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Autor Thema: Für meine Kinder die nicht bei mir sind  (Gelesen 903 mal)

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Müde Maus

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Für meine Kinder die nicht bei mir sind
« am: 16 November 2018, 12:30:01 »

Ihr lieben,
Ich vermisse euch so... habe euch ziehen lassen müssen noch bevor ich euch kannte... eines von euch habe ich sogar selbst ermordet.... ich konnte nicht anders.
Ich hatte erst kurz vorher mit meiner Familie hier auf der Erde einen Verlust erlebt - meine Erdenkinder waren noch total geschockt und in trauer. Ich könnte Ihnen doch nicht nochmal erzählen ich bin schwanger. Und du hättest auch nicht leben können. Du warst so schwer krank. Hättest vielleicht noch bis zur Geburt gelebt... aber wahrscheinlich wärst Auch auf bald im bauch gestorben. Es tut so weh.
Ich warte auf ein Geschwisterchen - immer noch... Aber es kommen keine frohen Botschaften mehr.
Mein erstes Kind Du hast sogar einen Platz bekommen, bei Deinem Opa auf dem Grab.
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hardworking fool

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Re: Für meine Kinder die nicht bei mir sind
« Antwort #1 am: 16 November 2018, 15:56:39 »

Ach, liebe Müde Maus!

Ich glaube, dass ich genau weiß was du meinst und was du fühlst. Mir scheint, dass wir Ähnliches erlebt haben. Deswegen möchte ich dich jetzt mal ganz, ganz fest in den Arm nehmen und dich ganz lang drücken.

Man sagt die Zeit heilt alle Wunden....

LG Fool
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Wahrlich, keiner ist weise der nicht das Dunkel kennt.
Hermann Hesse

Müde Maus

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Re: Für meine Kinder die nicht bei mir sind
« Antwort #2 am: 17 November 2018, 14:43:05 »

Vielen Dank liebe Fool - es gibt wohl nichts dunkles, was Du noch nicht erleben musstets... ein Wunder, dass Du immer noch auf Deinen Füßen stehst. Ich habe ja alleine nach diesen Erlebnissen das Handtuch schmeißen wollen. Dabei habe ich sonst im Leben die besten Bedingungen.

Und ich denke viele Frauen wissen und kennen um dieses Gefühl. Aber es ist jetzt 1,5 Jahre her... es schmerzt immer noch... der Abbruch war vor 11 Monaten. Am 19.12. kurz vor Weihnachten... im Mai diesen Jahres dann noch eine frühe FG und irgendwie denke ich es soll nicht sein und hätte es dennoch gerne anders...
ich hoffe Du behältst recht und die Zeit heilt wirklich die Wunden... ich habe Angst es wird nur gut irgendwo verpackt und verdrängt und irgendwann bricht es wieder hervor...

Und allein die nun wiederkehrende Mens zwingt mich wieder dazu mich mit dem Tid zu beschäftigen. ABER ich denke ich möchte nicht freiwillig gehen... es gibt (zum Glück) so viele Menschen hier die mich lieben und die ich nicht loslassen könnte und kann.
Der Tod tritt erst ein, wenn die Welt einen nicht mehr braucht und man selbst abgeschlossen hat. So weit bin ich noch lange nicht. Mein weg hier auf der Welt ist noch sehr weit und vielleicht kommt ja demnächst noch ein kleiner Lichtstrahl der dann bleibt...

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hardworking fool

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Re: Für meine Kinder die nicht bei mir sind
« Antwort #3 am: 17 November 2018, 17:00:48 »

Der Tod tritt erst ein, wenn die Welt einen nicht mehr braucht und man selbst abgeschlossen hat. So weit bin ich noch lange nicht. Mein weg hier auf der Welt ist noch sehr weit und vielleicht kommt ja demnächst noch ein kleiner Lichtstrahl der dann bleibt...

Liebes Mäuschen!

Was für wunderbare Worte! Ich bin mir allerdings gerade gar nicht sicher ob du wirklich begreifst was für einen wunderschönen Gedanken du da niedergeschrieben hast. Ich glaube ganz fest daran, dass unser Dasein einen Sinn hat - auch wenn wir ihn heute noch nicht erkennen, aber er ist da.

Die Sache mir dem "Handtuch schmeißen" … Ich war tatsächlich auch ganz oft kurz davor, aber irgendwann wurde mir bewusst, dass jeder einzelne neue Tag eine neue Chance ist. Jede Minute kann plötzlich etwas ganz Bedeutsames werden, jede Sekunde eine neue Möglichkeit eröffnen.

Ich weiß, dass das schwer zu verstehen ist, vielleicht wird sich der eine oder andere auch dadurch vor den Kopf gestoßen fühlen, aber ich bin heute sehr froh, dass ich eine Depression bekommen habe. Ich sehe das mittlerweile tatsächlich als Geschenk. Niemals hätte ich mich sonst so intensiv mit mir selbst, der menschlichen Psyche und den essentiellen Fragen des Daseins auseinandergesetzt.
Es ist unendlich schwer ständig gegen Windmühlen ankämpfen zu müssen - und trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass sich der Kampf nicht lohnt. Ich weiß nicht ob ich nicht vielleicht doch irgendwann zugeben muss, dass ich verloren habe - aber ich werde diese Welt nicht verlassen ohne einen verdammt guten Kampf geliefert zu haben.

Bei mir sind es nun etwa 17 Jahre. Vergessen wird man so etwas nicht. Und trotzdem stimmt es, dass die Zeit alle Wunden heilt. Vielleicht habe ich damals die falsche Entscheidung getroffen, aber ich habe mittlerweile verstanden, dass ich damals keine andere Möglichkeit gesehen habe. Ich konnte nicht anders handeln. Und so konnte ich mit dem Ganzen Frieden schließen. Heute hätte ich vielleicht anders entschieden - aber heute bin ich auch ein Mensch der durch etliche Schicksalsschläge und zahlreiche, teils auch schmerzliche Erfahrungen gereift ist.

Keine Frau trifft eine solche Entscheidung unüberlegt, aus Jux und Tollerei. Du ganz sicher auch nicht.

Ich wünsche dir sehr, dass du deinen Frieden finden kannst. Lebe du! Das bist du dir selbst schuldig!

LG Fool
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Hermann Hesse

Müde Maus

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Re: Für meine Kinder die nicht bei mir sind
« Antwort #4 am: 25 November 2019, 20:19:02 »

Ich war lange nicht hier... über ein Jahr.
Es ging mir gut, es war Frühling und ich war Schwanger... drei mal. Es wollte leider keines der drei bei uns bleiben.
Ich schließe allmählich ab. Ich kann nicht mehr. Aber ich kann auch nicht aufhören.
Es fühlt sich an als sei
da etwas zwischen Den Welten... im Nebel. Es findet den weg nicht zu uns, aber für uns ist es zu schwer und zu gefährlich ihm entgegen zu gehen oder es zu suchen. Sobald man sich auf den weg begibt entsteht ein unglaublicher Sog.

Und immer wieder ist die Welt so traurig und leer... immer wieder fehlen mir Sinn und Antrieb wozu es sich lohnt weiter zu machen, nicht aufzugeben...
Ich hoffe, Fool ist noch hier. Vor allem wegen Dir komme ich immer wieder hier her. Du bist ein toller Mensch. Alleine Deine Antworten hier tun mir so unglaublich gut.
Alles läuft recht gut: Job, Kinder, Mann, selbst im Haushalt schaffe ich ein wenig mehr und doch droht es jederzeit zu kippen... wie ein Seil... Balanceakt über dem wildwasser.
In meiner Vorstellung, habe ich mich sehr gut angegurtet, einen Stahlring an dem ich mich fest klammere in den Händen. Ich sitze hoch oben über dem tosenden Fluss.
Unten schwimmen in kleinen Binsenkörbchen meine Babys vorbei.
Ich möchte sie raus ziehen aus den Fluten... ich bin zu weit weg. Sie schwimmen alle vorbei und ich sitze da und weine!!!! Ja, ich kann endlich weinen und weinen und weinen.
Ich habe ein Bild gefunden. Die Dunkelheit, der Nebel, das unendliche Schwarz sind diesem Bild gewichen. Immer noch nicht sehr hoffnungsvoll, immer noch traurig. Aber es gibt Bilder jenseits des unendlichen Dunkels. Ich lebe.

Ich sollte für meine Kinder da sein, ich sollte funktionieren, ich sollte meinen Job machen. Aber ich sitze nur da und grüble. Mit dem Nebel und dem unendlichen schwarz war es teilweise leichter wie betäubt weiter zu arbeiten... aber jetzt (2 Jahre danach) möchte da etwas raus.
Alles will wieder und wieder erzählt und durchdacht werden. Ich nerve meine Umwelt und meine Mitmenschen, Familie, Freunde...
Ich hoffe das Horoskop, die Weissagungen irgend etwas kann mich beruhigen und für 2020 ein besseres Jahr bringen.
Aber ich glaube nicht mehr daran. 3 Schritte vor und 4 zurück... auf in die nächste Erschöpfung, depressive Episode, Lähmung...
Es war bei weitem nicht gut im Frühjar und Sommer... es war aushaltbar. Ich habe mich selbst raus gezogen und beschlossen es muss weiter gehen... ich habe funktioniert und sogar wieder ein wenig gelebt.
Das ist jetzt wieder vorbei. Ich versuche mir Spaß und Freude zu verordnen... doch woher bekommt man das?
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hardworking fool

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Re: Für meine Kinder die nicht bei mir sind
« Antwort #5 am: 26 November 2019, 08:08:19 »

Ich hoffe, Fool ist noch hier. Vor allem wegen Dir komme ich immer wieder hier her. Du bist ein toller Mensch. Alleine Deine Antworten hier tun mir so unglaublich gut.

Mein liebes Mäuschen!

Wow! Da hat es dem alten Narren doch glatt die Sprache verschlagen. Ich sitze hier schon minutenlang und frage mich, wie ich am besten auf diese deine Aussage reagieren soll. Am besten ich sage einfach mal danke. Danke für dieses wunderbare Geschenk am frühen Morgen. Vielen, vielen Dank.

Im Gegenzug könntest du mir vielleicht einen Gefallen tun. Streiche "Ich sollte" aus deinem Wortschatz. Wer sagt denn, was du tun "solltest"? Manchmal ist es richtig einfach nur dazusitzen und zu weinen.

Das ist ein sehr kraftvolles Bild was du da zeichnest. Der Fluss, das tobende Wasser, die kleinen Körbchen, ich sehe das richtig vor mir.
Wenn ich das mal interpretieren darf. Du hast einen Weg gefunden, dich selbst zu schützen (gut angegurtet), aber dadurch kannst du die Kleinen nicht mehr retten. Das ist natürlich sehr traurig.
Aber dein Bild hat auch noch eine andere Seite. Deine Babys sind in dem Körbchen sicher geborgen. Sie treiben vorbei, aber sie werden nicht untergehen.
Und wenn du den Gedanken einmal weiterspinnst, wie geht es mit dem Fluss weiter? Am Anfang ist er wild und gefährlich, aber allmählich wird er ruhiger und breiter werden, wird langsamer fließen, sanfter werden und irgendwann wird er in der unendlichen Weite des Meers münden, wo er frei sein wird, nicht mehr in ein enges Flussbett eingezwängt, sondern frei, vereinigt mit unzähligen anderen Flüssen. Und deine Kinderchen mitten drin. Das empfinde ich als sehr tröstlich.

Danke, dass du dieses Bild mit uns geteilt hast.

Alles Gute!
Fool

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Re: Für meine Kinder die nicht bei mir sind
« Antwort #6 am: 29 November 2019, 10:29:06 »

Und trotzdem bin ich immer noch alleine und unendlich traurig. Sie werden nicht bei mir sein - niemals.
Mir bleiben nur Tränen und wenn sie dann auf dem offenen Meer treiben, kann ich sie nicht mal mehr sehen.
Sie sind weg.
Trotzdem vielen Dank. Vielleicht kann ich irgendwann Trost finden.
Und ich fürchte meine fehlende Energie, meine Antriebslosigkeit und meine aktuelle Tieflage hängen doch auch damit zusammen, dass ich diesen Abschied gestalte und akzeptiere.
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