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Autor Thema: Keine Freunde mehr  (Gelesen 129 mal)

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Napaleom

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Keine Freunde mehr
« am: 29 Juli 2020, 00:12:53 »

Hallo,

vielleicht hat jemand schon ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir weiterhelfen.

Ich bin gerade am Boden zerstört. All meine Freunde sind aus beruflichen Gründen weggezogen. Kaum einer hat Interesse den Kontakt zu halten. Wenn gibt es mal ne kurze Chat-Nachricht - aber meist nur, wenn ich mich vorher melde. Eigentlich nie aus Eigeninitiative. Klar, jeder hat viel zu tun. Aber ne kurze Sprachnachricht, wenn man an jemanden denkt oder wenn einem irgendwas schönes, schlechtes, lustiges passiert ist? Keiner von ihnen hat Kinder.

Bekomme meist nur Nachrichten, wenn es irgendein Problem gibt. Manchmal werd ich noch zum Geburtstag eingeladen. Die Einladung kommt dann wie aus dem Nichts. Vielleicht ist es nicht richtig von mir das zu denken, aber ich habe das Gefühl, dass ich nur eingeladen werde, damit eine Person mehr da ist. Also damit es nicht so leer ist.

 Ich habe vor Ort nur noch eine Freundin - und die hat jetzt dermaßen über mich hergezogen und mir danach ins Gesicht gelacht. Leider hab ich es schwarz auf weiß. Man kann nichts mehr schönreden. Vor paar Wochen hieß es noch, dass ich ihre beste Freundin bin. Jetzt kommt raus, dass sie mich nur erträgt, weil ich ihre einzige bin. Es verletzt mich so sehr, weil wir schon so lange befreundet sind und ich sie echt mag.

Was sie über mich schreibt und wie sie es tut, schockt mich einfach. Der Vertrauensbruch ist so groß, dass er nicht mehr zu kitten ist. Ich fühle mich grad unfassbar einsam und klein.

Früher hatte ich immer mit vielen Personen zu tun. Hab mich immer um jeden Pups von ihnen gekümmert. Hatte für jeden Verständnis. Leider habe ich erst spät gemerkt, dass sie nur zu mir kommen, wenn sie ein Problem haben.

Seien es Hausaufgaben, Geld, Korrekturen, Tipps, Fahrdienst oder anderweitige Hilfe - jeder hat alles von mir bekommen. Bedingungslos.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich mal Hilfe brauchte. Habe mich damit an eine Person gewendet, der ich schon vielfach geholfen hatte. Trotzdem war es mir unangenehm. Es war wirklich nur eine Kleinigkeit. Sie ist richtig ausfällig geworden.

Klar, ich kann nicht erwarten, dass ich etwas zurückbekomme, wenn ich etwas gebe. Aber mir ist dann aufgefallen, dass es in meinem bisherigen Leben in Beziehungen immer ein krasses Missverhältnis im Nehmen und Geben gab.

  Warum ist das so? Kann mir jemand bitte einen Tipp geben. Ich denke schon so lange darüber nach. Bis auf die "letzte" Freundin hatte ich auch nie eine Freundin, der ich bedingungslos vertraut habe. Und jetzt bereue ich selbst das.

Habe Angst, dass ich mich wieder total zurückziehe und tiefer in die Depression falle. Wenn man sich der besten Freundin nicht anvertrauen kann, wem denn dann?


Mich interessiert: wo habt ihr euren besten Freund/eure beste Freundin kennengelernt?
Wie ist es dazu gekommen, dass aus eurer Bekanntschaft Freundschaft wurde?
Gab es bei euch mal einen Vertrauensbruch und habt ihr das wieder hinbekommen?

Tut mir Leid für den langen Text.
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InaDiva

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Re: Keine Freunde mehr
« Antwort #1 am: 29 Juli 2020, 04:07:47 »

 
Hallo Napaleom,

Deine Traurigkeit und dass Du Dich im Moment ziemlich einsam fühlst, kann ich gut verstehen.

Leider kann es passieren, dass sich Kontakte im Sande verlaufen, wenn man buchstäblich unterschiedliche Wege geht, also räumlich voneinander getrennt ist und beide oder auch nur einer von beiden praktisch ein neues Leben beginnt. Ein Wohnortswechsel bringt ja allerlei Neues mit sich: Neue Menschen, auf die man sich mehr oder weniger einstellen muss / möchte, eine neue Arbeitsstelle oder der Beginn eines Studiums / einer Ausbildung, eine neue Wohnung und Umgebung, eventuell andere Freizeitaktivitäten und Hobbys etc... Man geht in eine andere Richtung als vorher, muss sich dort orientieren und einleben, Kontakte knüpfen, sich um vieles kümmern und sich etwas Neues aufbauen, mit dem man sich möglichst wohl und sicher fühlt.

Nicht jeder reagiert in so einer Phase seines Lebens gleich. Während es für manche Menschen gerade dann wichtig ist, den Kontakt zu Freunden und zur Familie aufrechtzuerhalten, um sich mitzuteilen, auszutauschen und Rückhalt zu finden, brauchen andere eher Abstand und Zeit für sich, um sich voll und ganz auf die neue Lebenssituation einlassen zu können. Jeder muss seinen Weg so gehen, wie es für ihn am besten ist.

Das ist der Lauf der Dinge und daher brauchst Du es gar nicht unbedingt so persönlich zu nehmen, dass sich Deine Freunde nur noch sporadisch bei Dir melden. Aber sie vermissen, traurig und zum Teil sicher auch enttäuscht sein, darfst Du natürlich – das finde ich in Deiner Situation ganz normal! Es ist ja wie ein kleiner Abschied, wenn auch nicht komplett. Ich wünsche Dir viel Kraft, um damit zurechtzukommen und es hoffentlich irgendwann so annehmen zu können, wie es nun ist!

Was die Geburtstagseinladungen betrifft, sehen Deine Freunde es vielleicht eher so: "Ich bin jetzt weit weg von zu Hause, habe mir etwas Neues aufgebaut und mein Alltag und Beruf nehmen viel Zeit in Anspruch. Wenigstens an meinem Geburtstag möchte ich aber meine liebsten Menschen an meiner Seite haben, gerade weil es nur noch so selten möglich ist!".


Die Sache mit Deiner "besten Freundin" tut mir wirklich sehr leid für Dich! So etwas tut unheimlich weh, erschüttert das Vertrauen und ist geradezu desillusionierend, wenn bis dahin doch alles gut zu sein schien. Ich würde Dir gerne Trost spenden, aber was könnte in dieser Situation schon wirklich ein Trost sein? Ich kann Dich nur, sofern Du es magst und möchtest, gedanklich fest umarmen und Dir von Herzen sagen: "Ich verstehe dich.". Vor vielen Jahren habe ich nämlich eine ähnliche Erfahrung machen müssen und weiß daher nur zu gut, wie weh es tut! Ich habe damals sehr an ihr gehangen und die Welt nicht mehr verstanden, als die "Freundschaft" so plötzlich und unerwartet zerbrach. Anfangs habe ich versucht, sie wieder zurückzugewinnen und habe mir so sehr gewünscht, dass sich der "alte" Zustand wiederherstellen lässt. Das war aber nicht möglich. Schmerzhaft war die Erkenntnis, dass dies auch gar keinen Sinn machen würde, weil sie eben keine echte Freundin war und ich ihr schon lange nicht mehr so am Herzen gelegen habe wie sie mir. Gleichzeitig waren diese Erkenntnis und die damit einhergehende Trauer aber sehr wichtig: Sie haben mir Klarheit gebracht und mir geholfen, mich von dieser Person zu lösen und die Enttäuschung zu verarbeiten. Außerdem hat dieses Erlebnis meinen Blick für die Verhaltensweisen anderer Menschen geschärft, sodass ich diese besser deuten und kleine "Anzeichen" (dafür, dass etwas nicht stimmt) schneller erkennen kann. Und es hat mich auch gelehrt, dass ich besser auf mich achten muss, dass ich auch mal Nein sagen darf und es mir zusteht, mir Zeit für mich zu nehmen – und dass das einer freundschaftlichen Verbindung niemals einen Abbruch tut. So etwas wie mit dieser "Freundin" damals (es ist schon ca. 15 Jahre her) ist mir nie wieder passiert.


Übrigens habe ich es nicht nur als Vertrauensbruch gesehen – und das solltest Du in Deinem Falle ebenfalls: Diese "Freundin" hat Dich ausgenutzt und Dir etwas vorgespielt, hat sich Dir nie oder zumindest in der letzten Zeit nicht so gezeigt, wie sie wirklich ist, war unehrlich, hat schlecht über Dich geredet und Dir im Endeffekt zu verstehen gegeben, dass sie zwar "jemanden" braucht, weil sie nicht ganz allein sein will oder kann, aber dass dieser Jemand nicht unbedingt Du sein musst.

Du sagst, es sei nicht mehr zu kitten. Das glaube ich auch. Wie auch? Wozu? Was willst Du mit einem Menschen, dem Du bei Weitem nicht so viel bedeutest wie er Dir? Was hat ein Mensch in Deinem Leben zu suchen, der schlecht über Dich redet, Dich verletzt und ausnutzt und dem Du nur "wichtig" bist, wenn er Deine Hilfe braucht und gerade niemand anders da ist? Gar nichts! Du brauchst Menschen, denen Dein Wohl am Herzen liegt, die sich für Dich und Deine Gedanken und Gefühle interessieren und Dich so mögen, wie Du bist. Im Moment hast Du solche Menschen offenbar nicht in Deiner Nähe, aber ich habe keinen Zweifel daran, dass es sie gibt und Du sie finden kannst, wenn Du offen für neue Bekanntschaften bleibst und Dich jetzt nicht zu sehr zurückziehst.



Klar, ich kann nicht erwarten, dass ich etwas zurückbekomme, wenn ich etwas gebe.

Doch, kannst Du. Ist das nicht ein Teil dessen, was eine Freundschaft ausmacht? Dass man füreinander da ist; dass man gibt, wenn man kann, aber auch nehmen darf, wenn man es braucht? Natürlich sollte man nicht anfangen, die Dinge gegeneinander aufzurechnen ("Ich habe xyz für sie gemacht, also muss sie dasselbe oder etwas Gleichwertiges für mich tun, wenn ich es brauche."), aber ein einigermaßen ausgewogenes Geben und Nehmen sollte es schon sein, finde ich. Es kann immer mal Phasen geben, in denen einer von beiden einfach nicht in der Lage ist, besonders viel für den anderen da zu sein, z.B. weil er Probleme hat, den Kopf dafür nicht frei hat und seinen Fokus auf sich selbst richten muss. Aber ein Dauerzustand sollte das nicht sein. Eine Freundschaft, in der von der einen Seite immer nur gefordert und genommen wird und der andere dabei völlig auf der Strecke bleibt, kann auf lange Sicht nicht gut gehen, glaube ich. Freundschaft impliziert für mich Gegenseitigkeit. Freundschaft ist eine Verbindung, in der man sich aufeinander verlassen kann und sich sicher und gut aufgehoben fühlt. Dazu müssen beide ihren Teil beitragen!

Du darfst meiner Meinung nach also durchaus erwarten, dass jemand, der Dich als Freundin bezeichnet, für Dich da ist, wenn Du ihn brauchst. Wie gesagt: Ausnahmesituationen kann es geben, aber grundsätzlich sollte bei Deinem Gegenüber die Bereitschaft vorhanden sein, Dir zuzuhören und beizustehen, wenn Du Rat oder Hilfe brauchst! Wie sich das letztlich gestaltet, ist individuell.


Aber mir ist dann aufgefallen, dass es in meinem bisherigen Leben in Beziehungen immer ein krasses Missverhältnis im Nehmen und Geben gab.

  Warum ist das so?

Deshalb:

Früher hatte ich immer mit vielen Personen zu tun. Hab mich immer um jeden Pups von ihnen gekümmert. Hatte für jeden Verständnis. Leider habe ich erst spät gemerkt, dass sie nur zu mir kommen, wenn sie ein Problem haben.

Seien es Hausaufgaben, Geld, Korrekturen, Tipps, Fahrdienst oder anderweitige Hilfe - jeder hat alles von mir bekommen. Bedingungslos.

Ich habe den Eindruck, dass Du ein sehr hilfsbereiter, fürsorglicher, verlässlicher Mensch bist. Das sind wunderbare Eigenschaften. Problematisch wird es allerdings, wenn man dabei nicht genug auf sich selbst achtet, sich nicht wichtig genug nimmt und seine eigenen Bedürfnisse immer denen seiner Mitmenschen unterordnet. Wenn man immer und zu allem Ja sagt und sich regelrecht für andere aufopfert, besteht leider die Gefahr, dass man ausgenutzt wird. Es fällt schwer, sich dies einzugestehen, schließlich sehnt man sich doch so sehr nach der Zuneigung, Wärme und Anerkennung jener Menschen! Zu erkennen, dass man das alles aber nur entgegengebracht bekommt, wenn man ihre Erwartungen erfüllt, ihren Idealvorstellungen entspricht und um Himmels willen nicht auch selber mal etwas erbittet oder gar einfordert, ist mehr als schmerzhaft und kann vorübergehend ganz schön hoffnungslos machen.

Vielleicht trifft es so in etwa auf Dich zu... Ich weiß es natürlich nicht, schließlich kennen wir uns nicht, aber vorstellen könnte ich es mir.

Ich kann Dir daher wirklich nur raten, mehr auf Dich selbst zu achten, indem Du regelmäßig in Dich hineinhorchst, um Dir darüber klar zu werden, wonach Du Dich eigentlich wirklich sehnst, was Deine Wünsche sind und welche Bedürfnisse Du hast. Genauso aber auch, um zu erkennen, was Du nicht willst, Dir nicht gut tut und womit Du Dir selbst eher schadest als hilfst. Ganz bestimmt bist Du ein wunderbarer und sehr wertvoller Mensch. Und ganz sicher beweisen die Enttäuschungen, die Du erlebt hast, nicht das Gegenteil, sondern sprechen eher dafür, dass Du an Menschen geraten bist, die einfach nicht zu Dir passen.

Versuche Dir selbst ein bisschen wichtiger zu sein, liebe Napaleom. Das bedeutet auch, dass es nicht Deine Aufgabe ist, immer nur zu geben. Nein, Du darfst ebenso erwarten, dass man liebevoll mit Dir umgeht, Dir zuhört und gerne Zeit mit Dir verbringt.

Alles Liebe für Dich!

Ina
 
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Re: Keine Freunde mehr
« Antwort #2 am: 29 Juli 2020, 08:59:09 »

Hallo Napaleom,

gerade kann ich dich unglaublich gut verstehen. Erst vor ein paar Tagen ist bei mir eine sehr intensive Freundschaft zerbrochen - und ich kann beim besten Willen nicht erklären wieso. Das tut verdammt weh.

Was ich allerdings im Laufe meines Lebens gelernt habe ist, dass Ina Recht hat. Es ist normal, dass sich Menschen auseinanderleben, dass sich Beziehungen ändern und manche Freundschaften irgendwann enden. Das muss nicht mal böse Absicht sein, dass ergibt sich manchmal einfach aus den Umständen. So hatte ich in meiner Schulzeit sehr viele enge Freunde, aber wir wurden alle in die ganze Welt verstreut und so haben wir uns aus den Augen verloren.
Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Spruch mit dem Fenster das sich öffnet, wenn sich eine Tür schließt, auch auf Freundschaften zutrifft. Das Ende einer Beziehung kann uns auch dafür öffnen, frei für Neues zu sein.
Alles hat seine Zeit. Manchmal eben auch Freundschaften.

Alles Gute!

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Napaleom

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Re: Keine Freunde mehr
« Antwort #3 am: 30 Juli 2020, 22:04:23 »

Hallo ihr beiden,

erst mal: vielen, vielen Dank für eure lieben Nachrichten. Ich hab beim Lesen ein bisschen weinen müssen - aus Trauer um den "Verlust" der Freundin und Erleichterung, dass mich jemand versteht. Ich habe mich so gefreut, dass ihr mir in so einfühlsamen Worten geschrieben habt. Das könnt ihr euch nicht vorstellen. Ich antworte euch beiden nacheinander in dieser Nachricht.

@InaDiva

Leider kann es passieren, dass sich Kontakte im Sande verlaufen, wenn man buchstäblich unterschiedliche Wege geht, also räumlich voneinander getrennt ist und beide oder auch nur einer von beiden praktisch ein neues Leben beginnt. Ein Wohnortswechsel bringt ja allerlei Neues mit sich: Neue Menschen, auf die man sich mehr oder weniger einstellen muss / möchte, eine neue Arbeitsstelle oder der Beginn eines Studiums / einer Ausbildung, eine neue Wohnung und Umgebung, eventuell andere Freizeitaktivitäten und Hobbys etc... Man geht in eine andere Richtung als vorher, muss sich dort orientieren und einleben, Kontakte knüpfen, sich um vieles kümmern und sich etwas Neues aufbauen, mit dem man sich möglichst wohl und sicher fühlt.

Nicht jeder reagiert in so einer Phase seines Lebens gleich. Während es für manche Menschen gerade dann wichtig ist, den Kontakt zu Freunden und zur Familie aufrechtzuerhalten, um sich mitzuteilen, auszutauschen und Rückhalt zu finden, brauchen andere eher Abstand und Zeit für sich, um sich voll und ganz auf die neue Lebenssituation einlassen zu können. Jeder muss seinen Weg so gehen, wie es für ihn am besten ist.


Da hast du recht. Ich bin ja selbst vor einigen Jahren weggezogen. Allerdings wohne ich nicht weit von meinem ehemaligen Wohnort entfernt. Deswegen habe ich nie die Erfahrung machen müssen, mich von jemandem zu "trennen", um mir etwas Neues aufzubauen. Jetzt wohne ich noch in der Stadt, in der ich studiert habe und wieder: ich bleib hier vor Ort, die Kommilitonen kehren in ihre Heimat zurück. Mein ehemaliger Wohnort ist nicht wirklich lebenswert. Deswegen zieht es keinen hierher zurück. Wer weiß, vielleicht würde es mir genauso wie den anderen gehen, wenn ich wegziehen würde und ich würde mich nicht bei meinem vorherigen Freundeskreis melden. Aber es ist ja niemand hier, den ich "zurücklassen" würde - außer meiner Familie und die würde ich ja schon noch regelmäßig besuchen.

Was die Geburtstagseinladungen betrifft, sehen Deine Freunde es vielleicht eher so: "Ich bin jetzt weit weg von zu Hause, habe mir etwas Neues aufgebaut und mein Alltag und Beruf nehmen viel Zeit in Anspruch. Wenigstens an meinem Geburtstag möchte ich aber meine liebsten Menschen an meiner Seite haben, gerade weil es nur noch so selten möglich ist!".
 

Ja, das stimmt. Ich war in dem Moment unfair und habe alle in einen Topf geworfen. Auf den Geburtstagen von zweien war es letztes/vorletztes Jahr richtig schön. Bei zwei Freundinnen weiß ich aber, dass Personen zu ihren Geburtstagsfeiern eingeladen waren, die sie eigentlich nicht mögen. Da sie sich nie bei mir melden - außer um mich 1x im Jahr zu ihrer Party einzuladen -, denke ich, dass auch ich so ein "Lückenfüller" bin. Dieses Jahr bin ich nicht hingefahren. Allerdings war an dem Tag auch eine Familienfeier.

Es tut mir Leid, dass du schon mal ähnliche Erfahrungen machen musstest, InaDiva. Ist leider auch nicht die erste Freundschaft, die bei mir in die Brüche geht. In den anderen Fällen konnte ich die Freundschaften aber problemlos aufgeben, weil ich wusste, dass die nicht mehr zu retten waren und ich gemerkt habe, dass ich ausgenutzt wurde. Diese Freundschaften waren aber nicht so lang und intensiv. Mittlerweile merk ich auch, wenn mich jemand von Vornherein ausnutzt und versuche solche Kontakte zu meiden (wenigstens lernt man draus. :) ).

Nur hier ist es anders: ich bin schon jahrelang mit ihr befreundet. Sie weiß alles über mich. Ich konnte die letzten zwei Nächte nicht schlafen, weil ich so enttäuscht war. Mir fällt es auch unglaublich schwer, mich auf irgendetwas zu konzentrieren. Ständig habe ich diese Screenshots von ihren Worten im Kopf und bekomme Herzrasen. Sie hatte mir ja noch vollkommen schamlos und scheinheilig geschrieben, nachdem sie über mich gelästert hat. Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich bin eigentlich kein Freund davon, jemandem einfach nicht mehr zu antworten, aber irgendwie möchte ich einfach nichts mehr mit ihr zu tun haben - und sie ja scheinbar auch nicht mehr mit mir. Andererseits weiß ich, dass man Sachen nicht richtig verarbeitet, wenn man sie nicht klärt. Wie war das bei dir? Hast du dich damals mit deiner Freundin ausgesprochen?

Das Neinsagen muss ich echt noch üben. Selbst wenn ich eigentlich keine Zeit habe, sage ich zu und stell meine To-dos hinten an. Ich merk das dann immer erst, wenn ich schon meine Hilfe zugesagt habe. Dann muss ich manchmal echt jonglieren.


Übrigens habe ich es nicht nur als Vertrauensbruch gesehen – und das solltest Du in Deinem Falle ebenfalls: Diese "Freundin" hat Dich ausgenutzt und Dir etwas vorgespielt, hat sich Dir nie oder zumindest in der letzten Zeit nicht so gezeigt, wie sie wirklich ist, war unehrlich, hat schlecht über Dich geredet und Dir im Endeffekt zu verstehen gegeben, dass sie zwar "jemanden" braucht, weil sie nicht ganz allein sein will oder kann, aber dass dieser Jemand nicht unbedingt Du sein musst.

Sehr traurig, aber du hast recht.   

Du sagst, es sei nicht mehr zu kitten. Das glaube ich auch. Wie auch? Wozu? Was willst Du mit einem Menschen, dem Du bei Weitem nicht so viel bedeutest wie er Dir? Was hat ein Mensch in Deinem Leben zu suchen, der schlecht über Dich redet, Dich verletzt und ausnutzt und dem Du nur "wichtig" bist, wenn er Deine Hilfe braucht und gerade niemand anders da ist? Gar nichts! Du brauchst Menschen, denen Dein Wohl am Herzen liegt, die sich für Dich und Deine Gedanken und Gefühle interessieren und Dich so mögen, wie Du bist. Im Moment hast Du solche Menschen offenbar nicht in Deiner Nähe, aber ich habe keinen Zweifel daran, dass es sie gibt und Du sie finden kannst, wenn Du offen für neue Bekanntschaften bleibst und Dich jetzt nicht zu sehr zurückziehst.

Danke, das waren genau die richtigen Fragen. Irgendwie gibt mir das Kraft, mich tatsächlich von dieser ungesunden Beziehung zu lösen. Ich frage mich nämlich zwischendurch immer wieder, ob ich mich anstelle. Dann versuche ich es neutral zu betrachten und frage mich, was ich einer Freundin raten würde, wenn sie an meiner Stelle wäre. Und dann komm ich zu dem Schluss: "Mir geht dieses Verhalten zu weit." Ist natürlich mein persönliches Empfinden. Aber darum geht es ja letztendlich auch. Ich kann meine Grenzen nur nicht gut verteidigen. Ich bezweifle, dass sie sich das bei jedem getraut hätte und somit dreh ich mich im Kreis und geb dann irgendwann mir die Schuld. Vielleicht ist das jetzt genau die Situation, in der ich lernen kann, Stopp zu sagen. Jetzt ertappe ich mich schon wieder bei dem Gedanken, dass sie ja nicht wissen kann, wo meine Grenzen liegen, weil ich die nicht klar kommuniziere.



Freundschaft impliziert für mich Gegenseitigkeit. Freundschaft ist eine Verbindung, in der man sich aufeinander verlassen kann und sich sicher und gut aufgehoben fühlt. Dazu müssen beide ihren Teil beitragen!

Du darfst meiner Meinung nach also durchaus erwarten, dass jemand, der Dich als Freundin bezeichnet, für Dich da ist, wenn Du ihn brauchst. Wie gesagt: Ausnahmesituationen kann es geben, aber grundsätzlich sollte bei Deinem Gegenüber die Bereitschaft vorhanden sein, Dir zuzuhören und beizustehen, wenn Du Rat oder Hilfe brauchst! Wie sich das letztlich gestaltet, ist individuell.

Was du beschreibst, hatte ich tatsächlich noch nie, glaube ich. Jedenfalls nicht über einen langen Zeitraum.

Ja, es spricht sich natürlich rum, dass ich hilfsbereit bin. Deswegen war ich ja vor einigen Jahren so fix und fertig. Weil ich mich nicht nur um Freunde gekümmert habe, sondern auch um die Freunde von entfernten Bekannten, weil diese mich "weitervermittelt" haben. Ich verstehe nur nicht, warum man als hilfsbereiter Mensch keine echten Freunde haben kann. Alles andere an mir muss ja furchtbar ätzend sein, wenn man es nur mit mir aushält, damit ich irgendwelche "Freundschaftsdienste" leiste.

Ich habe damals gemerkt, dass es mich zu sehr runterzieht, mich um jede Kleinigkeit zu kümmern und habe das dann nicht mehr getan. Aber irgendwie bin ich dadurch in ein Loch gefallen. Ich weiß nicht, was ich möchte, weil ich immer nur damit beschäftigt war, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Ich spiele immer mit dem Gedanken etwas ehrenamtlich zu machen, aber ich weiß, dass an Ehrenamtler auch hohe Erwartungen gestellt werden - und ich habe inzwischen Angst, dass ich diesen Erwartungsdruck nicht mehr aushalten kann. Ich bin es nicht mehr gewohnt.

Und ja: ich persönlich habe mich in deinen Worten wiedererkannt und verstanden gefühlt. Ich bin dir unfassbar dankbar für deine Worte! Als ich deinen Beitrag las, hast du mir dieses unerträgliche Gefühl der Einsamkeit genommen. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, mir zu schreiben.

Die angebotene Umarmung nehme ich gerne an, fühl auch du dich umarmt, wenn du magst! 

@ hardworking fool:
Es tut mir Leid, dass du gerade eine ähnliche Situation durchmachst. Danke, dass du deine Gedanken hierzu mit mir teilst. Hilft mir gerade sehr. Ja, es ist wirklich hart, wenn man nicht weiß, warum eine Freundin/ein Freund, die/der einem so viel bedeutet, plötzlich den Rücken kehrt. Ich habe heute wieder viel darüber nachgedacht, weil ich es nicht nachvollziehen kann, wieso sie erst über mich lästert und mir dann 1 Minute später richtig nett schreibt.

Ich denke, dass sie schon lange mit mir abgeschlossen hat, aber zu feige ist, mir das mitzuteilen - und dann braucht sie eventuell auch noch neues Futter, um tratschen zu können. Das wäre aber schon mehr als traurig. Ich bin einfach unglaublich enttäuscht. Eine frühere Freundschaft von ihr zerbrach auf eine ähnliche Art und Weise. Sie hatte schlecht über ihre damals beste Freundin geredet und es kam raus. Sie hat gesagt, dass ihr das nie wieder passieren würde. Und nun? Postet sie öffentlich Screenshots unseres Chatverlaufs im Internet mit abfälligem Kommentar?! Ich versteh es einfach nicht. Ich bin selbst nicht auf der Plattform angemeldet, auf der sie es veröffentlicht hat. Aber das heißt doch nicht, dass ich nicht davon erfahre. Es reißt mir irgendwie den Boden unter den Füßen weg. Wir sind doch erwachsen. Von einer 14-jährigen hätte ich das erwartet, aber jetzt?! Ich dachte auch echt, dass sie es bereut und wieder löscht. Aber nein. Es scheint ihr total egal zu sein.
Hast du deine Freundin/deinen Freund darauf angesprochen, dass du nicht weißt, wie es so weit kommen konnte?   

Das muss nicht mal böse Absicht sein, dass ergibt sich manchmal einfach aus den Umständen. So hatte ich in meiner Schulzeit sehr viele enge Freunde, aber wir wurden alle in die ganze Welt verstreut und so haben wir uns aus den Augen verloren.

Ich bin nur traurig, dass ich gar nichts über ihr Leben weiß, was sie so machen und was sie beschäftigt - und natürlich auch darüber, dass sie sich nie melden, um zu fragen, wie es mir geht o.ä. . Ich fühle mich wie eine Seite, die aus einem Buch herausgerissen und vergessen wurde. Das klingt theatralisch, aber irgendwie kam es mir grad in den Sinn und das Bild beschreibt mein Gefühl grad. Fühle mich so abgeschnitten.
 
Habe mich auch schon bemüht, vor Ort neue Freunde zu finden. Aber irgendwie bin ich mit niemandem wirklich warm geworden und aus Bekanntschaften hat sich nie eine Freundschaft entwickelt. Es hat nie so recht gepasst und ich glaube, dass auch jeder, den ich kennen lernte, einfach schon echte Freunde/einen richtigen Freundeskreis bzw. schon Familie hat. Da braucht man keine "zusätzliche" Freundin. Man ist ja schon die ganze Woche über verplant.
 

Alles hat seine Zeit. Manchmal eben auch Freundschaften.


Schön gesagt. :) Man entwickelt sich oft in unterschiedliche Richtungen. Vielleicht war das bei unseren Freundschaften der Fall, fool, bzw. vielleicht begeben sich unsere ehemaligen Freunde auf einen neuen Weg und wir wissen es noch nicht.

Danke dir für deine lieben und aufbauenden Worte! Ich wünsche dir, dass bald eine neue Freundin in dein Leben tritt!


Alles Gute euch beiden!

Napaleom 
 


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Napaleom

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Re: Keine Freunde mehr
« Antwort #4 am: 30 Juli 2020, 22:13:31 »

* und/oder ein neuer Freund natürlich :)
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InaDiva

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Re: Keine Freunde mehr
« Antwort #5 am: 31 Juli 2020, 07:27:27 »

 
Hallo liebe Napaleom,

es ist schön, wieder von Dir zu lesen!


Ich konnte die letzten zwei Nächte nicht schlafen, weil ich so enttäuscht war. Mir fällt es auch unglaublich schwer, mich auf irgendetwas zu konzentrieren. Ständig habe ich diese Screenshots von ihren Worten im Kopf und bekomme Herzrasen. Sie hatte mir ja noch vollkommen schamlos und scheinheilig geschrieben, nachdem sie über mich gelästert hat. Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich bin eigentlich kein Freund davon, jemandem einfach nicht mehr zu antworten, aber irgendwie möchte ich einfach nichts mehr mit ihr zu tun haben - und sie ja scheinbar auch nicht mehr mit mir. Andererseits weiß ich, dass man Sachen nicht richtig verarbeitet, wenn man sie nicht klärt.

Du bist enttäuscht, verletzt, kannst nicht schlafen, Dir fehlt die Konzentration, Du hast Herzrasen und die Sache geht Dir nicht aus dem Kopf... Ich denke, es wäre besser, mit ihr über den Vorfall zu sprechen, damit es Dir bald wieder besser gehen kann. So bestünde zumindest die Möglichkeit, Klarheit zu erlangen. Und die brauchst Du jetzt! Wenn Du schweigst, bleiben Deine Fragen weiterhin offen und Du wirst Dir noch lange Gedanken machen und spekulieren, warum sie es getan hat. Ob Du Antworten bekommst, hängt natürlich von ihr ab – sie muss schließlich auch bereit sein, mit Dir zu reden. Die Wahrscheinlichkeit ist wohl am höchsten, wenn Du versuchst, einigermaßen sachlich und ruhig zu bleiben und ihr keine Vorwürfe zu machen. Bitte sie um Offenheit und Ehrlichkeit; zu verlieren hat sie jetzt ohnehin nichts mehr.


Wie war das bei dir? Hast du dich damals mit deiner Freundin ausgesprochen?

Nein, das war leider nicht möglich. Ich weiß bis heute nicht, was sie zu dieser Kehrtwende veranlasst hat. Ich habe sie immer wieder um ein Gespräch gebeten, aber sie ging komplett auf Abwehr. Es wurde immer extremer. Irgendwann hat sie so üble, gegen mich und meine Existenz gerichtete Dinge getan, dass ich einen Anwalt brauchte, um dem ein Ende zu setzen.


Jetzt ertappe ich mich schon wieder bei dem Gedanken, dass sie ja nicht wissen kann, wo meine Grenzen liegen, weil ich die nicht klar kommuniziere.

Das stimmt zwar, aber für mich hat das, was Du geschildert hast, nichts mit einer Grenzüberschreitung zu tun. Genauso wenig wie das, was sie getan hat, für mich noch irgendetwas mit Freundschaft zu tun hat. So etwas macht man einfach nicht – wenn man befreundet ist und den anderen schätzt, kommt man wahrscheinlich nicht mal auf die Idee, so etwas zu tun. Das ist keine Grenze, die man kommunizieren muss. "Private Chatverläufe im Internet veröffentlichen und über mich lästern, geht mir zu weit – bitte mach so etwas nicht." – oder wie? Ich finde es selbstverständlich, dass man so etwas nicht macht, denn so geht man doch nicht mit Freunden um!


Ich verstehe nur nicht, warum man als hilfsbereiter Mensch keine echten Freunde haben kann.

Natürlich kann man das! Nur ist es ein großer Unterschied, ob man hilfsbereit ist oder ob man sich für andere aufopfert, ein Ja zur Selbstverständlichkeit werden lässt und sich selbst dabei aus dem Blick verliert. Hilfsbereit zu sein, bedeutet nicht, dass man alles (mit)macht – und das für wirklich jeden und egal unter welchen Umständen – und dabei nicht mehr auf sein eigenes Wohl achtet. Vielmehr verstehe ich darunter, grundsätzlich den Willen und das Bedürfnis zu haben, anderen im Rahmen seiner persönlichen Möglichkeiten zu helfen. Aber ja: Je nachdem, wie stark dieses Bedürfnis / die Bereitschaft ausgeprägt ist, muss man aufpassen, dass man sich selbst dabei nicht vergisst. Wenn dies nämlich passiert, öffnet man seine Grenzen für andere bzw. macht sie "unsichtbar". Nicht jeder – insbesondere, wenn er in Not ist – ist so feinfühlig, so etwas zu bemerken und aus Respekt von allein wieder einen angemessenen Abstand zu der "eigentlichen" Grenze einzunehmen. Nicht mal unbedingt aus Böswilligkeit oder weil man sein Gegenüber ausnutzen will, sondern weil man es einfach nicht wahrnimmt oder sich sogar dazu "eingeladen" fühlt, ständig zu nehmen. (Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich gerade verständlich ausdrücke...)

Übrigens möchte ich damit nicht sagen, dass ich es für legitim halte, jemanden auszunutzen, der dazu neigt, sich für andere aufzuopfern – oder dass dies eine Rechtfertigung dafür wäre! Ganz und gar nicht. Aber es gibt leider viele Menschen, die es entweder wirklich nicht bemerken oder denen es egal ist, weil sie egozentrische Idioten sind und keine Rücksicht auf die Gefühle anderer nehmen.


Alles andere an mir muss ja furchtbar ätzend sein, wenn man es nur mit mir aushält, damit ich irgendwelche "Freundschaftsdienste" leiste.

Das glaube ich nun wirklich nicht... Ich frage mich aber, ob die Leute Dich überhaupt wirklich sehen, also das, was Dich als Mensch ausmacht, oder ob Deine wirklich ständige Bereitschaft, immer und für jeden da zu sein, so viel Raum einnimmt, dass der Rest von Dir darin untergeht und sie denken: "Sie ist nun mal so. Und sie beklagt sich nicht, also scheint es ja okay für sie zu sein."

Und da kommen wir dann zu dem Punkt mit den Grenzen und dem Neinsagen. Ich halte das in jedem zwischenmenschlichen Miteinander (ganz gleich welcher Art) für extrem wichtig! Wichtig, um sich abzugrenzen, wenn es einem zu viel wird; wichtig, um nicht übergangen zu werden; wichtig, um die eigenen Möglichkeiten, Kräfte, Bedürfnisse und Wünsche deutlich zu machen; wichtig, um für klare Verhältnisse zu sorgen; wichtig, um verbindliche Zu- oder Absagen machen zu können; wichtig, um sich Respekt zu verschaffen und noch ganz viel mehr.

Weißt Du, was das Gute daran ist? Man kann es lernen! Es braucht Zeit und Übung, aber wenn man dranbleibt, kann man sich seinem Ziel Schritt für Schritt nähern. Von meinem Klinikaufenthalt habe ich noch Unterlagen, die genau diese Themen behandeln (Nein sagen, Grenzen setzen u.ä.). Wenn Du möchtest, suche ich sie heraus und scanne sie für Dich ein. Vielleicht findest Du darin einige Anregungen, die Dir helfen. (Ja, ich weiß, dass man dazu auch allerlei im Internet findet.^^ Aber ich bin halt ebenfalls jemand, der immer gerne helfen möchte, wenn er kann. ;))


Ich spiele immer mit dem Gedanken etwas ehrenamtlich zu machen, aber ich weiß, dass an Ehrenamtler auch hohe Erwartungen gestellt werden - und ich habe inzwischen Angst, dass ich diesen Erwartungsdruck nicht mehr aushalten kann. Ich bin es nicht mehr gewohnt.

Der Unterschied liegt allerdings darin, dass Ehrenamtler für das, was sie leisten, geschätzt werden und Anerkennung bekommen – und dass es viele Menschen gibt, die dafür ehrlich und von Herzen dankbar sind. Das tut gut und schenkt auch wieder neue Kraft. In Deinem Umfeld wissen die Leute Deine Mühen hingegen nicht zu schätzen, wie mir scheint.


Und ja: ich persönlich habe mich in deinen Worten wiedererkannt und verstanden gefühlt. Ich bin dir unfassbar dankbar für deine Worte! Als ich deinen Beitrag las, hast du mir dieses unerträgliche Gefühl der Einsamkeit genommen. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, mir zu schreiben.

Danke für Deine Worte. Darüber habe ich mich wirklich sehr gefreut!


Ich fühle mich wie eine Seite, die aus einem Buch herausgerissen und vergessen wurde. Das klingt theatralisch, aber irgendwie kam es mir grad in den Sinn und das Bild beschreibt mein Gefühl grad. Fühle mich so abgeschnitten.

Das ist eine wunderbare Metapher! Ich finde sie sehr passend!

Zum Abschluss möchte ich Dir noch sagen, dass ich den Eindruck habe, dass Du die Situation schon viel reflektierter betrachtest als in Deinem ersten Beitrag. Ich finde es richtig toll, dass Du das trotz Deiner Traurigkeit und der großen Enttäuschung schaffst! Danke, dass Du Dich so intensiv auf unsere Gedanken eingelassen hast! :)

Alles Liebe und viel Kraft
wünscht Dir
Ina
 
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