleicht hast Du ja irgendeine Erkenntnis, die sich mir noch verschließt?

("Praktischerweise" streikt gerade auch noch der Lappi, so dass das Smartphone herhalten muss. Ich hoffe, es ist einigermaßen lesbar, was ich hier schreibe, ich hab hier leider keine bunten Farben oder sowas.)

Okay, geht los.


Frau?
Stimmt

Ü 30?
Stimmt

Berufsausbildung?
Studium, also jein.

Job?
Stimmt

Keine Kinder?
Stimmt

Feste Beziehung in gemeinsamen Haushalt?
Stimmt

Ist es nicht so, dass du dich als Mensch behauptest?
Doch, ich denke das stimmt.

Ist es nicht so, dass du die Jahre gemeistert hast?
Doch, ich denke das habe ich.

Ist es nicht so, dass du eine Ausbildung abgeschlossen hast?
Studium. Ja, hab ich abgeschlossen.

Ist es nicht so, dass du einen Job hast?
Ja, habe ich.

Kinder, ich hatte Angst vor der Verantwortung bei dir zu spät?
Ich hatte erst gehofft, meine psychische Verfassung werde sich noch bessern, dann bin ich krank geworden. Zu ALT bin ich noch gar nicht - aber es sieht realistisch gesagt nicht so aus, dass das noch was wird. Besser so, denke ich...

Hast du dich deinem Partner ergeben und lebst so neben ihn?
Die Frage verstehe ich nicht.

Warum schiebst du die andern vor, um deine Entscheidung hinaus zu schieben?
Weil ich festgestellt habe, dass ich es meinem Mann nicht ohne Katastrophe antun würde, ihn hier zurück zu lassen. Da halte ich lieber durch. Wenn das Leben nochmal unerträglich wird, zieh ich die Reißleine und beende den Mist. Das hab ich mir fest vorgenommen. Weil ich mir DAS wert bin. Aber im Moment ist es nicht unerträglich, daher mache ich weiter. Es ist das wofür ich mich entschieden habe...

Was haben deine Freundinnen damit zu tun?
Nichts, da hast Du wirklich recht. Das war blöd formuliert.

Warum schiebst du deine Eltern vor?
Meine Eltern? Weil ich früher als Kind der Meinung war, ich wäre es ihnen schuldig das Leben zu mögen und glücklich zu sein. Ich dachte, ich hätte nicht das Recht traurig zu sein, depressiv oder sogar suizidal. Die Zeiten sind vorbei, ich habe kapiert, dass das blöd war, aber so ist es gewesen. Damals.

Wenn du ganz allein auf dieser Welt wärst, gäb es nichts, worüber du dir Gedanke machen müsstest.
Stimmt.

Das Leben gehört dir sonst keinen! Oder lässt du dich durch andere Leiten?
Stimmt. Beides. Wie sagt man? "No man is an island" ich kann dieses mein mir gehörendes Leben gar nicht leben ohne von außen beeinflusst zu sein, so ist das nunmal. ICH möchte für MICH in MEINEM Leben nicht so ein Arschloch sein, ohne Rücksicht auf Verluste "einfach" mein Versprechen zu brechen. Das von den guten und den schlechten Zeiten. Und wenn ich das nicht will, dann ist DAS meine Entscheidung, was ich mit meinem Leben tue oder eben nicht-tue. Ich hatte gehofft es gäbe einen Grund pro-Leben, der für mich ist. Etwas, was ICH gern täte in diesem Leben. Wofür ich sage "Dafür lebe ich. Und das gern!" Aber ich habe nichts gefunden. Nichts, was ich so gern täte, dass ich dafür weiterleben möchte. Naja. Vielleicht finde ich ja irgendwann etwas wovon ich sage "Dafür bin ich froh, dass ich noch hier bin." Das wäre dann wahrscheinlich genauso gut.

Alles was du tust, tust du für dich, nicht für andere, die du auch noch als ausrede vor dir herschiebst.
Ausrede? Formuliere ich es Mal anders. ICH will mich nicht umbringen, weil ich es für verwerflich und falsch halten würde, meinen Mann zum Dank für 20 Jahre Liebe (ja, wir kennen uns seit Schulzeiten) im Stich zu lassen. Ich habe daher für mich beschlossen hier weiter zu machen, obwohl ich "eigentlich" nichts sehe, was ICH gern tun würde.

Du bist der Meinung, dass du dein restliches leben Ertragen musst?
Ja.

Wie stark muss dein Partner sein zu ertragen, dass seine Partnerin seine Liebe Zärtlichkeiten erträgt.
Was hat das denn jetzt mit Zärtlichkeit zu tun? Wer redet denn von sowas? Aber egal. Wie stark mein Partner sein muss fragst Du? Sehr stark, denke ich. Ich habe wie gesagt oft den Eindruck, dass er ohne mich besser dran wäre. Er ist anderer Meinung. Wir haben dieses Thema irgendwann zu den Akten gelegt. Man kann ein und denselben Streit nur xmal führen. Danach sollte man sich damit abfinden, dass es nicht mehr besser wird. Alles gesagt und das oft genug.

Unser aller Leben ist geprägt von dem, was wie erlebt und ertragen haben.
Zweifellos.

Für jeden ist seins das Schlimmste,
Meinst Du?
Interessanter Gedanke. Obwohl, nö. Ich glaube ich kenne einige Menschen, die meines Erachtens schlimmeres ertragen mussten als ich. Hilft aber ja nix. Denn jeder muss durch sein eigenes Leben durch. "Nur" weil jemand anderes schlechter dran ist, wird das auch nicht anders.

Weise Lebensführung gelingt keinem Menschen durch Zufall. Man muss, solange man lebt, lernen, wie man leben soll.
Lucius Annaeus Seneca römischer Politiker, Dichter und Philosoph (4 vChr - 65)
Ja, das stimmt wohl, was der gute Seneca da sagt... Ich finde es enorm schwer zu lernen, wie ich leben "soll" das muss ich sagen.

So. Ich hoffe, ich hab's richtig gemacht. Falls Du irgendetwas zwischen den Zeilen findest, was ich nicht sehe, wäre ich begeistert. Aber ich fürchte: Das ist einfach nur so.

Ich wünsche einen guten Start ins neue Jahr.

Herzliche Grüße

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ina am 01 Januar 2021, 10:10:10
 
ICH möchte für MICH in MEINEM Leben nicht so ein Arschloch sein, ohne Rücksicht auf Verluste "einfach" mein Versprechen zu brechen. Das von den guten und den schlechten Zeiten.
[...]
ICH will mich nicht umbringen, weil ich es für verwerflich und falsch halten würde, meinen Mann zum Dank für 20 Jahre Liebe (ja, wir kennen uns seit Schulzeiten) im Stich zu lassen.

Auch ohne Dich näher zu kennen: DAS allein macht Dich in meinen Augen schon zu einem wunderbaren Menschen!
Du hast mich damit sehr berührt und deshalb musste das jetzt einfach gesagt werden.

Ich wünsche Dir ein besseres neues Jahr, Ponyhof!

Liebe Grüße
Ina
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 01 Januar 2021, 16:25:46
Oh 😊
Danke Ina, das freut mich wirklich. Ich wünsche Dir auch ein besseres Jahr. Vielleicht geht es ja jetzt aufwärts, könnte doch sein? Ich habe mir vorgenommen alles dafür zu tun...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ina am 01 Januar 2021, 17:37:47
 
Das ist ein guter Plan. Ich möchte das ebenfalls. So ganz konkrete Vorstellungen davon, wie das aussehen wird / soll, habe ich allerdings noch nicht (oder nur sehr wenige – und die auch nicht wirklich im Detail). Wenn mir etwas einfällt, werde ich versuchen, es umzusetzen bzw. darauf hinzuarbeiten; ansonsten werde ich spontan sein und in der jeweiligen Situation gut überlegen und entscheiden, was wirklich für MICH das Beste ist. Einfach ein bisschen mehr auf mich selbst achten. Wobei: Einfach ist das nicht... Es fällt mir leider oft ziemlich schwer. Aber es hat sich in den letzten Jahren schon gebessert.

Wenn ich an das letzte Jahr denke, finde ich es gar nicht so unrealistisch, dass es bald wieder aufwärts geht. Alles verändert sich, alles ist im Wandel – immer. Von daher besteht auch die Chance, dass sich manche Dinge zum Positiven wenden werden. Ich möchte (!) daran glauben.
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast985 am 02 Januar 2021, 02:21:52
Hi Ponyhof,
es ist doch wunderbar, dass du dich ENTSCHIEDEN hast und dir WERT bist.
Etwas zwischen deinen Zeilen zu finden war nicht der Grund meines Lesens, sondern wie du geschrieben hast, veranlasste mich dir zu antworten.
Wer wäre ich, wenn ich deine Lösung kennen würde?
Das musst du für dich selbst finden!
Bin überzeugt, dass du das schaffst.
Für mich ist unser Lesen nicht einfach nur so!
Es tut mir gut, mit dir zu lesen!
Ich hoffe, dass das eine oder andere auch für dich gut ist?
Ratschläge wollte ich nie geben, nur über meine Gedanken anregen, eventuell für sich einen neuen Ansatz zu finden.
Lass dich Treiben und bleibe offen, so wird es dich finden, wo für es sich lohnt zu leben und das gerne!

Für das Jahr 2021 und darüber hinaus, Gesundheit für dich und den deinen!

Herzliche Grüße

gast985
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 15 Januar 2021, 15:38:24
Liebe Ina

Du hast völlig recht "einfach" ist das nun wirklich überhaupt nicht. Andererseits denke ich, dass es ja einleuchtend ist, dass Dinge, die das Potenzial haben das  Leben nachhaltig zu verändern nicht "Mal eben so" zu bekommen sind, sondern hart erarbeitet werden müssen.
Insofern denke ich, dass schon die Entscheidung dazu einen Unterschied macht.
Ich werde das nämlich versuchen. Mein Leben zu verbessern. Auch und gerade dann, wenn es gerade NICHT einfach ist.

Liebe Grüße

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 15 Januar 2021, 15:42:34
Lieber Gast985

weißt Du, dass Du (außer mir selbst) der erste Mensch bist, der es wunderbar findet, dass ich diese "Ich bin es mir wert mich notfalls umzubringen" Entscheidung getroffen habe? Überall, wo ich so etwas erwähnt habe, war das Geschrei groß von wegen "Sowas darfst Du nicht Mal Denken" usw
Danke Dir Dafür. Es freut mich wirklich sehr, dass ich doch nicht die einzige auf der Welt bin, die glaubt, dass das so "richtig" ist. Fühle ich mich gleich ein kleines bisschen weniger "verrückt".

Liebe Grüße

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast985 am 17 Januar 2021, 02:41:45
Liebe Ponyhof,
das du es dir wert bist und das du eine Entscheidung getroffen hast, zeigt das du dich für dein Leben interessierst!
Wenn du unser Lesen noch einmal nachverfolgst, kann es sein, das es um dich ging?
Ist es möglich, das deine Auseinandersetzung mit mir dir etwas gut Tat?
Sie ging seit 18.10. 2020 !
Das sind 91 Tage, die du dich mit mir befasst hast, danke dafür!
Dazu zähle ich die Beiträge der andern in deinem Post (Das Leben ist kein Ponyhof) dazu.
Deine Antwort an Ina hat mir sehr gut gefallen!

Alles was dir widerfahren ist, kann dir keiner nehmen!
Es liegt hinter dir!!! !
Keiner kann deine Wunden heilen!
Deine Wunden mögen vernarben!! !
Keiner kann dir deinen Schmerz nehmen!
Dein Schmerz möge weichen!!!

Buddha und der eigene Weg
Glaube nichts, weil ein Weiser es gesagt hat. Glaube nichts, weil alle es glauben. Glaube nichts, weil es geschrieben steht. Glaube nichts, weil es als heilig gilt. Glaube nichts, weil ein anderer es glaubt. Glaube nur das, was Du selbst als wahr erkannt hast.

Auf deinen Weg, dein Leben zu verbessern, wünsche ich dir vom Herzen alles, was du brauchst.

Liebe Grüße
gast985
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 29 Januar 2021, 12:16:10
Hallo Gast985

Ob es um mich ging, fragst Du? - Ja klar, ging's um mich. Ich erzähle hier doch von mir.

Du hast schon Recht. Wunden können vernarben, an Schmerz kann man sich gewöhnen.
Das geht schon mit der Zeit wird alles leichter, so unmöglich es anfangs auch erscheint.

Mein größtes Problem sind nicht (mehr) der Schmerz und die offenen Wunden. Da ist das schlimmste geschafft. Mein Problem ist, dass ich das Leben nicht mag. Es gefällt mir einfach nicht besonders.
Ich mag die Menschen um mich herum.
Ich mag das Meer.
Ich mag Wasser, ich mag Sport, ich mag Musik, Bücher, Spagetti usw.
Aber das Leben selbst, mag ich nicht.
Ich muss (!) morgens die Augen öffnen.
Ich muss (!) aufstehen und mich fertig machen.
Ich muss (!) zur Arbeit, muss da funktionieren, freundlich sein, alles abliefern, was ein normaler Mensch so tun muss.
Ich muss (!) einkaufen, muss (!) Haushalt, muss, muss, muss, muss, muss.
Und kein Hobby der Welt und kein Mann der mich liebt und können etwas daran ändern, dass ich die Tage herumbekomme. Einen nach dem anderen. Ich freue mich morgens nicht auf den Tag, ich freue mich nur auf den Moment, wo es geschafft ist und ich wieder die Augen schließen darf. Und gelegentliche kurze Momente in denen ich Mal für 10 Minuten "das jetzt mag ich" denke, ändern nichts daran, dass ich 90% meiner wachen Zeit (ich schlafe gern, das ist mein größtes Plus) ertrage, weil mir das Leben selbst nicht gefällt. Und soooooo toll, dass ich dafür das Leben ertragen möchte sind dann halt doch keine Hobbys, kein Urlaub, kein Teller Spagetti und kein...

"Selbst schuld" sagen die Leute. "Wenn Dir Dein Leben nicht gefällt, ändere es. Ist doch Deine Entscheidung wie Du lebst.".
Stimmt. Aber was soll ich ändern, ich sehe ja nichts, was ich lieber hätte. Es ist nicht so, dass ich davon träume Schriftstellerin, Köchin oder Modedesignerin zu sein. DAS könnte man alles tun. Ich träume davon, dass das Leben geschafft ist. Und das möchte ich aus genannten Gründen nicht tun.
So sieht's aus.
Und so sehe ich nichts zum ändern, sehe nur leere Jahrzehnte, die ich Tag für Tag - Minute für Minute herumkriegen muss.
Und diese Weltsicht nennt man "depressiv" aber auch dieses Wissen ändert nichts. Medikamente hatte ich schonmal, sie haben mich beim "funktionieren" unterstützt, an dieser allgemeinen Lebensunlust haben sie nichts geändert. Und ich funktioniere ja inzwischen auch so, also keine Medikamente...
 91 Tage sagst Du? - Guck an. Wieder 91 Tage das Leben ertragen. Ich bleib dran...

Danke fürs lesen

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast985 am 31 Januar 2021, 10:42:44
Moin Ponyhof,

(ich muss!)

Was ist das Lesen mit mir?
Warum schaust du nach, ob und was ich dir geschrieben habe?
Warum setzt du dich mit meinen Post auseinander?
Warum bemühst du dich, eine Antwort zu senden?
      (Ich muss!)
Du liest auch mit anderen und tauscht dich aus.
      (Ich muss!)
Wenn du morgens nicht aufstehst, kannst du dich ja gar nicht auf den Moment freuen, wo es geschafft ist.

Du willst etwas ändern, sonst hättest du nicht in diesem Forum dein Post eingestellt!

Es gab keinen, (auch, ich nicht), der dich gezwungen hat zu lesen!

Sind die Post, die du geschrieben und bekommen hast, leere Zeit?

Dass meine Post dich veranlassen würden, in Jubel auszubrechen, davon bin ich nicht ausgegangen. Aber ich hoffe doch, wenn auch nur Sekunden deiner leeren Zeit gefüllt zu haben?

91 Tage, ca. 12 Stunden wach. Sind 720 Minuten sind 43.200 Sekunden!

Das Leben ist für mich sehr mühsam!
Das Ende dieses mühseligen Lebens werde ich nicht zwingend hinauszögern!
Jeden Tag treffe ich auf Menschen, mit denen ich mich Austausche!
Manchmal ist es so la, la, manchmal sehr ergiebig!
Das Lesen mit dir ist für mich ein Füllen meiner leeren Zeit, die ich nicht missen möchte.

Hänge dir einen leeren Bilderrahmen auf.
Setz dich davor.
Konzentriere dich auf diesen Bilderrahmen.
Nach wenigen Sekunden schließe deine Augen und fülle diesen Rahmen mit deinen Gedanken.
Vielleicht siehst du ja, was du lieber hättest!

Ich hoffe, mit diesem Post einige deiner leeren Sekunden gefüllt zu haben!

Herzlichst
gast985

Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 31 Januar 2021, 18:36:14
Hallo Gast985

Du hast Recht. Es ist eine nette Art und Weise gelegentlich ein paar Minuten herum zu bekommen, hier im Forum zu lesen / zu schreiben. Und ich mag Deinen Vorschlag mit dem Bilderrahmen...

Der leere Bilderrahmen hängt an der Wand. Ich schaue hinein und sehe einen menschenleeren Strand. Es ist Winter, Rauhreif hängt im Strandhafer in den Dünen, die Sonne sinkt und es dämmert. Ich laufe am Strand entlang, weg vom Ort in Richtung Naturschutzgebiet. Ein paar letzte Spaziergänger mit ihren Hunden eilen in die entgegen gesetzte Richtung, ansonsten ist außer mir um diese Uhrzeit niemand mehr unterwegs. Die Flut kommt und die Wellen schlagen an den Strand und gegen die Felsen. Auf einer Sandbank vor der Küste sehe ich im letzten Tageslicht noch schemenhaft die Robben liegen, Schwärme von Seevögeln ziehen vorbei.
Trotz der Kälte ziehe ich die Winterstiefel aus und stapfe barfuß durch den Schlick. Der Wind kommt von vorn und treibt leichten Sprühregen vor sich her. Es kostet viel Kraft gegen den Wind zu laufen. Ich atme tief die salzhaltige Luft ein und lausche auf das Wasser und die Schreie der Möwen. Die Priele laufen voll, das Wasser spritzt und donnert an die Felsen. Die Wassermassen kommen jetzt mit der Urgewalt, für die Sturmfluten in dieser Jahreszeit so berühmt sind. Der Strand ist zu großen Teilen überspült, nur der Pfad an den Felsen entlang und die Dünen sind noch nicht vom Wasser eingenommen. Ich biege in die Dünen ab, ziehe den Wintermantel aus und setze mich darauf auf eine der Dünen. Ich hole aus meinem Rucksack eine Packung Schlaftabletten, eine Flasche Wasser und einen Thermobecher heißen Kakao. Ich nehme 2 Schlaftabletten, trinke dann gemütlich den heißen Kakao und blicke auf die sinkende Sonne, die jagenden Wolken, die Gischt, die Felsen, die Tiere und das Meer. Kurz bevor mir die Augen zufallen, ziehe ich vorsichtshalber noch den Pullover aus und lege den Mantel weg. Es ist Februar. Die Temperaturen für heute Nacht sind mit -7°C angekündigt. Ich bin nur noch mit Jeans und T-Shirt bekleidet, bereits völlig durchnässt, erschöpft und ausgepowert. Die Schlaftabletten wirken, nichts wird mich wachhalten. Regen, Wind und Kälte nehmen beständig zu, insbesondere vom gefrorenen Boden her entziehen sie einem schlafenden Körper schnell die lebenswichtige Wärme.
Am nächsten Morgen wird ein Spaziergänger einen leblosen Körper finden. Im Winter erfrieren immer Mal wieder Menschen am Meer. Nichts zu machen...

Danke für's lesen. Es gibt mir die Möglichkeit ein paar Minuten damit zu verbringen so etwas aufzuschreiben, dass es Menschen gibt, die es lesen. 

Danke dafür

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: gast985 am 03 Februar 2021, 11:57:28
Das hast du sehr schön geschrieben Ponyhof,

vor meinen Augen entstanden reale Bilder wie ein Gemälde! Sehr schönes Bild.
Dieses Bild zeig, wie das Leben auch sein kann.

Es wird wohl so sein, dass ich nicht präziser ausgeführt habe, was ich meinte, mit dem Ausfüllen des Bilderrahmens.
Er sollte nicht mit dem, was in dir schon verfestigt ist, gefüllt werden!
Fühle nach dem, was in dir ist, das du noch nicht gesehen oder gespürt hast und zeichne es in den Bilderrahmen.
Wen du der Meinung bist, dass da nichts ist, versuch es später noch einmal!
Das Schöne an diesen Bilderrahmen ist, man kann mit einen Wisch löschen und wieder neu zeichnen.

Für mich gibt es Fehler in deiner Suizidschilderung!
Du belastest Unbeteiligte an deinem Schicksal.
Der, der dich findet.
Die Polizei, die untersuchen muss, ob es ein Suizid war.
Die, die dich bergen.

Meine Vorstellung, es wird keiner merken, dass ich gegangen bin und man wird meine Hülle nie finden!

In meinen Bildern schicke ich meine Seele auf Reisen in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Und wenn ich dann das Bild betrachte, sehe ich immer da, wo ich sein sollte eine unausgefüllte Fläche.

Egal! Aber das Begleiten meiner Seele auf ihrer Reis ist Wunder bar.
Während ihrer Reise beobachtete ich, wie schwer sie vorwärtskam, wenn die dunklen Tage kamen und wie leicht sie vorwärtskam, wenn die Hellen Tage kamen.
Ich spürte körperlich, wie sie an den dunklen Tagen durch den Schmerz und den Tränen am Tragen der last fast verzagte, doch sie kam durch.
Ich spürte körperlich, wie sie an den Hellen Tagen durch das Lachen und den Freuden Tränen auf und ab sprang. Voller Übermut.
Die Beobachtung der Reise meiner Seele und die daraus entstanden Bilder zeigten das in den dunklen Tagen auch ein klein wenig Helle Tage waren und in den Hellen Tagen auch ein klein wenig dunkle Tage waren.

Auch für mich ist das Schreiben eine Entlastung der Seele.
Das es Menschen gibt (wie DICH), die es lesen, tut gut.

Sehe auch in deinen dunklen Tagen ein wenig helle Tage!

Herzlichst
gast985
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 06 Februar 2021, 07:28:29
Hallo Gast985

doch, Du hast Dich schon klar ausgedrückt. Es ist "nur" so, dass ich vor einer Weile bei der Erkenntnis gelandet bin, dass ich nichts anderes habe.
Früher lief es regelmäßig so, dass mir jemand (Arzt, Freundin, sonstwer) empfohlen hat, die negativen Emotionen doch einmal "beiseite" zu lassen und dann würde ich positive Emotionen finden, die es dann zu stärken gelte. Ja, wirklich, dass ich Zweifel hätte sei ganz normal. Also versucht.
Das lief dann so ab, dass ich die Emotionen, die ich hatte verdrängt habe - und dann mit großen Augen vor dem jenigen, der das empfohlen hatte saß und drauf gewartet habe, dass der mir die "richtigen" Emotionen von denen er gesprochen hatte, einpflanzt. Denn ich hatte sie ja nun einmal nicht.
Offensichtlich kann kein anderer mir Emotionen vermitteln, die nicht da sind. Das kann niemand. Also habe ich, als mir das klar wurde, beschlossen, dass ich - was immer ich tue  - mit den Emotionen "arbeiten" muss, die ich habe.
Denn wir reden hier von mir und meinem Leben, da müssen die Gefühle aus mir kommen, es geht nicht anders.
Also:
Schöne Sache mit dem Bilderrahmen. Und Du hast es gut erklärt, ich danke Dir. Dass ich es so "komisch" ausgeführt habe, liegt an mir. Ich bin so komisch.

Es ist aber so:
Du findest das Bild schön? - Ich auch. Und es ist authentisch und von mir persönlich, wirklich wahr. Hätte kein anderer exakt so gemacht. Und die Alternative wäre NICHT irgendeine heitere Ponyhof-Blumenwiesen-Phantasie, auch wenn besagte Ärzte das immer angenommen haben. Die Alternative wäre die weiße Wand. Ich hab sonst nichts, also nehme ich was ich habe. ICH finde diesen Sonnenuntergang-am-Strand schön. Schöner als Nichts jedenfalls. Ob man so leben kann, wird sich zeigen. Wenn nicht, werde ich weitersehen müssen. Denn ich habe nichts anderes. Wirklich nicht...

Was die betroffenen Mitmenschen angeht - das ist ja wie gesagt ohnehin ein wichtiger Dreh-und Angelpunkt bei mir. Es ist, wie gesagt so, dass ich es mir lange Zeit nicht zugestanden habe, anderen meinen Tod zuzumuten. Ich kann berichten, dass es echt eklig ist, sich weder Leben noch Tod zuzugestehen und ich werde mich nicht nochmal in diesen Zustand begeben, ich bin wild entschlossen.
Die Menschen wären traumatisiert, wenn sie eine tote Ponyhof am Strand fänden? So @#€_&& what ? Ich habe in meinem gesamten Leben keinen Tag ohne Trauma verbracht. Hat mir auch nicht gefallen, mich hat auch keiner gefragt. Der Tod ist mein Notausgang, ich versuche (!) das mit dem Leben hinzubekommen. Für meinen Mann - der mir wichtiger ist als irgendwelche Fremden und der an meinem Tod mit Sicherheit schlimmer zu schlucken hätte, als irgendein Spaziergänger.
Aber wenn irgendjemand mir meinen Notausgang nehmen will, dann hat derjenige sich kein leichtes Ziel gesetzt, denn es ist das kostbarste was ich habe und ich bin bereit alles andere dafür aufzugeben.
Ich versuche (!) der Welt meinen Tod zu ersparen und das Leben zu ertragen. Ehrlich. Ich gebe mein bestes. Sollte es nicht gelingen, werde ich der Welt meinen Tod zumuten. Pech für den, dem es nicht gefällt. Ist ja nicht so, dass hier irgendjemand (!) nur das bekäme, was gefällt.

Dies vorweg geschickt sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass es nur ein Traum-Bild war. Nicht die Art und Weise, wie ich es machen würde, wenn es ernst wäre. Ich würde eine Todesart wählen, die weniger wetterabhängig, besser planbar und weniger kalt ist. ;-) Es war nur ein Traum... Für Dich. Für mich. Und für jeden, der gerade nichts besseres mit sich anzufangen weiß, als hier solche abgefahrenen Traumbilder zu lesen.

Liebe Grüße
Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 22 Februar 2021, 19:20:51
Das Leben ist kein Ponyhof...

"Du darfst Dir das nicht so zu Herzen nehmen" sagte meine Mutter fruher oft, wenn ich verzweifelt war.
Tja...
Jeder tut im heranwachsen wohl Mal etwas was er (oder sie) nicht darf.
Meine Mutter ist schon lange  tot und so ist niemand mehr da, um mir das "Dinge zu Herzen nehmen" zu verbieten.
Und ich nehme mir alles zu Herzen. Jeden Fehler, jede Kleinigkeit. "Gar nicht schlimm" sagen die Leute. Und ich habe Alpträume und Suizidgedanken... Wochenlang. Und noch Ewigkeiten später.

Ich "darf" es mir nicht zu Herzen nehmen, aber wie ich das lassen könnte - das habe ich mein ganzes Leben lang nie kapiert.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 12 März 2021, 14:11:49
... Der leere Bilderrahmen hängt an der Wand. Ich blicke hinein und sehe meinen eigenen Tod. Wieder und wieder und wieder. Ich sehe, wie ich meinen Körper in seine Einzelteile zerlege. Kleiner und kleiner und kleiner. Ich sehe die Einzelteile unter dem Mühlstein, sehe das Knochenmehl brennen. Ich sehe die Asche in einem Luftfilter, nochmal Öl auf die Asche, nochmal verbrennen. Nochmal Öl. Und nochmal, nochmal, nochmal...
Die letzten Aschereste wehen irgendwann ins Meer.
Ich mag das Meer.
In den Felshöhlen der Klippe nisten Seevögel, die Wellen schlagen auf die Steine, sonst ist alles ruhig.
Kein Mensch zu sehen, insbesondere nicht ich. Ich bin weg. Aufgelöst in einzelne Moleküle, die Wind und Meer davontragen. DAS wäre Ruhe.
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten1 am 14 März 2021, 08:40:16
Fülle deinen Bilderrahmen mit Fotos.  Natur, deinem lieben Mann, dir selber, deinem Haus....Halte dir vor Augen, wieviel du hast. Sei dankbar für die Liebe und die Unterstützung die er dir gibt. Stell dir vor, wie es ohne ihn wäre....

Ich wünsche dir, dass du leben lernst, bist noch so jung, mach weiter gell.

Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 15 März 2021, 06:56:50
Mir vorstellen, wie es ohne ihn wäre? Aber das ist es ja was ich tue. Ohne ihn würde ich jetzt eins dieser vielen Traumbilder in die Tat umsetzen. (Ich würde ja erzählen, wie ich es genau machen würde, aber ich möchte hier niemanden inspirieren. Sagen wir daher einfach: Ich hab nen Plan, von dem ich glaube, dass er funktioniert.)
Da ich aber nunmal nicht allein BIN und beschlossen HABE ihn nicht zurück zu lassen, muss ich jetzt irgendwie versuchen das Leben mit größtmöglichem Anstand herum zu bekommen.

Ich gehe arbeiten, ich mache Sport, ich treffe Freunde. Ich tue alles, was mir einfällt und wovon "man" sagt, dass das hilfreich sei. Ich war bei gefühlt 100 Ärzten, ich habe verschiedene Medikamente probiert. Nichts hat etwas daran geändert, dass ich vom sterben träume. Immerzu. Ich kann mich dazu zwingen zum Sport zu gehen, aber ich kann mich nicht dazu zwingen mich danach besser zu fühlen. Ich kann mich dazu aufraffen meine Freundin zu besuchen, aber ich kann nichts dagegen tun, wenn ich hinterher "noch lieber hätte ich mich umgebracht" denke... Jeden Tag. "Sie dürfen so nicht denken" sagte eine der vielen Ärzte immer wieder. Ich sehe es ein. Aber ich habe nur dieses eine Gehirn, daher werde ich mit diesen Gedanken und diesen Gefühlen arbeiten müssen, etwas anderes  habe ich nämlich nicht...

Danke für Deine Nachricht vorsichtig Rantasten, ich habe mich darüber gefreut. Du sagst, ich sei noch so jung. Du hast es erfasst. Genau DAS ist mein Problem. Dass es so endlos ist.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten1 am 15 März 2021, 08:54:10
Hmmm.....ist das eine Art von Sucht/Zwang?

Hast du das Gefühl, nicht wirklich "dabei" zu sein, als wärst du ein Roboter, der automatisch funktioniert?

Was du leistest ist doch "normal ", du hast ein geregeltes Leben. Träume? Also positive.....

Mir tut es weh wenn junge Menschen solche Gedanken haben.

Und ja - es wird uns selber überlassen, die Ärzte sind so verkopft, dass kein Platz für Alternativen bleibt. Zugeben, dass sie hilflos und ratlos sind, aber die Wünsche ernst nehmen und echte Hilfe leisten.

Anyway, du bist aktiv, tust deinem Körper Gutes. Und das zeigt deinen Willen weiter zu leben. Die Gedanken....sind wohl ein Teil von dir, aber sie machen dich nicht völlig unfähig zu leben. Das ist ein großes Plus.

Hmmm...verständlich ausgedrückt....

Ich drück dich, wenn's genehm ist.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 15 März 2021, 15:05:39
Sucht? Interessante Frage...

Also, ich habe das schon immer. Seit ich mich erinnern kann, Kindergarten und so... Erst dachte ich, wenn ich das "richtig" erkläre, wird das jemand von den "großen" reparieren - und dann wird alles gut. Dann lernte ich, dass man "so" nicht reden darf:
Es treibt die Eltern zur Verzweiflung. Also redete ich nicht mehr "so". Ich lernte von neuem drüber zu reden, weil alles-in-sich-reinfressen halt auch blöd ist, aber natürlich gab es deshalb trotzdem niemanden, der irgendwas hätte-reparieren-können, wer auch?

Ich habe verzweifelt nach einem Sinn gesucht und immer geglaubt, wenn ich sicher bin, dass es für mich keinen Sinn im Leben gibt, dann würde ich sterben.
Ich BIN sicher. Es kommt nichts mehr. Aber ich habe zu meinem Entsetzen festgestellt, dass ich trotzdem nicht sterben will.
Nicht, weil mir das Leben gefällt. Sondern, weil ich es meinem Mann nicht antun möchte.
Und so muss ich jetzt ohne Sinn irgendwie durch die nächsten Jahrzehnte durch.

Man hat mir erklärt, ich müsste "solche" Gedanken verdrängen, dann werde ich andere Dinge finden, die ich mag. "Konstruktive" Dinge. Und ich habe brav verdrängt, aber ich habe keine konstruktiven Dinge zum mögen gefunden, nur da gesessen und "Wie lange muss ich das noch durchhalten?" gedacht. Man hat mir Tabletten gegeben, aber auch die unterstützen nur beim funktionieren, da funktioniere ich lieber einfach so und schlucke den Mist nicht mehr, das Zeug hat mir nicht gefallen.

Ob diese Träume vom Sterben eine Form der Dissoziation sind, fragst Du? Ein bisschen wie eine Droge, die das einzig schöne ist, was man kennt?  Ja, schon möglich. Ich funktioniere, bin aktiv, tue alles was von mir erwartet wird und was "man" so tun sollte. Ich tue es, weil ich eingesehen habe, dass es sein muss. Wer nicht stirbt, muss funktionieren, sonst wird es nur schlimmer. Aber es gefällt mir nicht.
Das einzige was mir geblieben ist, sind diese Träume (nein, andere habe ich nicht.). Die finde ich schön.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten1 am 16 März 2021, 02:13:11
Du hast deinen Mann in dein Leben einbezogen. Das war doch sicher Liebe oder?

Wo ich das erste Mal Todessehnsucht verspürte, war ich 33. In einem perfekten Leben,  ich konnte nicht verstehen wieso solche Gedanken mich heimsuchen.

Heute ist es anders. Habe keine Lust mehr auf Leben. Aber....bei mir sind es die Kids wo mich abhalten, und mein bester Freund, der leider weiter weg wohnt, und wir uns nur alle paar Monate sehen. Die Kids ebenso.

Ein Bild von meinem Ableben habe ich nicht konkret. Am Liebsten halt die Infusion.

Zu viele gescheiterte Versuche, die Ungewissheit ob es klappt.


[Passage entfernt – Grund s.u.]


Ansonsten habe ich keinen Bock mehr hier weiter zu schreiben.  Sind eh nur eine Handvoll die sich hier die Zeit mit Spielen vertreiben, und nullachtfufzehn Beiträgen die Neuzugänge begrüßen. .  Bringt Nix


_________

Bitte Punkt 5 der Forumsregeln beachten:

FORUMSREGELN

05. Ausdrücklich untersagt sind Diskussionen über Suizidmethoden, detaillierte Beschreibungen gescheiterter Suizidversuche, Selbstmordankündigungen, Anstiftung oder Aufforderungen zu suizidalen Handlungen und selbstverletzendem / selbstschädigendem Verhalten. Entsprechende Beiträge / Textpassagen werden gelöscht oder editiert und im Ernstfall an die zuständigen Stellen weitergeleitet.
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Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten am 16 März 2021, 07:55:11
Der letzte Abschnitt war nicht auf dein Thema bezogen.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten1 am 16 März 2021, 13:37:09
Willkürlich Kommentare löschen ist unprofessionell
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ina am 16 März 2021, 13:57:57
 
Wo wurde hier denn ein Kommentar (Beitrag?) gelöscht? Davon weiß ich nichts.
Ich habe lediglich einen Beitrag editiert, indem ich ein paar Zeilen entfernt habe.
Das ist nicht unprofessionell, sondern die Umsetzung eines Punktes, der seit vielen Jahren in unseren Forumsregeln verankert ist.
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: nubis am 17 März 2021, 08:13:09

Ich hatte es gelöscht - weil es nichts mit dem Thread zu tun hatte und unprofessionelles Gestänker grundsätzlich unerwünscht ist.

Weitere Kommentare dazu werde ich ebenfalls löschen (inklusive vielleicht darauf folgender Antworten) weil es der Thread von Ponyhof ist und hier schlicht nicht hergehört!


Deshalb hier auch mal kurz eine Entschuldigung an Ponyhof ...sorry - es ist dein Thread und soll es auch bleiben!
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten am 17 März 2021, 12:08:33
Alles Gute dir weiterhin Pony.

Du schaffst es. Danke fürs Dasein, hat mich gefreut dich kennenzulernen.

Liebe Grüße
E.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 19 März 2021, 08:31:07
Danke.
Ja, dass ich mich auf eine Beziehung eingelassen habe war eine Kombi aus Liebe und Hoffnung. Ich war noch sehr jung, dachte wir zwei wären ein dreamteam, wir würden den Sinn des Lebens finden und dann würde alles gut werden...
Die Hoffnung auf den Sinn-des-Lebens ist jetzt endlich (!) tot, ich habe viel zu lange verzweifelt gesucht und gehofft, statt zu akzeptieren, dass es aussichtslos ist.
Die Hoffnung ist tot, sie ist einer gewissen Abgeklärtheit gewichen "kann man nix machen" - aber die Liebe ist geblieben. Ich habe kapiert, dass Menschen keinen guten Lebensinhalt abgeben. Ich muss selbst was mit mir und meinem restlichen Leben anfangen, da ich ja nunmal den Tod verworfen habe. Wenn ich nur wûsste was und wie...
Keine Idee, keine Lust, keine Ahnung.
Nie gehabt, nie gewollt.
Aber es wird ja nicht besser, daher muss es so sein.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten1 am 20 März 2021, 13:44:10
Liebe ist ein sehr starkes Fundament. Verlier das Bitte nie aus den Augen.

Sie gibt Halt, und dass du das noch spüren kannst ist ehr Wert als die Suche nach dem Sinn.

Vielleicht habt ihr Beide einen gemeinsamen Traum, den ihr noch realisieren könnt? Ausstieg aus den Jobs, ein Projekt? Ihr seid noch jung, und egal wie schräg der Traum ist. Die Liebe versetzt Berge.

Es muss kein Ponyhof sein, aber vielleicht eine Alpaka Farm.....

Liebe Grüße
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 20 März 2021, 17:04:39
Einen gemeinsamen Traum? Nicht wirklich,  Nein. Mein Mann ist auch nicht so der Typ für abgefahrene Träume. Er ist mehr bodenständig und realistisch. Es gibt die Überlegung zur Rente ans Meer zu ziehen. Vielleicht schaffen wir uns dann einen Hund oder ein Boot oder beides an. Ja, vielleicht ist das ein gemeinsamer Traum. Werden wir in ~20 Jahren Mal drüber reden, ob wir das dann noch wollen.

Ich könnte mir irgendwelche abgefahrenen Dinge ausdenken, die ich jetzt täte, wenn ich allein auf der Welt WÄRE und mich nicht umgebracht HÄTTE (Was zwei unwahrscheinliche "wenn's" hintereinander sind. 1. Verlasse ich ihn nicht und 2. brächte ich mich um, wenn er mich verließe oder gestorben wäre oder sowas)
Also in dieser hypothetisch denkbaren Wenn- Situation kaufte ich mir vielleicht ein paar Quadratmeter Land an nem See, stellte nen Bauwagen drauf und wohnte darin. Oder ich zöge in ein Hausboot. Wohnungen finde ich irgendwie doof, Häuser noch schlimmer. Irgendwas am Wasser.
Vielleicht studierte ich nochmal Psychologie (hab ich mit 20 nicht gemacht, weil man nicht Psychologie studieren soll, wenn man selbst Hilfe braucht.) Vielleicht gründete ich ne Band. Vielleicht probierte ich aus, ob ich knackig genug bin mein Geld im Puff zu verdienen. Vielleicht kündigte ich meinen Job. Vielleicht lernte ich piercen. Vielleicht schriebe ich ein Das-Leben-und-ich-Blog, vielleicht...

Immer wenn ich mit dem Erzählen an dieser Stelle ankomme, sagen die Menschen, "Mensch Ponyhof, Klasse! MACH DAS! Komm ich helfe Dir! Naja gut, den Puff und das Hausboot lassen wir unter den Tisch fallen, aber warum solltest Du z.B. keine Band gründen? Oder kein Blog schreiben? Oder..."
und dann schließt sich der Kreis und wir sind bei dem Grund, warum die Psychologen reihenweise an mir verzweifeln.

Der Grund warum ich das alles nicht tue liegt darin, dass es das richtige WÄRE, wenn ich allein auf der Welt WÄRE. Was ich nicht BIN. Und WENN ich allein WÄRE täte ich nichts von alledem, denn dann brächte ich mich um.  Daher kommt der Tag für solche Ponyhof-kauft-sich-ein-Hausboot Konstrukte nie.

Diese Art Träume sind unmöglich. Alle und immer. Sie sind sogar noch unrealistischer als der Traum vom sterben, der nur daran scheitert, dass ich nicht allein bin...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten1 am 21 März 2021, 10:23:39
Bist du in einem anderen Forum aktiv?
Dieses hier hat mich wegen dem Titel angesprochen, letztendlich scheint es eher eine SHG und Wohnzimmer für eine Handvoll zu sein. Die Vielfalt fehlt, wieso auch immer....

Oder reicht es dir, hier zu schreiben ohne Rückmeldung, so ne Art Tagebuch?

Ich sehe ehrlich gesagt nicht, was dagegen spricht dass du jetzt schon eine deiner "Spinnereien" (soll nicht abwertend klingen) umsetzt. Ein Blog macht wenig Aufwand, ein Wochenendhäuschen am Meer(Wohnwagen) Wieso keine Band?

Das Alles vereinbart sich mit einer Partnerschaft. Vorausgesetzt, der Partner unterstützt. Und vielleicht liegt da der Knackpunkt....nur ne Vermutung, weil mein Ehemann und Vater meiner Kinder sehr konservativ und bodenständig war und auch noch ist.
Rückblickend habe ich feststellen müssen, dass er meine Ideen jeweils belächelt hat, geduldet aber nicht unterstützt. Er ist ein toller Mann, pflichtbewusst, unser Sohn wohnt kostenlos bei ihm, er macht sogar seine Wäsche, unterstützt unsere Tochter weiterhin finanziell weil sie noch studiert.

Was wollte ich dir sagen.....Hab den Mut zu leben. Du wirst nicht aussteigen, auch Wenn's manchmal reizvoll scheint. Du hast viel Leben in dir, oder sehe ich das falsch?

"Eigentlich " wollte ich in diesem Forum nicht mehr schreiben,  aber irgendwie finde ich es traurig, dass kein Mensch deine Texte liest, und mindestens einen Gruß hinterlässt. Außer Gast985, das war ein schöner Austausch, habe ich gerne gelesen. War herzlich.

Pass auf dich auf gell

Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Rose am 22 März 2021, 10:48:09
Vorsichtig rantasten,warum denkst du ,niemand liest die Texte? In Zukunft könnte man ja jedesmal darunter schreiben: ich habe es gelesen! Und man ist hier nicht verpflichtet etwas zu schreiben, vielleicht möchte man auch nur Schmökern, liest einen Text und geht zum nächsten...manchmal hat man eben keine Antwort auf bestimmte Fragen oder möchte nicht mit diskutieren...wäre vielleicht mal eine Überlegung
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ina am 22 März 2021, 12:00:12
 
Dieser Thread wurde mehr als 2600-mal aufgerufen. Er wird also sehr wohl gelesen. Dass nicht jeder etwas dazu sagen kann, ist normal. Ich finde es unangebracht, in Ponyhofs Thread darüber zu diskutieren – oder gar das Forum und seine Mitglieder im Allgemeinen zu kritisieren. Wer sich hier nicht gut aufgehoben fühlt, braucht sich hier ja nicht aufzuhalten. Daher bitte ich Euch, dies nun zu unterlassen, denn damit ist Ponyhof sicher nicht geholfen.
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 23 März 2021, 16:02:15
Liebe Vorsichtig Rantasten,

Danke für Deine Nachricht, ich freue mich immer, wenn mir jemand antwortet. 😃
Um Deine Frage zu beantworten, Ich habe mich über jede Antwort hier sehr gefreut, würde mich natürlich auch über viele weitere nette Leute mit vielen weiteren hilfreichen Antworten seh freuen, das stimmt schon.
Andererseits habe ich den Eindruck, dass ich was Antworten angeht eine "harte Nuss" bin, weil ich nämlich bei den "Lehrbuchantworten" schon synchron mitsprechen könnte. Ich bin daher eigentlich froh und dankbar, dass mir hier solche Arzt-Standardsprüche oder die klassischen Ratschläge wie "Geh-zum-Arzt",  "Dagegen-gibt-es-Medikamente" "Geordneter Tagesablauf" "Positives Denken" "Sport" o.ä. erspart werden. Ich habe den Eindruck, dass mir hier antwortet, wer tatsächlich einen eigenen Gedanken zu dem was ich hier schreibe hat. Das gefällt mir deutlich besser als irgendwelche Schema-F Vorschläge, die ich nach meiner Ärzte-Odyssee ohnehin bereits alle im Schlaf kenne. Und so waren das hier im Ganzen eigentlich schon deutlich mehr Antworten, als erwartet, da ich nämlich mit dem "Dazu gibt's absolut überhaupt gar nix zu sagen, ist halt einfach so" Gefühl hier aufgeschlagen war.
Und wenn ich mir das jetzt hier so ansehe:
Dann gab's einiges an interessanten Reaktionen.
Ist doch super!
Ob ich mich freuen würde, wenn hier noch mehr nette Leute interessante und bereichernde Kommentare schrieben? - Ja klar. 😁 Ich vermisse insbesondere Gast985 und hoffe immer noch, dass er nochmal zurück kommt. - Hallo, @Gast985 😁😁😁
Aber deswegen finde ich ja nicht gleich alles und jeden anderen hier blöd. Eine brillante Idee zu einer (vermeintlich) aussichtslosen Situation hat halt auch niemand auf Kommando.
Wenn jemand meinen thread liest und danach zB. "Ganz schöner Mist, da kann ich Ponyhof überhaupt nix raten, klingt total verkorkst" denkt - dann hat derjenige EXAKT so reagiert, wie ich auch reagiert hätte. Wem könnte ich das zum Vorwurf machen? Und wenn derjenige keine Lust hat "Ich habe keine Idee" zu schreiben, z.B. weil es ihm nicht besonders hilfreich und tiefschürfend erscheint, dann macht ihn das auch nicht gleich zum desinteressierten Vollpfosten...
Also, ich schreibe hier im Forum, weil ich die Ärzte leid bin und niemanden mit "solchen" Gedanken belasten möchte. Hier denke ich liest das ganze nur, wer sich nicht "belastet" fühlt. Falls jemand etwas dazu zu schreiben weiß, freut mich das sehr. Falls nicht, ist es halt so. Du siehst ja anhand der Reaktionen auf Deinen Beitrag: Hier lesen Menschen mit. Sie reagieren, wenn sie etwas zu sagen haben. Wenn sie also nicht reagieren. Nun, dann haben sie offensichtlich nichts zu sagen.


Back to topic:
Was das Umsetzen solcher Spinnereien ist, DAS ist das Problem. Keine Lust. Ich mag nicht. Ich kann mich dazu zwingen, Dinge zu tun, aber ich kann mich nicht dazu zwingen, sie zu mögen. Ich zwinge mich zur Arbeit, zwinge mich zu Sport und "konstruktiver" Freizeitgestaltung. Die "verrückten" Dinge erzwinge ich nicht, das erscheint mir wirklich allzu widersinnig.
Ich müsste es tun wollen um es zu tun, das ist ja klar, aber dieses Wissen produziert auch keine Motivation. Nur Leere und den Wunsch, es möge alles vorbei sein.

Du siehst viel Leben in mir? *achselzuck* Ich nicht, offen gesagt. Ich mag das Leben nicht, habe schätzungsweise zu früh gesehen, wie scheußlich es sein kann.
Ich habe das ganze aufgearbeitet, bis man mir gesagt hat, ich sei geheilt, ich bin nicht mehr wütend, ich denke ich verstehe wie das alles gekommen ist.
Aber das Ergebnis bleibt das gleiche:
Ich finde dass das, was das Leben bietet, das Risiko, was es beinhaltet nicht aufwiegt.
Was soll ich tun, es ist das was ich empfinde.
Niemand kann mir garantieren, dass ich nicht morgen auf dem Heimweg von der Arbeit einen Unfall baue, der eine Katastrophe auslöst.
Niemand.
Vielleicht tue ich morgen etwas, was so schlimm ist, dass ich es mir nichtmal vorstellen kann. Es gibt nichts, was mich davor schützen kann. Gar nichts.
Ich bin jahrelang nicht Auto gefahren, um das zu verhindern aber natürlich ist das dumm, denn es gibt ja Milliarden von Möglichkeiten etwas schlimmes auszulösen, also fahre ich wieder, seit ich diesen Zusammenhang mit der Angst-vor-der-namenlosen-Katastrophe verstanden habe.
Nichtmal mein Tod vermag diesen Teufelskreis zu durchbrechen, denn wer weiß, was der schlimmes auslöst?
"Dann kannst Du ja nur noch im Bett liegen und warten, dass die Decke einstürzt" würde meine Mutter jetzt sagen.
Ganz genau. Das wäre mir auch am liebsten.
Das Problem ist, dass das mit-Gewalt-aufstehen-und.-was-konstruktives-tun mir nach dem, was ne Menge kluger Menschen an klugen Theorien aufgestellt haben, eigentlich beweisen "sollte" dass dadurch nichts schlimmes passiert. Sondern, dass alles gut ist, mir Freude macht und überhaupt.
Also würde dadurch, dass ich "einfach" (HA-HA) jeden morgen meinen Hintern aus dem Bett bewege, zur Arbeit, zum Sport, zum Arzt... fahre theoretisch jetzt alles gut.
So die Theorie.
Klingt toll.
Ich habe aber nicht den Eindruck, dass dieser Plan funktioniert.
Denn 1. könnte schließlich morgen der Tag sein, an dem die Katastrophe passiert, ich einfach bis heute unfassbares Glück gehabt haben. Und 2. könnte es ja sein, dass ich längst irgendwas grauenhaftes ausgelöst habe und weiter auslöse und nur zu dumm, zu vernagelt oder zu unaufmerksam bin um es zu sehen und 3. IST es ja nunmal nicht gut und MACHT es mir nunmal keine Freude und ich kann wie gesagt keine Freude erzwingen.
"Sie dürfen so nicht denken" sagen die Ärzte zu solchen Gedanken. "Es wird schon nicht so schlimm werden" "Sie dürfen sich das nicht so zu Herzen nehmen" "Mit diesem Risiko leben wir alle" und "So ist das Leben".
Ganz genau. So ist das Leben. Und deshalb mag ich es nicht...

Ich grüße jeden, der bis hierher gelesen hat. Schön, dass Ihr da seid. 😃
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten am 02 April 2021, 13:32:02
Huhu

Will dir ganz klassisch, traditionell und altmodisch

Erholsame und entspannte Ostertage wünschen.

Liebe Grüße von
Carefully:)
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 03 April 2021, 12:19:42
Dankeschön, das ist sehr lieb von Dir! Das wünsche ich Dir auch.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten am 03 April 2021, 14:52:41
Vielen lieben Dank

Keep going;)
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 07 April 2021, 09:59:02
Moin :-)

Ich hatte hier ja Anfang des Jahres bereits geschrieben, dass ich mir vorgenommen hatte, alles dafür zu tun, dass das Jahr besser wird, als das letzte.
Im Rahmen dieses Versuchs habe ich mich auf Wohnungssuche begeben. (meine aktuelle Wohnung ist blöd, dauernd geht die Heizung kaputt und überhaupt...)
Jedenfalls hatte ich letzte Woche tatsächlich etwas geeignetes gefunden (sehr schwer in unserer Gegend etwas schönes zu finden) - und dann hat uns jemand die Wohnung vor der Nase weggeschnappt. Tja. Schade. Sowas passiert. Pech halt.
Pech halt...
Letzte Woche hat der Typ uns abgesagt, heute Nacht bin ich wieder (wie bisher jede Nacht) mit Panikattacke aus dem Schlaf hochgeschreckt... "Oh Sch*** die WOHNUNG..."

Also, jetzt Mal ganz im Ernst. Es ist eine W o h n u n g. Schade, klar. Aber dann suchen wir halt nochn bisschen, ist ja nicht so, dass wir derzeit unter der Brücke pennen. Wird sich schon irgendwann was finden.

Warum zum Geier, fühle ich mich dann seit Tagen nach Weltuntergang? Wie der letzte Loser, der nichtmal die Wohnung klarmachen kann, die er will? Sein wir doch ehrlich. Ich wäre doch auch MIT schöner Wohnung nicht jeden morgen glücklich und zufrieden aus dem Bett gehüpft und hätte mich auf den Tag gefreut...

Und so habe ich - Mal wieder - das Gefühl, dass die Buddhisten recht haben:
Alles was man tut, vergrößert das leid. Die Freude über Erfolg steht in keinem Verhältnis zum Leid, dass durch Misserfolge ausgelöst wird. So gesehen sollte ich versuchen mich möglichst wenig zu bewegen. Wird nur schlimmer davon.

Ach...

Irgendetwas mache ich falsch.

Etwas grundlegendes.

Aber entweder ich erkläre so schlecht, dass die Ärzte das Problem nicht sehen, oder es gibt nichts, was man dagegen tun kann...

Suche ich jetzt weiter Wohnung, oder bleib ich einfach hier sitzen? 

ach... Das Leben ist kein Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: RockingBuddha am 09 April 2021, 10:52:21
Zitat
Alles was man tut, vergrößert das leid. Die Freude über Erfolg steht in keinem Verhältnis zum Leid, dass durch Misserfolge ausgelöst wird. So gesehen sollte ich versuchen mich möglichst wenig zu bewegen. Wird nur schlimmer davon.

Hola Pony,

diese Einstellung spiegelt den Buddhismus nicht korrekt wieder. Der Buddhismus erkennt Leid lediglich als ein Naturgesetz an.
Eine der wichtigsten Lehrreden des Buddha´s waren seine vier edlen Wahrheiten, die bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren haben. Vereinfacht dargestellt:
1. Es gibt Leiden
2. Jedes Leiden hat Ursachen
3. Es gibt Glück (oder: Das Leiden kann beendet werden)
4. Es gibt einen Pfad, der zur Beendigung des Leidens führt (der achtfache Pfad; der führt am Ende zwar nicht dahin, dass einem nichts schlimmes mehr passiert, doch die eigene Wahrnehmung darauf verändert sich so, dass schwierige und erfolglose Zeiten nicht mehr als leidvoll wahrgenommen werden.
Falls du das Gefühl hast, dass Freude über Erfolge von dir geringer eingeschätzt werden als Misserfolge, dann überragen die Ursachen deines Leids die Ursachen fürs Glück (dürfte in diesem Forum 99% der User, mir eingeschlossen, so gehen).

Wenn sich ein Ereignis, wie mit der nicht bekommenen Bude, anfühlt, wie ein Weltuntergang, dann liegt die Ursache deines Leids sicher nicht darin, aber das hast du selbst ja schon erkannt. Die Kunst ist es, die eigentlichen Ursachen ausfindig zu machen und zu verwandeln. Damit beschäftigt sich übrigens der Buddhismus, also quasi damit das Gegenteil von "Alles was ich tue erschafft mehr Leid als Freude" zu erreichen :).
Der Prozess dazu dauert allerdings eine ganze Weile und erfordert ne Menge Hingabe und Geduld. Und Leidensfähigkeit, aber die brauchen wir alle ja ohnehin ^^

Zitat
Aber entweder ich erkläre so schlecht, dass die Ärzte das Problem nicht sehen, oder es gibt nichts, was man dagegen tun kann...
Hier ist die Frage, bist du dir selbst über sämtliche Ursachen deines Leids im Klaren? Kannst du sie für dich klar artikulieren und akzeptieren? Bevor ein Arzt dahinter kommen kann, solltest du es selbst tun. Ein Arzt wird dich nicht von seelischem Leid und den Ursachen deiner Probleme befreien, zumindest wäre es im Bereich psychischer Krankheiten illusorisch, dies anzunehmen. Ärzte können dir dabei helfen, aber Chefarzt deines Lebens und deiner Situation bist du alleine.
Zitat
Irgendetwas mache ich falsch.

Etwas grundlegendes.
Das Grundlegende zu finden, es zu akzeptieren und es danach loszulassen - was auch immer es ist -, dies sollte dein Weg zur Befreiung sein. Aber schon die Erkenntnis, dass etwas grundlegendes falsch läuft, ist ein wichtiger Schritt, ohne den Besserung kaum möglich wird.

Ich selbst praktiziere seit 2 Jahren die buddhistischen Lehren (mal mehr, mal weniger, zu oft treiben mich alte Gewohnheiten und meine Depris zurück ins Dunkel) und hab in dieser Zeit extrem viel über mich selbst, meine Depressionen und psychische Krankheiten im Allgemeinen und übers Leiden, sowie seine Ursachen, gelernt... und bin trotzdem noch ein Novize auf dem Gebiet. Ein Suchender.


Zitat
Suche ich jetzt weiter Wohnung, oder bleib ich einfach hier sitzen?
Am besten weiter suchen, aber die Erwartungen gering halten. Wenigstens steht der Sommer vor der Tür, wodurch die kaputte Heizung weniger ins Gewicht fallen dürfte ^^
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 09 April 2021, 13:40:39
Hey Buddha

Danke für Deine Antwort. 😃 Ja, Du hast Recht, das war blöd formuliert - ist mir auch aufgefallen, nachdem ich es abgeschickt hatte. Also ich entschuldige mich bei allen Sympathisanten der buddhistischen Lehre für meine Wortwahl, ich wollte niemandem auf die Füße treten.

Verstehe und akzeptiere ich die Grundlagen des Leids? Gute Frage.
Insbesondere, weil man natürlich per Definition niemals genau wissen wird, ob da etwas ist, was man NICHT verstanden hat...

Also, was ich verstehe ist, dass ich durch frühkindliche Traumatisierungen das Leben mit ausgesprochen destruktiven Glaubenssätzen begonnen habe. (Wer sich im Alter von drei dafür schämt, dass er (bzw in meinem Fall "sie") existiert und glaubt, alles wäre besser, wenn ich tot wäre, wird anders aufwachsen als andere Kinder, das ist ja klar.)
Ich war also komisch und man hat dann in bester Absicht dafür gesorgt, dass ich mich "normal" benehme und "sowas" nicht sage oder mache.
Also kam zu den destruktiven Glaubenssätzen noch Schweigen und Schauspielern dazu.
Dann kam "Darf mich nicht umbringen" "Darf so nicht denken" "Darf so nicht sein" "meine arme Familie, die mit mir gestraft ist" usw.
Mit solchen Glaubenssätzen und Gedanken eine (irgendeine) Art von Normalität aufzubauen ist gar nicht ohne, was wiederum zu starken dissoziativen Tendenzen geführt hat, manchmal war ich wohl kaum noch ansprechbar von außen, was natürlich wieder Ärger verursacht hat usw...

Jedenfalls lief das alles (meiner Meinung nach) letztlich auf die "Verliere ich endgültig den Verstand oder bring ich mich vorher um?" Frage hinaus.

Als es durch glückliche Verkettung unglücklicher Umstände nach ungefähr 500 vergeblichen Therapieversuchen ("Sie dürfen so nicht denken" - "Ich sehe nicht, wie ich damit aufhören könnte") beim 501. Verzeeiglunfsversuch gelang an mein Unterbewusstsein mit diesen uralten Glaubenssätzen ranzukommen.

Ich hab dann nochmal Jahre auf die ganz alten Geschichten verwendet, geheult,  verarbeitet, verstanden, akzeptiert...

Ich habe das Gefühl, damit durch zu sein.

Ich habe einen Beruf (Studium mit Gewalt durchgezogen, um kein Schmarotzer zu sein)
Ich habe einen Mann, der mich liebt.
Ich habe einen Freundeskreis.
Ich habe mir "konstruktive" Freizeitbeschäftigungen gesucht um nicht nur vor der Glotze oder am Handy zu hängen.

Ich habe das Gefühl, ich habe alles getan, damit es JETZT besser weitergehen kann. Und es IST ja auch besser als früher. Viiiiiiiieeeeel besser sogar. Ich sollte dankbar sein, es ist nur... Ich hatte gedacht, wenn ich durch wäre, dann käme ein Punkt, wo ich das Gefühl hätte, dass es Dinge gibt, die ICH möchte. Die ICH mag. Die ich tue, weil sie MIR Freude machen, dass das Leben was JETZT stattfindet für mich ist...

Aber so ist es nicht. Ich kann zum Sport gehen - aber ich kann nicht erzwingen, dass er mir Spaß macht.
Ich kann Freundinnen treffen. Aber ich kann nicht verhindern, dass ich zwischendurch "Lieber wäre ich tot" denke.
Ich kann eine neue Wohnung suchen, aber dass ich mit diesem "die Suche kostet mich mehr, als das Ergebnis mich freuen wird" Gefühl suche, dagegen weiß ich nichts.

Dass mir kein Arzt "die Lösung" präsentieren kann, ist mir schon klar, ist ja mein Leben. Es ist nur so, dass ich langsam aber sicher echt ratlos bin. Ich habe das Gefühl alles in meinen Möglichkeiten stehende getan zu haben. Wenn ich also nichts weiß. Und die Ärzte nichts wissen. Dann kann man da vielleicht einfach nichts mehr tun. Leben zu verkorkst, um noch Freude daran zu entwickeln...

Ich schätze es sind noch so etwa 45 Jahre, die ich rumkriegen muss... 😞😞😞
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten am 11 April 2021, 19:15:53
Huhu little Pony

Ich lasse liebe Grüße hier,  wünsche dir Erfolg bei der Wohnungssuche. Die wo du nicht bekommen hast, war nicht die Passende ;)

Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 12 April 2021, 17:56:25
Danke liebe Vorsichtig Rantasten, wie lieb von Dir. :-) Wie geht es dir denn? Irgendwas neues?
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten1 am 14 April 2021, 11:45:38
Hey

Da ich deine Beiträge gerne lese, linse ich ab und an noch hier rein:)

Bis Freitag bin ich stationär, das 2te Mal schon für 2021:(
Neue Medikamente Kombi, scheint zu wirken....naja, dem Stationsarzt habe ich gesagt, dass ich dennoch die passende Dosis annehmen würde, um dem Spuk ein Ende zu machen. Er hat mich drauf aufmerksam gemacht, dass das Thema S."chronisch " ist...Grübel....
Weitermachen für die Kids und meinen Lieblingsmenschen. Hab nen groben Plan um wieder Struktur in mein Dasein zu bringen. Das Sch..Corona macht so Vieles unmöglich. Die SHG darf den Raum seit November nicht mehr nutzen. Kurse an der VHS wurden schon xmal verschoben.  ..zum Kotzen.
Der Gedanke an den Sommer, ohne Balkon, die schreienden Pubertiere auf dem Spielplatz direkt nebenan, mit meiner Decke auf der Flucht....

Hast du dir etwas Neues ausgedacht, um bissi mehr Lebensqualität zu erlangen?

Grüße
M.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 16 April 2021, 09:23:44
Hallo Vorsichtig Rantasten :-)

nett, dass Du vorbeischaust :-) Dass chronische Suizidalität anders eingestuft wird als akute, hab ich schon häufiger gehört. (Scheinbar so nach dem Motto "Jetzt hat se 10 Jahre durchgehalten, jetzt springt se auch nicht mehr von der Brücke")
Ob das stimmt, habe ich mich schon oft gefragt, ich meine: Was ICH als hinreichenden Anlass empfinde, sollte man schon mir überlassen, oder? Andererseits ist ja letztlich DAS eine der Säulen unseres Gesundheitssystems. Eine akut suizidale Person mit Medikamenten, (falscher?) Hoffnung und Tricks dazu zu bringen, sich das alles "nochmal in Ruhe zu überlegen und nichts zu überstürzen" bis die akute Situation vorbei ist - weil man dann oft die Nerven nicht mehr aufbringt, das Leben zu beenden.
Arzt klopft sich auf die Schulter von wegen #Lebensretter und der Patient, der gerade genug Mut und Entschlusskraft zusammen gekratzt hatte alles zu beenden, hat den "Absprung verpasst" Chance vertan und steht dumm da. Ich denke jeder hier weiß, dass es gar nicht so einfach ist zu sterben. Wenn's also schon ne ganze Weile eine der Hauptstrategien der Ärzte ist - muss es wohl funktionieren, oder?
Ach, ich hab keine Ahnung...

Schön, jedenfalls, dass Du irgendeine Art von Plan entwickeln konntest, etwas Struktur reinzubringen. Ich finde Struktur sehr hilfreich um nicht ständig neu festzustellen, wie sinnlos das alles doch ist und dass man lieber... (Ich stehe jeden morgen auf und bewege meine vier Buchstaben ins Bad, in die Küche, dann zur Arbeit. Auf die wozu-das-ganze???  Frage gibt es ohnehin keine Antwort, also sofort verdrängen und weiter. Das geht schon ziemlich automatisch inzwischen.)

Tja. Lebensqualität. Im Moment laviere ich mit einer blöden Erkältung herum ( selbstverständlich hab ich mich testen lassen - Es ist kein Corona nur ein Schnupfen) weswegen Sport, rausgehen und Co erstmal gestrichen sind. Die blöde Wohnung sitzt in meinem Hinterkopf und sagt "Alles aussichtslos, besser nix versuchen" und so was alles...
Ich mache also ein bisschen Haushalt (ich hasse Haushalt aber muss ja sein) und warte darauf, dass die Erkältung abklingt.
Um nicht total zu versacken ist es hilfreich, dass jetzt der Frühling ernsthaft durchkommt. Ich habe ein paar Corona-konforme Outdoor-Ausflüge geplant (wie gesagt: konstruktive Freizeitbeschäftigung) die ich dann angehen kann, wenn das Wetter besser wird.

Ach... Das einzige was mir fehlt, ist der Spaß dabei... Aber so ist das eben. Vermutlich ist das Leben eben doch ein Ponyhof, bloß ich hab ne Pferdehaarallergie und stehe hüfttief in Pferdeäpfeln... Ich SOLLTE es mögen. Tue ich aber nicht... 
 
Liebe Grüße

von einer ratlosen Ponyhof mit Schniefnase
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten1 am 19 April 2021, 07:15:33
Liebe Pony,

es freut mich zu lesen, dass du es schön findest wenn ich mich melde:)

Deine Erkältung ist hoffentlich abgeklungen, so dass du wieder deinen Sport machen kannst/darfst/musst...

Am Samstag war mein Sohn (25) zu Besuch, das letzte Mal war er Weihnachten hier. Es war so schön, mit wachem, nüchternen Kopf die Stunden mit ihm zu erleben. Er hat mir erzählt, dass er so langsam seine Sachen zusammen legt, aussortiert, weil er diesen Sommer bei Papa ausziehen wird, und mit seiner Freundin die erste gemeinsame Wohnung haben wird. Sein erster Teddy mit Spieluhr lag hinten im Kleiderschrank. Als er ihn aufgezogen hatte, kam Papa in's Zimmer, und Beide hatten Tränen in den Augen. Ich darf nicht sterben, er würde daran kaputt gehen, und meine Tochter (27) ebenso. Beide stehen so fest im Leben, sind glücklich in ihren Jobs, ihren Partnerschaften...und ich denke, dass sogar mein Exmann leiden würde....

Machen wir weiter, wir wissen Beide nicht, was nach unserem Tod passiert. Vielleicht gibt es eine Art Wiedergeburt, und wir leiden dann noch mehr.

Falls du Interesse hast, ich bin auf ein Forum gestoßen, in dem das Thema erlaubt ist, rege Diskussionen über alles Mögliche, freundlicher, toleranter Umgang.

Komm gut in die Woche,  ein paar Glücksmomente wünsche ich dir von ganzem Herzen.

Fühl dich gedrückt.

Carefully
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 21 April 2021, 07:56:46
Liebe Vorsichtig Rantasten

Wow, da ist es ja richtig vorwärts gegangen bei Dir! Toitoitoi, dass es weiter besser wird.

Das Forum würde mich auch interessieren, wo bist Du denn?

Liebe Grüße
Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten1 am 21 April 2021, 08:44:33
Liebe Ponyhof,

"Werbung " für ein anderes Forum wird wohl eher ungern hier gesehen;)

Wenn du bei Google "Forum für Suizidalität " eingibst, stößt du drauf.

Klar gibt es dort auch kleine Querelen,  wie überall.

Würde mich freuen, dich dort anzutreffen.

Bis dann vielleicht, oder hier....

Sonnige Grüße
Carefully
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 29 April 2021, 16:48:30
Während ich mich darum bemühe das Leben Irgendwie mögenswert zu finden, kommt die nächste Krebsdiagnose in meinem unmittelbaren Umfeld. Klingt nach harten Zeiten, Quälerei und nicht viel gutem ehrlich gesagt...
Ich hab das alles sowas von SATT, das könnt Ihr Euch gar nicht vorstellen!
****
(Ihr braucht mir keine Vorträge zu halten, dass die anderen selbst über ihr Leben entscheiden, ich tu es ja nicht. Es fühlt sich "nur" so an!)
Keine Lust mehr... Auf nichts. Mag nicht aufstehen. Mag schlafen, bis der Alptraum vorbei ist.  Ruhe... *seufz*...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ina am 29 April 2021, 17:37:57
 
Hallo Ponyhof,

ich kann das sehr gut nachempfinden!

Auch in meinem Umfeld sind in den letzten Jahren immer wieder Menschen an Krebs erkrankt und ich habe ihre "Kämpfe" direkt oder indirekt miterlebt. Drei von ihnen mussten leider "gehen", zuletzt meine Mutter (dieses Jahr). Auch ich hab es satt, dieses leidige Thema, und wünsche mir einfach nur Ruhe. Denn ja: Es ist wirklich ein Albtraum!

Ich sende Dir herzliche Grüße und wünsche Dir viel Kraft.

Ina
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 29 April 2021, 21:03:17
Danke @Ina das ist lieb von Dir! Ja, ich habe auch schon ausgiebig Erfahrung mit dem Schalentier gemacht, meine Mutter ist daran gestorben, meine Schwester ist schon länger unheilbar erkrankt und ich frage mich oft, für was ich mich damals durch diese grauenhafte Chemotherapie gequält habe - nur um jetzt vor einem Leben zu stehen, das mir nicht liegt. Mein Beileid zum Verlust Deiner Mutter jedenfalls. Meine ist schon so lange tot, aber sie fehlt mir immer noch... Irgendwie gewöhnt man sich nie an den Mist - es wird nur immer alptraumhafter, wenn man schon weiß was kommt und es trotzdem kein Entrinnen gibt, wie im Horrorfilm...

@Wohlstandspudel : Wieso sollte ich das persönlich nehmen? Haben wir Streit? (Ich bin mir keines Streits bewusst). Also, keine Sorge, ich nehme das nicht persönlich. Gar nicht. Ich finde es allerdings erstaunlich, was in diesem "Selbstmordhilfeforum" alles nicht geschrieben werden darf. Schließlich besteht nicht nur die Möglichkeit, dass jemand getriggert wird, sondern auch, dass es jemandem hilft sich aussprechen zu dürfen. Ich hätte gedacht, dass das Forum dafür ist? Dass man Mal drüber reden darf?

Naja, wie auch immer.

Das Leben ist kein

Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten1 am 30 April 2021, 07:15:16
Liebes , kleines Pony

Es tut mir weh deinen Beitrag zu lesen. Dass du am eigenen Leib diese elendige und grausame Krankheit spüren musstest, deine Mama dir so früh genommen wurde...ach Mensch...ich wünsche dir so sehr die Ruhe wie du sie dir wünschst.
Du willst dein Empfinden hinausschreien, ungefiltert, ungebremst. Ich verstehe es, aber ich stehe hilflos daneben. Kann dich nur einladen, zu bleiben,  dem Menschen beizustehen,  beten?

Fühle dich umarmt

Mitfühlende Grüße
Carefully
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten1 am 05 Mai 2021, 12:55:40
Hey Liebes

Will dir nur kurz sagen,  dass ich weiterhin an dich denke. Komisch gell? Diese kurzen Begegnungen, die uns im Gedächtnis hängen bleiben,  immer wieder kurz aufflackern.

Hoffe du bekommst dein Leben in den Griff.

Hoffnungsschimmer senden.

Carefully
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 07 Mai 2021, 12:45:47
Hallo liebe Vorsichtig Rantasten

wie nett, dass Du vorbeischaust. 😃 Leider habe ich das von Dir empfohlene Forum beim googeln nicht finden können (es scheint hunderte zu geben - man muss sich erst anmelden um überhaupt lesen zu dürfen und Co 🤷🏼‍♀️)
Naja, ich bin ja hier. Es freut mich, dass es Dir besser zu gehen scheint, das ist schön.
Herzliche Grüße
Ponyhof

@Wohlstandspudel: Da fehlen mir leider die Worte.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 05 Juni 2021, 20:11:33


Ich habe manchmal den Eindruck, dass "Ich will nicht mehr Leben" sich wie ein Mantra durch mein Leben zieht. Aber es ist gar kein Mantra, denn ich kann nicht anders als so zu denken, denn ich DENKE es einfach. "Wenn Sie so nicht denken würden, wäre alles gut" sagte eine Ärztin einmal zu mir. Stimmt vermutlich.
Bloß, das ist als ob sie mir empfehlen würde, mein Herz langsamer schlagen zu lassen oder nicht mehr zu atmen.
Sicherlich kann man die eigenen Gedanken ein wenig beeinflussen durch bewusstes Lenken der Gedanken, durch Entspannungsübungen und Affirmationen. So ähnlich, wie ich auch Luft-anhalten trainieren oder den Puls durch Sport und Atemübungen beeinflussen kann.
Aber letztlich kommt ein Punkt, an dem es nicht mehr besser wird. Ich denke täglich - stündlich eigentlich - dass ich lieber tot wäre. Es ist wie atmen, wie schlafen, es ist ein Teil von mir, dass ich so denke. Was wäre ich wohl für ein Mensch, wenn ich das nicht dächte? Ob ich mich noch wiedererkennen würde?
Aber die Frage ist ja müßig, denn ich denke es schließlich. "Ich will nicht mehr leben" immerzu.

Naja. Das Leben ist kein Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Toni am 05 Juni 2021, 22:41:09
Liebes Pony,

doch: das Leben ist ein Ponyhof. Die meisten haben nur eine ganz falsche Vorstellung davon. Auf einem Ponyhof ist nicht alles schön, so mit Ponys streicheln, kuscheln und reiten. Da muss auch der Stall ausgemistet werden, die Tiere müssen geputzt und gefüttert werden, es werden auch Tiere krank und sterben vielleicht sogar. Manche Ponys sind richtige Biester, schlagen um sich und beißen. Das gehört alles dazu - wie im "richtigen" Leben. Und trotzdem mögen viele den Ponyhof, weil die schönen Momente die nicht so schönen und traurigen aufwiegen.

Ich lese hier aber schon eine ganze Weile immer mal wieder mit und finde es toll, wie du dich immer wieder selbst an den Haaren aus dem Sumpf ziehst und ich wünsche dir ganz viel Kraft und alles Liebe!

Toni
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 06 Juni 2021, 18:36:09
Hallo Toni,

wie schön, dass Du vorbeischaust :-)

Ja, wahrscheinlich hast Du Recht. Viele mögen Ponyhöfe - manche nicht.
Wahrscheinlich ist es das. Die metaphorischen Ponys scheißen alles voll, sie beißen und schlagen aus und wenn ich tatsächlich Mal mein Herz an eines gehängt habe, bekam es ne Kolik und kratzte elendig unter meinen Händen ab oder der Eigentümer beschloss es nicht mehr zu brauchen und ließ es trotz betteln und flehen kalt lächelnd vom Abdecker holen - einfach weil er es konnte.




Ich sollte das Leben mögen, ich weiß ja. Ich sehe auch ein, dass es vom nicht-mögen auch nicht besser wird und ich wirklich ehrlich genauso gut das beste draus machen kann.

Aber auch dieses Wissen ändert nichts daran, dass ich es ständig denke. Dass ich nicht mehr will. Das alles im allgemeinen nicht und morgen früh aufstehen, waschen, zähneputzen, zur Arbeit fahren, lächeln, freundlich sein, arbeiten, smalltalken, zurückfahren, Fahrrad zur Reparatur, Rechnungen bezahlen, Sport... im besonderen nicht. Nichts davon. 
Ich weiß, ich weiß, ich mache das freiwillig, ich könnte kündigen, könnte das Fahrrad kaputt lassen, könnte mit dem Sport wieder aufhören, alles meine freie Entscheidung. Ist ja wahr.
Aber irgendwie denke ich immer, dass irgendwo zwischen den Optionen doch "eigentlich" eine sein müsste, die ich mag? Andere mögen den metaphorischen Ponyhof. Sie singen beim Ausmisten, dann haben sie das weg und genießen den Rest. Bei mir bleibt kein Rest. Bei mir ist der "dann hab ich das weg" Punkt der Moment wenn ich Abends die Augen schließe.
"Sie müssen positiv denken" sagen die Ärzte. Aber ich verstehe nicht, wie irgendjemand so bescheuert sein kann, positiv denken zu wollen. Das bedeutet doch nur, dass es zwingend schlechter kommt, als ich erwarte?
No thanks!
Ich versuche daher (ich sehe ja ein, dass Pessimismus nicht hilft) realistisch zu sein. Die Dinge so ehrlich einzuschätzen wie ich kann. Nur. Das was ich dann sehe gefällt mir nicht.
Irgendwas mache ich falsch. Aber ich habe keine bessere Idee.

"Frau XYZ, das schwarze Pony hat sich das Bein gebrochen" - na dann hole ich wohl Mal das Gewehr und erlöse es. Kann es ja nicht leiden lassen. Wie ich mich dabei fühle ist sekundär, muss ja sein...

Das Leben ist (k)ein

Ponyhof...

Danke fürs lesen 🙋🏼‍♀️
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Mitleser am 07 Juni 2021, 10:22:38
Guten Morgen.


Ich sollte das Leben mögen, ich weiß ja. Ich sehe auch ein, dass es vom nicht-mögen auch nicht besser wird und ich wirklich ehrlich genauso gut das beste draus machen kann.


Es wird grade vom nicht-mögen besser , wenn wir bereit sind dieser inneren Botschaft Raum zu geben.

Es geht um ein hinhören, einem zulassen dieses negativen Narrativs.
Das ganze negative Erleben, ist ja nicht der Beweis dafür das diese Welt nicht der Garten Eden ist, sondern der Anhaltspunkt dafür, das wir nicht das Leben leben welches uns Lebensfroh macht. Welches uns erfüllt und satt macht von einem inneren Gefühl der Sinnhaftigkeit. Einem Sinn den unser Selbst sehr gut kennt.

Wir haben ein Leben in einer Gesellschaft entwickelt welches zu oft fremden Werten entspricht.
Die meisten Menschen gehen brav den Weg den alle gehen und den die Gesellschaft, weil es nunmal so ist, vorsieht.
Wenige Kinderjahre, Schule, Ausbildung, Arbeitsplatz. Viele von uns landen dabei nicht mal dort wo es sie auf Grund ihrer Begabung hinzieht, sondern irgendwo, wo es machbar war.
Man wird Bediensteter einer Lebensführung die nicht dem inneren Ruf folgt, sondern einem äusseren.

Woher soll also eine tiefe innere Befriedigung kommen. Eine Befriedigung die uns ruhig werden lässt, die unsere negativen Stimmen im Kopf verstummen lässt.
Diese kann dann oft nur noch aus Ersatzbefriedigung kommen, aus Süchenten, aus Ablenkung.
Der jährliche Pauschalurlaub soll uns befriedigen, Einkäufe, Konsum im allgemeinen. Fressen, rauchen, saufen.
Diese ganze Ablenkung, dieses Ausblenden ist der eigentliche Feind. Die Ablenkung soll uns taub machen für unser Selbst.
Wir wollen uns an der Kandarre halten, wollen uns gehorsam machen, wollen uns befriedigen. Der Wille "es zu schaffen" kommt dabei nicht mal aus einer grossen bösen Manipulation. Er entspringt viel mehr unseren Verpflichtungen und Schuldigkeiten, die uns irgendwann mitgegeben wurden. Verträgen mit uns selbst, die wir wieder besseren Wissens abgeschlossen haben. Die wir selbst mit aufgebaut haben, in einem von uns mitgetragenem System welches uns trainiert und uns vorwärtsschiebt.
So wie eine Herde langsam vorwärtsgetrieben wird, auf ihrem Weg zum Ort ihrer Verwertung. Verwertungsgesellschaft. Mensch, Vieh, Maschine.

Doch gleichzeit läuft in uns der Motor unseres Selbst, welches anderes braucht.
Die meisten hören diesen Motor gar nicht mehr weil er eben gedämpft ist vom Feierabendbier, dem guten Verdienst, von einer Beziehung die unseren Defiziten dient oder dem was Du als Deinen Dämpfer indentifizierst. Jeder kennt sein Gefängniss selbst am besten.

Wir müssen in unsere wirkliche Sehnsucht hinein wachsen. Dazu brauchen manche eben den Schmerz als konstanten Erinnerer das es so wie es ist, nicht richtig ist.
Das richtig ist dabei keine äussere Bewertung, sondern entsteht tief in uns.
Es ist das Ausrufezeichen hinter der Erkenntnis das wir isoliert sind von unserem Selbst. Von unserem Leben.
Wir sind Lasttiere in der Karawane des Konsums und der selbe Konsum ist der Treibstoff unserer Lebensunlust.

Das beste daraus zu machen bedeutet also nicht sich wegzuballern, mit was auch immer, sondern hinzuhören. Uns selbst zu zuhören.

Ohne Minus kein Plus.

Dieses negative Narrativ ist also Überlebenswichtig, wenn wir nur bereit sind es als das anzuerkennen was es ist; die Botschaft unseres Selbst.

Liebe Grüße.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 10 Juni 2021, 06:54:32
Interessanter Gedanke @Mitleser, Danke und schön von Dir zu lesen. 😃 Ich habe über Deinen Beitrag nachgedacht, klingt schlüssig, allerdings würde ich meinen, dass dann doch "eigentlich" hinter der Sehnsucht irgendetwas stehen müsste, was deren Auslöser ist, oder? Die vielzitierte "Blaue Blume" oder was auch immer. Das einzige, was mir als "Sehnsuchtsgedanke" einfällt ist aber ja der Tod. Sonst nichts. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Sehnsucht nach dem Tod das Leben verbessert - eben genau im Unterschied zu der blauen Blume wegen der man aufbricht und alle Strapazen überwindet und... Von daher kann ich mir das im Moment nicht wirklich vorstellen. Oder habe ich Dich missverstanden?

Liebe Grüße

vom Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Mitleser am 14 Juni 2021, 21:26:49
Guten Abend, ich war jetzt ein paar Tage nicht da, darum antworte ich erst so spät.

Ich kenne diesen "Sehnsuchtsgedanken" sehr gut, den Du dein Eigen nennst und ich würde mir nicht erlauben aus der Ferne, ohne ein gutes Gespräch, darüber zu urteilen ob es nicht doch auch bei Dir eine andere Sehnsucht gibt, als die gute alte Bekannte.

So kann ich also nur aus meiner Geschichte erzählen und in dieser musste ich irgendwann bemerken das meine Urwunde so stark war, das ich damals nichts anderes sehen oder wünschen konnte als meinen Tod.
Das die Sehnsucht nach dem Tod philosopisch oft mit der Sehnsucht nach eine anderem Leben gleichgesetzt ist, war nicht zu spüren.
Ich musste damals, und ich bin da noch heute meinem ersten Therapeuten dankbar, der mir am Anfang wieder und wieder mit der selben Frage die Zornesröte ins Gesicht trieb; "Was fühlst Du wenn der Schmerz kommt?"

Ich habe mich immer wahnsinning aufgeregt über diese wiederkehrende Frage und habe sie ihm auch übel genommen, bis mir durch die Wiederholung dieser Frage, nach und nach bewusst wurde, was wo und wie tief in mir begraben liegt. Das war der Beginn des Wandels.
Jeder hat seinen eigenen Weg und so ist auch deiner ganz individuell, ich könnte mir jedoch vorstellen und das sagt auch meine Erfahrung als Aufsteller, das es die "blaue Blume" für jeden gibt.

Es ist eben doch ein Licht am Ende des Tunnels. Nur wie im echten Leben auch, ist bei Eintritt in den Tunnel nichts vom Ende zu sehen. Nichtmal zu erahnen. Nur der stete Weg vorwärts gibt irgendwann die Sicht auf den Ausgang frei.

Ich wünsche uns allen viel Mut auf unserem Weg durchs Dunkel.

Jetzt hoffe ich, das ich dich richtig verstanden habe. ;)

Grüße, Mitleser
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 16 Juni 2021, 17:41:00
Lieber Mitleser,

vielen lieben Dank für Deinen hochinteressanten Beitrag!
Das ist tatsächlich eine sehr gute Frage. Hab sie mir Mal gestellt, beim nächsten "besser tot" Gedanken, der kam und habe und - war klar - auch erstmal nur Widerstand und 'Was soll die blöde Frage?" gefunden.
Und dann dachte ich: Das ist ja "eigentlich" schon in sich vielversprechend. (Schließlich wissen wir: Widerstand ist ein Schutzmechanismus. Heißt doch im Umkehrschluss, dass da irgendwas Schützenswertes sein müsste...) Ich bleibe da dran, Mal sehen, ob es mich weiterbringt...

Liebe Grüße

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Mitleser am 17 Juni 2021, 15:33:03
Heißt doch im Umkehrschluss, dass da irgendwas Schützenswertes sein müsste...

Die Definition "schützenswert" ist hier unpassend gewählt.

Es gibt in uns verschiedenen Anteile. Einige davon singen unser "Seelenlied".

Manche unserer Anteile sind wach und am Leben, andere unterdrückt und so mancher Anteil verdrängt.
Manche der wachen Anteile sind nicht die gesunden.
Da entsteht der Wiederstand also nicht weil etwas "schützenswert" wäre, sondern weil bestimmte Anteile etwas verhindern wollen.
Sie wollen verhindern das wir unser "Seelenlied" hören und Anteile in uns wecken, die die Ecken kennen in welche wir "die Wünsche unseres Lebens" abgelegt haben!
Diese Anteile die "an uns vorbei" Leben, weil sie eine Trauma erlebten, wollen sich erstmal genauso erhalten wie die "gesunden". Auch sie sind ein Teil unseres Lebens. Der vermeintlich letzte Teil unseres Lebens.
Ein Teil in dem wir uns noch verbunden fühlen. Den wir oft sehr gut kennen, in dem wir "noch" Leben. In dem wir es uns so gut es ging bequem gemacht haben. Ein Rest Leben, ein Rest Bequemlichkeit. Ein Rest Atem.

Manche dieser Restanteile (ich bitte sehr vorsichtig mit diesem Wort zu sein) übernehmen so eine starke Bedeutung in unserem Leben, das ab einem gewissen Zeitpunkt deren Führung vollständig ist. Alles in uns wird Blind für unsere gesunden Anteile und die Gewalt die diese führenden Anteile über uns erlangen, wird tiefgreifend.
Wir leben nur noch für diese Anteile. Wir sind bereit zu Leiden, wir sind bereit uns sogar umzubringen. Mit voller Inbrust entwickeln wir Glaubenssätze zu diesem Thema.

"Ich bin nichts wert!"
"Das geschah mir doch zu Recht!"
"Ich war so Dumm, wie konnte ich nur!"
und irgendwann vielleicht sogar; ""Das Leben ist kein Ponyhof!""

Es bekommt vielleicht eine philosophische Dimension und so eine Akzeptanz, die dann dazu führt das wir uns wunderbar vor den Karren dieser Anteile spannen und jenseits unserer Kraft ziehen und ziehen und ziehen. (wer kennt das?)

Andere nehmen uns irgendwann ähnlich wahr und so stimmen wir dann ein in den Chor.
Sammeln gleiches um uns, sammeln Gleiche um uns. Sammeln Diagnosen, werden diese Diagnosen.
Verleihen uns Leistungs- und Leidensorden. Zeigen unsere Wunden.
Bewundern uns selbst und andere. Verwunden uns selbst und andere.
Sammeln Lob dafür wie weit wir trotzdem gekommen sind und füttern gemeinsam Anteile von uns, die nicht unserem Selbst entstammen.
Wir schwören auch nicht ab! Wir bleiben schön bei der Stange. Sind artig und brav oder unartig und laut. Machen uns ganz klein oder ganz groß.
Unsere echten Bedürfnisse werden immer schwächer, die Dämmung wird immer fester gestopft. Es wird schwächer und leiser und immer Stiller in uns.

Dabei haben wir uns am Anfang noch gut gehört. Der Schock, die Trauer, die Verletzung, die Schuld, das war alles mal sehr präsent. Doch wir wurden nicht gehört. Wir haben uns nicht gehört. Wir haben uns nicht gewehrt. Wir sind Schuld. Selbst Schuld.
Das können wir sogar von anderen hören.

Ich bitte alle die das lesen an dieser Stelle 3x gut, tief, und ganz bewusst ein- und auszuatmen. Fühlt wie sich Euer Brustkorb hebt und senkt und spürt wie sich durch das füllen des Brustkorbes ein Raum in Euch öffnet, der gefüllt werden darf. Gefüllt mit Eurer Lebenskraft. Mit der Kraft des Atems, der Kraft des Lebens. Eurer Kraft. Nehmt Euch die Zeit.

So will also nichts "schützenswertes" gehalten werden, sondern etwas das am Status Quo rütteln könnte. Etwas das uns eine Identität nehmen möchte mit der wir teilweise völlständig indentifiziert sind.
Die uns womöglich aus macht. Uns interessant macht. Uns Sinn gibt in einem Leben das wir an uns vorbei leben, welches wir Sinnfrei leben.
"Eine Identität jenseits unseres Seelenliedes!"

Dieses "Seelenlied" will gehört und mitgesungen werden!
Es will uns aufrütteln, uns wach machen für unser Selbst.
Für ein Leben welches man Morgens mit einem Lachen begrüssen kann. Auf welches man sich freut.
"Das Seelenlied welches einem das Gefühl gibt am Leben zu sein und welches uns die Sehnsucht nach einem anderen Leben vergessen macht!"

Aho
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 25 Juni 2021, 09:19:58
Lieber Mitleser,

vielen lieben Dank für Deinen interessanten Beitrag. 😃 Du hast natürlich Recht, "schützenswert" war eine ausgesprochen unpassende Bezeichnung, weil es ja eher um das Gegenteil geht.
Ich habe jedenfalls versucht darauf zu achten, welche Emotion hinter diesem "Ich will nicht mehr leben" Glaubenssatz steckt. Nach ungefähr 5000 vergeblichen Versuchen bin ich (als erste Annahme) bei "Ich schäme mich, wenn meine Bedürfnisse mit den Bedürfnissen anderer kollidieren" gelandet. Ich könnte mir vorstellen, dass ich aus dieser "Oh-Gott-ist-mir-das-unangenehm-dass-ich-existiere" Haltung heraus dauernd Dinge tue, die es nur schlimmer machen. (Wir wissen ja, wie das mit guten Absichten ist) was das Gefühl verstärkt, was... #Teufelskreis
Ich habe daher Mal angefangen seeeeehr bewusst darauf zu achten, wo meine Bedürfnisse mit denen anderer zusammen treffen und dann NICHT im ersten Reflex zurück zu stecken, sondern Mal zu sehen, ob sich nicht ne andere Lösung finden lässt? Ich bin gespannt, ob es einen Unterschied macht...

Ich berichte

Grüße vom

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 02 Juli 2021, 20:18:48
Das Leben ist kein Ponyhof...

Ich kann mich selber nicht leiden. Ich finde mich unsympathisch, unlustig, unliebenswürdig, uninteressant, ungesellig, usw. usw.
Ich frage mich daher, ob es irgendetwas gibt, was ich tun könnte, was die vielen "un"s verblassen lässt? (Hilft ja alles nix, mit mir selbst werde ich es wohl noch ne Weile aushalten müssen)

Ich meine: Ich schäme mich, dass ich existiere, trotzdem ist das mit dem für-meine-Existenz-schämen ETWAS besser, seit ich abgenommen habe, viel Sport treibe und auf Bewegung achte. Statt fett-hässlich-eine-Schande-dass-es-mich-gibt bleibt jetzt nur noch hässlich und Schande, denn ich BIN nicht fett. Wirklich nicht.
Wenn es also etwas gab, was ich gegen "schäme mich, dass ich lebe" tun konnte. Wenigstens ein kleines bisschen... Dann liegt es doch nahe, dass es gegen die anderen Punkte auch was geben könnte? Etwas was es ETWAS besser macht? Wenigstens ein bisschen? Damit ich mich selbst ein kleines bisschen weniger scheußlich finde?

Mir erscheint die Theorie sinnvoll, aber mir fällt nichts ein...

Schade, aber naja. Das Leben ist kein

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ina am 03 Juli 2021, 21:57:57
 
Ich schäme mich, dass ich existiere, trotzdem ist das mit dem für-meine-Existenz-schämen ETWAS besser, seit ich abgenommen habe, viel Sport treibe und auf Bewegung achte. Statt fett-hässlich-eine-Schande-dass-es-mich-gibt bleibt jetzt nur noch hässlich und Schande, denn ich BIN nicht fett. Wirklich nicht.
Wenn es also etwas gab, was ich gegen "schäme mich, dass ich lebe" tun konnte. Wenigstens ein kleines bisschen... Dann liegt es doch nahe, dass es gegen die anderen Punkte auch was geben könnte? Etwas was es ETWAS besser macht? Wenigstens ein bisschen? Damit ich mich selbst ein kleines bisschen weniger scheußlich finde?

Mir erscheint die Theorie sinnvoll, aber mir fällt nichts ein...

Hallo Ponyhof,

ja, mir erscheint es auch sinnvoll und ich glaube daran, dass es möglich ist. Jedenfalls wenn Du mit „hässlich“ Dein Äußeres meinst. Wenn Du jedoch Dein Inneres meinst, also Dein Wesen und Deine Seele, ist es um einiges schwieriger, denn dafür müsste sich viel an Deiner inneren Einstellung, an der Haltung Dir selbst gegenüber verändern – und das ist bekanntlich nicht so einfach und braucht in aller Regel viel Zeit.

Solltest Du Dich auf Dein äußeres Erscheinungsbild bezogen haben: Was magst Du daran nicht? Sich optisch zu verändern, ist im Grunde nicht schwer. Man kann vieles verändern, eine ganze Menge ausprobieren – und es erneut verändern, wenn man damit unzufrieden ist.

An diesen drei Punkten zu arbeiten, halte ich für sinnvoll, weil man tatsächlich oft anders mit sich selbst umgeht, wenn man sich in seinem Körper einigermaßen wohlfühlt.

Liebe Grüße
Ina
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 04 Juli 2021, 08:05:19
Liebe Ina

wie nett, dass Du vorbeischaust. :-) Ob ich mein Inneres oder Äußeres abstoßend finde, fragst Du? - Beides natürlich. Aber natürlich sind die inneren "Makel" die schlimmeren.
Das mit dem Äußeren war als Beispiel gedacht.

Ich fand mich äußerlich so furchtbar, dass ich nicht in den Spiegel sehen mochte. Also habe ich was geändert, mit dem Ergebnis, dass ich mich zwar immer noch hässlich und (äußerlich) abstoßend finde, aber "Jedenfalls habe ich Normalgewicht" denken kann, statt nur fett-hässlich-Schande. Ich fand das einen guten Anfang und frage mich, ob ich solche "jedenfalls bin ich dann nicht mehr fett" Programme noch für andere Eigenschaften starten könnte...

Was konkret mich stört, fragst Du? - Puh, wo soll ich anfangen? - "alles" ist schätzungsweise keine zulässige Antwort, daher will ich Mal versuchen außen anzufangen und innen weiter zu machen um etwas systematischer zu antworten.

Also, äußerlich stören mich meine Haare. Dünn und stränig und Straßenköter-blond. Wenn ich über coole Frisuren nachdenke, fallen mir nur solche ein, die ich im Job WIRKLICH nicht bringen kann. Keine Chance. Auf was anderes hab ich aber keine Lust, Also stino-Pferdeschwanz. (Auf Friseur hören war ne Katastrophe, danach mochte ich nicht mehr vor die Tür und meine Freundinnen sind auch ratlos "das würde aber zu Deinem Gesicht passen" - "So möchte ich aber nicht aussehen" - "Oh, was gefällt DIR denn?" 🤷🏼‍♀️)
Mich stört mein Gesicht (zu rund) mein Kinn (zu eckig) ich habe das Gefühl überall wachsen Haare, ich zupfe und zupfe und zupfe aber gegen dieses "Hexe-mit-Gesichtshaaren" Gefühl hilft das nicht. Die Brille macht es nicht besser. (Lasern geht nicht wegen zu hoher Dioptrien Zahl, Kontaktlinsen gehen nur zu besonderen Gelegenheiten weil ich sehr trockene Augen habe)
Mich stört meine Haut und nein, Besuch bei Kosmetikerin hat dagegen nicht wirklich geholfen. (Ja, ich war bei mehreren) müsste ich wahrscheinlich regelmäßig hin, aber das war's mir bisher nicht wert. Immer dieses aufraffen, hinschleppen und hinterher doch nicht besser fühlen ist extrem anstrengend.
Mich stört mein Hals, mich stören die Narben am Oberkörper,mich stört der Bauch, stört die blasse Haut trotz Hochsommer, stört, wo überall Haare wachsen, stören meine Schultern, der Nacken, Rücken, meine Beine und ...


Und innerlich?
Mich stört mein Wesen als ganzes denke ich. Mich stört, dass mir alles egal ist, das Leben wäre sicher lustiger mit Interessen für irgendwas, aber es ödet mich alles an oder es stresst mich oder beides. Mich stört meine Lethargie, die Depression, die doch offensichtlich nirgendwo hinführt, alles aussichtslos. Mich stört, dass ich den Haushalt nicht besser in den Griff bekomme, stört, dass ich so humorlos bin (ich finde einfach nichts lustig, so war ich schon als Kind, man kann lachen nicht erzwingen). MIch stört, dass ich keine Pläne habe und nichts fertig bekomme - aber auch keine Idee für einen Plan hätte. Alles blöd, alles nichts wert, alles keine-Lust. Mich, stört, dass ich so rational bin. Mich stört, dass ich keine Geburtstage mag und mir auch keine merken kann (Ja,ich habe einen Kalender. Es ist ein Kraftakt und hilft relativ wenig,. Muss irgendwelche psychischen Verwicklungen haben) Mich stört, dass ich bei Menschen so kritisch bin (ist ja nicht so, dass ICH es besser könnte, trotzdem mag ich viele Menschen nicht. Naja - wir haben auch wenig gemeinsam...), Mich stört meine Bessewiserei (von "i told you so" wurde noch nie etwas besser, trotzdem denke ich das dauernd), mich stört, dass ich die Gelegenheit zu sterben nicht ergriffen habe, als sie sich bot. (Dumm, naiv, verblendet). Mich stört, dass ich meinen Beruf nicht mag, aber auch keine ich-hätte-gern-ein-Cafe Trâume habe. Mich stört, dass ich für kein Hobby wirkliches Interesse aufbringe, mich stört, dass ich mich selbst anekle. Mich stört, dass ich nichts finde, für das ich mich sinnvoll und heldenhaft umbringen kann und DAS ich so denke, stört mich auch. Mich stört, dass ich nicht "einfach"...

Ach. Ich glaube im Grunde ist es ganz simpel; Ich mag keine Menschen. Ich bin ein Mensch, ergo mag ich mich nicht.

Ich müsste demnach beschließen "die Menschen" zu mögen. Dann könnte ich mir meine menschlichen Eigenschaften vermutlich auch besser verzeihen. Aber bringe ich das tatsächlich fertig? Erster Gedanke war "Lieber wäre ich tot" aber das kennen wir ja schon...

Naja. Ich steh Mal auf und mache Frühstück. Nachher gehe ich zum Sport. Nicht weil er mir Spaß macht, aber weil ich dann wenigstens sagen kann, dass ich es versuche. Dieses rumhocken und schlecht fühlen bringt ja nix, also hoch mit dem Arsch... *Hey* ob das bedeutet, dass ich "faul" zu "fett" auf die Is-nich-wahr-ich-kanns-beweisen Liste setzen könnte? 😃

 Das Leben ist kein Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 04 Juli 2021, 15:23:34
Liebe Ponyhof.

Ich kenne diese destruktiven Gedanken wie "ich bin nicht liebenswert", "ich schäme mich für das, was ich bin" usw. Sehr. So sehr, dass ich die letzten Wochen mal wieder sehr lebensmüde war. Was mir grundsätzlich sehr hilft und zumindest schon mal zu weniger Suizidgedanken führt, ist die Beschäftigung damit, woher die kommen.... Bei mir aus meinen Bindungstraumata in der Kindheit (was ja oft Grundlage von Depressionen ist). Zum Einen in einer ambulanten Schmemathetapie und dazu lese ich gerade "vergiftete Kindheit" von Susan Forward. Sie erklärt sehr gut, woher solche Glaubenssätze kommen. Pete Walker "Posttraumatische Belastungsstörung" ist für mich, wie eine Bibel, wo ich immer wieder hilfreiches lese. Er ist selbst Betroffener und gleichzeitig Therapeut und daher auch sehr authentisch. Vielleicht ist es auch für dich hilfreich?
Ganz liebe Grüße
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten1 am 05 Juli 2021, 09:05:56
Liebe Ponyhof

Ich will dir kurz meine Achtung ausdrücken dass du so tapfer weiterhin an deinem Leben "bastelst". Und dir ganz liebe Grüße hier lassen.
Danke an Mitleser für den tollen Beitrag. Auch ich habe mir so Einiges herausgepickt.

Werde weiter still mitlesen. Denn....auch mein Leben ist kein Ponyhof...eher ein Gnadenhof für alte Gäule. Aber auch die werden gebraucht

Ganz liebe Grüße an alle wo sich hier beteiligen.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 07 Juli 2021, 16:59:06
Liebe Darksoul,

Danke für den Lesetipp, ich denke ich werde mir Pete Walker gleich mal als erstes bestellen. Mal sehen, ob ich Zugang zu seinen Gedanken bekomme... :-)

Mit der Frage, woher die Suizidgedanken kommen habe ich mich in den letzten Jahren sehr viel beschäftigt. Das Problem ist "nur" dass ein guter Teil der Gründe in meiner frühesten Kindheit liegt. D.h. die Erinnerungen sind verschwommen bzw. nicht existent, es war einfach "schon immer so". Ein Teil ist auch anerzogen (meine Mutter hatte "zur Not werf ich mich mit den Kindern vors Auto" als letzten Ausweg und ihre Vorstellung von "Liebe". Es ist das was ich mit der Muttermilch aufgesaugt habe)
Ich wollte schon immer sterben. Immer. Es ist das früheste an was ich mich erinnere, meine erste und wichtigste Emotion, vielleicht das was Mitleser mein Seelenlied nennt. Ich will nicht mehr leben.
Vieles habe ich verstanden. Vieles liegt noch im Dunkeln. Gelegentlich kommt eine neue-alte Erkenntnis / Erinnerung / Idee aus den Tiefen meines Unterbewusstseins heraus.
Dann kann ich die auch verarbeiten und eingliedern. Es ist ein Prozess, der seit Jahren läuft und vermutlich auch noch Jahre dauern wird... *seufz* Immer her damit. Ich hab nix besseres vor. ;-)


Liebe Vorsichtig Rantasten

wie nett, dass Du vorbeischaust. :-) Ein Gnadenhof für alte Gäule? Das klingt doch ganz nett? Noch ein paar Monate oder wenige Jahre versuchen ein bisschen Freude zu finden, dann ist es sowieso geschafft. Jede positive Minute zählt, denn sterben werden wir irgendwann alle.  ;-) Ich finde das manchmal ziemlich tröstlich. Niemand kann mir den Tod nehmen. Niemand. Wir alle sterben sowieso... Vielleicht kannst Du Dich nachher mit einer Tasse Kaffee in die Sonne setzen oder sowas? Davon, dass Du es nicht tust, wird der ganze Kram schließlich auch kein bisschen besser...







Heute bei der Arbeit fiel plötzlich der nächste für mich relevante Glaubenssatz aus dem PC:

Es ist mir unerträglich ich zu sein.

Das ist natürlich ein ziemlich dummer Glaubenssatz, schließlich kann ich ja nunmal niemand anderes sein, ob es mir gefällt oder nicht tut nichts zur Sache. Aber so fühlt es sich an.

Es ist mir unerträglich ich zu sein.

Und auch wenn alle.
Also Ärzte, Ratgeber, Freunde und der Mann der seit Jahrzehnten meine Depressionen und Traumata mit mir erträgt.
ALLE also.
Mir sagen, ich "müsse" erst was anderes empfinden, bin ich sicherer denn je.
Wenn ich keinen Weg finde etwas zu ändern, dann wird dieser Glaubenssatz nicht weggehen. Never.  Ich will - ich MUSS - eine Möglichkeit finden nicht dieser Mensch zu bleiben, den ich nicht ausstehen kann, ich halts nicht aus. Die Frage ist, ob ich etwas ändern kann, was wesentlich genug ist um mein Empfinden zu beeinflussen. Damit ich mich nicht länger als unerträglich empfinden muss. Klingt nach nem Plan. (Ist doch was?) Jetzt bräuchte ich nur noch eine Idee WAS ich so gravierendes ändern könnte, dass ich es nicht mehr unerträglich finde ich zu sein, dann könnte ich loslegen.

 Aber natürlich hab ich überhaupt keine Idee...

Naja, das Leben ist kein Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 12 Juli 2021, 10:28:35
Liebe Ponyhof.

Erstmal schicke ich dir ganz viel Kraft und eine liebevolle Umarmung. Es ht mich tief berührt und traurig gestimmt, was du zu deinen ersten erinnerten Gedanken "ich will nicht mehr leben" geschrieben hast. Da scheint noch viel in dir zu schlummern, was sicherlich sehr schmerzhaft ist.

Zu deinem Gedanken "es ist mir unerträglich ich zu sein". Was findest du denn unerträglich an dir? Oder bist es gar nicht du, die das findet, sondern deine dunkle Macht/ dein verinnerlichter Kritiker, der das denkt? So ist es jedenfalls bei mir. Wenn ich den Kritiker mal einen kurzen Moment zum Schweigen bringe, dann ist meine Selbstkritik jedenfalls nicht mehr so hart, nicht mehr so global und nicht mehr so vernichtend. Leider ist es sehr schwer diese dunkle Macht zum Schweigen zu bringen. Sie ist ständig da, sitzt neben mir, auf mir, in mir, drückt mich runter, quietscht mich aus und spuckt mich aus. Es kostet unfassbar Kraft ihr mal kurz das Wort abzuschneiden. Ein täglicher Kampf.
Ich denke man kann natürlich einzelne Verhaltensweisen ändern, besser kommunizieren oder versuchen sich selbst und Anderen mehr Liebe entgegen zu bringen. Aber ich weiß nicht, ob man sich wirklich selbst ändern kann?

Viel Durchhaltevermögen und Kraft wünsche ich dir!
Liebe Grüße
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 17 Juli 2021, 08:23:36
Hallo Darksoul

wie schön Dich zu lesen. Dein innerer Kritiker klingt anstrengend (meine Freundin sagt immer, dass man jedem Menschen der nur halb so unfreundlich wäre wie die eigene innere Stimme längst die Freundschaft gekündigt hätte. Sehr wahr...) - trotzdem muss ich Mal "dumm" nachfragen:
Woher kommt diese Stimme? Ist sie ein Teil von Dir? Ist sie Dir"nur" eingeredet worden? Kannst Du auf diesen Teil "einfach so" verzichten?

Das war bei mir anders. Meine "Kritiker" heißen angeblich "innerer Saboteur" und es war absolut unmöglich sie loszuwerden, leichter könnte ich meine Hand loswerden, denn diese Saboteure sind die Seele, die in Stücke gegangen ist. Ich kann ja nicht stückweise meine Seele abstoßen... was bliebe denn da übrig?...

Ich war also in 6 Stücken, musste durch sechs Versionen von "Ich will nicht mehr leben" durch, musste für sechs "unlösbare" Probleme Lösungen finden. Musste sechs Teile kennen lernen und feststellen, dass sie auch positive Eigenschaften haben, die mir sympathisch sind. Und musste dann vorsichtig die sechs Teile zusammen fügen. Hat'n paar Jahre gedauert (und das war wohl noch ne sehr gute Zeit, wenn man meiner Therapeutin glaubt) Jetzt habe ich das glaube ich.

Das Resultat liest Du jetzt. Ich bin sehr müde. Sehr traurig. Sehr desillusioniert (hätte ich doch bloß damals einfach alles beendet es wäre so viel einfacher gewesen). Aber diese sechs unterschiedlichen Saboteure sind integriert. Einzelne Mecker-Stimmen habe ich (jetzt) keine mehr. War ne Menge Arbeit, das kannste glauben...

Tja. Und nun? Ich mag weder mich noch das Leben aber immerhin habe ich nicht sechs motzende Kritiker die alle unterschiedliche Todesarten präferieren sondern "nur" meine eigene Unzufriedenheit.

Ob jetzt Dinge möglich sind, die nie möglich waren? Meine Therapeutin hat immer gesagt, dass man nicht dazu verflucht sei, Dinge, die man noch nie konnte weiterhin nicht zu können. Man könne auch das Problem finden, es lösen und die Dinge zukünftig anders machen. Ich habe das schon bei vielen Dingen funktionieren sehen. Vielleicht geht's auch bei sowas wie Lebensfreude und Selbstliebe (sagen wir erstmal Selbstakzeptanz, ich will nicht größenwahnsinnig werden)? Wäre doch denkbar? Und wo ich hier sowieso noch ein paar Jahrzehnte herumkriegen muss, kann ich die doch nutzen das zu versuchen? Ist jedenfalls ein Projekt, was die Zeit sinnvoller füllt als das Fernsehprogramm...

Ach keine Ahnung.

Man wird es sehen, ist ja nicht so dass ich was besseres vor hätte.

Das Leben ist kein Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 17 Juli 2021, 18:16:45
Liebe Ponyhof.

6! Saboteur!! Das klingt schlimm. Und super, dass du einen die etwas integriert und einen besseren Umgang mit ihnen gefunden hast! Aber klar, sie sind in uns diese Teile. Einfach ausschalten geht nicht. Wahrscheinlich werden sie uns ein Leben lang begleiten.
Meine Therapeutin und ich haben es die dunkle Macht getauft, weil es eben so mächtig ist. Wir machen Schematherapie nach dem Modusmodell. Da heißt es die dunkle Macht sind alle Glaubenssätze, die man von den wichtigsten Bezugspersonen gelernt hat und mein Leben lang (bis jetzt) auf mich wirkten. Und da soll man nach und nach lernen die gesunde Erwachsene zu stärken, das innere Kind, wie ein echtes Kind zu lieben, zu trösten und gegen die dunkle Macht zu schützen. Wir hatten mal bspw. eine Situation im Auto besprochen. Wo ich suizidal war. Da habe ich ihr beschrieben wie ich quasi mit der dunklen Macht ums Steuer gekämpft habe. Wir haben dann die gesunde Erwachsene Steuerfrau genannt und dann eine Imaginationsübung gemacht, wie ich (als gesunde Erwachsene) das Steuer übernehme und die dunkle Macht aus dem Auto werfe. Die Th. meinte, das könnte ich ja auch in echt machen. Anhalten, Beifahrertür auf, raus damit, weiter fahren. Leider habe ich bisher noch das Problem, dass die dunkle Macht durch irgendeine Ritze wieder rein kommt. So ein Biest! Aber ich arbeite dran.
Das Leben ist schließlich kein Ponyhof.
Aber wem sag ich das.

Herzliche Grüße!
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 20 Juli 2021, 09:42:53
Liebe Darksoul

schön, Dich zu lesen. Ja, das mit den sechs Saboteuren war echt kein Ponyhof. Und es macht mich ziemlich fertig, was ich für die ganze Quälerei bekommen habe: Ein Leben, was mir nicht gefällt. Ich bin ziemlich ratlos, hatte gedacht es sei der einzige Weg das aufzuarbeiten. Also hab ich die Ärmel hochgekrempelt und das ganze aufgewühlt und aufgearbeitet...
Tja. War es vermutlich auch.
Aber leider gefällt es mir da wo der Weg mich hingeführt hat nicht.
Alles umsonst...
Hätte ich doch damals lieber ... *seufz*

Deine Auto-Übung klingt nett. 😉 "Klar" dass die dunkle Macht immer wieder unbeobachtet ins Auto hüpft, alles andere wäre vermutlich zu einfach 😉 aber ich finde es eigentlich schon ein gutes Zeichen, dass Du sie überhaupt raussetzen kannst. #Pause ich muss mich konzentrieren... Voll cool! 👍👍👍 Vielleicht wird es mit üben besser, so dass Du sie häufiger und / oder für längere Zeiträume raussetzen kannst? 😯👍😃

Ich komme zur Zeit morgens Mal wieder fürchterlich schlecht aus dem Bett. Ich MAG einfach nicht. Mag nicht aufstehen, mag nicht arbeiten, mag nicht einkaufen, mag nicht... Nicht Mal freihaben mag ich, dann langweile ich mich, weil ich exakt NICHTS finde, WOZU ich tatsächlich Lust habe. So mache ich die Dinge die kommen ohne Lust... Arbeit, Sport, Einkauf, irgendwelche Ausflüge oder Freundinnen-Treffen am Wochenende. Und die Menschen sagen mir alles sei gut und ich komme morgens kaum hoch, obwohl der Ausflug doch was schönes sein sollte...

Ich weiß nicht, was ich falsch mache, ich weiß nicht, was ich ändern soll. Lebensfreude kann man nicht erzwingen... aber sie kommt einfach nicht auf 😞

Ach ja... Das Leben ist kein Ponyhof...

Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 28 Juli 2021, 10:45:14
Liebe Ponyhof.

Das hört sich wirklich sehr anstrengend, mühselig und entmutigen an. So viel hast du schon an dir gearbeitet und trotzdem kommt keine Lebensfreude auf.
Ja, das kenne ich auch. Ich denke oft, ich bin dem Leben nicht gewachsen. Es schafft mich.
Aufstehen ist meist die größte Hürde und dnan funktioniert man, aber Leben ist das nicht. Und Andere sehen eben nicht welchen Kampf man täglich führt, wieviel Kraft es kostet jeden Tag weiter zu machen, obwohl einem zum Aufgeben zu Mute ist.
So war es bei mir die letzten Wochen auch. Aber irgendwie hab ich mich aus der Phase rausgearbeitet. Ich weiß noch nicht mal genau, was es war, dass die Stimmung etwas besser ist.
Vielleicht ein geklärter Konflikt, unfassbar Liebe Worte meiner Ersatz-Mama.... Oder weil ich Urlaub habe?
Wenn ich es nur wüsste.

Ich drücke dich aus der Ferne und wünsche dir, dass es bei dir auch bergauf geht!

Liebe Grüße!
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Vorsichtig rantasten1 am 29 Juli 2021, 05:59:52
Hi kleines Pony

Wie schaut es mit Wohnungssuche aus? Habt ihr etwas Passendes gefunden?

Ich bin auch ziemlich am Ende mit gutem Rat....das Einzige was mir einfällt ist, ob dir vielleicht ein gemeinsames neues Hobby mit deinem Mann zusammen etwas Freude machen könnte. Z.B. ein Tanzkurs, ein Sprachkurs, ein Instrument lernen, im Sommer Kanu fahren, bouldern....gibt so viele Möglichkeiten; einfach machen. Oft kommt die Freude beim Tun;)

Liebe Grüße und ...weitermachen gell
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 01 August 2021, 18:05:04
Hallo Ihr Lieben 😃 wie schön Euch zu lesen.

Liebe Darksoul,

wie schön, dass es Dir etwas besser geht. Das freut mich sehr. Vielleicht kannst Du es Dir merken, denn wenn es wirklich ehrlich und ohne schummeln bessere Phasen GIBT, dann ist das allein ja schon ein sehr hilfreicher Aspekt in der nächsten dunklen Phase? ... Kannst Du dann hier nachschlagen, denn da ist es aufgeschrieben von der einzigen Person, die wirklich beurteilen kann, ob es Dir besser geht: Dir selbst... 😃👍
Du hast völlig Recht im Übrigen. "entmutigt" ist die beste Beschreibung meines Zustandes, die ich in letzter Zeit gehört habe. Ich bin das alles so leid, alles. Ich hab alles versucht, ehrlich. Hab alles getan was anfiel, ich kann und will einfach nicht mehr... Aber ein Ende ist nicht in Sicht. Ach wenn ich doch nur ein paar Jahrzehnte meines Lebens verschenken könnte... Andere könnten sie sicherlich brauchen und würden sich freuen. Mir würden 3 Monate reichen um meine Angelegenheiten zu ordnen, mich bei allen zu entschuldigen, die ich verletzt habe und noch ein letztes Mal ans Meer zu fahren. Das wäre schön. Da es nunmal nicht sein kann, wurschtele ich so vor mich hin. Ist halt kein Ponyhof...

Liebe Vorsichtig Rantasten

wie nett dass Du vorbeischaust. Ja, das mit den Hobbys ist das was wir versuchen. Wir haben uns ein Kanu gekauft und neue Fahrräder und so.
 Bewegung an frischer Luft soll ja angeblich immer gut sein. Der Erfolg ist mehr als mäßig, aber jedenfalls macht es die Entscheidung leichter, was mit so einem Wochenende geschehen soll und so gehen die Tage irgendwie vorbei. Ich weiß, ich bin undankbar. Ich habe so viele schöne Dinge und einen Mann der mich liebt und überhaupt. Ich sollte mich freuen. Aber was hilft dieses Wissen? Ich kann keine Freude herbeihexen und bisher hat es auch kein Medikament und kein Arzt gekonnt. Ich will nur, dass es vorbei ist. Aber das ist ja nunmal nicht in Sicht...
Die Wohnungssuche gestaltet sich schwierig.
Die Nachfrage überschreitet das Angebot bei weitem, der Markt ist leergefegt.
Allerdings...
Also es gibt da ein Häuschen. Alt, heruntergekommen und total verrottet. Es ist von oben bis unten renovierungsbedürftig, nichts kann bleiben. Es gibt Ärger mit dem Mieter, Ärger mit dem Bauamt, es ist angeblich irgendwelcher Müll im Garten vergraben, die Zufahrt ist nicht gesichert, man kommt nicht vernünftig hin, es ist der totale Schrotthaufen.
Es ist der totale Schrotthaufen und kein vernünftiger Mensch würde sich sowas freiwillig ans Bein binden.
Aber ... Es sieht aus wie aus einem alten Film, liegt fast unmittelbar am Wasser, es hat einen Garten, einen Kamin und eine ganz besondere Ausstrahlung.
Manchmal denke ich, wir sollten es einfach kaufen. Scheißegal, dass es nur Ärger macht. Scheißegal, dass wir beide NULL Ahnung von Renovierungsarbeiten haben, Handwerkliche Fähigkeiten gibt es in unser beider Familien und Freundeskreis praktisch Null. Scheißegal, dass das ne Geldverbrennungsmaschine ist, alles alles scheißegal... Denn ich mag es. Und wenn es mich tatsächlich motivieren würde aus dem Bett aufzustehen... Dann ist das vielleicht Grund genug...
"Sei vernünftig" sagen die Leute. "Was wollt Ihr denn mit so einer Schrottimmobilie?" Und sie haben ja Recht, wirklich. Mit sowas kann man sich ruinieren oder ins Unglück stürzen oder beides.  Aber andererseits, welcher vernünftige Mensch würde sich freiwillig einen Ponyhof anschaffen? Und den HABE ich schließlich schon... Vielleicht... Wenn ich sowieso die nächsten Jahrzehnte jeden Morgen meinen Hintern aus dem Bett treten muss - zur Not mit Gewalt - vielleicht gibt es dann nichts WICHTIGERES als Dinge zu finden, die das ganze ein kleines bisschen schöner machen? Egal wie dumm, teuer und unvernünftig?
Naja.
Wir sind noch nicht sicher, Mal sehen was die Zukunft bringt.
Liebe Grüße
vom
Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 08 August 2021, 10:02:46
Liebe Ponyhof.

Das mit dem Haus hast du so schön beschrieben. Ich kann es mir richtig lebhaft vorstellen. Und ich kann dich sooo verstehen. Ein Projekt, wo einem wirklich das Herz aufgeht, das ist selten und erst recht als depressiver Mensch. Ich würde es ws. machen.
Wir haben ein Haus, aber ein 0/8/15 und ich träume immer nich von so einem Schätzchen.
Und tatsächlich könnte es Ärger machen, aber es könnte auch Motivation und Freude bringen. Jedenfalls lese ich aus deiner Beschreibung, dass dir dabei das Herz aufgeht!

Zu mir: ja, du hast recht, man könnte sagen: super, dass es auch bessere Phasen gibt und sie könnten mir im nächsten Tief helfen. Aber so ist es leider nicht. Ich mache mir beim nächsten Tief nur noch mehr Vorwürfe, dass ich es wieder nicht geschafft habe ein neues Tief zu verhindern und das Hoch scheint so hoffnungslos weit entfernt, dass ich resigniere. Und die Phasen werden immer schwerer, mit immer stärkeren Suizidgedanken. Früher war ich nur leicht bis mittelgradig depressiv. Heute wird es immer gleich ne schwere Phase. Es ist alles so mühsam und fühlt sich so sinnlos an, wenn man kämpft und kämpft und kämpft und dann doch wieder ins Loch fällt.
Das Leben ist kein Ponyhof.
Alles Liebe
Deine Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 09 August 2021, 20:54:21
Liebe Darksoul,

ja verstehe, gerade wenn die schlechten Phasen schlimmer und länger werden, hilft das Wissen, dass es diese Hochs gibt irgendwie auch nicht weiter.
Bei mir war es so, dass ich Irgendwann festgestellt habe, dass die "einen" Phasen (besonders 'hoch' waren die allerdings nicht, ich habe verzweifelt und wie eine Irre mit allen vorhanden und nicht-Vorhandenen Kräften versucht irgendetwas 'tolles' zu erreichen, was am Ende entweder gescheitert ist - Absturz. Oder zwar funktioniert hat, aber mir dann doch nicht gefallen hat - Absturz.) die Gegenspieler zu den "anderen" Phasen (will-nicht-mehr-alles-scheißegal-sogar-zum-sterben-zu-müde...) waren.
Wenn man das mit den Phasen so formuliert, liegt die Lösung auf der Hand: Ausgleich der beiden Extreme, es gibt nichts, was SO toll ist, dass ich mich beim Versuch es zu erreichen umbringen sollte. Andererseits ist, wenn ich das beherzige, das Leben auch nicht SO scheußlich, dass ich mich auf der Stelle umbringen muss, weil es nicht zu ertragen ist.

Warum erzähle ich das jetzt? Weil ich mich frage, ob das "Erhalten des Hochs" von dem Du sprichst tatsächlich Dein Ziel ist - oder ob der Gedanke, dass das möglich ist eine Illusion ist, weil in 'Wirklichkeit' die Hochs die Gegenspieler der Tiefs sind? Vielleicht schaffst Du es nicht, ein Dauer-Hoch zu erschaffen, weil das nunmal nicht geht? (Ich hätte ganz offensichtlich nicht ununterbrochen mit 150%igem Einsatz irgendwas tun können, das geht ja gar nicht. Wo hätte die zusätzliche Energie denn herkommen sollen? Die schwarzen Löcher waren vorprogrammiert und nur der Abbau des Einen brachte die Abschwächung des Anderen)
Dumme Frage: Vielleicht ist es bei Dir ja ähnlich? Vielleicht gibt es innerhalb der Hoch-Phase etwas was Du tun könntest, was zwar Dein Hoch dämpft oder sonstwie weniger schön macht - aber dafür dem nächsten Tief etwas von seinem Gift abzwackt? Weil das ganze wie ein Pendel immer weiter ausschlägt?
Nur son Gedanke...

Das Leben ist kein Ponyhof...

Kennt Ihr das Gefühl, dass "die Leute" da "draußen" unfassbar viel Wert und Energie in irgendwelchen Mist stecken und man daher quasi prädestiniert ist ständig in irgendwelche Fettnäpfchen zu latschen? Ich kann auch nie erklären, warum ich das alles nicht hinkriege, was mir daran zu viel ist und überhaupt...

Kollegin 1 weiß zB. immer, wer wann wie gekleidet war. "Hast Du gesehen, Frau XYZ hatte dieselben Sachen an wie gestern" - ich habe aber diverse Teile doppelt oder sogar dreifach. Einfach deshalb, weil sie praktisch sind und ich damit mit einem Minimum an Aufwand in sauberen ordentlichen Klamotten zur Arbeit erscheinen kann. Eigentlich gut. Aber was, wenn Kollegin 1 solche Sachen auch über mich rumtratscht??? Die weiß ja nicht, dass ich das grüne T-Shirt dreimal habe. Was wenn sie glaubt ich wechsle die Kleidung nicht???

ZB. diese Sammlungen für Geburtstage und jeder "muss" daran denken und 2€ dazu tun und Vorschläge haben, was man für exakt 14€ (no more no less) der KolleginX schenken kann und die muss dann backen (Gekaufter Kuchen ist NOGO!) und der Kuchen muss aussehen wie aus der Werbung, das ist doch keine Mühe, machen wir doch alle gern, nicht wahr?

ZB. diese Betriebsfeiern, wo am nächsten Tag frei ist, weswegen man mindestens bis XUhr bleiben muss. Und ich weiß nichts zu erzählen, und ich bin sooo müde und je unwohler ich mich fühle desto weniger traue ich mich, mich mit jemandem zu unterhalten, weil man das ja merkt, aber ich kann ja nicht drei Stunden da sitzen und schweigen nicht wahr?

ZB...

Ach... Ihr kennt das bestimmt auch? Früher habe ich überall rumerzählt, dass ich depressiv bin. Ich hatte gehofft, es würde mir mehr Verständnis einbringen. Aber so funktioniert das nicht, daher habe ich es irgendwann aufgegeben. Hilft alles nix. Die Leute werden denken, was sie wollen und irgendwas reden, so ist der Mensch wohl nunmal gestrickt. Es sollte mir egal sein, aber es macht mich müde und stärkt die Angst vor den Menschen, was das Bedürfnis nach Abgeschiedenheit stärkt und daher ein Teufelskreis ist.

Naja. Ist halt kein Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 10 August 2021, 14:03:52
Liebe Ponyhof.

Ja, ich denke, es ist bei mir ähnlich. Ein richtiges Hoch ist es auch nicht. Nur halt besser. Ich will mich gerade nicht umbringen. Wobei wollen auch in Frage gestellt ist. Ich will eigentlich nie, aber meine dunkle Macht macht mich so fertig, dass ich denke es bringt mich um und ich kann nicht mehr.

Wegen den Situationen, die du beschreibst.... Ehrlich gesagt gehe ich solchen oberflächlichen, hässlichen Menschen aus dem Weg. Und von mir erzählen würde ich solchen Menschen auch nichts. Wie langweilig und bitter muss das eigene Leben sein, dass man über die Kleidung von Anderen lästert. Ich finde das armselig.
Kannst du dich von den Kollegen distanzieren? Nur das Nötigste kommunizieren? Ich wünsche dir liebevollere Menschen um dich, die dich akzeptieren, wie du bist.

Verrückterweise habe ich ganz viele solche liebevollen Menschen, um mich. Aber ich kann ihre Liebe irgendwie nicht annehmen. Ich denke immer, wenn sie mich noch mehr kennenlernen, dann verlassen sie mich, weil ich nicht liebenswert bin. Oder ich vermute hinter jeder noch so lieben Tat, hinter jedem noch so lieben Wort, irgendeine negative Hintertür. Vielleicht habe ich eine Bindungsstörung?! Ich kann einfach Niemandem vertrauen. Zu viele negative Erfahrungen. Zu allererst mit meinen Eltern, später mit Mitschülern, Männern usw.

Aber ich habe einen großen Schritt gewagt und meinen narzistischen Vater endlich blockiert. Meine Therapeutin war sehr stolz auf mich. Aber ich habe große Angst, was kommt, wenn er es merkt. Irgendwie wird er mich erreichen und es mir tausendfach zurück zahlen. Denn ich bin ja verrückt, empfindlich, spinne usw.

Könnte das Leben doch ein Ponyhof sein.

Herzliche Grüße
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 11 August 2021, 22:40:59
Liebe Darksoul

Hey, wow, das mit Deinem Vater klingt wie ein großer Schritt. Das war sehr mutig von Dir! Ich könnte mir ne Menge toller Auswirkungen vorstellen, die das alles bewirkt. Und weißt Du was? Was immer Dein Vater als Reaktion bringt, dann haste sie wenigstens hinter Dir. Wie Pflaster abreißen. #ratsch "das hätten wir"
Toitoitoi 👍

Ob ich mich von "solchen" Menschen distanzieren kann, fragst Du? Das ist wirklich eine ausgesprochen gute Frage!!!
Weil: Was "kann" ich denn?
Offensichtlich bin ich nicht "gezwungen" mit den Kolleginnen für Geburtstage zu sammeln, ich werde auch nicht gefeuert, wenn ich Betriebsfeiern absage und es ist auch nicht verboten sich aus allen gemeinsamen Pausen oder privaten Unterhaltungen auszuklinken.
So gesehen könnte ich also.
Andererseits sind diese Interna bei uns bei der Arbeit sehr stark. Alle nehmen sie sehr ernst. Und sehr wichtig. Wer nicht zur Kaffeerunde kommt, der ist nicht auf dem laufenden. Wer nicht auf dem laufenden ist, wird noch mehr Fettnäpfchen mitnehmen (zB. hat Kollegin A eine schwerkranke Mutter, die im sterben liegt. Weiß ich aus der Kaffeerunde. Also bin ich bei Kollegin A gewesen und habe ihr Arbeit abgenommen. Kollegin B andererseits war nicht bei der Kaffeerunde und nicht bei Kollegin A helfen. Alle sind schlecht auf B zu sprechen, weil sie A nicht helfen geht. Aber ich bin mir gar nicht sicher, ob B von As Mutter weiß. Vielleicht hat es ihr keiner erzählt, weil sie in der Pause als drüber gesprochen wurde nicht dabei war?). Wer die anderen auf dem laufenden hält, kann jede Menge Unterstützung und Hilfe bekommen. Wer sich für sich hält und sein Privatleben privat hält, andererseits, braucht nicht auf Verständnis und Unterstützung hoffen... Denn für die Außenseiter fühlt sich keiner zuständig. Selbst schuld.

Ob ich mich von 'sowas' distanzieren kann? - Nun, ich könnte mir einen anderen Job suchen. Aber ob es da besser wäre? Ansonsten habe ich das Gefühl, dass es durch zu viel Distanz nur schlimmer würde. Der Laden funktioniert so und ohne absolute Notwendigkeit sollte ich mich nicht zu sehr vom Mittelpunkt des Interesses entfernen. Gibt nur Schwierigkeiten...

Die Lösung liegt also schätzungsweise - Mal wieder - irgendwo zwischen den Extremen. Nicht zum Außenseiter machen aber auch nicht von jedem Mist der geredet wird beeinflussen lassen. Zur Kaffeerunde gehen, aber zusehen, dass ich da zügig wieder loskomme (Was man in den ersten paar Minuten nicht erzählt bekommt, wird wohl so wichtig nicht sein...) Vielleicht kann ich beim nächsten "Kollegin XYZ hat schon wieder dieselben Klamotten an" ja Mal einfließen lassen, dass ich mehrere T-Shirts doppelt habe ? Ist doch nicht verwerflich?

Wenn man bedenkt, dass ich die Pausen anstrengender finde als die Arbeit selbst, ist wohl kein Wunder, dass ich immer so müde bin...

Naja, wir wissen ja:

Alles kein Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 12 August 2021, 09:46:44
Liebe Ponyhof.

Ja, ich verstehe dein Dilemma. Das ist nicht so leicht.ich weiß das noch aus der Rehaklinik, wo ich mal gearbeitet habe.
Ehrlich gesagt bin ich eine Freundin offener Wort rund liebevoller Kommunikation. Demnach würde ich auf jeden Fall auf die Tshirt-Debatte einwerfen, dass die Kollegin (wie ich) vielleicht einfach Klamotten in doppelter Ausführung besitzt und dass es mir recht egal ist, außer sie stinkt.
Bei den Kaffeerunden, wenn dann über Andere hergezogen wird, das mag ich gar nicht. Da würde ich auch einwerfen, dass die Kollegin B vielleicht nichts von der Erkrankung weiß und Kollegin A es ihr ja selber erzählen könnte, wenn ihr danach wäre.
Ich habe mir an der Arbeit meine Lieblingsmenschen rausgesucht, mit denen habe ich die Pause verbracht. Was die Anderen gemacht haben, war mir ziemlich egal. Auch wenn ich aus deren Sicht bestimmt eine Außenseiterin war. Aber meine Lieblingsmenschen waren eben tolle Menschen, ohne Lästerei und auch ohne Wut, wenn ich mal eine Pause in Ruhe alleine verbringen wollte.
Denn ich wäre, genau wie du, noch erschöpfter gewesen, wenn ich nervige Pausen gehabt hätte.

Ich drücke die Daumen, dass du für dich eine Lösung findest.

Mein Vater.... Ja, mal sehen. Ich denke wir werden trotzdem zu seinem Geburtstag gehen. Denn das wäre eine echte Kriegserklärung nicht hinzugehen. Und ich will ja nur, dass er mich respektvoll behandelt und die Kontakte nicht nur nach seinen Regeln laufen und aber nicht ganz und gar den Kontakt abbrechen.
Aber ich übe noch mit meiner Therapeutin, wie ich ihm gegenüber trete, was ich sage usw.
Ich hoffe ich schaffe es.

Liebe Grüße
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 19 August 2021, 15:54:54
Liebe Darksoul

bitte entschuldige die späte Rückmeldung. Ich dachte, ich hätte schon geantwortet, hatte aber dann offensichtlich nicht abgeschickt. *Huch*
Ja, das mit dem Zickenkrieg bei der Arbeit ist so eine Sache... Früher habe ich mich bei sowas oft für die schwarzen Schafe eingesetzt. Irgendwann habe ich festgestellt, dass sich für mich keiner so einsetzt, ich es MIR aber doppelt und dreifach schwer mache, wenn ich für andere streite, daher versuche ich mir das gerade abzugewöhnen. Ich mache mein Ding und fertig, ich bin weder Mutter Theresa noch für irgendjemand anderen als mich zuständig...

Familientreffen, ja davon kann ich auch ein Lied singen - ich muss auch schon wieder zu einem. Wie kommt es, dass die Menschen, die einem am wichtigsten sein sollten nur das Bedürfnis vermitteln vom nächsten Balkon zu springen?

Alles kein Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 20 August 2021, 13:10:00
Liebe Ponyhof.

Schön von dir zu lesen. Ich hatte dich schon etwas vermisst.

Ja, für Andere einsetzen ist schwierig. Oft ist man dann natürlich auch Zielscheibe oder es wird einem nicht gedankt. "Dein Ding machen" , hört sich doch gut an.
Genau, es ist ja schon schwer genug, für sich selbst zu sorgen.

Ja, Familienfeiern.... Ein Graus. Manchmal frage ich mich auch, warum ich mir das überhaupt antun. Meine Therapeutin ist da auch eher radikal, so nach dem Motto "Was dir nicht gut tut, muss weg". Aber ich beharren darauf, dass ich ihnen nochmal die Chance geben will mich respektvoll zu behandeln. Schließlich habe ich es vorher nie eingefordert und jetzt tue ich es und hoffe, dass es Wirkung zeigt. Wenn nicht, kann ich den Kontakt ja immer noch ganz abbrechen.
Aber rirgendwie brauche ich auch noch die Illusion eine Familie zu haben. Kontaktabbruch würde heißen, dass es wahr wird, dass ich keine Familie habe. Hört sich vielleicht merkwürdig an, aber so fühlt es sich an.

Hast du regelmäßig Kontakt zur Familie?

Liebe Grüße!
Darksoul
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 22 August 2021, 15:19:12
Liebe Darksoul,

schön, Dich zu lesen. Bei meiner Familie ist es so, dass ich zu meiner Schwester inzwischen regelmäßig Kontakt habe. Es ist nicht alles toll (Was ist das schon?) aber im großen und ganzen ist es j-e-t-z-t so, dass wir das ganz gut hinbekommen mit dem respektvollen Umgang. Und die Vergangenheit wird ja durch Kontaktabbruch auch nicht anders. Ist wie bei allem anderen auch: die Vergangenheit kann nichts auslöschen. Nicht Mal der Sprung vom Balkon...
Was meinen Vater angeht (meine Mutter ist tot) ist das ganze ziemlich kompliziert.
Ich habe vor Jahren Mal eine Familienaufstellung gemacht. Da sollte ich meine Gefühle und meine Beziehung zu meinem Vater in einem Satz zusammen fassen. Mein Satz für meinen Vater lautet "Ich wäre lieber tot als Deine Tochter". Das sagt vermutlich schon alles...
Also, von meinem Vater respektvollen Umgang zu wollen wäre so ähnlich, als wollte ich im Hochsommer Neuschnee. Man kann ja vieles w-o-l-l-e-n aber... Meinem Vater ist das Konzept des gegenseitigen Respekts völlig fremd. Und das nicht, weil er son Arsch ist. Sondern, weil es seinem Weltbild komplett zuwider läuft. Bei meinem Vater ist es so: Er selbst ist in seinen Augen das wertloseste Wesen unter der Sonne. Jeder andere ist ihm übergeordnet, er selbst muss sich ducken, kriechen, unterwerfen, dienen und dankbar sein für den Müll und die Reste, die man ihm überlässt. Nun ist es so, dass er sich selbst sooo wertlos empfindet, dass er das quasi überträgt. Was kann SEINE Familie schließlich wert sein? Bei DEM Vater? Seine Kinder sollen Mal nicht größenwahnsinnig werden, ist doch klar, dass andere viel besser sind...
Das bedeutet, dass für meinen Vater wir mein Leben lang die zweit, dritt und viert- wertlostesten Personen der Welt waren. Meine Mutter, meine Schwester und ich. Wir sollten das verstehen, sollten für andere verzichten, sollten zurück stecken, sollten "Bescheidenheit" lernen,  "das tust Du doch gern!"
Ich höre seit ich denken kann, ich müsse meinen Vater verstehen und er meine das nicht böse und er opfere sich auf für alle auf und behandle sich selbst doch NOCH schlechter und überhaupt.
Trotzdem habe ich irgendwann beschlossen, dass es mir reicht. Ich bestreite nicht, dass mein Vater eine Menge Mist erlebt hat, ich bestreite nicht, dass mein Vater mich nicht aus Egoismus wie zweite Wahl behandelt, aber ich habe für mich beschlossen, dass ich für einen Menschen, der mich für die dritt-wertloseste Person auf diesem Planeten hält nur wenig Platz in meinem Leben habe. Es ist nicht gut für mein Selbstwertgefühl (und damit ist es eh nicht besonders weit her) wenn ich sowas nicht übel nehme sondern dafür Verständnis habe, dass man mich so überhaupt nicht wertschätzt und behandelt wie einen Menschen zweiter Klasse.  Was immer der Grund.
Tja.
Ich stand zig Mal haarscharf vorm Kontaktabbruch und ohne eingreifen meiner Schwester und ewiger Geduld meines Mannes wäre es auch so gekommen.
Letztlich habe ich jetzt für mich entschieden, dass ich nicht möchte, dass irgendwann das Telefon geht und mein Vater tot ist. Außerdem möchte ich mich nicht mit Schuldgefühlen herum schlagen, dass ich meinen armen alten Vater soooo schlecht behandelt habe.
Also habe ich mich für einen Kompromiss entschieden. Wir sehen uns ca 4mal im Jahr. Trinken Kaffee und essen Kuchen. Reden über Wetter und Urlaub. Ich fahre nach zwei Stunden wieder. Und fertig. Ich erzähle ihm möglichst nichts von mir - geht ihn auch nichts an und seine Meinung will ich gar nicht wissen - aber ich halte losen Kontakt. An den Tagen nach den Treffen geht's mir dreckig - denn ich wäre lieber tot als seine Tochter und ich habe mich Mal wieder als seine Tochter verhalten aber so einfach ist das ja bekanntlich nicht... Aber die im-Bett-liegen-und-sterben-wollen Phasen danach werden inzwischen kürzer und weniger heftig. Immerhin.

Familientreffen habe ich dieses Wochenende Mal wieder hinter mich gebracht. Ich warte auf das Loch, was in den nächsten Stunden eintreffen sollte. Ich wäre lieber tot als seine Tochter... Aber naja. Ich habe entschieden, dass dieses Loch das kleinste Übel ist, was ich finde. Also muss es so sein. Therapeuten machen nach meiner Erfahrung gern radikale Vorschläge. Kontaktabbruch ist eine typische Therapeuten-Maßnahme finde ich. Ich versuche von den Extremen wegzukommen. Wie sagt man auf Neudeutsch "flatten the curve" ? Wenn ich Recht habe mit meiner Methode, sollte dieses Familientreffen-Loch etwas flacher ausfallen als das Loch nach dem letzten Treffen... das etwas flacher war als das davor. Das...
Man wird sehen...

Wie war Dein Familientreffen @Darksoul? Ging's? Wie läuft denn sowas bei Euch ab?

Liebe Grüße

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 22 August 2021, 19:36:10
Liebe Ponyhof.

Puh, das hört sich schon beim Lesen sehr anstrengend an mit deinem Vater. Da verstehe ich, dass du den Kontakt minimiert hast. Und es scheint ja zumindest eine Lösung zu sein, mit der du noch gerade zurecht kommst. Aber dass es dir danach schlecht geht, kann ich verstehen. Ist halt auch anstrengend mit so einer Familie und (so ist es jedenfalls bei mir) ergreift einen danach auch manchmal eine Trauer, dass man eben nicht gesehen und geliebt wird und nicht die Familie hat, die wünschenswert wäre.
Schön, dass es wenigstens mit deiner Schwester besser geworden ist.
Schon krass, dass auch meist die Geschwister Probleme haben, wenns mit den Eltern schwierig war/ist. Eigentlich hätte man ja die Chance sich als Geschwister zusammen zu rotten und sich gegenseitig zu unterstützen. Aber das scheint schwer zu sein.
Ich hoffe dein Tief wird nicht zu schlimm. Ich schicke dir ganz viel Kraft!

Mein Familientreffen ist glücklicherweise erst nächsten Sonntag..... Ein bisschen Schonfrist noch.
Meine Familie ist sehr kompliziert. Mein Vater würde 4x im Jahr nicht akzeptieren, das ist das Problem. Er klammert. Und ist gleichzeitig ein Narzisst. Also er liebt mich nur, wenn ich ihn vergöttere und Alles richtig mache, was unmöglich ist. Er hat uns für 14 Uhr am Sonntag eingeladen. Möchte aber eigentlich, dass wir schon Freitag kommen. Dazu hat kein Mann ihm geschrieben, dass es nicht geht. Das versteht er aber nicht und macht weiter Druck.
Wir kommen dann da an und müssen uns wie ein Elefant im Porzellanladen verhalten. Zudem wird er gemerkt haben, dass ich ihn blockiert habe, also wird er erstmal danach fragen und wenn ich ihm die Wahrheit sage, wird er mich für verrückt erklären. Denn er ist ja der Beste, wie komme ich darauf IHN zu blockieren usw. . Also halte ich die Schnauze und behaupte mein Handy sei kaputt oder ich eröffne das Feuer. Dann könnte es sein, dass es nicht mehr zum Kaffeetrinken kommt, weil wir flüchten. Mal sehen.... Morgen bereite ich das noch mit der Therapeutin vor..... Mir fehlen sonst oft die Worte.... Traumablockade.
Insofern verstehe ich, dass die Therapeutin für Kontaktabbruch plädiert. Denn man soll ja keinen Täterkontakt haben, um heilen zu können (wobei er sich heute natürlich nicht mehr das traut, was er früher mit mir gemacht hat).
Aber kompletter Kontaktabbruch ist eben wirklich kompliziert und ich habe auch Schuldgefühle, wie du auch schon sagtest.
Alles kein Ponyhof.

Liebe Grüße
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 25 August 2021, 11:00:58
Liebe Darksoul

oh ja, das klingt auch furchtbar anstrengend bei Euch. Und wie so oft bei Traumata scheint es gar keine "richtige" Methode zu geben, nur falsche. (Wie Du schon sagst: die Traumata brauchen ja Ruhe zum heilen - aber Ruhe kommt nicht rein. Wenn man aber mit Drama und Theater, Schuldgefühlen und (Selbst?)-Vorwürfen einen Kontaktabbruch zelebriert, was soll das mit Ruhe zu tun haben?🤷🏼‍♀️) Alles kein Ponyhof. 🙄

Mich hat gestern eine Freundin zum Tanzkurs mitgeschleppt. 2 Stunden sollte der Kurs dauern. Erstmal 20 Minuten dumm rumstehen, während die Damen über ihre Kinder quatschen.  Dann 10 min dumm rumstehen während... Naja letztlich würde ich sagen gab's ne knappe dreiviertel Stunde Sport, eineinviertel Stunden dumm rumgestanden. Die Mädels waren so ganz freundlich aber "was machen die Kinder?" war DAS vorherrschende Thema. Und ich... fühlte mich blöd und fehl am Platz und "ernsthaft" Sport gemacht hab ich auf diese Weise auch nicht. Ne halbe Stunde Fitnessstudio wäre viel effektiver gewesen. Soll ich nochmal hingehen? Weil "Man muss unter Menschen, das ist gut bei Depressionen" ja überall verkündet wird -  oder soll ich nicht mehr hingehen, weil ich mich unwohl gefühlt habe und das Leben vom unwohl-fühlen ja nun auch nicht besser wird? 🤔
Keine Ahnung. Und dieses blöde "das ist ne wichtige Entscheidung ich sollte NICHT irgendwas tun" Gefühl macht es nicht besser.
Wie entscheidet man sowas?
Ach ich hab keine Ahnung. UND ich hab keine Ahnung warum ich immer an Fragen verzweifele, die sonst keiner sieht...

Liebe Grüße

vom Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 25 August 2021, 17:04:01
Hey liebe Ponyhof.

Schön von dir zu lesen.
Nicht so schön, hört sich deine Tanzkurserfahrung an.
Kannten die sich alle schon vorher untereinander? Eigentlich ist ja ein Tanzkurs auch keine typische Gelegenheit, um sich über Kinder auszutauschen. Ich mag solche Mutti eh meistens nicht..... Habe zwar selbst Kinder, aber auch keine Lust mich dauernd nur darüber zu unterhalten. Als wenn es nichts Anderes gäbe. Aber Manche sind vielleicht unsicher und dann ist über Kinder reden ein unverfängliches Thema.
Gibst du dem Kurs eine 2. Chance? Vielleicht ist es ja beim nächsten Mal besser?
Jedenfalls doch gut, dass du dich getraut hast.
Das finde ich schon mutig.
Aber klar, man sollte sich schon wohl fühlen.
Ich würde auch gerne Tanzen, aber traue mich nicht. Das höchste der Gefühle war für mich bisher ein Yoga- und ein Rehasport-Kurs.... Mit alten Leuten.... Da fühle ich mich nicht ganz so beobachtet und bewertet. Vor Tanzkursen habe ich Angst. Also mache ich zu Hause Sport oder tanze alleine im Schlafzimmer.
Vielleicht würde ich mit meinem Mann zu einem Paartanzkurs gehen, aber er will nicht und dann müssten wir auch noch einen Babysitter bezahlen, was wir uns momentan nicht leisten können.

Meine Woche ist ziemlich mies. Unser Hund ist alt und hat nun unstillbaren Durchfall und Erbrechen. Ich fürchte, sie stirbt bald. Gerade liegt sie beim Tierarzt und bekommt eine Infusion und sie nehmen Blut ab, um zu sehen, was die Ursache ist.
Dann noch das bevorstehende Familytreffen am We..... Seit gestern weine ich dauernd.... Die Nerven liegen Blank...... Brauche einsame Insel oder Ponyhof.

Wie war es eigentlich mit deiner Stimmung nach dem Treffen mit deinem Vater? Kam das Tief, wie befürchtet?

Liebe Grüße,
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 27 August 2021, 15:11:47
Liebe Darksoul

oh Mann, Deine Woche klingt ja richtig scheiße. Gibt's schon was neues von Eurem Hund? Ich drücke selbstverständlich alle Daumen, vielleicht ist es ja "nur" ein Virus und wird wieder?

Hier gibt's nicht viel zu berichten "Alles Scheiße, Deine Elli" sagt mein Mann gern, wenn ich so drauf bin. Ich bin soooooo müde. Aber nichtmal schlafen geht. Nur auf dem Sofa liegen, Hörbuch den ganzen Tag und irgendwelche Handy-Spielchen, weil ich die Hände nicht still halten kann. Ich versuche Irgendwie die Arbeit herum zu bekommen, Haushalt bleibt liegen, ist mir alles so egal. Keine Ahnung. An Tagen wie heute bin ich nur froh, dass wir keine Schrottimmobilie besitzen. Wahrscheinlich ist das alles eine Schnapsidee, ich bin für sowas zu kaputt. Ich sollte froh sein, dass ich es hinbekomme regelmäßig zur Arbeit und zum Sport zu gehen. Irgendwelche abgefahrenen Ideen sind für "normale" nicht für Leute wie mich. Sollte ich vielleicht einfach Mal einsehen.
Noch 50 Jahre leben? Oh Gott...

Alles kein Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 28 August 2021, 17:28:47
Hey liebe Ponyhof.

Unserem Hund geht es besser. Hat eine Infusion mit Elektrolyten bekommen und 1 Tag nichts trinken und essen, jetzt hat es sich beruhigt. Aber es scheint eine chronische Magenschleimhautentzündung zu sein und sie ist halt schon 11. Das ist für einen großen Hund ein stolzes Alter. Aber wir hoffen mit der neuen Schonkost in kleinen Portionen, schafft sie es noch etwas bei uns zu bleiben.

Wie geht's dir?
Ich kann dich gut verstehen. Manchmal geht halt nix. Ich mache es dann auch oft so, dass ich Hörbuch oder Podcast höre und dabei aufm Handy spiele.
Ist schwer zu sagen, ob eine Schrottimmobilie eine neue Belastung wäre oder vielleicht sogar eine Triebfeder, etwas was dir einen Sinn gibt..... Jedenfalls wenn es dir Freude macht zu sanieren/ renovieren.
Ich hatte plötzlich viel Energie, als wir unser Haus gekauft und renoviert haben. Und es ist irgendwie toll selbst was zu erschaffen. Und auch das Gefühl jetzt in UNSEREM Haus zu wohnen, ist toll.
Schützt natürlich auch nicht vor Depressionen, wie man an mir sieht.... Es ist eben nur eine Sache.
Aber wenn man sich wohlfühlt, wo man wohnt, ist es eben doch schön.... Ein eigenes Nest, ein sicherer Ort, ein Wohlfühlort.

Wir hatten gerade noch netten Besuch von einer befreundeten Familie. Jetzt bin ich platt. Und gleichzeitig aufgeregt, wegen dem Familytreffen morgen.

Schicke dir liebe Grüße!
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 29 August 2021, 17:54:06
Liebe Darksoul,

das sind ja gute Nachrichten. 😃 Klar, 11 ist ein stolzes Alter für einen großen Hund, aber vielleicht bleibt sie Euch ja trotzdem noch ne Weile erhalten. Klingt jedenfalls erst Mal nach nem Hoffnungsschimmer. 👍👍👍 Du sitzt wahrscheinlich gerade im Familientreffen. Toitoitoi! Jedenfalls hast Du es hinter Dir, wenn Du meine Nachricht liest, egal wie scheußlich es war, dann ist es erstmal rum.
Wie's mir geht? 🤷🏼‍♀️ Erwartungsgemäß. Ich will nicht mehr leben, aber das bedarf ja quasi gar keiner besonderen Erwähnung. Deshalb sind wir schließlich hier. Ich will einfach nicht mehr. Nichts. Vielleicht noch Kartoffelchips essen und mit Hörbuch / Serien auf der Couch hängen, bis ich endlich sterbe. Aber sonst jedenfalls nichts.
Wieso ist morgen eigentlich schon wieder Montag? Ich will nicht zur Arbeit. Immer der gleiche Stress. Und immer diese Lügen (Kann auf die Fragen wie es mir geht, wie ich das Wochenende verbracht habe und Co schließlich nicht die Wahrheit antworten). Aber ich will mich auch nicht krank melden - schließlich bin ich immer depressiv. Wenn dieses "Will nicht mehr leben" Gefühl also als Arbeitsentschuldigung zählt - dann kann ich nie wieder arbeiten. Ach, ich weiß es nicht... Irgendetwas mache ich falsch. Morgen also wieder Montag. Auf geht's. Hilft ja alles nix. Kein Ponyhof aber wem erzähle ich das... 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 30 August 2021, 15:55:44
Und wie war Dein Familientreffen @Darksoul? Ich hab die Daumen gedrückt.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 31 August 2021, 19:39:21
Liebe Ponyhof.

Danke fürs Daumendrücken!
Es war ganz ok. Er hat mich nicht aufs Blockieren angesprochen. Entweder war es ihm vor seinem Besuch doch zu peinlich oder seine Frau (er ist nicht mehr mit meiner Mutter verheiratet) hat ihn vorher eingenordet.
Habe versucht nie mit ihm alleine zu sein und mich viel mit den anderen Gästen unterhalten. Das war dann ok. Hatte vorher mit meiner Therapeutin Imaginationsübungen gemacht, dass ich das innere Kind zu Hause lasse und als gesunde Erwachsene hingehe. Das hat etwas geholfen.

Aber trotzdem habe ich jetzt ein Tief.... Bin total erschöpft, habe noch nicht mal Lust mit dem Hund raus zu gehen..... Aber muss ja.... Das Leben ist eben kein Ponyhof.

Wie war dein Wochenstart?
Die Entscheidung mit dem Krankschreiben lassen, ist natürlich schwierig. Ich bleibe auch selten zu Hause. Mir geht's dann meist noch schlechter, weil ich mich auch noch so nutzlos fühle. Nur wenn ich mal wieder gar nicht meine Gefühle unter Kontrolle habe und dauernd weinen muss, bleibe ich daheim.
Lässt du dich manchmal Krankschreiben?
Manchen Leuten hilft es ja auch mal eine Auszeit zu haben.

Liebe Grüße vom Sofa!
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 01 September 2021, 14:49:24
Liebe Darksoul

das klingt doch "eigentlich"  sehr erfolgreich. - Ich kenne das aber. Alle sagen etwas sei gut gelaufen und ich solle mich freuen und stolz sein und ich denke "Wenn DAS das Ziel ist, wäre ich lieber auf der Stelle tot, als noch mehr solcher Erfolge ertragen zu müssen" und will nur im Bett liegen und verschiedene Todesszenarien erfinden und zum tausendstenmal noch konkreter durchplanen, wie ganz genau ich es machen würde... Ach, es ist echt alles kein Ponyhof.
Diese Imaginationsübungen (gesunde Erwachsene erledigt das und lässt das kranke Kind zu Hause) gefällt mir. 👍
 Auch wenn ich es einleuchtend finde, dass man danach völlig fertig ist. Schließlich ist es ein "Trick" um stärker und souveräner aufzutreten als man in Wirklichkeit ist. Dass das anstrengend ist leuchtet mir schon ein.  So ist das eben... 😞 Familientreffen sind echt kein Ponyhof...

Bei mir auf Arbeit ist es so, dass alle sehr eng zusammen glucken. Alles wissen wollen und so. Früher habe ich mich manchmal krankschreiben lassen. Aber dann muss ich entweder lügen warum ich fehle, was alles elendig kompliziert macht, oder die Wahrheit sagen, was eben auch schwierig ist. Insofern hilft es mir nicht, ich sitze dann zu Hause und habe Angst vor dem nächsten Arbeitstag - es kommen "Wie geht's Dir?" WhatsApps ,- die ich beantworten muss - alles nicht böse gemeint, ich weiß ja - aber - das bringt gar nichts. Und bevor ich zu Hause Panik schiebe, geh ich lieber arbeiten. Zur Not mit aufgeschnittenen Armen, das hilft gegen heulen. Ich muss aber dazu sagen, dass ich seit einer Krebserkrankung vor ein paar Jahren (Ich hätte einfach nur die Therapie ablehnen müssen, dann wäre es jetzt vermutlich schon geschafft!!! *seufz*) nur Teilzeit arbeite, außerdem bin ich dadurch schwerbehindert, was zusätzliche Urlaubstage bringt.
Ich bin auch ziemlich routiniert bei der Arbeit - mehr Verantwortung oder Mitarbeiterführung lehne ich regelmäßig wegen "das liegt mir nicht" ab. Ich mache mein Zeug und gehe nach Hause. An ganz schlechten Tagen bewältige ich nur meine Termine (irgendwie) und sonst sitze ich einfach ein paar Stunden da, starre auf den PC, warte auf Feierabend und schaffe gar nichts. Ist dann eben so, das hole ich schon wieder auf. Und dann komme ich nach Hause, Schuhe und Jacke landen auf dem Boden und ich starre stundenlang ins Leere. Zu müde um irgendwas zu tun, geschweige denn etwas konstruktives. Es macht keinen Spaß, aber es funktioniert. Ich kann nachts schlafen ohne Angst vor dem nächsten Tag. Das ist wie man so schön sagt zu viel zum sterben und zu wenig zum Leben. Und die Zeit vergeht quälend langsam...

Ich habe noch eine Menge Urlaub. Ich hatte vor zwei Jahren mit mühsam zusammen gekratzter Motivation eine Reise geplant, - die natürlich Corona weichen musste. Die Motivation Lust auf etwas anderes zu entwickeln bringe ich nicht mehr zusammen. Keine Lust. Geht ja doch nur wieder etwas schief. Wir werden demnächst etwas von dem Urlaub nehmen "müssen" (mein Mann darf seinen nicht aufheben) und ich habe keine Ahnung, was wir mit der freien Zeit tun sollen. Wegfahren? Wohin? Und was ist mit Corona und den Quarantäne Vorschriften? Oder sollen wir Zuhause bleiben? Und dann? Zwei Wochen fernsehen und Pizza essen? Es ist schon seltsam, dass ich gleichzeitig die Arbeit als enorme Belastung und die Freizeit nicht als erstrebenswert empfinden kann. Mein Großvater soll so gewesen sein, nachdem er aus der Kriegsgefangenschaft kam. Er wollte einfach nur seine Ruhe. Ging morgens zur Arbeit. Und Abends ins Bett. Kein Urlaub, kein Hobby, keine Feier. Meine Mutter sagte immer, es sei ihm alles zu viel gewesen. Das ganze Leben. So fühle ich mich auch. Das ganze Leben. Ich sollte es mögen, aber mir kann niemand erklären, wie man an diesen Punkt kommt. Das Leben zu mögen. Schade, dass ich diesen Großvater nie kennen gelernt habe, aber er starb lange vor meiner Geburt.

Naja. Alles kein Ponyhof.

Darksoul, ich wünsch Dir was. Jedenfalls ist jetzt erstmal wieder etwas Zeit bis zum nächsten Familientreffen. Und wenn wir in der Zeit weiter an uns arbeiten, fällt es uns dann vielleicht schon wieder ein klein wenig leichter es zu bewältigen. Schritt für Schritt.

Liebe Grüße

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 01 September 2021, 21:42:24
Liebe Ponyhof.

Danke für deine guten Wünsche! Das tut gut, dass du mich verstehen kannst. Für Gesunde scheint so ein Familientreffen wirklich Ponyhof zu sein. Aber für uns ist es das halt nicht.
Und ja, über Erfolge freuen ist schwer. Eine gute Freundin, die auch so ziemlich alles weiß, sagt mir ständig "du machst das super! Du machst so viele Fortschritte!" und ich denke dann nur: "ja, kann sein, aber ich spüre es nicht, es kommt nicht an". Und darum geht doch, oder? Das man auch spüren kann, dass etwas Positiv ist. Tja.... Krieg ich nicht hin.
Insofern kann ich deine Gedanken gut verstehen, was das Leben angeht. Ich lebe, aber ich kanns nicht genießen. Ich denke auch oft, ich bin einfach zu schwach für dieses Leben. Es schafft mich, aber ICH schaffe ES aber nicht.

Puh, was du schon durchgemacht hast. Sogar eine Krebserkrankung. Ehrlich gesagt, bin ich froh, dass du noch lebst. Sonst hätte ich dich hier nicht getroffen und könnte nicht mit dir schreiben.
Aber ich kenne natürlich auch den Gedanken, dass es vielleicht leichter wäre, wenn irgendetwas käme, was mir das Leben nähme, dann müsste ich das nicht entscheiden. Aber an Krebs sterben ist natürlich sehr elendig....das sehe ich gerade an meiner Mutter.
Dann doch lieber Herzinfarkt..... Da gab es doch so einen Film über Krebskranke und Jack Nicholson hängt über dem Klo und kotzt sich die Seele aus dem Leib, guckt hoch und sagt: "und irgendwo stirbt gerade ein Glückspilz an einem Herzinfarkt". Fand ich so herrlich makaber, aber passend.

Deine Arbeit hört sich echt anstrengend an..... Dieses Geglucke und Nachfragen, das ist natürlich wirklich too much. Klar, dass du dich da unter Druck fühlst. Das ginge mir in deiner Situation sicher ähnlich.
Da kann ich gut verstehen, dass du dich ungern Krankschreiben lassen möchtest.
Und geht das mit dem Urlaub jetzt nicht besser? Weiß ja nicht, ob du geimpft bist..... Ich dachte da dürfte man jetzt doch wieder reisen..... Kenne mich aber nicht gut aus, weil ich mir eh keinen Urlaub im Ausland leisten kann.... Jedenfalls nicht mit der ganzen Bande.
Wünsche dir, dass du für dich eine gute Lösung findest, wie der Urlaub zumindest erträglich wird.

Alles kein Ponyhof!
Sei lieb gegrüßt.
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 02 September 2021, 16:33:39
Liebe Darksoul

das ist lieb, dass Du gut findest, dass ich noch da bin. Hallo 🙋🏼‍♀️. Ja, dieses "Für andere IST es ein Ponyhof" treibt mich auch zur Verzweiflung.

Was um alles in der Welt mache ich denn bloß falsch???

 *tja* Es scheint keine Antwort zu geben. "the truth was, she simply was'nt very good at Life" (Tana French). Ich habe die Befürchtung, dass es so IST. Manche Menschen mögen Ponys und müssen "nur" beim Stall ausmisten die Zähne zusammen beißen, schon ist alles blendend. Während ich die Zähne schon bei dem zusammen beiße, was andere mögen. Bei den objektiv-blöden  Seiten des Lebens ist es dann ganz aus. Vermutlich einfach Pech, nix zu machen.. 

Was die Erfolge angeht, denke ich, dass ein "echter" Erfolg sich daran misst, dass er auch da ist, wenn ich mich nicht erfolgreich fühle (weil ich die positiven Gefühle halt nicht herbei hexen kann). Aber manchmal gibt es Dinge, die SIND (nachweislich) etwas weniger mistig. Und ich versuche diese Erfolge wahrzunehmen und wert zu schätzen, ob ich mich nun freue oder nicht. Wer weiß, vielleicht lerne ich irgendwann mich zu freuen? Und dann habe ich diese Erfolge alle schon auf der Seite. 😃

Also halten wir durch, denn es wird garantiert nicht von alleine besser

Seufz ... Alles kein Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 05 September 2021, 10:59:48
Liebe Ponyhof.

Ja, das denke ich auch dauernd..... Was mache ich bloß falsch!?
Aber vielleicht machen wir nichts falsch, sondern wir sind eben sensibel und die Welt ist es nicht. Das sagen ja auch viele Wissenschaftler. Dass die Wettbewerbsgesellschaft eben schlecht für Menschen ist.
Habe vorgestern einen interessanten Podcast mit Cathy Kleff und Cathy Hummels und deren Bruder gehört. Cathy Hummels war ja depressiv und ihr Bruder ist Psychiater und Psychotherapeut.
Dabei habe ich mich gefragt, ob ich wohl chronisch depressiv bin oder eher wiederkehrend. Ich glaube bei mir ist es wiederkehrend, allerdings habe ich dazwischen auch keine normale Stimmung. Das heißt wohl dysthym. Und beides zusammen Double Depression..... Super: doppelte Depression. Das Leben ist echt kein Ponyhof.

Wie ist das bei dir? Eher chronisch oder eher wiederkehrend?

Mit geht's gerade wieder sehr schlecht. Ich verkrieche mich heute.... In diesem Sinne....
Liebe Grüße vom Sofa!
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 05 September 2021, 21:31:53
Liebe Darksoul

ich habe schon so viele Ärzte konsultiert, dass ich schon gefühlt alles an Diagnosen hatte, was so rumläuft. Schwere Depression. Chronische Depression. Dysthymia. Chronische Suizidalität. Chronisch rezidivierende Depression. Angststörung. Diverse Persönlichkeitsstörungen (bei depressiv-suizidal habe ich mehr Punkte geholt, als die Skala hergibt. Der Therapeut, der den Test gemacht hat, hat mich danach behandelt wie ein rohes Ei 🤪🤣).
"Alles" halt.
Ich beobachte bei mir (keine Ahnung wie das diagnostisch heißt) jedenfalls zwei verschiedene Phasen.
Zum einen habe ich Phasen in denen die Verzweiflung mich treibt etwas zu tun. Irgendwas. Bestimmt finde ich den Sinn des Lebens in der sprichwörtlichen blauen Blume am Ende des Regenbogens, wer wird denn da nach 16 Stunden Fußmarsch aufgeben, nur weil die Füße völlig kaputt sind? Noch einen Kilometer auf den Knien durch den Schnee, dann einen auf dem Zahnfleisch, dann... durchhalten, durchhalten, da vorne wartet der Regenbogen, durchhalten, ich kann jetzt nicht schlafen, los, los, los...
Bis ich völlig im Eimer bin - und die komische Blume mir nichts mehr bedeutet, wer hatte nochmal gesagt, die sei wichtig? Und wofür? Und ich bin völlig am Boden...
Und zum anderen habe ich Phasen, wo ich lethargisch herum hänge. Alles zu viel, alles. Keine Lust auf nichts, will nicht mehr. Will NICHTS aber am allerwenigsten will ich nochmal die Hoffnung aufbringen, dass irgendetwas besser werden könnte... Man sieht ja wohin das führt, ich finde mich jetzt damit ab, dass NICHTS gut wird, nie mehr. Dann bleib ich für immer auf dem Sofa. Ich werde nicht nochmal so dumm sein zu hoffen, es gebe irgendwas erstrebenswertes auf der Welt, nein nein nein...

Das eigentlich blöde dabei ist, dass ich mich in beiden Phasen gleich scheußlich fühle. Es ist also nicht so, dass ich depressive gegen gute Phasen tauschen würde. Ich tausche nur verzweifelten Aktionismus gegen verzweifelte Lethargie. Die Verzweiflung bleibt als einzige Konstante.

Double Depression nennt man sowas? Okay, macht Sinn und kein Wunder, dass es so schwer zu bekämpfen ist. Es GIBT den Zustand den wir suchten ja gar nicht und gab ihn (zumindest bei mir ist das so) auch nie. Ich muss überall das sprichwörtliche Rad neu erfinden, dieser "Erinnern Sie sich an einen Zustand als es gut war" Zustand existiert bei mir nicht ...

Das gute bei dem ganzen Mist ist allerdings, dass ich - seit ich DAS begriffen habe - verstanden habe, dass die Lösung in der Mitte liegt. Sie MUSS dort liegen, ob es sich nun so anfühlt oder nicht, es ist die einzige sinnvolle Möglichkeit, die bleibt. DAS wiederum bedeutet, dass ich versuchen kann innerhalb der Phasen gegen zu steuern. Ich WEISS doch schon wie es laufen wird... Also gehe ich in lethargischen Phasen trotzdem arbeiten und in aktionistischen Phasen trotzdem früh ins Bett. Es mag sich anfühlen, wie das Ende der Welt, aber ich bin davon überzeugt, dass es der einzige Weg ist. Also trete ich mich mit Gewalt aus dem Bett, wenn ich nur liegen und weinen will und ich achte darauf aus Aktionismus nichts lebenswichtiges zu verheizen - denn auch wenn es sich so anfühlt als würde alles besser, wenn ich nur jetzt noch einmal in einer letzten gewaltigen Kraftanstrengung.... Nur dieses eine Mal noch... So wird eben doch nicht plötzlich #Hokuspokus alles gut werden und ich sollte auf meine Ressourcen achten. Denn sie sind alles was ich habe.

"Flatten the curve" wie man so schön sagt.

Es kommt mir vor als würde ich zwischen Stall-Ausmisten und todkrankes-Pony-erschießen hin und her pendeln, aber das Pendel schlägt weniger stark aus als noch vor 2 Jahren. Es geht in die richtige Richtung. Ich fühle mich schlecht, aber es geht in die richtige Richtung.

Ich sage ja: Echte Erfolge sieht man auch, wenn man sich nicht danach fühlt...

Ach, Darksoul, es ist doch echt alles ein Elend. Ich würde Dir gerade gern einen heißen Kakao auf deinem Sofa servieren. Ich finde heißer Kakao geht noch, auch wenn sonst echt nicht mehr viel geht... Wie ist das bei Dir mit der doppelten Depression und den unterschiedlichen Phasen?

Nicht aufgeben, wir bleiben dran - wird sonst nur schlimmer. 🤪

Liebe Grüße
Vom Ponyhof


Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 05 September 2021, 22:46:04
Liebe Ponyhof.

Das hört sich wirklich nicht nach Ponyhof an.
Du kannst das auch so treffend beschreiben, dass ich es mir richtig vorstellen kann. Auf jeden Fall ist es bestimmt nicht leicht gar keine Hoffnung mehr zu haben.
Aber immerhin sagt du, dass es geht in die richtige Richtung und hast mehr verstanden.
Das denke ich auch manchmal. Und dann wieder, ich weiß, dass ich nichts weiß.
Die vielen Diagnosen sind ja auch abenteuerlich..... Da spricht ja fast Verzweiflung aus den Experten. 😂
Ist ja eigentlich auch egal wie man es nennt. Scheiße ist es so oder so.
Also machst du jetzt keine Therapie mehr? Medis?

Bei mir gibt es die Phase, die ich als knalle depressiv oder den Abgrund bezeichnen würde. Da sehe ich wirklich nichts Positives mehr. Todessehnsucht wechselt sich mit mega Schuldgefühlen ab. Weil ich einfach nicht sterben darf. Ich muss durchhalten, meinen Kindern zu liebe. Andererseits mache ich mir Vorwürfe auch lebend keine gute Mutter zu sein.... Obwohl mir alle das Gegenteil sagen.... Es geht nicht rein in meinen Schädel.
Ich kann auch nicht völlig passiv sein.... Zum Einen natürlich weil mein Umfeld mich funktionierend braucht und zum Anderen bin ich sehr unerträglich unruhig dabei und muss mich ständig bewegen. Erst wenn ich völlig platt bin, komme ich etwas zur Ruhe.
Und dann gibt es die Phasen dazwischen. Da habe ich schon etwas Hoffnung, aber mehr in Form von Sehnsucht, die sich nie stillen lässt. Ich mache auch Pläne und versuche Alles etwas lockerer zu sehen, komme auch etwas besser zur Ruhe. Aber da ich auch eine PTBS habe, erinnern mich die Flashbacks und Trigger ständig daran, wie krank ich bin und dass meine Sehnsucht nach einem anderen Leben unerreichbar ist.
Wenn ich das dann durchdringend kapiert habe, beginne ich wieder bei Phase 1.
Bis 2016 war ich quasi völlig dissoziiert. Habe fast nie über Probleme und meine Vergangenheit nachgedacht, 40-50 Stunden gearbeitet und damit sogar recht gut gelebt. Ich hatte zwar in der Kindheit auch schon depressive Phasen und einen Suizidversuch. Aber von 2003-2016 ging es dann mit Verdrängung.
2016 war dann mein Totalzusammenbruch. Seitdem mehrere schwere Phasen und ich bin ständig in Therapie, die auch zeitweise hilft, aber ich komme nicht mehr richtig raus.
Daher versuche ich in der jetzigen Therapie meine PTBS anzugehen, um die Grundlagen zu bearbeiten. Aber ob das klappt!? Bin gerade in der Hoffnungslosphase. Todessehnsucht und Schuldgefühle.

Alles kein Ponyhof. Aber wem sag ich das.
Danke, du Leidensgenossin.
Hab eine gute Nacht!

Liebe Grüße
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 08 September 2021, 15:54:19
Liebe Darksoul

Oh Mann, das klingt aber auch alles gar nicht nach Ponyhof... Übrigens hatte ich das auch lange: "alle" (incl. diverser Therapeuten) sagten, ich "dürfe" so nicht denken. "Müsse" etwas anderes denken. Alles wäre gut, wenn ich das anderes dächte ...  Aber ich konnte es nicht ändern, ich DACHTE es eben. Ich konnte es nicht lassen. Es hat lange gedauert und mich viel gekostet, bis ich irgendwann beschlossen habe, nicht länger zu versuchen das zu denken, was mir andere als "besser" vorschlagen, sondern statt dessen mit den Gedanken zu arbeiten, die sich tatsächlich in meinem Kopf befinden.
Ich kann keine anderen Gedanken hexen.
Auch nicht, wenn das besser WÄRE, ja überhaupt alles gut wäre, wenn ich einfach nur nicht ich sondern jemand anderes wäre... Du siehst was ich meine? Das bringt doch überhaupt nix...
Darf ich fragen, wie Deine Kinder Deine psychische Verfassung insb. mit Zusammenbruch weggesteckt haben? Ist bestimmt nicht so einfach für Euch alle?

Ich mache tatsächlich gar keine Therapie mehr, nehme auch keine Medikamente mehr. Schon bei dieser Saboteursthematik stand für mich immer und immer wieder im Vordergrund, dass alles meine Entscheidung bleiben muss - mein Vertrauen in Therapeuten ist so nachhaltig hinüber, dass ich da zwar hingehen kann - aber dann eben nicht offen für deren Input bin. Ich meine: Da sitzt jemand, dessen Beruf es ist mich davon abzuhalten, mich umzubringen. Er wird dies mit allen Mitteln versuchen, notfalls Gewalt anwenden (lassen). Warum sollte ich so jemandem meine Gedanken zu dem Thema anvertrauen um ihm die Mittel in die Hand zu geben mich zu hindern falls ich mich entschließe? Bin ich dumm? Die Entscheidung zu leben oder zu sterben ist meine eigene und ich werde nicht zulassen, dass man sie mir nimmt.
Ich stehe noch bei einer Ärztin in der Kartei, falls ich Mal ein Attest, ein Rezept oder eine Einweisung brauche.
Und ansonsten sehe ich es so, dass mein "funktionieren" (Arbeit, Haushalt etc) der Preis dafür ist, dass ich keinen soundsovielten Therapieversuch starten muss. Solange es mir das wert ist - bleibt es so. Ich habe so viele Therapeuten aufgesucht. Ich denke, dass ein weiterer Versuch nur sinnvoll ist, wenn ich irgendeine konkrete Idee habe, was für eine Therapie ich machen möchte und wo ich so etwas finde. Bis dahin lasse ich es ... Been there done that didn't like it...

Es ist allerdings so, dass das aufarbeiten der 6Saboteursthemen bei mir immer noch nach wirkt. Das merke ich regelmäßig. Die Anstrengungen für das aufrecht Erhalten der normalen Fassade von Job und Co werden weniger, das Funktionieren wird leichter. Das Ziel ist es wie gesagt, die Extreme zu schwächen und die Mitte zu stabilisieren.

Ich arbeite daran.

Liebe Grüße

vom
Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 09 September 2021, 16:18:46
Liebe Ponyhof.

Ja, nach deinen Erfahrungen kann ich es natürlich gut verstehen, dass du Therapie gegenüber eher ablehnend eingestellt bist. Und es gibt ja auch wirklich viele schlechte Therapeuten, was ich so höre. Vielleicht geht es ja auch ohne. Du scheinst auf jeden Fall einen Weg gefunden zu haben.
Ich kriege eher Panik ohne Therapie.
Mein Ausflug in die Welt der Tiefenpsycholgischen und Analytischen Therapie war auch sehr furchtbar. Es ging mir nach den Sitzungen schlechter als vorher. Ich war gefangen in Flashbacks oder habe mich zumindest schlechter und als total Unfähig gefühlt. Also habe ich nach meiner sehr hilfreichen 1. Verhaltenstherapie nun eine 2. Verhaltenstherapie begonnen..... Wobei die eben mehr Schematherapie und Traumatherapie macht.
Und mit dem Problem der Suizidalität können natürlich auch nicht alle umgehen. Wobei ich es da etwas anders sehe als du. Ich kann meiner Therapeutin ja zusichern, dass ich nicht akut suizidal bin und trotzdem meinen freien Willen behalten und mir die Option offen halten. Da sRecht hat ja im Grunde auch Jeder.
Meine 1. Therapeutin war da sowieso recht entspannt und war ganz überzeugt, dass ich es wegen meiner Kinder eh nicht tun werde. Auch wenn ich mir da gar nicht so sicher war/ bin.
Meine jetzige Therapeutin ist ziemlich unruhig geworden, als ihr klar war, dass ich sowohl einen Suizidversuch hinter mir habe, als auch aktuell immer wieder Gedanken und Phantasien. Ich musste ihr zusichern mich in die Klinik einzuweisen, falls es akut ist. Und nicht Auto zu fahren, wenn ich Suizidgedanken habe. Aber da behalte ich ja trotzdem meinen freien Willen und ich finde es gut, dass sie sich trotzdem absichert. Ich will ja gar nicht, dass sie rechtliche Probleme bekommt, falls ich es tue.
Ich mag sie auch wirklich und glaube ihr, dass sie mir helfen will. Insofern versuche ich nicht nur für meine Kinder durchzuhalten, sondern auch weil ich den möglichen Erfolg der Therapie abwarten möchte.

Du fragtest nach meinen Kindern und meinem Zusammenbruch. Ich hab es versucht zu verheimlichen. Sie waren da ja noch jünger. Außerdem war ich dann ja plötzlich viel daheim. Statt 50 Stunden Arbeit. Das haben sie in gewisser Weise auch genossen. So viel Zeit und Kraft hatte ich lange nicht mehr frei. Denn nach 50 Stunden war ich sehr fertig und hatte keine Kraft mehr mich vernünftig zu kümmern.
Mittlerweile wissen sie, dass sowohl mein Mann als auch ich Therapie machen.
Medis nehme ich nur pflanzliche.... Weil ich ein Kontrollfreak bin und eine Substanz einzuwerfen, von der ich nicht weiß, was sie mit mir macht, das geht nicht. Selbst bei dem Life900 morgens und dem Melatonin zum Schlafen habe ich monatelang drüber gegrübelt, bevor ich mich getraut habe. Das Melatonin hilft meistens tatsächlich. Das Life hilft etwas die Grundstimmung zu heben. Aber ich sag mal, von 0 auf 10. Also auch nicht Bombe. Erst recht, wenn es konkrete äußere Auslöser gibt, hab ich nix mehr davon.

Naja, das Leben ist kein Ponyhof.

Wie läuft es an der Arbeit?

Liebe Grüße
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 12 September 2021, 13:38:24
Liebe Darksoul

Du hast natürlich vollkommen Recht, unseren freien Willen kann uns keiner nehmen, das ist ja auch richtig so.

Ich habe die tiefenpsychologische Therapie auch als sehr sehr schmerzhaft erlebt, glaube tatsächlich, das muss so. Ich meine das ganze basiert ja darauf, dass man alte Traumata und tiefe Wunden nochmal aufreißt und darin herum stochert. Dass man sich dabei furchtbar fühlt, ist glaube ich unausweichlich. Wenn alles klappt wie es soll und man Glück hat, ist die alte Wunde danach "sauber" und beginnt endlich zu vernarben. Das wäre natürlich gut. (ich persönlich habe manchmal auch das Gefühl, dass es SO weh tut, die Dinge aufzureißen, dass man danach viel leichter bereit ist, sich mit sonstwas abzufinden - Geht schon, kann so bleiben, Hauptsache niemand reißt da nochmal irgendwas auf... "Nur Ruhe" halt...).

Ich hatte den Eindruck, dass MEIN Unterbewusstsein (kA ob das für alle gilt) so funktioniert, dass die Lösung für irgendwelche Trigger-Events immer "im Toten Winkel" lag - also da, wo ich nicht hinsehen konnte - oder wollte. Alles musste als Licht, egal wie schmerzhaft, schambelastet, schrecklich... Erst wenn ich das offen hatte, was ich am aller wenigsten sehen oder preisgeben wollte, ging es weiter. Glaube DAS ist Tiefenpsychologie. Ach es war echt kein Ponyhof... Ich kann mir vorstellen, dass es nicht machbar ist so etwas zu versuchen, während man versucht für seine Kinder stark und "normal" zu sein. ICH hätte das ganz sicher nicht gekonnt, an viel zu vielen Tagen war ich schon überfordert etwas anzuziehen... dieses gestochere in den alten Themen frass alles an Energie und Motivation, was ich aufbringen konnte...

Bei der Arbeit läuft es so lala. Ich versuche darauf zu achten von Grundsatzdiskussionen weiträumig wegzubleiben. Wenn mich etwas nicht in dem Moment persönlich betrifft, kann mir völlig egal sein, was für Meinungen kursieren. Hat eh keinen Zweck. Ich brauche da nicht meinen Senf zugeben und niemanden von irgendwas überzeugen. Versuche ich drauf zu achten. Ich habe letzte Woche was blödes erlebt: Wir haben eine neue Kollegin, die neu zur Pausenrunde kam. Da sie GEFRAGT hatte. (und ich der Meinung bin, dass das kein schmutziges Geheimnis ist) habe ich auf ihre Fragen und Nachfragen vom Krebs erzählt. Meinem. Und dem in meiner Familie. Usw. Lange blöde Geschichte, das sehe ich ja ein, aber ich kann ja auch nix dafür. Kollegin war geschockt und macht seit dem einen Bogen um mich.
Na, super.
Ich bin ziemlich ratlos, weil ich eigentlich nicht gewillt bin diesbezüglich zu lügen... hoffe die Kollegin kriegt sich wieder ein und stellt fest, dass ich nicht Tag und Nacht nur von Krebs rede, wenn man mich nicht darauf anspricht...

Ansonsten hier nicht viel neues. Was auch ...

Liebe Grüße vom

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 15 September 2021, 08:45:39
Liebe Ponyhof.

Das mit deiner Kollegin ist ja echt doof. Aber ja, ich glaube es gibt Menschen, die vertragen keine tiefgehende Gespräche oder schlechte Nachrichten. Vielleicht nimmt es sie zu sehr mit?
Schade jedenfalls, dass sie dich jetzt scheinbar meidet. Das ist natürlich ein blödes Gefühl. Aber wer weiß, vielleicht kriegt sie sich wieder ein.

Das mit dem Wunden aufreißen kennst du also auch. Ich weiß nicht, ob das so sein soll. Es war jedenfalls furchtbar und ich hatte nicht das Gefühl, dass die Therapeutin das irgendwie auffangen kann. Das ist in den anderen Therapien anders (gewesen).

Mir geht's sehr schlecht. Unser Hund war kurze Zeit wieder fit und jetzt hatte er gestern plötzlich eine Lähmung der Hinterläufe und konnte nicht mehr aufstehen, hat den Kopf immer so überstreckt und die Vorderläufe steif nach vorne gestreckt. 820 Euro später war klar, sie hatte einen Rückenmarksinfarkt. Es war so furchtbar. Ich habe die ganze Zeit Rotz und Wasser geheult, weil ich das Elend nicht mit ansehen konnte und Angst hatte, wir müssen sie einschläfern lassen. Sie bekommt jetzt täglich Infusionen, aber das ist keine richtige Medizin dagegen sondern unterstützt nur den möglichen Heilungsprozess. Also abwarten. Wenn es nicht anschlägt, müssen wir sie einschläfern lassen.
Jetzt kommen noch finanzielle Sorgen dazu. Aber ich kann sie ja nicht einfach ihrem Schicksal überlassen.

Ach und mein Vater hat gemerkt, dass ich ihn blockiert habe und macht jetzt richtig Druck über meinen Mann.

Überhaupt kein Ponyhof im Moment.

Liebe Grüße
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 16 September 2021, 17:02:20
Liebe Darksoul

Oh Mann, bei Dir kommt es aber mal wieder richtig "dicke" - was? Toitoitoi, ich hoffe soooo sehr, dass Dein Hund die Kurve nochmal bekommt. Es ist schrecklich so ein hilfloses Wesen leiden zu sehen und wenn man dann entscheiden soll, ob leben oder sterben... Ach, schrecklich. Also, alle Daumen sind gedrückt, eigentlich hätten wir doch jetzt Mal ein bisschen Glück verdient, finde ich? Vielleicht hast Du da ja jetzt Mal was von, Pech war doch jetzt reichlich...

Bei mir gibt's nicht viel neues. Alles plätschert so vor sich hin. Es macht keinen Spaß, aber ich schlafe (meist) ohne nächtlich Panikattacken und komme morgens irgendwie aus dem Bett. Wird wohl das beste sein, was ich erreichen kann. Schlafen ohne Angst.
Ich bin dankbar. Aber noch 50 Jahre Ponyhof, mit nachts-ruhig-schlafen als Highlight und Belohnung für harte Zeiten? Ich weiß nicht... Toll ist anders. Aber naja.

Leben auf dem Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 24 September 2021, 15:03:06
Liebe Ponyhof.

Tut mir leid, dass ich so lange nicht geantwortet habe. Aber mir fehlte die Kraft.
Wir mussten am 17.09. unseren Hund einschläfern lassen. Das war so furchtbar und wir vermissen sie sehr.
Seit dem dümpel ich so vor mich hin. Nichts motiviert mich. Bin krank zu Hause. Manchmal stehe ich noch nicht mal auf..... Bzw. erst nachmittags, wenn die Kinder wieder da sind. Muss mich ja zusammen reißen.

Ich hoffe bei dir läuft es besser.

Liebe Grüße!
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 28 September 2021, 20:42:33
Liebe Darksoul

Oh Mann das klingt ja ganz übel. Ich hatte schon befürchtet, dass es Eurem Hund schlechter geht, aber natürlich hofft man ja doch immer noch, dass es nicht ganz so wild ist.
Ich bin gerade Mal wieder in einer "Aktionismus - Phase" - könnte alles gleichzeitig tun. Alles mit Gewalt und über meine Kräfte. Kann doch so nicht bleiben, ich muss doch dafür sorgen, dass es besser wird, nicht wahr? Wer wird denn langsam und in Ruhe machen, wenn sich doch schnell und mit Gewalt viel mehr erreichen lässt? Vielleicht geht es mir ja besser, wenn ich nur eben erst noch... *Ach*...
Es ist doch echt alles kein Ponyhof...
Ich bin das alles so leid, ehrlich. Es wird nie besser, ich weiß ja. Ich sollte das nicht versuchen, ich mache mich damit kaputt. Aber wenn's doch so nicht bleiben kann? ...

*seufz* Ich weiß nichts, was ich Dir wünschen könnte - weiß nicht Mal etwas zum mir-wünschen. Halt Dich tapfer, was anderes bleibt ja nicht übrig.

Liebe Grüße
vom Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 29 September 2021, 15:21:10
Liebe Ponyhof.
Danke für deine guten Wünsche zur Tapferkeit. Ja, ich versuche es. Auch wenn mich mein Leben gerade auf eine harte Probe stellt.
Aktionismusphase hört sich ja erstmal nicht schlecht an. Wenn du was tust, was dir helfen könnte, muss ja rein statistisch irgendwann mal was dabei sein.
Überforderung ist natürlich nicht so gut. Aber wenn man erstmal im Flow ist, passiert das auch schnell.
Ich wünsche dir, dass auch was Gutes dabei rum kommt! Und du dich nicht zu sehr überforderst.

Der Verlust meines Hundes schmerzt mich sehr, ich vermisse sie unendlich. Besonders wenn es mir sehr schlecht ging, war sie mir immer ein wichtiger Halt, Trost, Tagesstruktur, Schutz (ich hab viel Angst alleine).
Ich habe auch beschlossen nicht ohne Hund leben zu können und mir einen Welpen ausgesucht, der nächste Woche Freitag bei uns einzieht. Das gibt mir schon etwas Auftrieb.
Aber der Knaller kam dann gestern. Seit mein Vater gemerkt hat, dass ich ihn blockiert habe, ruft er dauernd meinen Mann an und schreibt ihm, ich solle mich zurück melden, da er mit mir sprechen will. Keine Fragen, warum ich ihn blockiert habe. Selbstkritik ist ihm fremd.
Ich bin natürlich das Problem, weil ich einfach verrückt bin..... Das hat er schon immer behauptet.
Nun hat er gestern wieder angerufen und dann meinem Mann geschrieben, dass er uns nicht erreicht und daher am Samstag persönlich kommt..... Wohlbemerkt 100km. Und ich weiß, dass er dann ausrasten und mich fertig machen wird. Seitdem bin ich in einem Daueranspannungszustand und plane eigentlich nur, wie ich Samstag komplett außer Haus sein kann. Aber wenn er mich Samstag nicht trifft, kann er natürlich auch an jedem anderen Tag kommen. Ich fühle mich also in meinem eigenen Haus nicht mehr sicher. Ganz davon ab, was das auch für meine Kinder für ein Bedrohungsszenario ist. Er ist wirklich krank.

Sehne mich nach Ponyhof!

Liebe Grüße
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 30 September 2021, 14:42:25
Liebe Darksoul,

ein Welpe 🤩 das ist doch eine gute Nachricht. Natürlich kann er die alte Hündin nicht ersetzen, das ist ja klar. Trotzdem bringt so eine kleine flauschige Fellnase doch etwas Licht ins Dunkel, da bin ich überzeugt.
Oh Mann, einen ausrastenden Vater hast Du nun ausgerechnet jetzt gar nicht gebraucht, was? Schöner Mist. Da ist offenbar guter Rat teuer - denn ich sehe es wie Du. Wenn er Dich Samstag nicht antrifft, wird er vermutlich irgendwann unangekündigt vor der Tür stehen. Und ob die Angst vor diesem Moment und das Warten darauf wirklich besser sind als die Konfrontation... Ach ist doch echt alles kein Ponyhof... 😞

Tja rein statistisch müsste es besser werden bei mir. Längst. Ich sehe es selbst und das macht mich ja so ratlos. Denn immer wenn ich etwas sehe, wovon ich hoffe, dass es etwas besser macht, ist das am Ende ein fetter Energiefresser, der mich fix und fertig macht ohne dass es mir ein bisschen besser geht... ich bin nur total am Boden. Ich habe keine Ahnung woran es liegt. Irgendwas mache ich falsch. Nur was?

Alles kein Ponyhof.

Ich drück die Daumen Darksoul! Ich hoffe die Situation mit deinem Vater lässt sich irgendwie entschärfen, ist ja echt kein Zustand der Mist...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 10 Oktober 2021, 18:17:08


Heute ist bei mir Mal wieder besonders schlimm. Ich will einfach nicht mehr. Nichts. Will nicht aufstehen. Will nicht arbeiten. Will nicht zum Sport. Menschen sind furchtbar anstrengend, weil man für die immer lächeln muss... Alles nix.
Heute habe ich nicht das Gefühl das noch vierzig Jahre durchzuhalten. Was soll das ganze schließlich? Noch ne Schaufel Pferdescheiße? Jaja... Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 19 Oktober 2021, 09:41:18
Liebe Ponyhof.
Tut mir leid, dass ich so lange nicht geantwortet habe und dazu, dass es dir auch noch schlecht ging.... Ich hoffe, es geht schon wieder besser!
Ich war im Stress. Vorm Urlaub gab es irre viel zu tun. Mein Mann hat jetzt auch eine volle Stelle. Also war ich im Struggle zwischen Arbeit, Kinder, Haushalt und dazu noch die Vorbereitungen für unseren Welpen.
Am 08.10. haben wir den Kleinen dann abgeholt. Und er ist einfach sooo zuckersüß. Ich bin Schockverliebt. Aber er ist auch sehr ängstlich, sodass wir mit ihm erstmal viel zu tun hatten. Angsttherapie ;-).... jetzt geht es schon besser. Er ist auch schon fast stubenrein und wir gehen regelmäßig in die Welpenschule. Dort bin ich wirklich so abgelenkt und entspannt, wie ewig nicht mehr. Der Kleine tut mir richtig gut. Und er ist auch ganz lieb. Knabbert nichts an, schläft ganz viel. Sogar wenn ich ihn mit in meine Therapie nehme, ist er ganz ruhig und schläft fast die ganze Zeit zwischen meinen Beinen. Trotzdem erinnert er mich oft an meinen alten Hund und ich bin noch oft sehr traurig.
Das Antidepressivum scheint mir auch etwas zu helfen. Ich komme nicht mehr so tief runter wie sonst. Die Suizidgedanken sind auch weg. Erstmal. Ich traue dem Braten nicht. Mir ist in den letzten Jahren so viel scheiß passiert, dass ich immer denke "gleich passiert wieder was Schlimmes".
Aber der Hund ist wenigstens eine willkommene Ablenkung.... Ein bisschen Ponyhof :-D

Liebe Grüße!
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 20 Oktober 2021, 20:22:17
Liebe Darksoul

schön Dich zu lesen und schön, dass es bei Dir gerade Mal etwas besser läuft. Ich meine: Ein Tag Ponyhof ist ein Tag Ponyhof. Selbst wenn's nicht so bleibt, hat man den Tag immerhin gehabt und geschafft ist dieser Tag zusätzlich noch. Immerhin. 😃

Bei mir ist es auch wieder etwas aufwärts gegangen - nicht doll aber jedenfalls komme ich morgens wieder einigermaßen aus dem Bett und mir tut nicht immer das Gesicht vom krampfhaften lächeln weh. Wofür man alles dankbar sein 'muss'. Es ist schon zum verzweifeln, was alles als "gute" Phase zählt, aber hilft ja nix. Man muss nehmen, was man bekommt.
Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 22 Oktober 2021, 15:13:30
Das Leben ist kein Ponyhof...

Ich habe irgendwo weiter oben ja schonmal von meiner Traumatherapie und den Saboteuren berichtet.

Gestern hatte ich die Erkenntnis, dass ich einen Saboteur habe, der mit Suizidgedanken reagiert (okay, so weit war das schon bekannt).
Neue Erkenntnis:
Das "blöde" ist nun aber, dass DIESE Reaktion total beliebt ist. Wenn ich in einem Konflikt "besser wäre ich tot" denke, gebe ich nämlich nach. Ich streite nicht. Ich widerspreche nicht. Ich tue was mein Gegenüber will, ist doch egal, ich sterbe doch sowieso...

Und was passiert?

Der SABOTEUR ist total beliebt. DEN finden alle toll. So nett und rücksichtsvoll und umgänglich und überhaupt...  Und wenn die "echte" Ponyhof sich zeigt. Die mit den Widerworten. Die mit den schweren Depressionen. Die mit den eigenen Wünschen. Die, die so ungefähr jede Persönlichkeitsstörung im Buch hat. Die, die nicht so bequem und praktisch ist. Dann sind alle genervt und fragen sich was mit mir los ist und warum ich damit nicht wieder aufhören kann? War doch so schön harmonisch und alles-gut vorher... 

Macht Sinn.

Führt zu einer verkehrten Welt, in der Depressionen belohnt und Besserung der Situation "bestraft" wird. Eine aussichtslose Sache, wenn man gleichzeitig nach Liebe sucht und wer tut das nicht, gerade wenn alles Mist ist?

Okay.

Ich bin nicht mehr drei und den Versuch es meiner Familie recht zu machen kann ich getrost als gescheitert verbuchen. Menschen, die mich nur in depressiv mögen sind es sowieso nicht wert, ihnen zu liebe meinen Tod zu planen, also egal. Es zählen ab sofort nur noch die, die nicht nur den Saboteur, sondern die Person selbst mögen.

Wir werden sehen...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 22 Oktober 2021, 23:12:30
Liebe Ponyhof.

Ja, deine Ausführungen kann ich sehr gut verstehen.
Wenn Alles egal ist, unterwirft man sich halt oder vemriedet, weil es sich subjektiv nicht mehr lohnt. Und natürlich ist das auch ein Teil von dir. Einer, der schon lange da ist. Dass der sich immer mal wieder meldet ist logisch. Das kenne ich auch.
Und natürlich mögen viele Menschen dich unkompliziert und unterwerfend.....ist ja bequem so eine scheinbare Harmonie.
Aber ich bin froh, dass du damit schließt, dass das auch Menschen sind, die DICH nicht wirklich mögen. Denn wenn DU Wünsche und Bedürfnisse äußerst, dann ist das ja dein ICH. Und wer Dich nur mag, wenn Du bedüefnis- und wunschlos bist, dann ist er/sie es nicht wert.
Wir sind eben alle Individuen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Wünschen. Wenn sich eine Person immer unterordnet, dann ist was schief.
Ich habe mich in letzter Zeit viel mit Abgrenzung beschäftigt..... Musste ja schließlich endlich mal meine Eltern in ihre Schranken weisen.... Denn sonst wäre ich gestorben. Entweder durch meine Hand oder durch einen Herzinfarkt oder so. Mein Körper jedenfalls streikt schon lange an allen Ecken und Kanten.
Ich habe mich IMMER untergeordnet oder vermieden. Habe so gut wie nichts von mir erzählt. Das heißt mein Umfeld kannte mich nur so. Nur mein oberflächliches Ich, dass unkompliziert und stets bejahend war. Auch von meinen vielen Problemen ahnte so gut wie Niemand etwas. Seit ca. 1 Jahr arbeite ich daran das zu ändern. Ich habe dadurch eine Freundin verloren..... Denn sie mochte offenbar meine Oberflächlichkeit. Ich habe meine Eltern verloren, aber sie haben MICH eh nie geliebt. Sondern nur das Bild einer immer lieben und erfolgreichen Tochter. Sie kennen MICH gar nicht. Eine zeitlang war mir das egal. ICH war mir egal. So egal, dass ich lieber sterben wollte.
Aber so langsam geht mir das richtig auf den Sack. Ich will nicht mehr "lieb sein". Es kotzt mich an. Und ehrlichgesagt ist mir auch mittlerweile zumindest mehr egal, was Andere darüber denken. Ich habe nämlich auch Menschen dazu gewonnen. Sehr wertvolle, liebevolle Menschen, die MICH lieben und unterstützen. Und die hätte ich mit meiner Fassade nie kennen und lieben gelernt. Da bin ich mir sicher.
In diesem Sinne, wünsche ich dir ein bisschen Ponyhof, mit lieben Menschen, die DICH mögen!
Herzliche Grüße
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 29 Oktober 2021, 20:01:19
Liebe Darksoul

ich finde Du klingst, als hättest Du schon sehr viel geschafft beim Thema "Abgrenzung" und "Menschen, die Dich mögen".
Das ist super - besonders weil ich ein Jahr eigentlich nicht sehr lang finde.
Aber ich kenne das:
Wenn die Veränderung erstmal einsetzt, dann ändert sich auch was.
Also *Daumen-rauf* Du bist auf nem guten Weg, wie es klingt.

Ach ja. Ich denke ich "müsste" klare Prioritäten haben, dann könnte ich die Grenzen vermutlich klarer setzen und diese halten. Klingt toll. Bloß: Woher nehme ich diese Prioritäten? Ich kann mich selbst nicht leiden, das Leben auch nicht. "Eigentlich" will ich es nur rum haben, aber das hilft ja nicht weiter. So gesehen hat alles Priorität, was irgendwie halbwegs angenehm die Zeit rumbringt.
Irgendwie halb angenehm die Zeit rumbringen kann man auf total unterschiedliche Weisen, die sich gegenseitig ausschließen. Aber wie weiter?
WICHTIG ist mir NIX davon.
LUST hab ich zu nix.
Ich mach das nur, weil ich beim auf-den-Tod-warten ja irgendwas tun muss.
Wie ich bei diesen Zeitvertreib-während-ich-auf-den-Tod-warte-Aktivitäten Prioritäten setzen soll, ist mir völlig rätselhaft.

Ist es zB. wichtiger regelmäßig unter Menschen zu gehen oder wichtiger, wenn ich Abends gestresst von der Arbeit komme, in Ruhe in die Badewanne zu gehen? Meine Entscheidung, schon klar. Hängt davon ab, was mir in dem Moment wichtiger ist. Aber mir ist gar nichts wichtig. Alles scheißegal.
Ich tue mich furchtbar schwer mit solchen Entscheidungen und offensichtlich kann mir da niemand raten. Woher sollen schließlich andere wissen was mir wichtig ist, wenn ich's nicht weiß?
Alles kein Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 29 Oktober 2021, 22:46:10
Liebe Ponyhof.

Lieb, dass du sagst, ich hab schon viel geschafft. Leider kann ich das nicht sehen. Ich denke eher, dass es nie besser wird, egal, was ich tue.

Du schriebst, du weißt nicht, was du willst. Dir ist alles egal. Und du müsstest es doch wissen. Ich weiß es auch oft nicht. Ich bin dazu über gegangen mich nur daran zu orientieren, was ich NICHT will. Also z. B. Kontakt zu meinen Eltern, Menschen die mich niedermachen, Stress usw. Höchstens eine Sache ist es, die ich will. Ruhe. Und die versuche ich mir zu nehmen. Wobei das wirklich schwer ist..... Mit 3 Kindern, Mann, Hund, Job. Aber ich arbeite dran.
Bei sozialen Kontakten ist es bei mir anders als bei dir. Ich würde ein Treffen mit einer Freundin immer einem Bad vorziehen. Aber genau das ist auch das Problem. Vielleicht bräuchte ich mal ein Bad oder eben einfach Zeit für mich. Stattdessen bin ich immer mit Menschen beschäftigt. Wenn ich nicht im Kontakt bin, fühle ich mich direkt einsam. Aber es sind halt auch wirklich liebe Menschen. Allerdings schaffe ich auch denen zu misstrauen und kann oft nicht glauben, dass sie es wirklich gut mit mir meinen. Das wiederum verletzt die Anderen natürlich. Aber es liegt ja nicht an ihnen, sondern an mir.
Alles kompliziert. Wo ist bloß der Ponyhof!?

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 30 Oktober 2021, 11:52:12
Liebe Darksoul,

dieses "Es wird nie besser" Gefühl kenne ich gut. Sehr gut. Ich habe dagegen die Strategie entwickelt, "messbare" Vergleiche zu ziehen.
Z.B. hatte ich neulich einen scheußlichen Arzttermin. Ich habe mich danach besch*** gefühlt.
A b e r.
Vor vier Jahren habe ich nach diesem Termin den ganzen Tag nur geheult und gekotzt und danach ne Woche lang nur im Bett gelegen und die Decke angestarrt.
Dieses Jahr habe ich n i c h t gekotzt. Ich war arbeiten. Ich habe nicht nur im Bett gelegen.
Ich habe mich schrecklich gefühlt, aber es war rein rational gesehen weniger katastrophal als vor vier Jahren.
Z.B. werden die Zeiträume, in denen ich nichts anderes tun will als im Bett liegen und meinen Tod planen nach Familientreffen mit meiner Familie immer kürzer.
D.h. Es wird besser. Wirklich. Ob ich mich nun scheußlich fühle oder nicht.
Vielleicht werde ich es irgendwann fühlen können, ich weiß es nicht. Aber ich sehe, dass es wahr ist.
Immerhin...

Ja, was ich n i c h t will. Was will ich n i c h t? - Angst. Ich will nicht mein Leben in Angst verbringen. (Lieber will ich sterben, aber das trägt ja nix zur Sache bei.) Früher hatte ich vor allem Angst, insbesondere vor Menschen. Angst macht komisch. Menschen sind nicht nett zu komischen Leuten, was die Angst als wahr bestätigt - Teufelskreis. Ich habe viele viele viele Ängste mit Gewalt überwunden. Ich glaube das hat bei mir zu so einem "die Dinge, die ich n i c h t will, müssen sein. Unbedingt, immer, sofort und mit Gewalt" Gefühl geführt, was jetzt zu dieser Ratlosigkeit beiträgt.
Die Ängste sind ziemlich unter Kontrolle. Ziemlich. Natürlich sind sie nicht weg, aber immerhin. Ich bin jedenfalls "normal" genug, dass die Menschen mich "normal" behandeln und dieser Teufelskreis durchbrochen ist. Ich fahre wieder Auto. Kann nachts wieder schlafen. Vielleicht habe ich den Punkt, an dem ich das im wesentlichen habe: KEIN Leben in Angst. Tatsächlich erreicht. Es hat mehr Blut, Schweiß und Tränen gekostet, als ich entbehren konnte, aber ich hab's jedenfalls erreicht.
Und j e t z t???
Ich glaube ich bin total ausgebrannt. Jedes, absolut j e d e s letzte bisschen Rest Motivation habe ich verbraucht. Ich bin dankbar, dass ich nicht mehr mit Panikattacken aus dem Schlaf schrecke, ehrlich. Aber Nachts-ruhig-schlafen ist als Lebensinhalt für 50 Jahre doch arg wenig und ich habe nicht das Gefühl, dass die Motivation wieder kommt. Müsste sie dann ja Mal so langsam, oder? Tut sie nicht. Ich w i l l nicht. Will nicht, dass Motivation aufkommt mich wieder für irgendwas in Stücke zu reißen. Will nicht nochmal diese Blut-Schweiß-Tränen Entbehrungen für irgendwas, was es nicht wert ist. Will nichts als Ruhe. Aber die ist in diesem Leben ja nur sehr eingeschränkt zu bekommen und der Tod ist nicht in Sicht.
Alles kein Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 02 November 2021, 16:40:28
Meine Saboteursthematik ist Mal wieder sehr aktuell. (Kennt Ihr das, dass die Saboteure in "Schichten" heilen? Immer wenn eine Schicht abgearbeitet ist, kommt die nächste "Schicht" bei der auch wieder sämtliche Saboteure berücksichtigt werden müssen?)

Jedenfalls.
Ich habe einen Saboteur, der bricht unter Druck ein. Gibt nach. Egal. Ich sterbe ja sowieso, bin also egal. Will auch überhaupt nur, dass keiner sauer ist . Mein Gegenüber hat demnach Anspruch darauf, dass ich "einfach" alles tue, was er oder sie will, ich unterwerfe mich vollständig, aber bitte bitte nicht mehr sauer sein...
Was an und für sich gar nicht sooooo schlimm wäre (Blöd, klar. Aber dann geb ich halt nach, was soll's?). SCHLIMM wird das Ganze, wenn jemand anderes (wohlmeinend oder warum auch immer) Gegendruck ausübt, ich dürfe dem Druck NICHT nachgeben. Unter diesem Druck bricht der Saboteur dann nämlich auch ein.
Und ich gerate in ausweglose Situationen, weil ich es nunmal nicht x Leuten mit gegenteiligen Wünschen Recht machen KANN, meine eigene Position längst aufgegeben habe. Und mich jetzt für nichts oder die Meinung von irgendwem ohne irgendeinen sinnvollen Grund für mich total unbeliebt machen "muss" (Alternative: vom Balkon springen, das hatten wir ja alles schon hunderte von Malen.)

Was'n Mist. (btw. Wir vermuten, dass ich bei dem Trauma, dass diesen Saboteur erzeugt hat, etwa drei Jahre alt war. Das ist so klein, dass ich mich an das Trauma nicht Mal erinnere. Es war "schon immer" da. Mir bleiben nur Vermutungen hinsichtlich der allgemeinen Situation in meinem Elternhaus, was da gewesen sein k ö n n t e).

Okay. Ich bin nicht dazu verflucht in alten Mustern zu verharren. Alles, was ich verstanden habe, kann ich auch ändern. Die "Lösung" liegt offensichtlich darin, dass ich nicht mehr drei bin. Es gibt niemanden, dessen Meinung "einfach" "wichtiger" ist als meine eigene. Ich muss weder es weder dem einen, noch dem anderen und schon gar nicht allen Seiten gleichzeitig Recht machen. Ich brauche unter Druck überhaupt nicht nachzugeben. Ich kann mich entscheiden nachzugeben; Stand zu halten oder ich kann mich entscheiden der Situation auszuweichen. Meine Entscheidung, je nach Kosten und Nutzen.
Versuche ich.

Immerhin geht es vorwärts, das ist doch schonmal was...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 02 November 2021, 21:21:19
Liebe Ponyhof.
Oh, Mann. Diese Depressionen und diese Saboteure sind echt anstrengend. Ich kann verstehen, dass du dadurch total erschöpft bist. Andererseits finde ich auch, dass du wirklich reflektiert bist und kluge Lösungen für dich findest. Jedenfalls klingt es für mich so.
Ich bin auch sooooo platt. Alle zerren an mir.
Heute war ich allerdings bei einer Bekannten auf einem, halt dich fest, PONYHOF!
Es war total schön. Aaaaaber danach sagt mir meine dunkle Macht (so habe ich meine Saboteure genannt). "die wohnen viel schöner als wir", "was bist du für eine Versagerin, dass du so ein mickrigen Stadthaus hast, während die im Paradies leben!?" "du hast einfach Alles falsch gemacht", "würdest du so leben, ginge es dir bestimmt nicht so schlecht", "selbst in Schuld, dass es dir schlecht geht" blablabla.... Die dunkle Macht hat mich fest im Griff. Dazu noch meine Mutter und die Frau meines Vaters, die mir jetzt auch Vorwürfe machen. Tja, ich bin halt wieder das Arsch.
Alles kein Ponyhof. Jedenfalls nicht für mich.
Liebe Grüße
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 04 November 2021, 15:13:26
Liebe Darksoul

Hahaha ein Ponyhof 😁. Aber ich kenne das. Andere haben es viel toller als ich, weil sie nämlich toll sind, ich dagegen bin ja nur ich. Überhaupt bin ich ja der größte aller Versager und überhaupt... *seufz* bringt nix sowas zu denken, aber natürlich führt auch diese Erkenntnis nicht zu konstruktiveren Gedanken... 🙄
Ich bin gerade an dem Glaubenssatz, dass alles was i-c-h fertig bringe nix taugen kann und alles was ich erstrebenswert finde demnach jenseits meiner Möglichkeiten liegt. (Denn wenn ich es kann, kann's ja nix sein.) "Sie dürfen so nicht denken" würde eine meiner  früheren Therapeutinnen jetzt sagen. Und dann saßen wir da und s-i-e wartete darauf, dass ich das anderes dachte und i-c-h wartete darauf, dass sie mir erklärte, wie ich das anstellen sollte? Eine Idee habe ich immer noch nicht. Aber ich habe es in den letzten Jahren so gehalten, dass in meinem Unterbewusstsein die Themen "aufploppen" die an der Reihe sind. Ich hoffe daher, dass mir irgendwas dazu einfallen wird, einfach deshalb, weil es mich sonst nicht so beschäftigen würde.
Wir werden sehen...   
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 13 November 2021, 09:17:47
Ich habe gerade Mal wieder eine meiner Widerwillen-Phasen. Ich WILL nicht. Es ist - Mal wieder - das Wasser, bei dem einer der Saboteure den Aufstand probt. Ich bekomme das Wasser nicht getrunken, kriege keinen Schluck runter. Alles so widerlich!!!
Wasser, Tee, Saft, Schorle, Softdrinks... Alles ist *igitt* und jeder (!) einzelne (!) kleine Schluck kostet Überwindung und ist n riesen Angang. Ich habe schon Dehydrierungskopfschmerzen. Ich habe (sowieso) eine fette Erkältung - da müsste ich eigentlich VIEL trinken, damit sie zügig weggeht. So wie es ist, kämpfe ich mit mir wenigstens einen Liter am Tag runterzuwürgen. Werde den Husten nicht los und die Kopfschmerzen nicht. Und alles. Bin ich ja selbst schuld, sieht ein blinder. Albern. Kindisch. Idiotisch. Unvernünftig. Warum trinke ich nicht einfach kurz diese dämliche Wasserflasche leer und der Tag gehört mir?
Die Antwort ist klar: Weil ich gar kein Interesse an diesem Tag habe, ich will gar nicht, dass er mir gehört...
*seufz* sooooo anstrengend diese Saboteure.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 13 November 2021, 10:32:55
Liebe Ponyhof.
Das hört sich wirklich anstrengend an. Ich wünsche dir erstmal gute Besserung und dass deine Erkältung schnell wieder weg ist. Ich kann dich gut verstehen, mir fällt es auch schwer genug zu trinken.
Ich kann mich mit dir in die Scheiße setzen. Ich bin nämlich am Dienstag, über meinen Hund gestolpert, und habe mir meine linke Hand geprellt oder verstaucht und kann sie nicht mehr benutzen. Und das wo ich Linkshänder bin. Knie und rechte Hand habe ich mir auch aufgeschürft, so ein Mist. Vor allem, bin ich deswegen gestürzt , weil ich einfach immer Angst habe irgendetwas falsch zu machen, also dass ich Ärger von jemanden bekomme. Ich hatte also Angst, dass der Hund mitten auf den Bürgersteig kackt und Jemand meckert. Deswegen hatte ich ihn dazu animiert schneller zur Wiese zu laufen, was er aber so merkwürdig fand , dass er abrupt stehen geblieben ist und sich vor mich gestellt hat Wenn ich gerade mal einen Dämon abgeschüttelt habe, kommt was Neues. Ich bin auch müde, sehr müde vom Leben und will eigentlich nur meine Ruhe. Alles kein Ponyhof.
Liebe Grüße,
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 14 November 2021, 14:21:31
Liebe Darksoul

setz Dich doch - genug Pferdescheiße für alle vorhanden. 😉😝🙋🏼‍♀️ Oh Mann, nix als Mist, was? Hoffentlich erholt sich Deine Hand schnell wieder, braucht doch echt alles kein Mensch sowas... 😝

Bei mir alles unverändert. Die Erkältung sitzt als hartnäckiger Husten auf der Lunge. Ich würge das Wasser mit Wasser-runterbekommen-und-drin-behalten Tricks aus Chemotherapie-Zeiten herunter und mache einen Corona Test nach dem anderen.
Alles nicht gerade Stimmung-hebend...

Ich weiß nicht, was ich tun soll und das finde ich auch irgendwie klar: Wenn alle Ideen, die ich habe per Definition nix taugen, dann gibt's nichts was ich tun kann um die Lage zu verbessern. Die Glaubenssätze sind ebenso tiefsitzend wie Teufelskreis-rund und auch logisch ist, dass sie mir kein noch so kluger Therapeut aus dem Kopf schneiden kann. ICH denke so. Und die einzige Möglichkeit einer Besserung liegt darin, dass ich was anderes denke.
Aber wie?  *achselzuck* Alles kein Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 19 November 2021, 12:14:54
Heute ist Mal wieder einer "dieser" Tage. Ich hänge auf dem Sofa und kriege nix gebacken. Alles doof...
Eben hatte ich einen Gedanken: Ich hatte ja neulich den semi-klugen Gedanken, dass mir jetzt alle, die die "echte" Ponyhof nicht leiden können und nur die freundliche Saboteurin mögen gestohlen bleiben können.
Klingt toll, oder?
Problem:
Das sind ALLE. Incl. mir selbst. Ich mag dieses ratlose, verzweifelte, zynische, hilflose, bewegungsunfähige, kaputte, gestörte, depressive, paranoide, borderlinige und was sonst noch alles Häufchen Elend doch SELBST nicht. Die ist unmöglich, nur am jammern, nur am meckern, hat keine Lust, keine Vorschläge, keinen Humor, keinen Spaß... N I X...
Ich kann doch niemandem vorwerfen mich so zu mögen, wie er (oder sie) mich wahrnimmt und erlebt hat? evtl. seit Jahrzehnten? Und ich kann doch niemandem vorwerfen, dass er (oder sie) Probleme mit einem Menschen hat, den ich selbst auch unerträglich finde (was ändert es, dass ich dieser Mensch bin?)

Fazit: Ich selbst bin so durch, dass ich es niemandem verübeln kann, wenn er das blöd findet. Und ich werde für den Umgang mit anderen auf diesen lächelnden ihr-könnt-alles-von-mir-haben-ich-bringe-mich-sowieso-um Saboteur erst verzichten können, wenn ich lerne mich in einer Weise zu verhalten, die man nicht furchtbar finden MUSS. Anders geht's nicht.

Okay. Klingt sinnvoll. Ich habe keine Ahnung, wie ich das umsetzen soll, aber ich habe gelernt, dass mir "normalerweise" solche Erkenntnisse dann kommen, wenn die Veränderung dran ist.

Ich werde also jetzt versuchen n-i-c-h-t depressiv auf der Couch zu hocken, sondern statt dessen Pfannkuchen machen. Weil ich nicht dazu verflucht bin, die Dinge ewig zu lassen, wie sie sind. Ich kann auch das Problem verstehen und etwas ändern. Jetzt z.B.

Okay, geht los.

Danke fürs lesen - und drückt mir die Daumen, ja?

Ponyhof geht reiten...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: ToteMoewe am 19 November 2021, 21:02:07
Ich drücke sämtliche Daumen für dich und deine Pfannkuchen! :)
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 24 November 2021, 09:14:14
Liebe Ponyhof
tut mir leid,  dass ich so lange nicht mehr geantwortet habe.  Ich hoffe, du hast lecker Pfannkuchen gebacken und es geht dir wieder wenigstens ein kleines bisschen besser.
Was machst du denn, was du oder Andere nicht an dir mögen?
Immerhin bist du doch in einer Partnerschaft,  also gibt es da Jemanden,  der dich mag, wie du bist.  Oder zweifelst du daran?
Ehrlich gesagt,  klingt es so, dass deine Saboteure, das zynische, borderlinige etc. eben Teil deiner Erkrankung sind. Aber das bist ja nicht du! Meine Therapeutin sagt immer....und das höre ich auch in vielen Podcasts über Trauma...."deine Symptome sind eine normale Reaktion auf unnormale und traumatische Erlebnisse". Heißt auch: dahinter gibt es ein wahres Ich, das unzerstörbar und strahlend ist.
Nicht, dass ich das schon gefunden hätte....aber ich glaube daran. Und es hilft mir.
Vielleicht magst du auch mal die Podcasts hören. z.B. "Psycho trifft Coach", "Hoffnung hilft heilen",  "Kreative Transformation -Verena König" oder "Trauma und Identität". Mir hilft das sehr!

Mir geht's auch echt beschissen. Der Gutachter will die Therapieverlängerung nicht genehmigen. Meine Therapeutin hat zwar Widerspruch eingelegt,  aber naja...ich hab Angst,  dass es nicht klappt. Und alles nur, weil ich nach 2 J. Pause eine Verhaltenstherapie machen will....aber eben andere Herangehensweise,  Schematherapie. Das ist doch eh total bescheuert.  Bei einem Diabetiker sagt der Arzt auch nicht "so, jetzt müssen wir erstmal 2 J. Therapiepause machen und danach versuchen Sie es auch am Besten mit einer anderen Therapie, denn sonst zahlt die Kasse nicht."
Unfassbar!
Letzte Woche hatte ich heftige Suizidgedanken. Ohne die tägliche Unterstützung durch meine Freundin und die Telefonseelsorge hätte ich es getan.
Alles kein Ponyhof.
Liebe Grüße
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 27 November 2021, 11:58:46
Liebe Darksoul

es wird Dich nicht zu trösten vermögen (was könnte das schon?) aber ich freue mich jedenfalls, dass Du noch unter uns weilst. 😊 Schön, dass Du da bist.
Das mit der Krankenkasse ist aber auch echt ein Mist!!! Ich höre überall, Therapie sei sooooo toll. Und wenn ich nur aufhören würde mich dagegen zu sperren und "offen" wäre für die "tollen" Ratschläge der Therapeuten - dann würde es mir schon viel besser gehen... und wenn DU genau D-A-S tun möchtest - dann legt man Dir Steine in den Weg... Oh Mann, was ne Scheiße. Wundert mich Null bei unsrem Gesundheitssystem. Ich find's zum heulen. Aber wundern tu ich mich nicht. (Nein, ich glaube nicht, dass mein Zynismus pathologisch ist und irgendwo eine positiv denkende Ponyhof sitzt, die ich erst noch finden muss. Es wäre schön, aber ich glaube es nicht. Ich glaube DAS ist die Art wie ich die Welt sehe. Weil ich sie so erlebe... Und ich nicht bereit bin alles negative zu verdrängen, rosarote Brille aufzusetzen und "alles toll" zu sagen. Besser wird's aber nunmal nicht. Tja. Alles kein Ponyhof.)

Wir sind weiterhin auf Wohnungssuche. Haben Mal wieder was hübsches im Auge. Mal sehen, ob es diesmal klappt (ich hab wegen eines potentiellen Pferdefußes nochmal nachgefragt. Wenn sich das klären lässt, nehmen wir sie - wenn man sie uns gibt ...). Ich werde berichten.

Liebe Grüße und einen möglichst schönen - möglichst un-doofen, möglichst erträglichen Tag

Liebe Grüße vom
Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 02 Dezember 2021, 21:40:10
Heute Nacht wachte ich auf.
Es war 1 Uhr Nachts. Es war nichts besonderes vorgefallen. Ich wachte auf und dachte, dass ich es nicht aushalte. Noch ca 50 Jahre zu leben.
Wirklich nicht.
Ich saß auf der Couch und wusste nicht, was ich tun sollte. Umzugskartons bestellen und all mein Zeug sortieren, packen und weggeben, damit alles erledigt ist und niemand hinter mir aufräumen muss? Oder "einfach" vom Balkon springen, weil jede "ausgeklügeltere" Todesart den Haken hat, dass sie umständlicher ist und länger dauert als die fünf Sekunden, die es braucht über die Balkonbrüstung zu steigen? Ich saß dort ein paar Stunden und wusste die Antwort nicht.
"Es ist schon seltsam, was Depressive so für Ausreden haben" hätte Gast985 jetzt vielleicht gesagt...
Schon wahr.
Um vier Uhr morgens bin ich zurück ins Bett, um 6.00 Uhr ging der Wecker.
Irgendwas mache ich falsch, aber ich weiß nicht was.
Das Leben ist kein Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Toni am 03 Dezember 2021, 21:15:19
Hallo Ponyhof,

das Gehirn ist schon ein seltsames Ding! Statt einfach mal zu denken "yeah ... 5 Sekunden und fertig", denkt es einfach und ungefragt was ganz anderes vor sich hin. Ich freue mich aber, dass dein Gehirn heute Nacht so ein Eigenleben hatte!

Ich lese immer was du und darksoul schreiben und lese dort einen so einfühlsamen und liebevollen Umgang, den ihr miteinander habt. Da ist so viel Kraft bei euch beiden vorhanden, auch wenn ihr es selbst nicht so wahrnehmt. Ich wünsche euch beiden, dass ihr immer wieder die Kraft für den nächsten Stall mit seiner ganz eigenen Pferdekacke findet.

Viele liebe Grüße
Toni
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 03 Dezember 2021, 22:31:40
Ponyhof!
Ich bin sehr froh, dass du heute Nacht wieder ins Bett gegangen bist. Mach keinen Scheiß.  Ich brauche dich hier!
Aber echt schon absurd mit was für Gedanken und Gefühlen man manchmal aufwachen kann. Die Windungen des Gehirns sind unergründlich.
Ich mag dich und deine Ironie und deinen Sarkasmus.
Wie läuft der Umzug?
Bestimmt viel Stress.
Bin so froh nie wieder umziehen zu müssen, weil ich in meinem eigenen Haus wohne.
Meine Woche war auch kein Ponyhof, deswegen habe ich leider keine Krsft gehabt zu schreiben. Aber ich lese immer, was du schreibst.
Der Gutachter hat meine Therapie tatsächlich abgelehnt. Ich bin verzweifelt. Ich kann einfach nicht ohne!
Vermutlich werde ich nun Widerspruch einlegen, aber die Therapeutin meint, dass das trotzdem keine gute Aussicht hat. So ein Scheiß!
Vielleicht zahle ich dann zumindest noch ein paar Stunden selbst. Aber 100 Euro pro Stunde sind schon echt krass.
Ich frage mich,  ob es hilft die KK zu wechseln. Ich würde es tun. Mit der KK hab ich abgeschlossen.
Hoffe, dass We bringt ein bisschen Ruhe.
Ich bin fertig.
Halt die Ohren steif.
Liebe Grüße
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 03 Dezember 2021, 22:32:34
Danke, Toni.
Das ist lieb!
Schicke eine Umarmung!
Liebe Grüße,  Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 11 Dezember 2021, 08:58:07
Hallo Toni
Danke, das ist sehr lieb von Dir. 😊
Sei lieb gegrüßt 🙋🏼‍♀️

Liebe Darksoul

mach Dir Mal keinen Kopf meinetwegen. Wir wissen doch: Unkraut vergeht nicht. Das mag man bedauern, aber es gilt überall - so auch bei mir. Also keine Sorge: ich bin nur einen klick mit der Tastatur entfernt und gehe nirgendwo hin. 🙋🏼‍♀️

Umzug ist Mal wieder in weite Ferne gerückt. - Der aktuelle Mieter weigert sich auszuziehen und ich verbringe ganz sicher NICHT zwei Jahre mit einem Räumungsprozess. Also weitersuchen.

Ansonsten geht es mir dreckig (deshalb schreibe ich auch erst jetzt, tut mir leid - ich hatte nichts zu sagen... Mein Kopf war wie ein großed schwarzes Loch).
Die Tochter einer Bekannten wird wegen Magersucht zwangsernährt. Alle machen sich große Sorgen und ich denke die ganze Zeit nur, wie toll das wäre, wenn ich mich "einfach" zu Tode hungern könnte und fertig wäre die Sache. Bringt natürlich absolut gar nichts so zu denken, aber auch dieses Wissen ändert ja nichts.
Ich bin das alles so unsagbar leid. Alles. Mag nicht mehr. Am liebsten würde ich einfach eine Schlaftablette nehmen und schlafen. Aufwachen um die nächste zu nehmen. Schlafen... So wäre ich von 24 Stunden vielleicht eine wach für Duschen, Zähneputzen und Tabletten. Im übrigen schliefe ich... klingt gut in meinen Ohren.
Ach keine Ahnung.
Ich weiß nichts zu schreiben, aber ich dachte ich lass ein Lebenszeichen hier.
Danke für Eure lieben Worte.
Liebe Grüße
vom Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: darksoul86 am 15 Dezember 2021, 22:38:11
Liebe Ponyhof.

Das tut mir sehr leid zu lesen, dass es dir so schlecht geht und dass das mit dem Umzug nicht klappt. So ein Mist!
Das ist wirklich ärgerlich!
Weihnachtszeit ist eh schwierig finde ich.
Alle machen einen auf Happy Family. Ich hätte auch gerne so Liebe Eltern und Geschwister. Die einen freudig empfangen, umarmen und dann sitzt man nett zusammen und feiert.
Tja, alles nur ein Traum.
Zumindest habe ich Ersatzweihnachten mit meiner Ersatzmama am Montag.  Da freue ich mich schon drauf.

Muss jetzt ins Bett. Im Moment ist viel zu tun.
Ich drücke dich aus der Ferne!
Liebe Grüße
Darksoul
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 21 Dezember 2021, 08:42:32
Liebe Darksoul

ich hoffe Deine Feier mit Deiner Ersatzmama war nett. Es ist so schwierig sich ein bisschen Freude zu basteln, wenn alles kompliziert ist...
Bei mir gibt's nicht viel neues. Ich bringe die Tage herum und warte. Darauf das etwas passiert, auf den Tod oder auf Godot schätze ich.
Vielleicht liegt es an mir, dass wir keine neue Bleibe finden? Vielleicht mache ich irgendwas grundlegendes falsch, wie bei allem anderen auch? 🤷🏼‍♀️
Ach ich weiß es nicht, also werde ich Mal frühstücken. Hilft ja o nix...
Liebe Grüße

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 01 Januar 2022, 12:19:32
01.01.2022

Neues Jahr, neues (Un-) Glück.

Ich habe mir überlegt, dass ich im neuen Jahr einen neuen Anlauf starten werde, beim Versuch Dinge zu finden, die ich mag und gern tue.

Das klingt jetzt vermutlich albern und in meinem Unterbewusstsein brüllen auch sofort zig Eltern / Lehrer / Therapeuten / sonstwer Stimmen, dass man nicht immer tun kann, was man WILL. Dass manche Dinge sein MÜSSEN. Der Mensch Pflichten hat und Rücksicht nehmen muss, das Leben kein Ponyhof ist und was weiß ich noch alles.

Stimmt ja auch.
Bloß: DAS weiß ich ja alles. TUE ich auch. Ich gehe arbeiten. Zahle meine Rechnungen. Besuche meine Familie. Halte (mehr schlecht als Recht) den Haushalt am laufen. Nehme schön brav meine Arzttermine wahr. Schlucke meine Tabletten, gehe zum Sport und so weiter.

Was ich NICHT (genug) tue, sind Dinge, die ich mag und zwar deshalb, weil ich nicht genug Dinge FINDE, die ich mag.

Nun sollte man meinen, das könne so schwer nicht sein, aber da es mich über den Rand der Verzweiflung treibt, ist es offensichtlich DOCH schwerer als es scheint, weil ich es nämlich WIRKLICH versuche.
Und WIRKLICH hart finde.

Wo mein Problem liegt?

Tja ...

Wenn ich mit erzählen bis zu diesem Punkt gekommen bin, schenken Menschen mir Bücher oder Spiele. Sie empfehlen Musiklehrer oder Sportkurse. Sie schlagen Reiseziele vor, finden ich solle ein Buch schreiben, sagen ich hätte so viele Talente.

Und ich... sitze da und weine.

Es ist ja sehr NETT von diesen Leuten und sie haben schöne Sachen ausgesucht und ich weiß ja auch nichts besseres...

Aber ich fühle mich damit nicht besser (wie man erwarten "sollte") sondern ich möchte nie wieder mit jemandem über solche Gedanken reden, weil mein Gegenüber dann liebevolle Geschenke und Vorschläge macht. Und weil mich das zur undankbaren, unbelehrbaren Meckerziege macht, wenn ich das alles nicht möchte, alles das falsche ist, ohne dass ich noch den klitzekleinsten konstruktiven Einfall hätte...

Aber undankbar oder nicht -  das IST es alles nicht. Das GEHT so nicht. Das stresst mich alles nur noch mehr und stärkt die Depression. (JA, ausprobiert. JA, oft).

Ziemlich aussichtslos das ganze...

Naja, jedenfalls hatte ich neulich eine Idee. Vielleicht ist sie dumm, mag sein, aber es ist immerhin eine und vielleicht ist überhaupt ein Einfall ja besser als nix tun ("try again, fail better" sagt meine Freundin immer)

Nämlich:
Was, wenn ich gelernt habe, dass ICH einfach in jeder "Dimension" nicht gut genug bin?
Dass die Dinge, die ICH tue per Definition nicht gut genug sind? (war ja nur ich) Dass jeder Plan den ich fasse nix wert ist (nur von mir) jeder Handgriff, den ich mache falsch war (hätte jemand anderes besser gekonnt) und die Tatsache, dass ICH es gut fand das zu machen zu wenig ist (wichtig ist, wie es jemand ANDERES findet), also auch mein Urteil der Situation nicht reicht.

Was, wenn ich das so verinnerlicht habe, dass ich mich "aus eigener Kraft" an nichts mehr freuen kann?

Dann würde jedes Hobby jemanden erfordern, der es vorschlägt, der mich toll findet, während ich es tue und der hinterher das Ergebnis mag... Was offensichtlich ein komplett bescheuertes Ansinnen ist, da bleibe ich doch besser einfach auf dem Sofa sitzen...



Naja. Ich und meine komischen Theorien immer...

Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, dass ich im neuen Jahr einen neuen Anlauf starten werde, Dinge zu finden, die ich mag und die ich gern tue. Ich tue mich FURCHTBAR schwer dabei... Aber ich habe den Verdacht, dass mir das niemand abnehmen kann.

Na dann frohes neues Jahr.

Danke fürs lesen. 😃


Ponyhof

Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 07 Januar 2022, 09:42:52
Habt Ihr auch manchmal das Gefühl, dass "Such Dir Hilfe" in unserer Gesellschaft als ultimativer Lösungsvorschlag gehandelt wird?
Was immer ich für ein Problem schildere, ich höre, ich solle mir Hilfe suchen, dann werde sicherlich alles gut.
Aha.
Mein Problem ist, dass ich nach Hilfe gesucht habe, bis ich von der erfolglosen Suche zusätzlich (!) ganz fertig war und keine Idee mehr hatte, wo ich noch suchen (!) soll.
Ich habe ALLES versucht.
ZIG Mal.
Aber dieser tolle Wunder-Helfer, den mir diese klugen Ratschlag-Geber immer immer so freimütig empfehlen, der scheint mir hartnäckig auszuweichen.
ICH fühle mich nach Psychiater-Besuch nicht besser. Ich rede nicht gern mit Psychologen, ich kann deren einfühlsames Lächeln in Kombination mit den immer gleichen Standardantworten, die ich schon synchron mitsprechen kann, nicht mehr ertragen. Finde es nur stressig nicht hilfreich, insbesondere weil ich schon vorher weiß was die gleich sagen, während sie meinen sie hätten den ultimativen neuen Vorschlag.
Bei MIR hat ein Klinikaufenthalt NICHTS wesentliches geändert und ich habe alle Medikamente durch, die man mir in meiner gesundheitlichen Verfassung gibt (ich darf nicht alles nehmen wegen Wechselwirkungen) und sie haben mir NICHT geholfen. Ich habe Körpertherapie gemacht. Verhaltenstherapie. Traumatherapie. Ich bin mit allem durch, habe mich auf alles eingelassen (auch so'n Rat "Sie müssen sich aber auch drauf einlassen") - und ich weiß w-i-r-k-l-i-c-h nicht, wo ich noch suchen soll. Es scheint nichts zu geben, ich muss alleine zurecht kommen.

Ich wüsste w-i-r-k-l-i-c-h gerne Mal, wo dieser tiefsitzende Glaube vieler Leute herkommt, dass es passende Hilfe an jeder Straßenecke gibt... Aber ich habe den Verdacht, dass das gar nicht so ist. Dass "such Dir Hilfe" letztlich ein Ausdruck von Hilflosigkeit ist. Dass es "Ich habe KEINE Idee, frag mich nicht!" bedeutet. Und dass man sich einreden kann die Hilfe gäbe es (irgendwo anders), weil man sich dann keine Sorgen und keine Vorwürfe machen muss. Soll sich der arme Mensch halt Hilfe (woanders) holen, statt einem den Tag zu verderben. Und das "hol Dir Hilfe" im Grunde ein Synonym für "Lass mich in Ruhe" ist.

Ich glaube inzwischen es gibt aktuell keine Hilfe für mich. Ich muss da alleine durch. Ist okay, ich finde ich schlage mich ganz gut. Aber ich setze jetzt "Hol Dir Hilfe" auf die gleiche Liste wie "Tür vor der Nase zuschlagen" und werde entsprechend reagieren.

Und wenn dann jemand geschockt ist, dass ich sauer bin und sich fragt, wie er das wieder gerade gebogen bekommt... Na, dann kann der sich für diese Frage ja Hilfe suchen.


Danke fürs lesen 🙋🏼‍♀️
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 20 Januar 2022, 22:04:51
Ich habe Jahrzehnte damit verbracht zu denken, ich wäre "anders" als andere, weil am Ende des Weges bei "allen" der Wunsch irgendwas zu tun stärker war, als die Angst. Nur bei mir schien immer die Angst stärker.
Warum das so war?
Ich glaube gerade, dass ich immer die "falschen Wünsche" verfolgt habe. Hätte sich jemand die Mühe gemacht, sich mit mir hinzusetzen und uns gemeinsam zu fragen, was ich _wirklich_ möchte und mich _dabei_ zu unterstützen... Ich glaube DAS hätte funktioniert. Aber es war zu viel verlangt. Denn was ich _wirklich_ wollte - war sterben.
Und so wie der Mensch gestrickt ist, hätte das niemand jemals unterstützt. Es war zu viel verlangt. 🤷🏼‍♀️
Und als ich zu kaputt war um nur aufgrund meiner eigenen Stärke zu sterben. "Musste" ich das mit dem Leben lernen. Blieb sonst nix.
*seufz*

Wenn das soweit korrekt wäre, müsste es aber jetzt "eigentlich" Mal mit den Wünschen besser werden. Weil ich es kapiert habe:
Ich bringe den nötigen Egoismus nicht auf und helfen wird mir garantiert keiner.

Was für'n Grund am Leben zu sein ist DAS denn?

Alles kein Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 11 Februar 2022, 10:34:02
"Sprechenden Menschen kann geholfen werden"

Ein schöner Satz. Und stimmen tut er auch. Manchmal.

Ich war bei mehr Therapeuten als ich zählen kann. Ich habe mehrere Therapien "erfolgreich" beendet. (Therapeut sagt "geheilt" ich sage "lieber wäre ich tot".) Ich kann deren Sprüche schon alle synchron mitsprechen, ich habe alle Medikamente probiert, die man mir gibt.
Ich weiß nichts, was man da noch sinnvollerweise versuchen könnte und mit "aus Ratlosigkeit irgendwas versuchen, was schon dreimal nicht geklappt hat" möchte ich meine knappen Kräfte nicht verschwenden.
Also lasse ich es und konzentriere mich darauf das Leben so erträglich wie möglich zu gestalten.

 Ich gehe also trotz schwerer Depression, Panikattacken, PTBS, 6 inneren Saboteuren, Krebs und was hier sonst noch so an "Kleinigkeiten" herumschwirrt zur Arbeit. Weil: Was SONST sollte ich tun? - eben. 
Bei uns bei der Arbeit ist dieses "sprechenden Menschen wird geholfen" ungeschriebenes Gesetz. "Man" erzählt was los ist - und bei der Kollegin mit dem Kranken Vater gehen die Leute helfen, der Kollegin mit der Trennung bringen alle Schokolade, der Kollegin... Kurz: Alles sprechende Menschen, allen kann geholfen werden.
SO ist das bei uns... prima eigentlich...

Und ich...
Ich bin unausgeschlafen und überfordert und schleppe mich durch den Tag. "Hast Du Probleme Ponyhof? Alles okay?" was soll ich jetzt antworten? - "Probleme? Wer ICH???" oder lieber "ach kein Grund zur Sorge, die Todesphantasien sind im Moment nur wieder besonders plastisch, das ist halt anstrengend, das ist alles" oder "ich habe IMMER Probleme" oder "Was hast Du gesagt, ich bin so unkonzentriert" oder "mein Saboteur möchte schreien und schreien und schreien, bis jemand kommt und mich wegträgt" oder was? Ich sage "alles okay" und alle erwarten, dass ich DANN aber auch ordentlich funktioniere. Weil: Ist ja alles okay.

Die Kollegen wissen von "Depression" und von "Krebs" ich denke deutlicher sollte ich da nicht werden.

Sprechenden Menschen kann geholfen werden. Menschen, die mit gutem Grund schweigen, denen ist nicht zu helfen.

Alles kein Ponyhof, danke fürs lesen.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 20 Februar 2022, 19:15:38
Ich habe mir überlegt, dass es Zeit für mich wäre, mir ein Hobby zu suchen. Irgendwas was ich gern tue.
Ich tue mich unfassbar schwer. Unfassbar. Ich habe zu nichts Lust, alles was ich bisher getan habe, zielte darauf ab, drm ganzen irgendwie eine Art "Sinn" zu geben / zu finden oder mit der Frustration der vergeblichen Suche umzugehen. Ich hab's kapiert. Es ist sinnlos.
Die Frage ist jetzt nur noch, wie ich die nächsten Jahrzehnte die Tage herum bekomme.
Arbeit "natürlich". Schlaf "natürlich". Haushalt "natürlich". Aber ich glaube es wird nicht funktionieren, wenn ich nicht irgendwas finde, was ich gern tue.
Aber es scheint nichts zu geben. Alles macht mich unsagbar müde. Müde vor Erschöpfung. Müde vor Langeweile. Müde müde müde.

Irgendwas mache ich falsch, aber die Erkenntnis ist ja nicht neu...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Violetta am 23 Februar 2022, 09:20:18
Wenn das Leben zur Pflichterfüllung wird: Man steht auf, weil man aufstehen muss. Man geht zur Arbeit, weil man seinen Lebensunterhalt verdienen muss. Man duscht, weil man muss. Man hält die Wohnung einigermaßen sauber und ordentlich, weil man muss. Alles ist ein Muss. Natürlich könnte man sich dem entziehen, aber die Konsequenz wäre letztlich ein Leben als Obdachloser auf der Straße. Das wäre noch anstrengender als die Pflichterfüllung.

Ich hatte auch früher oft keine Lust die Wohnung aufzuräumen und sauber zu machen. Aber anschließend wurde ich oft mit einem angenehmen Gefühl belohnt, weil ich es erledigt hatte und es wieder schön war in der Wohnung. Wenn ich geduscht hatte, war da anschließend das angenehme Gefühl der Frische und Sauberkeit. Die Arbeiten waren fast die gleichen, aber vieles wurden anschließend mit angenehmen Gefühlen belohnt. Und wenn es nur ein erleichtertes "Erledigt" war. Heute fehlen diese angenehmen Gefühle und daher ist alles nur noch eine nie endende Anstrengung und Pflichterfüllung. Das Fehlen der angenehmen Gefühle bei einer Tätigkeit ist das eigentliche Problem. Selbst das, was bei mir einmal Hobbies waren, wäre heute nur noch Pflichterfüllung. Ich glaube die Unfähigkeit Freude oder angenehme Gefühle zu empfinden gehört zum eigentliche Kern einer Depression und ist für Gesunde kaum nachzuempfinden.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 23 Februar 2022, 15:42:52
Ja, @Violetta ganz genau so fühlt es sich an. Ich empfinde nichts angenehmes, wenn ich etwas getan habe.
Aufstehen, Duschen, Arbeit, Haushalt, Bett.
Das einzige was ich verlockend finde ist "Bett". Der Rest ist Pflichtprogramm. Ich würde am liebsten 24 Stunden am Tag schlafen.
Sicher, ich MUSS nicht aufstehen, MUSS nicht arbeiten. Nichtmal duschen MUSS ich.
Aber wahr ist, dass der Stresspegel am niedrigsten ist, wenn ich das Pflichtprogramm erledige.
Das Theater wenn ich nicht mehr arbeiten ginge. Die Angst wenn man mich aus meiner Wohnung werfen würde. Die Scham, wenn man mich hier in meinem eigenen Dreck fände... Nein Danke.

Im Gegensatz zu Dir, war es bei mir noch nie w-i-r-k-l-i-c-h anders. Mich hat die Hoffnung getrieben, ich WÜRDE etwas finden, was diesen Zustand beendet und DANN alles gut werden lässt. Diese Hoffnung war das destruktivste Gefühl meines Lebens. Sie hat mich Dinge tun lassen, auf die ich nicht stolz bin. Alles für den Traum, dass das Leben nicht komplett sinnlos ist, sondern ich eines Tages...
Jetzt habe ich endlich begriffen, dass so etwas nicht existiert. Besser spät als nie.

Und so bleibt mir nur, dass Stress, Angst und Scham am niedrigsten sind, wenn ich das Pflichtprogramm durchziehe. Mehr da nicht.
Aber soll DAS die Motivation der nächsten Jahrzehnte sein?

Wenn Depression "nur" eine Krankheit ist, warum wirkt dann bei mir keine Therapie? Und wenn ich unheilbar depressiv bin, warum sterbe ich dann nicht einfach?
Ich verstehe es nicht, aber es scheint so zu sein.
 
Ratlose Grüße - Danke fürs Lesen.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 25 Februar 2022, 10:11:45
Ich schäme mich so.

"Aber wofür denn Ponyhof?" fragen die Menschen.

Es ist einer "dieser" Momente, in denen die Menschen an mir und ich an den Menschen verzweifeln. Denn ich verstehe nicht einmal die Frage.
Wie "wofür?"
Ich schäme mich "einfach".
Immer. Und für alles.

Ich schäme mich für den Sauerstoff, den ich beim Atmen verbrauche, schäme mich für den Platz, den ich einnehme, wenn ich irgendwo sitze. Ich schäme mich für die Lebensmittel, die ich esse und für den Arbeitsplatz, den ich okkupiere (- sicherlich könnte den auch ein anderer Mensch gut brauchen). Ich schäme mich für den Kaffee, den ich trinke und die Aerosole, die ich ausatme. Schäme mich für den Wohnraum, den ich blockiere, für die Ressourcen, die ich binde. Schäme mich für die Liebe, die ich bekomme. Ich schäme mich, dass ich vom sterben träume, schäme mich dass ich lebe. Und dass ich mich schäme, dafür schäme ich mich auch.

Und spätestens, wenn wir an diesem Punkt angekommen sind, ist es so, dass absolut NICHTS mehr an Optionen bleibt. (Es gibt nur Leben oder Sterben. Es kann nicht gleichzeitig zum schämen sein, dass ich lebe UND dass ich bereit bin das zu beenden. Eins von beiden muss nach purer Logik "richtig" sein, es MUSS. Und wäre es wirklich weniger zum-schämen wenn ich arbeitslos unter der Brücke läge um meinen Job und die Wohnung anderen zu überlassen? und...)

Und dann  sind wir wieder bei dem Satz "Alles wäre gut, wenn Sie das nicht denken würden".

Ich habe bei einer meiner unzähligen Therapieversuche versucht etwas anderes zu denken.
Vorschlag der Therapeutin war, solche destruktiven Gedanken und Gefühle bewusst zu ignorieren. Dann kämen andere Gedanken und Emotionen "nach vorne" und die destruktiven würden "in den Hintergrund treten".
Also versucht.
Ich habe die destruktiven Gedanken und Gefühle verdrängt und dann da gesessen und auf was anderes gewartet - was nie kam. Noch die tollste Therapeutin kann keine Emotionen aus mir herauskitzeln, die ich nicht habe.
Das geht gar nicht.
Diese Erkenntnis war sehr sehr bitter und sehr sehr schmerzhaft. Aber sie war auch sehr wichtig für mich. Ich bin ich. Niemand kann mir Gedanken und Gefühle "implantieren". auch kein Arzt. Wenn ich etwas empfinde, dann empfinde ich es.
Und so arbeite ich wieder mit dem, was ich habe - womit auch sonst.
Und ich habe diese Emotionen.
Dass ich mich schäme. Für alles und für alles gleichzeitig. Diese Scham hat keinen Anfang und kein Ende, nichts ist denkbar, was gut genug wäre um sie zu besänftigen. Kein Wort ist drastisch genug um sie auszudrücken und weder mit meinem Leben noch mit meinem Tod kann ich irgendetwas ausrichten, was einen Unterschied machen würde. Immerzu.

Wenn ich es so formuliere, wird wenigstens klar, warum ich so müde bin, denke ich...

Alles kein Ponyhof. Danke fürs lesen.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Robert am 25 Februar 2022, 21:52:10
Hallo Ponyhof,
und wenn Du es mit einem ganz anderen neuen Leben versuchst? In Einfachheit und Schlichtheit z. B.
Alles liebe und gute.
Robert
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 26 Februar 2022, 07:07:31
Hallo Robert 😃

ein ganz anderes Leben in Einfachheit und Schlichtheit? Wie meinst Du das denn?

Ehrlich gesagt kommt mir mein aktuelles Leben weder aufwändig noch extravagant vor. Normale Wohnung (ohne Schnickschnack ohne Putzfrau). Bisschen Urlaub (Nordsee oder so - keine Fernreisen). Das Auto teilen wir uns, ich nehme sowieso meist das Fahrrad.
Oder meinst Du mit Einfachheit und Schlichtheit das Aussteigen aus der "Gesellschaft" um in einer Hütte im Wald von Beeren und Pilzen zu leben?

Liebe Grüße
Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Robert am 26 Februar 2022, 20:56:15
Hallo Ponyhof,
vielleicht ein einfaches Zelt kaufen und ein paar Tage auf einem Campingplatz. Ein kleines Hotel oder ein Pension in einer anderen Stadt in der Nähe oder auf dem Land.
Einfach mal was anderes "ohne die Zelte hinter sich abzubrechen." Oder zusätzlich etwas gemeinnütziges machen. Tierheim, Tafel, Altkleidersammelstelle, Kirche oder so.
Ich weis es ja selbst nicht. Bin in einer ähnlichen Situation.
alles liebe und gute,
Robert
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 26 Februar 2022, 21:59:42
Hallo Robert,

ach sowas meinst Du.
Ein Zelt habe ich tatsächlich, war schon ein paarmal zum Wandern damit. Die "Einfachheit und Schlichtheit", die man da trifft ist allerdings eine völlige Illusion - man braucht "nur" ordentliche Trekkingausrüstung, Astronautenkost, Kocher, Gasflasche, guten Schlafsack für diese Temperaturen, Merino-Wäsche, gutes Regenzeug... jedes Teil für einige hundert Euro - und schon wird alles ganz einfach und schlicht. 🤣🙈🤷🏼‍♀️ Ich bin auch schon häufiger einfach Mal ein paar Tage raus gefahren. Ist manchmal ganz schön, ich muss "nur" aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr vor der Welt verkrieche - dann will ich da nämlich nie wieder raus und in mir sinkt rapide die Motivation mich zu zwingen. Nur Ruhe, Du verstehst...


Gemeinnützige Arbeit hab ich früher schon versucht. Sowas macht mich NOCH verzweifelter. Weil es mir die Sinnlosigkeit des ganzen quasi " in die Wunde reibt" und das bisschen Energie was ich habe (immer zu wenig) noch an andere verschenkt, bis mir Mal wieder mein eigenes Leben um die Ohren fliegt...

Danke für Deine Vorschläge, aber ich glaube ich bin für sowas längst zu kaputt. Berichte gern, wenn etwas davon für Dich funktioniert hat, ich drück die Daumen.

Liebe Grüße

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Robert am 03 März 2022, 03:24:32
Hallo Ponyhof,
was ich mir noch so zusammen gesponnen habe. Der Versuch einen anderen Blick auf die Dinge zu finden.
Es gibt 7 Milliarden Menschen auf der Erde.
Es gibt  8 Planeten in unserem Sonnensystem.
Es gibt 300 Milliarden Sonnensysteme in unser Galaxie, der Milchstraße.
Es gibt 100 Milliarden Galaxien im Universum.
Wer bin ich?

Oder:
Ist Realität nur ein Produkt meiner Gedanken?
Ob das Sein das menschliche Bewusstsein oder Sein das Bewusstsein bestimmt?

Sind aber Spinnereien. Könnten uns vielleicht von unserer Krankheit ablenken?

Ich denke manchmal ob vielleicht eine  Sucht "helfen" würde?
Ich war eine Zeit lang Alkoholiker. Wenn ich gut betrunken war ging's mir gut. Sehr schlimm war der Kater am nächsten Tag.
Oder Sexfilme schauen. Die Hormone die dabei abgeschüttet werden ließen alles andere vergessen.
Rauschgift habe ich noch nicht ausprobiert. Aber bevor man/frau den Freitod wählt?
Oder unter die brücke mit genügend Rotwein oder Wermut.

Hilft wahrscheinlich alles nicht. Weiterleben.

Liebe Grüße
Robert
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Robert am 04 März 2022, 00:19:26
Was mir noch dazu eingefallen ist.
Depression sei wie z. b. Diabetes Typ 1 eine Krankheit bei der ein Hormon (oder Botenstoff) fehlt.
Also einfach nur ein Medikament einnehmen das den Mangel im Gehirn beseitig und gut.
Eine Gehirnstoffstörung? Depression doch eine Geisteskrankheit?
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 05 März 2022, 08:14:30
Hallo Robert

ja, das mit den körperlichen Ursachen... Wenn's das doch nur wäre... Ich habe auch schon zig große Blutbilder machen lassen, aber was "richtiges" zeigte sich nicht. Wir haben verschiedene Medikamente probiert, Vitamin D nehme ich ein (tut nichts für meine Stimmung ist aber trotzdem gesund). Mein Fazit ist, dass die Medikamente mich "bestenfalls" am funktionieren halten. Da funktioniere ich lieber "einfach so" und spare mir die Medis, denn ich mag sie nicht.
Ehrlich gesagt frage ich mich, was der andere Blick auf die Dinge bewirken soll? Die Feststellung, dass ich so unwichtig bin, dass ich mich auch umbringen kann ohne dass es was ändert? - Frag Mal meinen Mann. Oder anders gesagt: Wenn ich eine Ameise 🐜 aus dem Ameisenhaufen nehme, mag ICH von AUSSEN den Unterschied nicht sehen. Aber die Ameise, die plötzlich das ganze Stöckchen tragen muss, was sie vorher zu zweit getragen hatten, DIE wird den Unterschied gravierend finden.

Von Alkohol fühle ich mich nur besser, wenn er gemeinsam in netter Atmosphäre konsumiert wird, allein in mein Glas starren ist nicht so meins. Ich kann - typisch Frau - mit Sexfilmen nix anfangen und meine Drogen-der-Wahl sind Serien-gucken, vom-sterben-träumen, ritzen und jammern. (Danke fürs lesen 😘).

Kurz und gut. Ich glaube es hilft absolut NIX wird alles nur schlimmer.

Und deshalb werde ich gleich aufstehen. Frühstück machen. Und dann werde ich hier aufräumen, sieht nämlich schon wieder wüst aus hier und ich wollte versuchen die äußeren Erscheinungsbilder Wohnung und Ponyhof wichtiger zu nehmen. Dachte vielleicht wäre das gut für mich...
 Ich muss einkaufen und zur Post und das sind Dinge, die ich tatsächlich tun kann damit es jedenfalls nicht schlimmer wird.

Auf geht's, wer einen Ponyhof will, muss Pferdestall ausmisten. Und wer KEINEN Ponyhof will, der muss die Pferde zum Abdecker bringen, die Leute feuern und den Hof versteigern. Mehr Alternativen gibt es nicht.
Ich habe nicht das Herz und nicht die Nerven für Plan B. Vielleicht wäre es für alle das beste, gut möglich. Aber ich PACKE das nicht, also bleibt nur Plan A. Sie sieht's aus...

Also los, auf geht's. 🙋🏼‍♀️
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Robert am 07 März 2022, 04:50:19
Hallo Ponyhof,
leider verstehe ich zum Teil Deine Antworten nicht. Dies liegt wohl daran, dass ich nur einen
Hauptschulabschluss habe und Du ein abgeschlossenes Studium. Geht mir übrigens mit Beträgen
von anderen Teilnehmer in diesem Forum genauso. Her tun sich doch eine große Bildungslücke
auf. Tut mir leid. Trotzdem fände ich es schön weiter von Dir lesen zu können.
Liebe Grüße
Robert
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 03 April 2022, 14:35:13
...
ich glaube das heißt "Selbstwirksamkeit". Die Erfahrung, dass man etwas TUN kann. Etwas bewirken. Dass es BESSER wird, wenn man was unternimmt, dass man sein Leben aktiv zum positiven gestalten kann.

Und ich glaube DAS ist etwas, was bei mir vollständig hinüber ist.
Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas tun kann. Etwas positives bewirken. Und besser wird schon gleich gar nichts durch das was ich tue. Ich schäme mich für jede meiner Handlungen, ich würde es vorziehen nichts zu tun und insbesondere rückwirkend alles auszulöschen, was ich je getan HABE. Ich sehe keine "richtigen" Verhaltensweisen für mich, nur falsche. Ich brüte ewig über allen Taten, ich mache mir noch Jahrzehnte später Vorwürfe für Sätze, die ich gesagt habe - und die außer mir schon längst niemand mehr in Erinnerung hat. Ich liege Nachts wach, wegen eines dummen Spruches vor über 20 Jahren. Ich habe keine Ideen etwas aktiv zum positiven zu gestalten und wenn ich einfach irgendwas versuche, schäme ich mich hinterher und fühle mich schlechter.

So zu leben macht keinen Spaß, eine Methode DAS zu ändern, sehe ich nicht. Ich sehe überhaupt keine Methoden...

Alles kein Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ina am 03 April 2022, 18:48:48
 
Hallo Ponyhof,

dieses Nachdenken über Dinge, die ewig her sind, und die damit verbundenen Schamgefühle oder auch ein schlechtes Gewissen kenne ich im Ansatz auch, aber wohl bei Weitem nicht in der von Dir beschriebenen Intensität. Vor allem kenne ich es aber von einem guten Freund von mir. Er hat mir schon oft davon erzählt und es ähnlich beschrieben wie Du. Für einen selbst, aber auch für Außenstehende ist das wirklich (!) schwierig, denn man fühlt sich ziemlich hilflos, weil es scheinbar gar nichts bringt, die Dinge rational zu betrachten. Die Gefühle ändern sich dadurch wohl leider nicht...


Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas tun kann. Etwas positives bewirken. Und besser wird schon gleich gar nichts durch das was ich tue.

Beziehst Du das nur auf Dich und darauf, wie es auf Dich wirkt bzw. ob es etwas Positives bei / in Dir bewirkt?
Wie ist es für Dich, wenn Du etwas für andere tust? Etwas, was sich auf jemanden anders positiv auswirkt, ihm guttut, hilft o.ä.?
Gibt Dir das etwas?


Liebe Grüße
Ina
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 04 April 2022, 15:44:01
Hallo Ina 😃

wie lieb, dass Du Dich meldest. Und wie lieb Dir Gedanken über mein vermurkstes Unterbewusstsein zu machen. 😊 Also für andere was gutes bewirken geht manchmal.
Ich komme allerdings aus einer Familie mit einem wohl-pathologischen Helfersyndrom, daher versuche ich darauf zu achten das nicht zu sehr zu kultivieren... 

Die Dinge rational zu betrachten ist so eine Sache. Meines Erachtens führt das nirgendwo hin.
Fakt: Auf die Fragen "Wäre ich besser nie geboren?" "Wäre ich besser schon tot?" gibt es keine rationale Antwort.
So sieht's aus, das weiß niemand. An dieser Stelle sagen dann die Psychologen ich "dürfe" das so nicht empfinden und dann sage ich, dass ich es nicht ändern kann, ich empfinde es nun einmal... Und dann schauen sie dumm und sehen nach, welches Antidepressivum ich noch nicht hatte...  Ich "sollte" was anderes empfinden.  Ich "sollte" was anderes wollen. Ich "sollte" so nicht denken. Aber ich kann es nicht lassen, ehrlich ich hab's wirklich versucht.

Liebe Grüße
Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ina am 04 April 2022, 18:44:44
 
Das mit dem „Nicht-Sollen“ oder „Nicht-Dürfen“ halte ich für völlig kontraproduktiv. Solche Aussagen vermitteln doch am ehesten den Eindruck, die eigenen Gedanken und Gefühle wären „falsch“. Sicher sind solche Empfindungen schade, blöd, schwierig und traurig, aber es ist doch nicht „falsch“, so zu denken und zu fühlen. Es wird schon seinen Grund und somit irgendwie auch seine Berechtigung haben. Was auch immer in Deinem Leben dazu geführt hat, dass Du es so empfindest: Vermutlich ist es (für Deine Psyche) die logische Konsequenz. Da wäre der Ansatz also eher, den Ursachen auf den Grund zu gehen und herauszufinden, wodurch dieses Empfinden / diese Wahrnehmung entstanden ist; und dann zu gucken, ob sich die Gedanken (mit viel Arbeit...) in eine andere Richtung lenken lassen. Medikamente helfen ja eher oberflächlich oder begleitend / unterstützend. Aber es scheint ja sehr tief in Dir verankert zu sein und Du hast schon ganz viel ausprobiert, wenn ich das richtig verstanden habe. Schwierig, wirklich schwierig... Dich einfach damit abzufinden, ist ja irgendwie auch nicht wirklich ein Weg, denn ein Leben ohne jegliche (Lebens)Freude und mit dem ständigen Gefühl fehlender Sinnhaftigkeit ist ja nichts mehr als ein Aushalten und Warten und erscheint mir enorm trostlos. :(
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 05 April 2022, 06:30:17
Liebe Ina,

ja, das glaube ich eben auch. Ich empfinde es nun einmal. Und da ich nur dieses eine Gehirn habe, bleibt "nur" mit dem zu arbeiten, was ich habe. Dieses Verdrängen der Gefühle, die da waren, führte nur dazu, dass die Psychologin darauf wartete, dass ich mit "besseren" Emotionen daherkäme, jetzt wo die "falschen" aus dem Weg waren. Und ich wartete darauf, dass sie mir "neue" Emotionen geben würde - meine eigenen hatte ich ja auf ihre Anweisung verdrängt.
Offensichtlich aussichtslos.

Eine tiefenpsychologische Ursachenanalyse habe ich tatsächlich  gemacht. Es hat furchtbar wehgetan, mir aber tatsächlich SEHR weitergeholfen. Seit dem empfinde ich das Leben nicht mehr als unerträglich. Die konkreten Suizidpläne sind so einem allgemeinen "Wenn ich es nicht mehr aushalte könnte ich" gewichen und ich ritze nicht mehr. 
Das ist alles sehr hilfreich und ich will auch nicht undankbar sein.

Aber es ist tatsächlich so, dass mir damit jetzt w-i-r-k-l-i-c-h langsam die Ideen ausgehen. Ich "sollte" zu irgendetwas Lust haben. Ich "sollte" es das Risiko wert finden, etwas zu tun. Ich "sollte" mich freuen.
Ich weiß.
Aber wie gesagt... Ich kann eine Emotion nicht herbeihexen.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Robert am 08 April 2022, 12:55:03
Hallo Ponyhof,

ich lese sehr gerne Deine Beträge. Wenn ich manchmal auch nicht alles verstehe so sind Dein Schreibstil und Deine Formulierungen einer Schriftstellerin würdig.
Deshalb schreib ich das. Du solltest ein Buch schreiben. In einem früheren Betrag hast Du es mal anklingen lassen. Vielleicht eine Fiktion darüber wie Du gerne
leben würdest wenn Du nicht dieses Handicap hättest. Oder ein Sachbuch über Ponys. Wenn ich Deine Fähigkeiten hätte würde ich ein Fantasyroman schreiben.
Wie Herr der Ringe, Harry Potter, Game of Thrones oder Dune.
Liebe Grüße
Robert
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 09 April 2022, 14:59:02
Hallo Robert

Oh, vielen Dank 😊
Ein Buch zu schreiben ist tatsächlich ein sehr reizvoller Vorschlag...
Es ist nur...

Also früher habe ich viel geschrieben. In erster Linie Kurzgeschichten und ein Blog und sowas alles -  alles sehr sehr SEHR düster. (Wohlstandspudel würde mir diese Texte hier im Forum sofort raus ****en wegen "Schreib doch sowas nicht"). Im Rahmen der Therapien und der Versuche "sowas" nicht mehr zu denken, waren diese Ideen und Geschichten eins der Opfer, die ich bringen "musste"  Es ist mir wirklich schwer gefallen, weil mir diese Texte wirklich sehr sehr wichtig waren.
Naja. Fakt ist:  Ich kann die Intensität der destruktiven Gefühle, die ich für eine gute Geschichte brauche, nicht mehr ertragen.
Wirklich nicht. (Und jeder, der jetzt "Och, Ponyhof, probier's doch einfach nochmal aus!" denkt, berücksichtige bitte, dass ich tatsächlich glaube, dass DAS der Weg in den Su*zid IST.)
Ich habe die intensiven Emotionen  geopfert, bevor sie mich in den Tod getrieben haben (war vergleichsweise knapp unter uns gesagt) - ich dachte ich bleibe noch etwas bei meinem Mann.
Jetzt ist alles nicht mehr soooo dramatisch... Und ich kann nicht mehr schreiben.
Ich habe es oft versucht.
Aber sobald ich versuche über was anderes als meinen geplanten Tod zu schreiben, sitze ich vorm leeren Bildschirm.
Keine Idee. Keine Lust. Kein Plan. Nichts zu sagen.
Leer.

Gast985 hat damals gemeint, die Ideen, Pläne und Vorstellungen würden noch kommen. Jetzt, wo ich durch vertreiben vieler Todesgedanken Platz für etwas anderes geschaffen habe.
Ein schöner Gedanke (Hallo @Gast985 - liest Du hier noch mit? Komm doch zurück, Du hattest immer so interessante Einfälle...). Bisher sind sie nicht gekommen.
Aber es wäre schön, wenn er Recht behalten würde... Irgendwann ... Und vielleicht fällt mir ja dann wieder was ein... Irgendwann...

Weißt Du, Robert, es tut mir leid, wenn ich so kryptisch antworte, dass Du nicht folgen kannst (ob das an meinem Uniabschluss oder meiner wirren Weltsicht liegt ist eine Frage für sich!!!) .

Tatsächlich habe ich oft das Gefühl, dass mein Leben komplizierter ist, als das anderer Menschen. "Ist doch ganz einfach, Ponyhof" sagen die Menschen dann - und sehen mein Problem nicht einmal.
Und ich... frage mich, wie ich herausfinden soll, ob ich mir das alles einbilde, oder ob die Leute "nur" (noch?) nicht sehen, was ich sehe... Ich weiß die Antwort nicht. Und jedenfalls DAS liegt nicht an Dir, mein Ehrenwort. Denn das passiert mir oft. Auch bei Menschen MIT Uniabschluss.
Alles kein

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Robert am 09 April 2022, 19:03:57
Hallo Ponyhof,

wie wäre es mit einem Sachbuch?
Recherchieren, Fakten sammeln, Interviews machen?, Reisen? usw.

Lieben Gruß
Robert
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 09 April 2022, 21:21:49
Lieb, dass Du Dir Gedanken machst, Robert, wirklich. Mein erster Gedanke war, dass wirksame Suizidmethoden als Buchthema infrage kämen. Darüber könnte ich vielleicht ein Sachbuch schreiben, da hab ich schon viel Recherche betrieben, da kenn ich mich aus. 😉
In meinem Job bin ich ehr die Pragmatikerin mit den praktischen Lösungen, als die Aufsatz-Schreiberin. Diese ewige Recherche finde ich furchtbar anstrengend, bin immer froh, wenn ich nicht stundenlang nachlesen muss... Nein, ein anderes Thema als Suizid, über das ich gern ausführlich recherchieren würde, fällt mir nicht ein.
Das IST es eben.
Ich "müsste" mich für irgendetwas interessieren. Dann würde ich mich damit beschäftigen, vielleicht darüber schreiben oder etwas ausprobieren...
Dieses etwas "müsste" mir gefallen, ich "müsste" mich dafür begeistern, mich damit befassen wollen...
Aber mich interessiert nur der Tod. Sonst nichts. Alles andere füllt bestenfalls die Zeit. Und wenn ich mich zu viel mit dem Tod befasse... Naja, ich denke Ihr seht was ich meine...

Alles kein Ponyhof.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Robert am 11 April 2022, 21:07:58
Hallo Ponyhof,

das Bundesverfassungsgericht hat entschieden das jede/jeder das Recht auf selbst bestimmtes Sterben hat.
Ein Buch über den Freitod, ohne andere zu gefährden, wäre nicht schlecht. Es gibt auch "Normale" die nicht
mehr wollen/können.

Liebe Grüße
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 13 April 2022, 19:16:31
Naja, @Robert, aber ich versuche ja gerade (mit wachsender Ratlosigkeit) irgendwas anderes als den Tod zu finden, womit ich mich gern beschäftigen würde. In der Hoffnung auf diese Weise das Leben bis zu seinem natürlichen Ende mit Anstand rumzubekommen.
Das Schreiben von Büchern über Suizid (abgesehen davon war "damit kenne ich mich aus" ein Witz, ich bin kein Arzt und habe abgesehen von meinem privaten Notfallplan gar keine Ahnung!!!) erscheint da wenig hilfreich.

btw: Diese Entscheidung des BVG die Dich so bewegt ist meines Erachtens in erster Linie für Ärzte, Vereine und Angehörige interessant.
Zum einen: Wenn das BVG entschieden hätte, ich hätte dieses Recht NICHT - was würde das für mich für einen Unterschied machen? Wer sich umgebracht hat ist tot, ob derjenige dazu das (juristische! nicht moralische) Recht hatte ist komplett irrelevant, weil nicht strafrechtlich verfolgbar.
Zum anderen: Wenn man sich in unserer heutigen Gesellschaft darauf berufen will, braucht man zunächst Mal einen "nachvollziehbaren" Grund sterben zu wollen. Ein Medulloblastom vielleicht. Oder Alzheimer. Oder so. DAS verstehen die Menschen. Wenn jemand mit "Psyche" sagt, er/sie wolle nicht mehr leben, landet er/sie nur in der Klapse, weil es ja bestimmt nicht so gemeint war...

Versteh mich richtig: mich freut die Entscheidung. Ich finde insbesondere gut, dass helfende Angehörige nicht mehr so leicht mit einem Fuß im Knast stehen.

Aber ich glaube Du versprichst Dir da mehr als die Entscheidung hält...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Robert am 16 April 2022, 04:46:06
Hallo Ponyhof,

vielleicht haben wir ..... und erleben den Untergang der uns bekannten Welt mitsamt der Menschheit.
Weit davon sind wir nicht mehr. Es kommt wie´s kommt.

Liebe Grüße
Robert
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 17 April 2022, 08:11:56
Hallo Robert

den "Untergang der uns bekannten Welt mitsamt Menschheit"?  Das ist natürlich möglich, insbesondere dann wenn dieser Irre in Moskau noch zu Atomwaffen greift.
Was die Entscheidung des BVG damit zu tun hat, erschließt sich mit allerdings überhaupt nicht.
Nochmal. Wer tot ist, ist doch sowieso tot, was das BVG darüber denkt ist ohne Konsequenz. Oder glaubst Du wir könnten mit der Entscheidung in der Hand in der nächsten Apotheke Giftkapseln bekommen?
Ich fürchte jetzt verstehe ich Deine Gedankengänge nicht mehr...

Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Robert am 17 April 2022, 21:24:31
Hallo Ponyhof,

das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. War ein spontaner Gedanke als ich hörte Putin wolle taktische Atomwaffen einsetzen.
Sorry für die Verwirrung.

Lg Robert
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 21 April 2022, 10:47:34
Ich denke schon den ganzen Tag an etwas, was Darksoul hier irgendwann einmal erzählt hat.
Nämlich, dass sie mit ihrer Therapeutin eine Übung gemacht hat, bei der Darksoul (als gesunde Erwachsene) am Steuer des Autos saß und sie die dunkle Macht aus dem Auto gesetzt hat. Tür auf - dunkle Macht raus - Tür zu - weiterfahren.

Ich habe damals gedacht wie cool diese Übung doch ist und dass ich das auch irgendwann Mal versuchen will.

Habe ich damals gedacht. Heute denke ich etwas anderes. Bei mir (!!!) ist es so, dass die destruktiven Seiten eben Seiten von MIR sind. Und ich kann ja nicht einfach Seiten von mir rauswerfen, die ich nicht leiden kann und mich dann wundern, dass nichts funktioniert.

Wäre das meine Auto-Übung - Ich würde doch kein verzweifeltes kleines Mädchen auf der Autobahn aussetzen, "nur" weil die mir immer ins Lenkrad greift und vor den Brückenpfeiler rasen will. Wäre das meine Auto-Übung, ich packte die kreischende um sich tretende, spuckende, kratzende Kleine in den Kindersitz auf der Rückbank. Anschnallen. Nochn Lolli in den Mund, vielleicht schreit sie dann weniger. Fertig. Weiterfahren. Wird schon irgendwann aufhören zu schreien.

 Ich glaube mit meinen eigenen Emotionen muss ich leben. Raussetzen geht nicht, sich selbst wird man nicht los.

Nur son Gedanke der mir gerade kam...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ina am 21 April 2022, 17:57:57
 
Ich bin sehr zwiegespalten, was solche Imaginationsübungen betrifft. Für manche mögen sie funktionieren und hilfreich sein – das möchte ich nicht in Zweifel ziehen. Inzwischen bin ich der Meinung, dass es für mich nicht das Richtige wäre. Es käme mir vor wie Verdrängung – und die funktioniert wohl in den wenigsten Fällen auf Dauer. Denn ich sehe es genau wie Du: Es sind Seiten von MIR. Die kann ich ja nicht einfach „wegtun“... Das würde vermutlich eher dazu führen, dass sie lauter und rebellischer werden. Ich glaube, auf lange Sicht gibt es nur eines, was da wirklich heilsam ist: Diese Anteile anzunehmen, ihnen zuzuhören und ihnen zu geben, was sie brauchen, also ihre wahren Bedürfnisse, die hinter ihrem vielleicht unschönen Verhalten stecken, zu stillen. Anders werde ich die nicht „ruhig“ bekommen.
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 22 April 2022, 07:17:16
Hallo Ina 😃

wie schön, Dich zu lesen. 😃 Ja, genauso sehe ich das auch, jedenfalls theoretisch. Und genauso versuche ich das auch. Wirklich. Wir haben bei mir sechs Teile identifiziert. Drei habe ich integriert. Die anderen drei habe ich jedenfalls zum "reden" bewogen und dazu, dass sie nicht ständig querschießen.
Ich weiß nicht, ob da noch mehr Integration geht, vielleicht irgendwann...
Denn wie ich die wahren Bedürfnisse eines Saboteurs befriedige, der braucht, dass ich mich umbringe, das ist mir nach wie vor ein Rätsel.

Alles kein Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ina am 22 April 2022, 17:57:57
 
Hallo Ponyhof! :)

Das klingt nach einer ziemlich großen Sache, die Du schon geschafft hast. Finde ich wirklich! Die Anteile zu identifizieren, ist ja schon eine schwierige Angelegenheit und bedarf einer Menge Innenarbeit. Dass Du drei davon sogar integrieren konntest, finde ich beachtlich. So weit muss man erstmal kommen. (Es kommt mir vor, als würde das total blöd klingen, aber ich meine es wirklich genau so, wie es da steht.) Auch, dass Du mit den anderen drei Anteilen „kommunizieren“ kannst, ist nicht selbstverständlich. Irgendwie ist es schön, das zu lesen. :)

Was den Saboteur betrifft: Meinst Du denn, das ist sein wahres Bedürfnis (dass Du Dich umbringst)? Steckt da nicht eher etwas anderes hinter? Es ist wahrscheinlich nicht so einfach, dem auf den Grund zu gehen, aber für unmöglich halte ich es nicht.


Alles Liebe für Dich!

Ina
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 23 April 2022, 15:43:31
Hallo Ina 😃

Vielen Dank 😃 ja, es war ne Menge Arbeit. Ne Menge "Blut, Schweiß und Tränen" wie man so schön sagt. Und es ist auch wahr, dass es viel besser ist. Das Leben ist mir nicht mehr unerträglich, das ist ein riesen Erfolg.
Riesenerfolg... Wenn ich das so formuliere, höre ich, ich "solle" mich freuen. Ich "sollte" stolz sein auf das geleistete. Aber ach, was ich nicht alles empfinden und nicht-empfinden "sollte"... Ich bin in erster Linie total ernüchtert.
Ich habe so hart gekämpft und was habe ich erreicht? Ein Leben, das mir nicht gefällt, chronische Depressionen und so ein Gefühl von Leere und Sinnlosigkeit.
Es ist zum verzweifeln. Aber ich habe ja schon herausgefunden, dass es vom verzweifeln nicht besser wird, also versuche ich das zu lassen, denn verzweifelt war ich schließlich ausreichend lange ohne dass es genützt hätte.
Und ich bin nur ratlos.
Vielleicht ist es einfach zu spät um noch etwas zu finden, was ich am Leben mögen könnte. Vielleicht bleibt mir nach all der Arbeit jetzt nur zur "Belohnung" nur die nächsten Jahrzehnte absitzen zu müssen, weil das Leben nicht mehr schrecklich genug ist um es zu beenden - aber ich es deshalb eben trotzdem nicht mag...

Ob es das "wahre" Bedürfnis dieses Saboteurs ist, dass ich mich umbringe, fragst Du? - Ich denke schon, ja. Jedenfalls so "wahr" wie die übrigen Bedürfnisse, der übrigen Saboteure, die ich befriedigen und integrieren konnte.
Ich denke im Moment, dass es einfach so IST.
Dieser Teil von mir mag das Leben nicht, er wäre lieber tot.
Punkt.
Zu hoffen, dass das ganze ein riesiges Missverständnis ist, wäre Augenwischerei.
Aber er hat seine Chance verpasst, JETZT wo schon drei der Saboteure nicht mehr drauf und dran sind mir etwas anzutun, ist dieser Teil halt ziemlich allein im Raum und "nur" weil der nicht mehr leben will springe ich nicht vom Balkon.
So sieht's aus.
Das Ergebnis ist eine Patt -Situation, es geht nicht vor und nicht zurück.
Der o.g. Saboteur will nicht mehr leben, zwei der übrigen wollen das Leid, was mein Tod auslösen würde nicht verantworten.
ICH will das Leid, was mein Tod auslösen würde nicht verantworten.
Etwas anderes will besagter Saboteur aber nicht und ich habe den Verdacht, dass er der Teil ist, der für die Lebensfreude zuständig wäre. Eigentlich.
Und so bleibt nur die Depression und das Warten. Warten auf den Tod oder auf den Tag, an dem dieser Teil von mir aufgibt und sich darauf einlässt "Wenn wir schonmal hier sind, will ich wenigstens..."
Wenigstens... Was auch immer.
Manchmal, ganz ganz manchmal blitzen kurze Momente auf, in denen dieser Saboteur "Wenn alles sinnlos ist, alles umsonst war und nichts mehr zu retten ist, warum sitzen wir dann jetzt nicht im Schatten und trinken Eisschokolade?" irgendwelche verrückten Vorschläge macht. Und ich lasse alles fallen für dieses Eis, kaufe mir fünf Paar Stiefel in allen Farben oder tue sonstwas verrücktes.
Vielleicht wird es den Saboteur motivieren mehr von diesen schrägen Wünschen zu äußern. Ich kann so viele bunte Stiefel kaufen wie ich will.
Ich kann mich von Eisschokolade und Kartoffelchips ernähren, wenn's den Saboteur für zwei Sekunden tröstet,
ich kann...
Ich kann alles tun, was der Saboteur will, wenn er nur weitermachen würde "lebendige" Wünsche zu äußern... Kann ich wirklich!!!

Aber diese "Eisschokolade" / "bunte Stiefel" / sonstwas Wünsche, sie sind sehr sehr selten - und ich muss HÖLLISCH aufpassen sie nicht zu verpassen, denn sie kommen im unpassendsten Moment und "Sei vernünftig Ponyhof, niemand braucht fünf Paar bunte Stiefel - such Dir EINE Farbe aus und gut" klingt halt vollkommen vernünftig, wenn man den Kontext NICHT im Auge hat.

Ich habe gerade Mal überlegt. Es muss ungefähr fünf Jahre her sein, dass wir das Unterbewusstsein "geknackt" haben. Dann ging es los. Vier saboteure identifiziert, drei zum Reden gebracht. Geglaubt ich sei "fast fertig". Ich meine: Drei von vier!!!
... Da spuckte der vierte Saboteur die Wahrheit aus: dass da noch zwei saboteure waren. Und dass diese drei das "eigentliche" Problem sind.
Seit dem bin ich mit diesen dreien am wahren Problem dran.
Einer will nicht mehr leben.
Einer schämt sich mehr, als ich jemals in Worte zu fassen vermag.
Einer hat Angst. Vor mir selbst. Und vor den Menschen. Vor dem Leben. Vor allem.

So sieht's aus. Die drei sind ein Trio. Und ich bin ziemlich sicher, dass der eine das Leben nicht mögen wird, solange die anderen beiden nur Angst und Scham und sonst nichts als Emotion haben. Ich "müsste" was anderes empfinden, aber ich empfinde nichts anderes, ich kanns nicht ändern. Und solange ich so empfinde, mag ich das Leben nicht, es ist im Grunde nicht Mal verwunderlich...

Die drei sind ein Trio. Und so dreht sich das Karussell und ich kann immer Mal wieder versuchen die Bedürfnisse eines der drei zu befriedigen.- Wobei der eine nicht mehr leben will, der andere rückwirkend nie geboren worden sein und der dritte nie wieder Angst haben müssen.
Es ist nicht möglich diese Bedürfnisse zu befriedigen, aber ja, ich glaube DAS sind die wahren Bedürfnisse und mir bleibt nur im Leben besser zu werden, bis ich den Saboteuren etwas anbieten kann, was sie als "besser als nichts" akzeptieren.
 ... 🤷🏼‍♀️
Ich hab nichts besseres vor die nächsten Jahrzehnte...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Robert am 25 April 2022, 13:28:24
Hallo Ponyhof,

darf ich Dir dazu etwas schreiben? Etwas was meiner Meinung gegen Deinen letzten Beitrag spricht.
Ich  möchte aber Deine Gefühle nicht verletzten und deshalb meine Frage.
Alles Liebe und Gute
Robert
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 25 April 2022, 16:38:59
Hallo Robert

etwas was gegen meinen letzten Beitrag spricht? 🤔 JETZT bin ich gespannt (ich meine: Ich EMPFINDE das so. Wie etwas dagegen sprechen KANN, dass ich empfinde was ich empfinde, ist mir offen gesagt ziemlich rätselhaft).
Also, ja klar, hau raus, ich bin eigentlich selten verletzt, wenn sich jemand damit beschäftigt was ich denke. Abweichende Meinungen erweitern den Horizont und meine eigene kenne ich schließlich schon...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Robert am 25 April 2022, 22:12:59
Hallo Ponyhof,

Ganz brutal: Da wurde mal wieder eine neue Sau durch Dorf getrieben "Die inneren Saboteure". Pseudo-Wissenschaftliche Erkenntnisse.
Lass Dich nicht blenden.

Dennoch alles Liebe und Gute
Robert
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 25 April 2022, 22:40:59
Sorry, ich kann Dir nicht folgen. Was meinst Du? Dass diese ganze "innerer Saboteur" Theorie von vorne bis hinten Quatsch ist? Kannst Du erklären wie Du darauf kommst? Und wer versucht mich Deines Erachtens zu blenden?
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Robert am 27 April 2022, 19:11:24
Ich sehe mir dazu die Qualifikation der Autoren und Einträge im Internet an. Ein neuer? Trend. Dazu die Aussage "Saboteure im Kopf". Ich meine frau/mann begibt es damit auf
sehr dünnes Eis. Was ist wenn die Saboteure überhand nehmen oder die Kontrolle übernehmen? Aber wie geschrieben, ich möchte Deine Gefühle nicht verletzten. Und wenn es
Dir im Moment hilft, ist alles gut. Ich bitte Dich sei wachsam.

Voller Respekt für Deine Ansichten und Deine Person.
Robert

PS: Entschuldige bitte mein schlechtes Deutsch.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ina am 28 April 2022, 04:57:57
 
Nun ja, Robert, es gibt ja so einige Modelle oder Ansätze, wie man die menschliche Psyche betrachten und damit bzw. daran arbeiten kann. Was Ponyhof beschrieben hat, ist keineswegs ein „neuer Trend“. Pseudo-wissenschaftliche Erkenntnisse? Nein. Dir widerstrebt vermutlich der Begriff „Saboteur“, richtig? Das könnte ich sogar irgendwie nachvollziehen, da er ja erstmal ein wenig nach „will nicht, geht nicht, damit kommt man nicht weiter“ klingt. Ich denke, hinter dem Begriff steht ein bisschen mehr.

Vielleicht ist es besser zu verstehen, wenn man von Persönlichkeitsanteilen spricht. Davon gibt es viele – die hat jeder. Bei manchen Menschen sind bestimmte Persönlichkeitsanteile aufgrund von Erlebnissen, Erfahrungen und seelischen Strukturen etwas (oder auch: deutlich) ausgeprägter. Diese Anteile haben zeitweise sehr viel Kraft und treten deshalb mehr in den Vordergrund. Das kann z.B. ein verletztes oder destruktives Ich sein. Diese „Ichs“ haben Gefühle und Bedürfnisse, brauchen Beachtung und möchten „gesehen“ und „gehört“ werden. Und so kann es auch Persönlichkeitsanteile geben, die zu Saboteuren werden. „Saboteur“ ist im Grunde also „nur“ eine Beschreibung eines Persönlichkeitsanteils. Genauso wie das „innere Kind“ eine Beschreibung eines Persönlichkeitsanteils ist. Bei mir ist es z.B. auch so, dass mein „inneres Kind“ von Zeit zu Zeit sehr stark in den Vordergrund tritt und dann auch mein Handeln beeinflusst. Meist hat dies mit Ängsten oder dem Gefühl von Wertlosigkeit zu tun – mit Gefühlen, die in frühester Kindheit entstanden sind und in manchen Situationen noch immer zutage treten, auch wenn ich es im Heute eigentlich „besser weiß“. Dagegen kann ich dann nicht viel machen, weil es eben ein Persönlichkeitsanteil ist.

Die Psyche ist ein inneres System, das sich aus verschiedenen Anteilen zusammensetzt. Und ganz bestimmt kann es da auch Saboteure geben, die Einfluss auf das Denken, Empfinden und Handeln haben.

(Das ist eine stark vereinfachte und verkürzte Erklärung.)



@ Ponyhof: Ich danke Dir für Deinen langen, offenen Beitrag und hoffe, dass ich noch die Muße finde, darauf einzugehen. Versprechen kann ich es leider nicht.
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Robert am 28 April 2022, 17:40:42
Da hab ich mich wohl etwas verrannt. "Der Kerl ist halt zu nichts zu gebrauchen".
Vom Bildungsgrad ganz zu schweigen.
Alles Liebe und Gute Euch allen.
Robert
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ina am 28 April 2022, 19:29:39
 
Hey Robert,

mach Dich doch nicht selbst so nieder.
Ich denke nicht, dass es etwas mit dem Bildungsgrad zu tun hat. Du hast Dich nur offenbar nicht so viel mit solchen Themen auseinandergesetzt. Musst Du ja auch nicht – ist doch nicht schlimm.

Übrigens bin ich fest davon überzeugt, dass der Bildungsgrad, Schulabschluss usw. nichts darüber aussagt, ob man “zu etwas zu gebrauchen“ ist. Es gibt so viel mehr, was einen Menschen ausmacht...

Alles Liebe
Ina
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 29 April 2022, 06:59:14
Lieber Robert,

ich finde es sehr lieb von Dir, dass Du mich davor bewahren wolltest auf Blendwerk und Unsinn hereinzufallen. Und tatsächlich habe ich früher auch immer gedacht, dass Sätze wie "tröste Dein inneres Kind" sicherlich irgendwelchen Pseudo-Wissenschaftlichen Quatsch beinhalten. Es klingt halt ziemlich abgefahren, erst wenn man sich damit beschäftigt, versteht man worum es geht...
Und ich kann Dir versichern, dass ich weder in Schule noch an der Uni ein einziges Wort dazu gehört hatte. Also mach Dich nicht fertig- der Irrtum war nur zu verständlich und hat mit Bildungsstand wenig zu tun. Alles gut. 😃

Danke Ina, für Deine Erklärung, ich hatte hier gestern gesessen und mich beim Erläutern schwer getan. 👍🏻

Liebe Grüße
Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 27 Mai 2022, 15:54:48
Kennt Ihr das Gefühl, dass oft Menschen geholfen wird, denen es vergleichsweise "gut" geht, weil sie die richtige Ausgangsposition haben um um Hilfe zu bitten?
"Ich kann da nicht, ich habe einen Friseurtermin" sagte eine Kollegin von mir neulich - und alle rissen sich ein Bein aus, ihr den Termin freizuhalten, weil das ja "w-i-r-k-l-i-c-h" Mal ein Grund ist... Für einen Friseurtermin würde ich nicht einmal nach Unterstützung FRAGEN.
Solange es nur DAS ist. Aber WENN ich dann Mal frage... Dann klingen meine Begründungen häufig nicht so schön "wichtig"  wie die anderer Leute "Wird mir zu viel" "schaffe ich nicht" empfindet niemand als wichtig, obwohl ich bei solchen Gründen halt da sitze und vom Balkon springen möchte, was doch eigentlich nicht um Klassen HINTER einem neuen Haarschnitt rangieren sollte. 🤔

Ich frage mich, ob ich besser lernen muss (kann?) Hilfebedarf zu artikulieren, oder ob es einfach so IST dass man nur Unterstützung und Rücksicht bekommen kann, wenn die Situation so "gut" ist, dass man "einfach" umfassend helfen kann.
Also erst die schlimmen Probleme allein lösen und sich dann bei den Kleinigkeiten auf Hilfe und Unterstützung  verlassen können...
Erinnert mich an einen Bericht, den ich vor einigen Jahren gesehen habe. Eine Dame hatte krankhaftes Übergewicht. Ihr Arzt lehnte die OP ab und riet ihr statt dessen zu Sport-unter-Aufsicht im Fitnessstudio. Sie ging zum Fitnessstudio, welches mit Abnehmen -bei-Adipositas warb. Der Leiter des Studios sah sich alles an... Und lehnte sie dann ab. Sie müsse ERST 20Kg abnehmen, erst dann könne sie bei ihm trainieren. Zu schwer für seine Gewichte... Ich weiß nicht, was aus der Dame geworden ist, aber ich habe den Eindruck, das ist ein typisches Beispiel für unsere Gesellschaft. Keiner kann "wirklich" helfen, aber statt wenigstens irgendwo anzufangen und irgendwas zu tun, sagt man lieber "nö" und tut als gäbe es an der nächsten Straßenecke die tolle-Lösung - welche in Wahrheit nicht existiert.

"XYZ braucht mehr Hilfe, als ich geben kann" ist eine Formulierung, die ich öfter höre. Und sie steht lustigerweise nicht für "deshalb gebe ich mein bestes und hoffe, dass irgendwann noch jemand etwas beitragen kann" sondern für "Daher lass ich XYZ mit dem Problem allein und mach mich elegant vom Acker"
 
Ach, ich hab heute Mal wieder so GAR KEINE Lust auf irgendwas. Ich friere, ich bin müde und mir ist zum vom-Balkon-springen. Also ein klassischer Fall von "damit muss man allein zurecht kommen". Ist nicht so griffig wie ein Friseurtermin schätze ich. 


Alles kein Ponyhof
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 24 Juni 2022, 18:48:33
Ich werde das Gefühl nicht los, dass jede Aktivität entweder anstrengend, langweilig oder beides ist.
Sollte es nicht Dinge geben, die Spaß machen oder interessant sind oder so?
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ina am 25 Juni 2022, 00:17:17
 
Liebe Ponyhof,

auch ich finde viele Aktivitäten langweilig und (zu) anstrengend. Aber es gibt auch welche, die mir Spaß machen. Mit den langweiligen muss ich mich ja nicht beschäftigen. In den letzten Jahren habe ich immer mal wieder eher zufällig (!) neue Interessen entwickelt bzw. Dinge für mich gefunden, die mir Spaß machen, obwohl ich damit überhaupt nicht gerechnet hatte. Da ich diese Erfahrung mehrfach gemacht habe, würde ich nicht ausschließen, dass Dir das auch „passiert“. Ich wünsche es Dir sehr, denn auch ich bin der Meinung, dass es Dinge im Leben geben sollte, die man wirklich gerne macht.

Was fällt Dir ein, wenn Du darüber nachdenkst, was Du gerne einmal machen oder erleben würdest?

Alles Liebe
Ina
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 25 Juni 2022, 16:13:53
Liebe Ina 😃

tja, was fällt mir ein, wenn ich darüber nachdenke, was ich gern tun würde?
Als erstes wichtigstes und konkretestes fällt mir ein, dass ich mich gern umbringen würde, aber das führt ja bekanntlich nirgendwo hin.
Dann würde ich noch gern meinen Job kündigen, meine Haare grün färben, Nadeln in meinen linken Arm stechen, um da in den richtigen Momenten dran reißen zu können und noch so ein paar Dinge, zu denen man "Jetzt sei doch Mal VERNÜNFTIG Ponyhof" sagen würde ...

Danach wird alles sehr vage und verschwommen. Und ich sehe nur noch solche "Wenn es nicht unmöglich wäre, würde ich gerne" Punkte mit Unmöglichkeitskomponente (heißt das so?)

ZUM BEISPIEL würde ich gern ein Buch schreiben. Theoretisch. Praktisch habe ich eine Zeitlang Kurzgeschichten geschrieben und eine Zeitlang ein Blog geführt.
In beiden Bereichen kam der Punkt, an dem alles gesagt war. Ich stand nur noch vor der "Bring Dich um oder lass es" Entscheidung.
Seit dem habe ich nichts mehr zu sagen.
Wenn ich also in "Was mache ich jetzt mit dem Rest des Lebens " Stimmung am Laptop sitze - dann gibt es NICHTS zu sagen - weil ich den Tod - und damit das einzige Thema zu dem ich je was zu sagen gehabt habe - gerade aktiv außen vor gelassen habe.
Und so sitze ich da und starre auf den leeren Bildschirm. Nix-zu-sagen.
In vielen Bereichen, kann man beschließen etwas zu tun und das dann "einfach " machen. Ob man Lust hat oder nicht, ob man depressiv ist, oder nicht... meine ich. Im Bereich Kreativität, Spaß, Lebensfreude usw. geht das nicht. Ich kann keine Ideen erzwingen. Wenn ich nichts zu schreiben habe, habe ich nichts zu schreiben. Ich kann nicht beschließen Spaß zu haben, das funktioniert so nicht.

Ich mache was falsch, ich seh' es ein. Aber ich habe absolut keine Idee, wie es denn anders ginge...

Alles kein Ponyhof...

Danke fürs lesen...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 06 Juli 2022, 07:04:41
Was ich am Leben ganz furchtbar finde, ist, dass es dazu verurteilt anderen beim sterben zuzusehen.

Ich meine:
Ich muss etwa fünf gewesen sein, als ich den Einfall hatte, vom Auto überfahren zu werden. Hätte ich das damals in die Tat umgesetzt, hätte ich meine Oma nicht verlieren müssen.
Wenn ich mit 15 von der Brücke gesprungen wäre, wäre mir der Tod meiner Mama erspart geblieben, hätte ich mit 23  Nägel mit Köpfen gemacht, der Tod meiner anderen Oma ... usw.

Manchmal habe ich nicht das Gefühl es noch lange ertragen zu können. Vier Nahe Angehörige habe ich noch. Drei davon mit Krebs, bei zweien sieht es nicht gut aus zur Zeit, die dritte ist über 80.
So wie es aussieht, werde ich also mindestens drei von ihnen noch sterben sehen - am wahrscheinlichsten ist wohl, dass ich die letzte sein werde.
Manchmal  denke ich, ich bin froh, wenn alle mit sterben fertig sind, ich kann diese ewigen Hiobsbotschaften nicht mehr ertragen.
Und wieso ist es eigentlich verwerflich, wenn ich anderen zumuten möchte mich sterben zu lassen - aber vollkommen normal, dass ich dazu verflucht bin, alle anderen sterben zu sehen? Bis irgendwann alle tot sind und ich einsam verschimmeln darf...

Ach...

Alles kein Ponyhof... 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Mitleser am 12 Juli 2022, 18:29:29
Hallo Ponyhof.

Deine Fragestellung kann man Systemisch betrachten.

Du bist Teil eines Systems.

Du bist natürliches Mitglied an deiner ererbten Position.

Du bist Teil der Ordnung, durch nichts als Deine Anwesenheit.

Ein System, in diesem Fall das System Familie, hat ein Anfang und ein Ende.

Das System als solches weiß wer der Erste und wer der Letzte dazu gekommene ist. Alle Teile des Systems wissen das ebenso. Das ist ein Teil der natürlichen Ordnung.
Jeder Abgang einer  dem System angehörigen Figur schafft erstmal einen unbesetzten Raum innerhalb des Systems. Ein Platz wird frei, eine neue Ordnung muss sich den Raum nehmen. Die Reihenfolge verändert sich.

Je mehr der Abgang sich am Eintritt ins Familiensystem und der Reihenfolge orientiert, um so einfacher ist damit innerhalb des Systems umzugehen.
Wird jetzt an irgendeiner Stelle diese natürliche Ordnung ins Ungleichgewicht gebracht, durch einen verfrühten Tod zb., schafft das Unruhe im System. Diese Unruhe kann sich im System ausbreiten, bis hin zu totalem Systemversagen.

Für einen "unordentlichen" Tod, ist erstmal keine Akzeptanz vorhanden. Diese muss erarbeitet, erschaffen werden. Das benötigt Kraft aus dem System.
Man kann sich das etwas besser Vorstellen in dem man sich in verschiedene Positionen innerhalb der Reihenfolge versetzt.

Die meisten, "länger" dem Familiensystem Angehörige, akzeptieren irgendwann ihren Austritt und es gibt umgekehrt Akzeptanz innerhalb des Systems für den Austritt. Man akzeptiert einfach das daß 80jährige Familienmitglied das Ende seiner Lebenserwartung erreicht hat. Das ist die Natur der Sache und entspricht der natürlichen Ordnung. Der gegebenen Reihenfolge. Hier fällt nichts aus der Reihe, trotzdem auch dieser "ordentliche" Tod schmerzhaft sein kann.

Man kann aus der systemischen Arbeit gut ablesen das ein unvorhersehbarer Systemaustritt mehr Unordnung bringt, als ein der Abfolge entsprechender Austritt.

Um sich dieser Betrachtung gut zu stellen, ist eine gewisse Sachlichkeit von Nutzen.

Wir machen manchmal aus unserem Leben kein Ponyhof, weil wir uns der Tatsache unserer Position nicht stellen. Dabei ist diese Positionierung unabänderlich und vollkommen natürlich.

Beste Grüße.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 12 Juli 2022, 19:19:58
Ja, da hast Du Recht @Mitleser interessante Betrachtungsweise, Danke für Deinen Beitrag.
Tatsächlich hatte ich vor ein paar Jahren Krebs, hatte also die perfekte Gelegenheit in der Reihenfolge ein paar Plätze "vorzudrängeln".
Da mir vordrängeln fies erschien, habe ich hart gekämpft... Und bin auf diese Weise wieder auf meinem ursprünglichen Platz ganz hinten in der Schlange... 🙈🙈🙈 Schön dumm...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 13 Juli 2022, 07:35:33
Nur Ruhe... ein guter Titel. Ich bin unglaublich müde und erschöpft... gleichzeitig kann ich nicht ausruhen. Vermutlich ist das albern, aber ich weiß nicht wie das geht.

Konnte ich es Mal? Gefühlt nicht, aber vielleicht hab ich es auch vergessen?

Früher habe ich viel gelesen und Hörbücher gehört. Gefühlt gab es damals noch fesselnde Geschichten. Jetzt fesselt mich nix mehr, ich schweife ab, kann mich auf nichts konzentrieren...
Früher habe ich gern Filme und Serien geguckt. Damals mochte ich das total. Heute hänge ich immer nach 2 Minuten am Handy...

Nichts ist mehr spannend genug um die Anstrengung des konsumierens dafür durchzuhalten. Und was soll das dann mit Entspannung zu tun haben? Mit Gewalt zur Arbeit, mit Gewalt zum Sport, mit Gewalt Freunde treffen um nicht zu verschimmeln. Mit Gewalt Haushalt und Steuer und alles was so anfällt, damit blooooooß nicht wieder irgendwas altes anbrennt.

Irgendwo zwischen Gewalt und Langeweile müsste doch ein Mittelweg existieren? Entspannung? Interesse? Spaß? Ihr könnt mir nicht erklären, wie Ihr das macht, oder? Das kann "man" vermutlich "einfach"? *seufz*
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Gast am 21 Juli 2022, 23:23:27
Wo steht geschrieben dass es eine natürliche Ordnung gib5t?
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 22 Juli 2022, 19:40:12
Dass es eine natürliche Ordnung gibt, steht nirgendwo geschrieben @Gast (oder besser gesagt, es steht an 1000 Orten geschrieben, aber keiner ist "die" Referenz schlechthin)

Trotzdem glaube ich, dass @Mitleser richtig liegt, wenn er sagt, dass wir "normalerweise" erwarten, dass erst die Uroma, dann die Oma, dann die Mutter und dann das Kind stirbt.
Stirbt das Kind vor der Uroma finden wir das "besonders" schrecklich.
"Natürliche Ordnung der Dinge" finde ich dafür eine gute Beschreibung.
Hast Du nicht diese Erfahrung gemacht?
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Gast am 24 Juli 2022, 21:42:41
Ja, wenn Sie an diesen Unsinn glauben und es Ihnen hilft!
Lesen bitte diesen Beitrag und Sie verstehen mich besser.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Gast am 24 Juli 2022, 21:48:01
menschplanet.de/ordnung/
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 25 Juli 2022, 11:55:29
Gelesen habe ich (jedenfalls einen Teil) verstanden habe ich ehrlich gesagt NIX.

Nochmal zu der hier genannten Situation:

Mitleser meinte, dass wir Menschen üblicherweise annehmen, dass die Kinder nach den Eltern sterben.
Dass "das" Alter zum sterben 80 und nicht 8 ist.
Wir müssen das nicht "natürliche Ordnung nennen" und es ist ja auch nicht immer der Fall.

Aber mir ist tatsächlich in meinem ganzen Leben noch niemand begegnet, der w-i-r-k-l-i-c-h ehrlich und wahrhaftig JEDEN TAG mit diesem "jeder Tag als wäre er der letzte" Gefühl verbracht hat. Der w-i-r-k-l-i-c-h jeden Tag mit dem gleichen "die Oma ist 98, ich bin dankbar, dass sie noch lebt" Gefühl über seine Kinder und Enkel gedacht hat "dankbar, dass Kevin HEUTE nicht vom Auto überfahren wurde, morgen wird man sehen"? "Wir fahren JETZT übers Wochenende weg, wer weiß was in 3 Monaten ist?" ...

Meiner Meinung nach GEHT das auch gar nicht, weil man dann nämlich verrückt wird.

Daher nochmal die Frage: Hast Du tatsächlich was komplett ANDERES erlebt oder missfällt Dir "nur" der Begriff "Ordnung" in dem Zusammenhang?
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Gast am 28 Juli 2022, 22:21:23
Es gibt keine Reihenfolge beim Tod. Pandemie, Krieg, Hohe Kindersterblichkeit in anderen Kulturkreisen.
Sehen Sie eine natürliche Ordnung?
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 29 Juli 2022, 07:36:04
Ja, sehe ich.

Nicht Mal so sehr tatsächlich beim TOD. (Wobei natürlich auch da trotz Pandemie, Krieg und Hunger doch noch mehr alte als junge Menschen sterben) Aber ganz besonders bei der Art und Weise wie wir das EMPFINDEN. "Er war noch viel zu jung" "Wir müssen die Kinder schützen" usw usw usw.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Gast am 29 Juli 2022, 21:57:30
Das sind Ihre Vermutungen. Sie wissen nicht wie Menschen empfinden.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 31 Juli 2022, 14:48:14
Es sind meine Erfahrungen und meine Empfindungen.
Ich bin ein Mensch und weiß, wie ich etwas erlebt habe und
was ich empfinde. Dass andere Menschen das anders erlebt haben und / oder anders empfinden können, wollte ich nicht in Abrede stellen.

Deshalb habe ich nach Ihren Erfahrungen gefragt. Weil ich tatsächlich noch nie jemanden getroffen habe, der von anderen Erfahrungen berichtet hat. Würde mich daher interessieren.


Erzählen Sie doch was von Ihren eigenen Erfahrungen?
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Gast am 01 August 2022, 15:12:17
Im Lauf der Zeit hat sich die Sterblichkeit und das Empfinden darüber geändert.Die. Sterblichkeit in Deutschland zeigt langfristig unterschiedliche Teilprozesse: Im Jahr 1901 war jeder zweite männliche Gestorbene ein Kind unter 10 Jahren. Vier von fünf dieser Kinder hatten nicht einmal das erste Lebensjahr vollenden können. Bei den weiblichen Gestorbenen lagen diese Anteile nur leicht niedriger. Entscheidend 9für die Sterblichkeit ist die Altersstruktur und nicht die "natürlich Ordnung" die es nicht gibt.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 01 August 2022, 18:45:59
Und für das EMPFINDEN der Sterblichkeit?

Ob im Jahr 1901 die Leute nicht geschrien und getobt und mit Gott gehadert haben, wenn ein Kind starb? Während sie beim Tod der 98 jährigen Urgroßmutter ehr geseufzt und "Sie so ist das eben" gesagt haben?
Es fällt mir schwer das zu glauben.
"Es ist nicht richtig, wenn Eltern ihre Kinder begraben" hat meine Großmutter gesagt, als meine Mutter starb.
Und die war zwar nicht Jahrgang 1901 aber nicht viel später.
Meine Oma hatte viele viele solcher Geschichten. Und immer war der viel zu frühe Tod einer Person die größte Tragödie.

Ernsthaft @Gast (Ich habe am Rande bemerkt auch die Erfahrung gemacht, dass es üblich ist sich in Internetforen zu duzen, darf ich Ihnen, der Sie anscheinend auch diesbezüglich andere Erfahrungen haben als ich daher das 'Du' anbieten? Dieses Gesieze finde ich beim verwenden von Nicknames echt merkwürdig), erzähl doch Mal was DU erlebt hast bzgl. Tod der nicht dieser "Reihenfolge" der Generationen - erst die Oma, dann die Mutter, dann die Tochter - entspricht.
Ich kann mir das nämlich absolut nicht vorstellen, dass man NICHT dieses "XYZ war noch nicht an der Reihe" Gefühl hat, wenn ein Kind stirbt, während die Urgroßmutter dement im Heim vor sich hin siecht.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ina am 02 August 2022, 01:11:11
 
Ich kann mir das nämlich absolut nicht vorstellen, dass man NICHT dieses "XYZ war noch nicht an der Reihe" Gefühl hat, wenn ein Kind stirbt, während die Urgroßmutter dement im Heim vor sich hin siecht.

Das kann ich mir auch nicht wirklich vorstellen. Natürlich können allerlei Umstände dazu führen, dass jemand bereits in jungen Jahren stirbt. Das kommt sogar recht häufig vor. Krankheiten, Verkehrsunfälle, Suizid... Es gibt allerlei Gründe dafür. Aber es fühlt sich nicht „richtig“ an, weil es in der heutigen Zeit doch eher „normal“ ist, dass zuerst die alten Menschen gehen. Was Statistiken besagen oder wie es vor über 100 Jahren war, spielt dabei für mich keine Rolle. Es ist tatsächlich einfach mein Empfinden und auch das, was ich in meinem Umfeld am häufigsten mitbekommen habe.


"Es ist nicht richtig, wenn Eltern ihre Kinder begraben" hat meine Großmutter gesagt, als meine Mutter starb.

Für mich hat es sich sogar „nicht richtig“ angefühlt, dass meine Mutter im jungen Alter von 66 Jahren an Krebs verstorben ist. Es erschien und erscheint mir „zu früh“, auch wenn es ein natürlicher Tod war. Ich war zu dem Zeitpunkt 33 – und für mein Empfinden (!) ist dies zu früh, um keine Mutter mehr zu haben.



(Edit: Zwei fehlende Buchstaben eingefügt.)
 
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Gast am 02 August 2022, 06:56:33
Ihre "natürlich Ordnung" der Welt.
Ihre Empfindungen und Gefühlte die andere Menschen auch haben müssen. Unerheblichen welcher Kulturkreis oder welches Zeitraum. Ich akzeptiere Ihre Meinung teile sie aber nicht.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ina am 02 August 2022, 07:33:37
 
Ihre Empfindungen und Gefühlte die andere Menschen auch haben müssen.

Wer sagt denn so etwas? Ponyhof hat genau das Gegenteil geschrieben und zudem Interesse an Deinen Erfahrungen signalisiert:

Dass andere Menschen das anders erlebt haben und / oder anders empfinden können, wollte ich nicht in Abrede stellen.

Deshalb habe ich nach Ihren Erfahrungen gefragt.
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Mitleser am 02 August 2022, 15:55:51
Es geht bei der "natürlichen Ordnung" innerhalb eines Systems und ich bleibe ganz bewusst bei diesem Begriff, nicht um Glauben. Es ist gegeben. Da ändern auch unterschiedliche Sterberaten vergangener Jahrhunderte nichts.

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Gestern, Heute, Morgen. Anwesender/de. Folgender/de.

Auch in der Familie. Kinder bringen nicht ihre Eltern auf die Welt. Enkel kommen immer nachgeordnet in der 2ten folgenden Generation. Oma und Opa waren immer vorher da und dabei ist es auch egal wie wir diese Mitglieder des Systems Familie nennen würden oder ob wir für den Begriff Gegenwart eine anderen verwenden würden.
Da ist die natürlich Ordnung von Leben. Zyklen die Ablaufen. Unveränderbar. Da kann man Zetter und Mordio schreien, es ändert nichts daran das in dem Moment wo sich zwei Menschen dazu entscheiden Nachwuchs zu bekommen, dieser Nachwuchs ihnen folgt, so wie das Paar in diesem Beispiel Ihren Eltern gefolgt ist.

In einer Firma gibt es auch eine Ordnung. Ein Mensch entscheidet sich etwas aufzubauen, er macht sich zum Chef/in und ordnet sich dann innerhalb seines Betriebes andere nach.
Von mir aus hier einfach mal Bereichsleiter/in, Sekretär/in, Lagerist/in, Helfer/in. Alle diese Positionen werden nach und nach in einer natürlichen Reihenfolge, der Notwendigkeit folgend, hinzugefügt. Gilt genauso wenn es 3, 5 oder 17 Chefs/innen gibt oder 3, 5 oder 17 Sekretäre/innen.

Auch hier herrscht keine Willkür, sondern eine natürliche Ordnung. Auf den Chef, den Startpunkt des Systems Firma folgt..........

Oder in der Natur, eine Fähe sucht einen Fuchs, es wird eine Wurf Jungtiere zur Welt gebracht. Eines der Jungtiere kann im Rang, aber nie im erscheinen innerhalb des Familienverbundes Fuchs seine Erzeuger überholen.

Und hier ist das "nie" auch einfach unabänderlich. Man kann nicht "vor" die Ahnen kommen.
Sterben ist, egal in welchem Alter, nie ein überholen einer älteren Generation. Die natürliche Reihenfolge des Erscheinens, Geboren werdens, Auftauchens auf der Zeitlinie, ist unabänderlich und somit gegebener Maßen natürlich. Weil es einfach so ist.  Und selbst wenn ich das System Zeit ablehne, muss ich anerkennen das etwas vorher, früher oder zu erst da war.
Da hilft dann auch kein wiederständlicher Ansatz und deshalb wies ich auch darauf hin das in der systemischen Betrachtung Sachlichkeit hilft. Auch durch meine Ablehnung einer Ordnung, trete ich nicht aus dem System in der in ihr gegebenen Ordnung heraus!

Und diese "Reihenfolge" finden wir überall! Im Universum genauso wie auf der Erde. In der Natur und dort im Bereich der Pflanzen, der Tiere und der Menschen. Jeder führt einmal in seinem Leben, jeder folgt einmal in seinem Leben. Jeder ist Ahne und jeder ist Erbe. Jeder ist Bestehend.

Nichts ist hier änderlich, ausser man möchte zb nicht das jemand einem folgt. Dann stirbt man als letzter einer langen Reihe von Menschen oder Tieren die vor einem kamen und gingen. Damit verändert man aber auch nicht die Ordnung die vor einem gegeben war, sondern beendet einfach nur ein langes und vielleicht uraltes Familiensystem welches genauso nach den beschriebenen Mechanismen, für lange Zeit bestand hatte.
Die Ordnung ändert die Beendigung dieses Systems ohne Erben rückwirkend nicht.

Jeder kann sich natürlich aus freien Stücken einfach für Ignoranz entscheiden, was ich aus systemischer Sicht natürlich als sinnlos aber auch völlig in Ordnung empfinde. Wir leben nunmal gerne auch stur nach dem Motto "die Gedanken sind frei". Gegebenfalls innerhalb einer gegebenen Ordnung und versuchsweise gegen diese.

Und das ist vielleicht das was ich auch anbieten kann. Wem das "natürlich" nicht passt, weil er sich an dem Wort reiben möchte, der kann auch "gegebene" oder "folgerichtig" als Begriff nutzen oder mir gerne andere sachlich aufzeigen. Da bin ich gar nicht festgelegt.

Natürlich folgt der Zweite auf den Ersten und der Dritten folgt diesen.

Beste Grüße
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Mitleser am 02 August 2022, 16:27:14
Ergänzend nochmal zur Sachlichkeit die ich innerhalb der Betrachtung eines Systems fordere.

Und für das EMPFINDEN der Sterblichkeit?

Ob im Jahr 1901 die Leute nicht geschrien und getobt und mit Gott gehadert haben, wenn ein Kind starb? Während sie beim Tod der 98 jährigen Urgroßmutter ehr geseufzt und "Sie so ist das eben" gesagt haben?
Es fällt mir schwer das zu glauben.
"Es ist nicht richtig, wenn Eltern ihre Kinder begraben" hat meine Großmutter gesagt, als meine Mutter starb.
Und die war zwar nicht Jahrgang 1901 aber nicht viel später.
Meine Oma hatte viele viele solcher Geschichten. Und immer war der viel zu frühe Tod einer Person die größte Tragödie.

Ich kann mir das nämlich absolut nicht vorstellen, dass man NICHT dieses "XYZ war noch nicht an der Reihe" Gefühl hat, wenn ein Kind stirbt, während die Urgroßmutter dement im Heim vor sich hin siecht.


Das kann ich mir auch nicht wirklich vorstellen. Natürlich können allerlei Umstände dazu führen, dass jemand bereits in jungen Jahren stirbt. Das kommt sogar recht häufig vor. Krankheiten, Verkehrsunfälle, Suizid... Es gibt allerlei Gründe dafür. Aber es fühlt sich nicht „richtig“ an, weil es in der heutigen Zeit doch eher „normal“ ist, dass zuerst die alten Menschen gehen. Was Statistiken besagen oder wie es vor über 100 Jahren war, spielt dabei für mich keine Rolle. Es ist tatsächlich einfach mein Empfinden und auch das, was ich in meinem Umfeld am häufigsten mitbekommen habe.


"Es ist nicht richtig, wenn Eltern ihre Kinder begraben" hat meine Großmutter gesagt, als meine Mutter starb.

Für mich hat es sich sogar „nicht richtig“ angefühlt, dass meine Mutter im jungen Alter von 66 Jahren an Krebs verstorben ist. Es erschien und erscheint mir „zu früh“, auch wenn es ein natürlicher Tod war. Ich war zu dem Zeitpunkt 33 – und für mein Empfinden (!) ist dies zu früh, um keine Mutter mehr zu haben.


Hier sind Beispiele wo wir innerhalb der systemischen Betrachtung natürlich das "Gefühl" als Kompass sehr richtig nutzen können. Alle genannten Beispiele zeigen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Reaktionen der "Beteiligten" innerhalb eines Systems, auf Veränderungen der Reihenfolge. So habe ich das selbst auch schon gesagt und gefühlt und weiss aus regem Austausch innerhalb der Systemik das dies genau die tragenden Gefühle und Gedanken sind die uns begegnen.

Es braucht innerhalb der Systemik jedoch, und dort besonders auf der Metaebene, Sachlichkeit. Hier empfand ich beides als gegeben. Eine gefühlsmässige Akzeptanz der Gegebenheiten. Sachlichkeit und Gefühl nebeneinander.

"Es ist nicht richtig, wenn Eltern ihre Kinder begraben"

In diesem Satz wird die Ordnung als gegeben akzeptiert und gleichzeitig der Trauer, durch die entstandene Unordnung, Ausdruck gegeben.

Chapeau
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 03 August 2022, 11:49:57
Liebe @Ina

vielen Dank, ich hatte schon begonnen zu glauben ich würde chinesisch schreiben. Aber wenn bei Dir ankommt, was ich meine kann's ja sooo kryptisch nicht gewesen sein.  😃

Lieber @Mitleser

Danke für Deinen interessanten Beitrag. 😃 Ich bin weitestgehend Deiner Meinung, nur in einem Punkt würde ich widersprechen:
Ich finde schon, dass es um "glauben" geht.
Weil.
Was tatsächlich unabänderliche Tatsache ist und was nicht, darüber kann man sich mit Sicherheit streiten und sich mit noch größerer Sicherheit IRREN.
Es war zum Beispiel jahrhundertelang so, dass man zu WISSEN glaubte, es sei Teil der natürlichen Ordnung der Dinge, dass sich die Sonne um die Erde dreht.

Viele vermeintliche "Tatsachen" waren so lange die alleinseligmachende Weisheit, bis jemand kam und einen Gegenbeweis brachte.
Die Erde war eine Scheibe. Punkt. *Oh* plötzlich war Magellan einmal rum.
Der Mensch konnte nicht fliegen. Punkt. *Oh* bis Lilienthal genug Störche gesehen hatte.
Ein Atom war nicht teilbar, der Mensch konnte nicht auf dem Mond spazieren gehen, die Grünen würden niemals für Verlängerung der Kohle und AKWs stimmen (kleiner Scherz).

Ich will sagen:

ICH GLAUBE dass diese Reihenfolge unabänderlich ist.  Aber ich glaube AUCH, dass der Mensch fehlbar ist und dass es MÖGLICH ist, dass die Menschen in ein paar hundert Jahren (wenn's sie dann noch gibt) anders denken als wir heute. Was WÄRE zum Beispiel, wenn (hypothetisch) der Beweis für Wiedergeburt erbracht würde? Dann wäre plötzlich die Oma bei ihrer zweiten Geburt jünger als die Tochter. Oder wenn...
Erscheint MIR absurd, aber dass die Menschen "absurd" zu Galileo Galilei oder Dr. Semmelweis (das war der mit der Hygiene in der Medizin) gesagt haben, ist eben AUCH Tatsache.

Du sagst, die Welt habe diese natürliche Ordnung @Mitleser. ICH glaube das auch. Aber ich halte für DENKBAR dass wir uns irren. Ist schon anderen vor uns passiert...

Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 06 August 2022, 10:00:38
Nur Ruhe ...

Wenn ich mich überanstrenge, kommt ein Punkt, an dem ich noch mehr fertig bringe irgendjemandem irgendetwas abzuschlagen. Kann nicht. Und das nicht nur wenn der jenige bittet und bettelt, sondern einfach so und quasi sofort. "Trinkst Du noch ein Glas mit? "Musst Du wirklich schon gehen?" "Macht Dir XYZ etwas aus?" - #zack hänge ich am Fliegenfänger. "Klar, mach ich"

Es ist nicht viel passiert, gestern. Ich hatte ein Glas Weißwein mehr als ich wollte, war ne Stunde später zu Hause als geplant. War bisschen nervig mit dem Nachtbus statt letzter Straßenbahn aber alles kein Problem.
Aber die Tatsache selbst macht mir Sorgen. Ich meine: es könnte schließlich auch Mal jemand was vorschlagen, was w-i-r-k-l-i-c-h nicht gut für mich ist (ist mir früher auch schon passiert). Aber wenn ich nicht mehr vor die Tür gehe, wenn ich überanstrengt bin, dann gehe ich halt phasenweise überhaupt nicht mehr unter Leute. Auch schlecht.
Ich habe den Eindruck, es gibt keine Lösung.
Ich "müsste" das können.
Kann ich aber nicht.
Alles kein Ponyhof...
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 06 August 2022, 10:57:49
*nicht mehr fertig bringe

musste es oben heißen. Autokorrektur 🙄
Titel: Re: Das Leben ist kein...
Beitrag von: Ponyhof am 20 August 2022, 19:36:22
Ich weiß nicht, ob diese Geschichte hierher passt, aber ich weiß auch nicht WOHIN sie passt. Und da es hier ja vielleicht auch einfach um das Leben geht, was ich nicht beendet HABE, dachte ich ich schreibs hier Mal auf...

Jedenfalls.

Ein Bekannter unternimmt gerade größere Anstrengungen mich ins Bett zu bekommen. Keine Ahnung was den plötzlich gebissen hat. Midlife-Crisis vielleicht.

Ich muss dazu sagen, dass ich verheiratet bin. Er verheiratet ist. Wir unsere Partner untereinander gut kennen, also klassischer Fall von "echte Scheißidee".
Scheint ihm egal oder wie auch immer, jedenfalls baggert er echt vom allerfeinsten.
Soweit so schlecht.

Mein (durch komplexe Traumatisierungen total vermurkstes) Unterbewusstsein brüllt, dass bestimmt alles gut wird, wenn sich nur mehr Männer der Welt in mich verlieben würden, weil die dann schonmal nicht mehr der Meinung wären, dass ich besser tot wäre und dass besagter Kumpel mich bestimmt... Wenn ich bloß...

Schöner Mist.

Jaaaaaaaaaa, ich weiß. Wenn ich mit dem Kerl ins Bett GINGE, gäbe mir das auch keine Daseinsberechtigung. Sondern ich würde meinen Mann hintergehen und mich deshalb noch schlechter fühlen. Und "nur" weil irgendein Hans oder Franz der Meinung ist, ich sei keine Verschwendung von Atemluft, heilen auch nicht plötzlich die Traumata in meinem Unterbewusstsein.
Insbesondere nicht, wenn ich stattdessen eine riesige Dummheit machte nach der ich mich noch schlechter fühlte.

Ich tu es ja auch nicht!!!! (Hab ihn gestern rausgeworfen, als er zu aufdringlich wurde und meinem Mann gesagt, dass er mich VERDAMMT NOCHMAL in nächster Zeit nicht mit diesem Kumpel alleine lassen soll. Schlechte Idee. Punkt. Ihr braucht mir also keine Moralpredigt halten. ICH WEISS. Ich mach's nicht. Ehrlich.)

Alles gut.

Aber ein Teil meines Unterbewusstseins ist 2 Jahre alt und fragt, was ich tun muss, damit "man" zu der Überzeugung gelangt, dass ich nicht besser tot wäre?
Dann könnte ich das doch einfach TUN und alles wäre gut?
Und wenn jemand diesen Trigger erwischt... Den "Wenn Du XYZ tust, DANN erwirbst Du dadurch das Recht zu existieren" Trigger. Dannn würde sich besagter zweijähriger Teil von mir dem Menschen am liebsten heulend an den Hals werfen und "einfach" alles tun, was er will. Ganz egal was.

Ich meine: Was würde ich schließlich NICHT tun, wenn es um meine Daseinsberechtigung geht? Und danach dann alles gut wird? Was würde ich dafür NICHT aufs Spiel setzen?

Unser Freundeskreis ist heute Abend zum Weinfest. Ich bin zu Hause geblieben. Bloß kein Alkohol heute, ich brauche auf absolut jeden Fall einen kühlen Kopf. - Schlimm genug, dass eine zweijährige Saboteurin in meinem Unterbewusstsein den Aufstand probt.

Alles kein Ponyhof...