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Autor Thema: Das Leben ist kein...  (Gelesen 15845 mal)

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Ponyhof

  • Gast
Das Leben ist kein...
« am: 18 Oktober 2020, 17:25:17 »

Hallo :-)

ich weiß nicht mehr, wann ich das erste Mal vom Sterben geträumt habe. Glaube ich war damals noch nicht im Kindergarten.
Ich weiß nicht mehr, wann ich den ersten Plan gemacht habe, wie ich mein Leben beenden könnte. Glaube ich war damals in der Grundschule.
Ich war elf, als ich verinnerlichte, dass ich den Tod nicht wert bin - anderen zu Liebe weitermachen muss, auch wenn ich's NICHT will. 
Und so habe ich mich durchs Leben gequält. Unzählige Tage. Unzählige Träume vom Tod. Morgens mit Gewalt aus dem Bett gequält, den Tag mit zusammen gebissenen Zähnen ertragen. Schule. Uni. Job. Tag für Tag. Jede Nacht wenige Stunden Ruhe, bevor das Zähne zusammen beißen von vorne begann. Getrieben von dem Traum, das alles möge einen Sinn haben. Dass alles gut werden würde, dass Gott / Schicksal / whatever mich erlösen würde... bald...

Naja. Ich verrate hier wohl niemandem ein großes Geheimnis, wenn ich schreibe, dass "der" ultimative Sinn des Lebens nicht existiert. Dass kein gütiger Gott mir die Erleuchtung geschickt hat. Dass ich vergeblich nach Sinn gesucht und zu viel bezahlt habe. Könnte ich die Zeit zurück drehen und nochmals wählen, ich würde mich für den Tod entscheiden. Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß. Ich wäre schon tot. Längst.

Hätte
Würde
Wäre

... Es verwundert sowohl mich als auch diverse Therapeuten bei denen ich war. Aber irgendwie bin ich quasi "aus Versehen" immer noch am Leben. Und auch wenn mir diese Erkenntnis nicht geschmeckt hat, so ist mir inzwischen klar geworden, dass sich die Vergangenheit nicht auslöschen lässt. Nicht einmal durch den Tod.
Es WAR unerträglich.
Ich WÄRE besser gestorben.
Weiter zu leben WAR die falsche Entscheidung.
So war es.
Punkt.
Daran ändert es jetzt auch nichts mehr, wenn ich jetzt vom Balkon hüpfe, also wozu? "Don't cry over spilled milk" sagt der Brite - oder vielleicht "Don't die over a spilled past"? ;-)

Die Frage, die sich auftut ist die, ob das Leben was noch KOMMT etwas zu bieten hat, was mir Anreiz ist diesen Teil Leben noch mitzunehmen. Ich bin sicher, dass die Vergangenheit vergangen ist. SOWAS kommt nie wieder. Aufgearbeitet hab ich's auch. Und nun?  Es liegt an mir, etwas zu finden, wofür ich morgens aus dem Bett aufstehe...

Schwer genug.

Ich grüße alle da draußen, die bis hier gelesen haben. Es fällt mir schwer über dieses Thema zu sprechen. Nicht weil ich mich schäme, gar nicht. Sondern, weil ich die Standard-Antworten ("Sie müssen positiv denken" - "Gegen Depressionen gibt es Medikamente" "In ein paar Jahren werden sie froh sein, noch am Leben zu sein" "Erinnern Sie sich an eine Zeit, als es anders war? - Nein - Oh"...) der Therapeuten schon alle kenne und nichts damit anfangen konnte. Aber ich dachte, vielleicht geht es ja jemandem ähnlich wie mir? Könnte doch nett sein, bei der konfusen Suche nach etwas-zu-tun Gesellschaft zu haben? Ach, keine Ahnung. Ich dachte gerade, dass ich schließlich nicht wissen kann, ob irgendjemand da draußen etwas interessantes zu meiner Geschichte zu sagen hat. Oder selbst eine interessante Geschichte hat. Oder...

Liebe Grüße

Ponyhof
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gast985

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #1 am: 19 Oktober 2020, 02:45:46 »

Hallo Ponyhof,
bei mir ist es ähnlich!
Während meines Lebens gab es immer wieder Tage mit Trauer, Trostlosigkeit, Einsamkeit und Sehnsucht. Die Schmerzen im Herzen, das Trommeln im Kopf, die permanente Müdigkeit, das sich ständig mühen, um am Leben teilzunehmen. Ständig die Frage nach dem Sinn des Lebens. Immer wieder die Sehnsucht nach dem Ende.

Auch ich bin in der Reha gewesen und bin in Therapie.
Die Aussicht auf mein Leben sind auch nicht so, dass ich in Begeisterung ausbreche.
Ich will keine Sorgen, Schwierigkeiten und Probleme, ich bin Müde.
Jeder Tag ist eine Herausforderung! Die Nächte!
Ich will nicht die Vergangenheit auslöschen.
Ich will nicht die Zukunft erfahren.
Ich will in der Gegenwart keine Ängste.

Für Dich! Frag nicht, wofür Du aufstehst! Frag Dich, wofür Du Liegenbleiben sollst? Nicht die Suche sollte Dich leiten, sondern das Erfahren.
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Ponyhof

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #2 am: 19 Oktober 2020, 18:49:11 »

Hallo Gast 985 :-)

Ich freu mich Dich zu lesen. :-)

Ja, dieses "Ich will nur meine Ruhe und ohne Angst sein" Gefühl kenne ich auch gut. Es ist schlimm: Man würde alles aufgeben um die Angst loszuwerden. Aber letztlich bleibt die Angst und man muss da doch durch. Alle Opfer umsonst... *blöd*
Was mir niemand gesagt (und niemand geglaubt) hat:
Ich brauchte die Option des Suizids um die Angst zu ertragen. Ohne das Wissen: Im Notfall bring ich mich um, wäre ich nicht in der Lage gewesen die Angst ertragen zu lernen. Keine Chance. Und weil das so war, war jeder Rat- oder Vorschlag gegen die Depression ein Rat- oder Vorschlag hin zu mehr Angst...

Ach es ist alles kompliziert...

Du schreibst, Du mühst Dich am Leben teilzuhaben? Es ist schon seltsam, wie das Leben sich einerseits nicht beenden und andererseits nicht leben lässt findebich.?  "The truth was that she simply wasn't very good at Life" (Tanja French) Vielleicht ist es so einfach. Ich bin vielleicht einfach nicht besonders gut in dieser Sache "Leben" ich bin so schlecht: Ich bekomme es weder gelebt noch beendet. Seltsam...
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gast985

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #3 am: 19 Oktober 2020, 23:29:37 »

Hi Ponyhof,
es ist richtig, dass ich auch nicht gut im Leben bin.
Es ist auch richtig, der Gedanke, die Möglichkeit, das Leben zu beenden, das Leben erhält.
Das Befassen mit der Planung der Selbsttötung ist eine innere Beruhigung.
Wann kommt der Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt?
Ob Du schlecht im Leben bist, kann ich nicht beurteilen. Will ich auch nicht.
Da Du bis hierher gekommen bist und mit mir liest, kannst Du nicht schlecht durchs Leben gegangen sein.
Hubs! Ich auch nicht!

Menschen begegnen sich, es sollte so sein. Nenn es, wie Du willst, wir beide sollten uns lesen.

Ich wünsche Dir Kraft.
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Ponyhof

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #4 am: 20 Oktober 2020, 23:46:16 »

Hey Gast 985 :-)

ich freue mich Dich zu lesen. :-) So gesehen hast Du natürlich Recht. Wir sind jedenfalls jetzt hier gelandet und können einander lesen. So ist es...
Ich persönlich glaube, dass der Punkt, an dem der Tod zum Selbstläufer wird, nur die eine "Grenze" ist, die es gibt. Die zweite, (die ich persönlich erlebt habe), ist ein Punkt, an dem man so erschöpft ist, dass die Entscheidung es jetzt tatsächlich zu beenden nicht mehr im Rahmen des Machbaren liegt. *tja* Es ist halt nicht soooo einfach, sich für den Tod zu entscheiden, das braucht ein paar Nerven und Kräfte...

Ich wünsch Dir morgen einen schönen Tag. Könnte doch einfach Mal was nettes passieren?

Liebe Grüße

Ponyhof
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darksoul86

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  • Beiträge: 113
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #5 am: 21 Oktober 2020, 13:51:38 »

Hey Ponyhof.

Es hat mich sehr berührt von dir zu lesen.
Wahrscheinlich weil ich ähnliche Gedanken und Gefühle kenne.
Als Kind habe ich es noch nicht sterben genannt. Ich wollte weg, fliegen können, unsichtbar sein, Superkräfte haben, hab mir gewünscht adoptiert worden zu sein und dass meine echten Eltern, nette Eltern sind oder dass meine Eltern mich im Urlaub vergessen oder ich entführt werde. Später war es dann die Todessehnsucht und auch Versuche, die scheiterten.
Dann hatte ich ein paar gute Jahre, habe tolle Kinder bekommen, aber dann kam so viel Mieses und die Depression mit Todeswünschen kam zurück. Dazu die Schuldgefühle meinen Kindern gegenüber.
Im Moment mache ich wieder Therapie und habe wirklich liebe Menschen, ohne die ich nicht mehr wäre.
Mein Überlebensspruch ist im Moment von Albert Camus: "Es kostet mehr Mut zu leben, als sich das Leben zu nehmen."

Alles Gute dir!
Herzlich, Darksoul
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Ponyhof

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #6 am: 21 Oktober 2020, 15:21:58 »

Hallo Darksoul86

Ich freu mich von Dir zu lesen. :-) Ja, Camus mag ich auch gerne, der hat ne Menge interessanter Dinge geschrieben, war glaube ich eine sehr interessante Persönlichkeit.
Mein Motto ist seit einiger Zeit "If you are going through hell - keep going!" (Churchill zugeschrieben)
Ich denke da ist viel wahres dran (also an beiden Zitaten meine ich).
Weiterleben ist weder Kleinigkeit noch gesetzt, aber wenn's denn sein muss, dann vorwärts um nicht ewig in diesem dämlichen Loch zu hocken, so toll ist es da drin nicht...
Wie geht es Dir mit Deiner familiären Situation, wenn ich fragen darf? Ich habe lange Zeit auf Kinder verzichtet, weil ich hoffte, es würde noch besser mit meiner psychischen Verfassung... (mein Vater hat damals Kinder bekommen, weil er dachte Familie sei das einzige was er am Leben schön findet. Tja. ICH fand's als Kind gar nicht schön, ihm den Sinn-des-Lebens zu machen, daher wollte ich so nicht sein, wollte erst meinen Mist selber auf die Reihe bekommen.) Dann wurde ich krank und das Thema Kinderwunsch war vom Tisch.
Und wie der Mensch so ist - man träumt von dem, was man nicht hat - und ich frage mich, wie es wäre, wenn ich Kinder hätte... Trotz allem...
Naja. *Hätte* *wäre* *würde*
Letztlich ist das mit den Kindern auch nur eine weitere Eventualität auf einer langen Was-wäre-wenn Liste.
Wenn es anders gelaufen wäre, wären wir jetzt nicht hier und - Wie @gast985 so treffend geschrieben hat - dann wären wir uns nie begegnet.

In diesem Sinne... Keep going ;-)
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gast985

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #7 am: 21 Oktober 2020, 20:27:09 »

An einem Tag ging es mir unendlich schlecht.
Ich lag auf dem Bett mir war kalt, konnte nichts Sehen, stimmen waren nur noch dumpf und verzehrt wahrzunehmen. Mein Körper erdrückte mich mit seiner Masse. Atmen fiel schwer.
Ein grelles Licht blendete, eine wohlige Wärme zog durch meinen Körper, dieser fühlte sich so leicht an als würde ich über mir schweben.

Grelles licht, wohlige Wärme, Leichtigkeit meines Körpers und freies Atmen.
In diesen Moment wollte ich bleiben! Nicht mehr zurück!

Menschen, die ein selbstbestimmtes sterben wüschen, scheitern oft an dem richtigen Zeitpunkt!

Pony – Hof, warum der Name? Pony: Klein, Süß,  Beherrschbar.
                Hof: Geschützter Raum, Spielplatz. = UNBESCHWERTHEIT
Ponyhof: Arbeit, Hartnäckigkeit, Energie und Mühe? Ich habe viel Zeit auf einem Hof verbracht.

 

Gast985, warum der Name? Immer mitten drin, aber nie dabei. Geben, nie nehmen!

Trauer, auch hier werden viele Sprüche benutzt!
Das Leben geht Weiter.
Die Zeit heilt alle Wunden.
Es war das Beste für Ihn, Sie und euch.
Streitigkeiten über die Beisetzung.
Streitigkeiten, Infragestellung des Verhaltens kurz vor dem Tod.
Das führt bei dem Trauenden, der die Verantwortung übernahm, dem die Verantwortung übertragen wurde zu selbst Zweifel. Diesen Text habe ich einer guten Bekannten geschrieben einfach nur, um ihr beizustehen, ohne Sie zu nerven.
Ohne Scham die drückende Last und den Schmerz von ihr aufzunehmen um Sie zu entlasten.

Zuhören und beistehen ohne, wenn und aber hilft!

Ein jeder hat das Recht auf seine Entscheidungen.

Ponyhof, ich schenke Dir einen Tag.

Liebe Grüße
Gast985
« Letzte Änderung: 21 Oktober 2020, 21:56:04 von nubis »
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Ponyhof

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #8 am: 22 Oktober 2020, 16:54:46 »

Hallo Gast985

warum der Name "Ponyhof"? Gute Frage, eigentlich bin ich gar nicht so ein Ponyhof-Mädchen. Bin's auch nie gewesen, ich bin mehr die "Wasser" Fraktion. Warum mir trotzdem spontan der Name Ponyhof eingefallen ist?
Ich glaube, weil ich die Redewendung "Das Leben ist kein Ponyhof" mag.
Du sagst es selbst:
Auf einem Ponyhof zu arbeiten, ist ein Knochenjob. Ställe ausmisten, Scheiße schaufeln usw. (Und nix für mich, wie gesagt.)
Und was sagen wir? "Das Leben ist deutlich SCHLECHTER als ein Knochenjob, bei dem man mit schmerzendem Rücken stundenlang Scheiße schaufeln muss, wo ich fehl am Platz bin"
Japp, DEN Eindruck hab ich auch...

Ja, der richtige Zeitpunkt zu sterben. Wer weiß schon wann der ist? Meine Großmutter wurde 96. Sie wurde dement und hatte Angst vor den Fehlern, die ihr durch die Demenz unterliefen... Es war keine schöne Zeit. "Es ist nicht gut, dass die Menschen so alt werden" sagte meine Mutter einmal beim Anblick meiner Großmutter... Aber als meine Mutter dann mit Anfang 60 die Diagnose Krebs bekam, kämpfte sie wie eine Löwin. Genützt hat es nichts...
Zu spät gestorben. (Großmutter)
Zu früh gestorben. (Mutter)
Besser gar nicht geboren worden. (Ich)
Irgendwie haben wir Frauen meiner Familie das nicht raus mit dem Leben und dem Sterben...
Meine Großtante hat ein ungewöhnliches Leben geführt. Ist oft angeeckt und hat alles auf die harte Tour gemacht. Sie hat sich mit 80 -als sie das Gefühl hatte jetzt abzubauen - das Leben genommen. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass SIE diejenige ist, von der man sich ne Scheibe abschneiden sollte. Furchtlos ins Leben. Und wenn's vorbei ist furchtlos in den Tod.

Gast985 - ich schenke Dir ein Stück ungeteilte Aufmerksamkeit. Nur für Dich. :-)

Liebe Grüße

Ponyhof
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gast985

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #9 am: 23 Oktober 2020, 01:33:35 »

Hallo Ponyhof,
mit meiner Anmerkung, dass ich selbst auf einem Hof gelebt habe, will ich nur zum Ausdruck bringen, dass es eine schwere Arbeit ist.
Aber sie gab auch viel zurück!
Ich habe gern Scheiße geschaufelt!!

Unser Leben wird bestimmt durch Glauben und deren Prediger.
Was ist falsch am Sterben? Warum muss bis zum Ende behandelt und operiert werden, um dann in einem Hospiz zu sterben? ?????

Meine Mutter hat mich empfangen und geboren, um Ihre Freiheit zu erlangen.
Ich war ihr Besitz.
Mit ihrem neuen Partner begann für mich das Martyrium. Misshandlungen, Demütigung.
Wie oft habe ich geträumt von der Befreiung, Fliegen durch die Wolken der Sonne entgegen.
Flucht über die Meere auf unbekannte Inseln. Wie oft habe ich geträumt, geliebt zu werden, in den Armen meiner Mutter geborgen zu sein. Wie oft habe ich an mir gezweifelt? Da ich keine Liebe erfuhr, war ich auch nicht wert zu leben!!!

Besser gar nicht geboren worden. (Ich)????

Hier ist ein offenes Forum, deswegen hab ich euch mitgelesen. (Darksoul86 und Ponyhof)

Kinder wollte ich nie! Ich hatte Angst, als Vater zu versagen. Ich hatte Angst, mein Kind zu Enttäuschen. Wenn man ohne Liebe aufwächst, wie kann man da Liebe geben?

Nun, wenn das Schicksal eine Kinderlosigkeit beschlossen hat, ob bei der Frau oder dem Mann, was soll man da sagen? Die üblichen vermeintlichen Ratschläge? Tipps über Ersatz? ?? ? Ich bin männlich und somit überhaupt nicht geeignet für irgendwelche Ratschläge.

Ich biete dir an, an deiner Seite zu stehen!
Ich biete dir an, deinen Schmerzensschrei zu empfangen!
Ich biete dir an, deine Wut als Prellbock entgegenzunehmen!
In der Hoffnung, dass dir der druck und Schmerz ein wenig genommen wird.

Ponyhof, es ist Sommer, du läufst und springst im leichten Sommerkleid barfüßig durch eine Wildblumenwiese. Lege dich in sie hinein. Rieche den Duft der Blumen und des Grass. Spüre auf deiner Haut die warmen Sonnenstrahlen. Lausche den Geräuschen und lass dich von ihnen in den Schlaf begleiten. Keine Angst, ich sende dir einen Engel, der über dich Wacht!

In Achtung und Respekt

gast985
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Ponyhof

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #10 am: 23 Oktober 2020, 14:13:08 »

Hallo Gast985

Danke, das ist lieb von Dir. Ich bin mit dem Heulen und Hadern aber ziemlich durch. Bringt ja nix...
Nein, die große Frage ist

"Was jetzt???"

Ich habe noch ein paar Jahrzehnte Leben übrig (selbst wenn es mir ergeht wie meiner Mutter). Ich habe keine Kinder und werde -wohl- auch keine mehr bekommen. Ich habe einen Beruf, der mich unabhängig macht, der aber nicht "die" Erfüllung ist. Ich habe einen Mann, der mich liebt und mit mir durch dick und dünn geht, aber mir -logisch- auch keinen Lebensinhalt bieten kann.

Kurz:
Von außen sind keine größeren Veränderungen zu erwarten und wenn doch, dann vermutlich nur zum schlechteren. Wenn ich was anderes will, dann muss ich was ändern, nur WAS???
ICH bin nicht glücklich. Mir fehlen Träume, Pläne, Ziele, Ideen, Hobbys... Mir fehlen Gründe morgens aus dem Bett aufzustehen.
Ich habe Freundinnen, aber ich finde mich selbst so langweilig, dass ich denen gar nichts von mir erzählen mag - also treffen wir uns nur selten. Zu WAS auch? ... Ich bin das Jammern so leid, aber es scheint das einzige zu sein, worin ich gut bin.
Früher habe ich gern Musik gemacht - aber auch das war für mich eine Form meine destruktiven Gefühle auszudrücken. Seit ich das Gefühl habe nicht mehr jammern zu mögen, habe ich auch keine Lust mehr auf Musik.
Früher habe ich gern geschrieben. Aber ich habe über meine Verzweiflung geschrieben. Seit ich beschlossen habe, das hinter mir zu lassen, habe ich nichts mehr zu sagen...
Ich habe - um überhaupt irgend etwas zu tun - mit Sport angefangen. Ich bin schon deutlich fitter geworden. Aber auch dazu muss ich mich aufraffen, es ist nicht so, dass ich das gern tun würde...

Und so habe ich das Gefühl, das einzige, was ich früher gern gemacht habe waren kreative Formen mit dem Schmerz umzugehen. Wenn ich versuche den Schmerz hinter mir zu lassen - dann bleibt dabei alles zurück, was ich je gemocht habe.

Neue Ideen habe ich keine.

*Tja*

Und nun???

Keine Ahnung...

Gast985, ich bin irgendwann nach Jahren zu der Erkenntnis gelangt, dass "Besser nie geboren worden" ja letztlich auch nur auf die Frage: "Springe ich jetzt vom Balkon oder nicht???" hinausläuft.
Ich war ja nunmal da. Rückwirkend nie geboren werden, gibt's nicht. Von daher denke ich, dass wir der Wertschätzung anderer zu viel Gewicht beimessen. DIE haben nämlich letztlich auch alle keinen "echten" Grund hier zu sein, sind auch nur "einfach so" da. Und haben "einfach so" beschlossen, dass sie etwas wert sind. Diese Option steht uns ebenso offen wie jedem anderen. Denn den Beweis, dass es gut war, dass sie geboren wurde. Besser als nie-geboren. Den kann selbst Mutter Theresa nicht führen...

"Es fragt uns niemand ob es uns gefällt
Ob wir das Leben lieben oder hassen.
Wir kommen ungefragt auf diese Welt
Und müssen sie auch ungefragt verlassen." (Mascha Kaleko)
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gast985

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #11 am: 24 Oktober 2020, 02:01:56 »

Hallo Wassernixe, (ehemals Ponyhof)

Ich taufe Dich mit dieses Pseudonym.

Warum?
Du schwimmst durchs Leben.
Beruf: Schwimmst mit! Nicht hinterher, aber auch nicht vorweg.
Einen Mann: Du schwimmst um ihn rum und gleitest durch seine Hände.
Freundinnen: Du schwimmst um sie herum, durch sie hindurch.
Musik und Schreiben: Du schwimmst davon.
Sport: kleine Insel zum Ausruhen.

Wer immer schwimmt und nie an Land geht, wird irgend wann ertrinken.

Beruf: Schwimm gegen den Strom und biege in einen neuen Fluss.
Mann: Schwimm mit ihm, lass dich von seinen Händen vertrauensvoll durch die Wogen tragen.
Freundinnen: Schwimme mit ihnen als Ballett.
Musik und Schreiben: Wen man davon schwimmen will und es eine Gegenströmung gibt, zieht dich der Sog in die Tiefe. Schwimm darauf zu und Du wirst merken, das das Wasser immer flacher wird.
Sport: Da hast Du dir eine Insel geschaffen zum Ausruhen. Lass diese Insel größer werden.

Was jetzt?
Ich weiß es nicht, dein Problem!

Veränderungen von außen hat es noch nie gegeben, nur Anstöße zum Nachdenken!
Veränderungen kommen immer von einem selbst. Deine Seele und dein Herz werden Dich leiten!
Wenn es Dir gelingt, auf deine Seele und Herz zu hören, kommen die Träume von selbst. Kommen die Träume, kommen die Pläne, Ziele, Ideen und Hobbys zu Dir zurück.
Vertrau auf DICH!
 Kämpfe nicht gegen deinen Schmerz, nimm ihn an, er wird mit der Zeit kleiner!

Jetzt habe ich, der mit sich selbst nicht klarkommt, Ratschläge erteilt!!!!!!!!!!!!!

Nun sei es wie ist, es tat mir gut mit Dir zu lesen!

Ertrinkenden kann man helfen, in dem man ihnen einen Rettungsring zuwirft.

Ich hoffe, dass ich Dir einen, wenn auch klein Rettungsring zuwerfen konnte.

Lasse die Träume zu Dir zurückkommen
vom Herzen Gast985
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Ponyhof

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #12 am: 24 Oktober 2020, 23:58:58 »

Hallo Gast985,


mit etwas hast Du auf jeden Fall Recht: der Schmerz wird kleiner. Ich habe die letzten ~3 Jahre darauf verwendet die Vergangenheit zu verarbeiten, Trauma für Trauma für Trauma. Jetzt ist es schon besser. Katharsys oder wie das heißt. Irgendwann ist genug mit heulen.
Wenn Du mit allem anderen auch Recht hättest, würden die Träume und Pläne dann als nächstes kommen.
Vertrauen?
Habe ich nicht.
Woher auch?
Aber ich schätze, wir werden es sehen.
Wenn Du Recht hast, werden die Träume demnächst kommen, werden den Platz all der Emotionen einnehmen, die nachgelassen haben.
Wenn Du Recht hast, brauche ich gar kein Vertrauen, denn dann wird es nämlich einfach so sein, ob ich dran glaube oder nicht.
Also warten wir ab, ich hab ja sowieso keine bessere Idee...

Also, wo wir gerade bei Ratschlägen sind, Gast985, warum also nennst Du Dich so? Warum nennst Du Dich nicht Pferdefreund, oder Blumenwiese oder sonst etwas konstruktives? Wenn Du gern auf Ponyhöfen arbeitest, was hindert Dich? Warum liest Du gescheiterte Existenzen wie mich hier im Internet und schreibst traurige Texte, anstatt Dich mit Blumenwiesen, Tieren und der Natur zu umgeben? Die Vergangenheit ist vergangen, die Gegenwart gehört Dir...

Jaja, es klingt so leicht.  Wenn's nur so einfach wäre...

Ponyhof - Wassernixe - What is in a name? (Shakespeare)
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gast985

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #13 am: 25 Oktober 2020, 03:09:00 »

Hallo Wassernixe, (ehemals Ponyhof)
Oft genug sollen Pseudonyme nur die Unscheinbarkeit ihres Trägers verbergen.
© Martin Gerhard Reisenberg
(*1949), Diplom-Bibliothekar und Autor
Mit meinem Pseudonym kann keiner eine Erwartung und ein Bild verknüpften.
Ich bleibe unscheinbar, kann keinen Enttäuschen.

6 Jahr Internat. Immer in Gruppen. Die Lehrer und Erzieher kannten meine Schwierigkeiten (Depression), deshalb bekam ich in jeder Jahrgangsstufe ein Einzelzimmer. Es war ein gemischtes internationales Internat. Da ich Einzelgänger war, hatte ich so meine Probleme. Trotzdem war ich mitten drin, aber nie dabei.

Warum auch immer, kamen Schülerinnen und Schüler auf mich zu mit ihren Problemen. Meine Auseinandersetzungen mit den Schülerinnen und Schüler so wie den Lehrkörpern hat wohl den ein oder andern ermutigt, bei mir Hilfe zu suchen.

Mit 15 Jahren habe ich in den Ferien gearbeitet, als Tellerwäscher und hinter dem Tresen.
Die Menschen, die ich dort kennenlernen durfte, Schwule, Lesben, Prostituierte, Kriminelle und Lebens Gescheiterte haben mir Achtung und Toleranz gelehrt. Gelernt habe ich das Wertfreie und das Ungeteilte zuzuhören wichtiger ist als Ratschläge.


Wenn Menschen ihre Sorgen und Ängste veröffentlichen, hat das einen Grund.
Ich antworte ihnen, um zu zeigen, was sie sagen, wichtig ist. Ich mich für sie interessiere. Sie nicht allein sind.

Mein Ponyhof war ein Bauernhof. Der gehörte der Schwester meiner Mutter. Sie, der Bruder meiner Mutter und Oma waren die, die mich von Herzen geliebt haben!
Zu Hause in einer Nacht wurde ich wach, weil ich die Stimme meiner Tante hörte, wie Sie mich rief. Ich hatte Gänsehaut und konnte nicht mehr schlafen. Am Morgen rief ich dort an. Und erfuhr, dass sie in der Nacht Verstorben ist. Das war es mit meinen Ponyhof.


Meine traurigen Texte sind der Ausdruck meines inneren.
Immer ging es auf und ab in meinem Leben ein ständiger Kampf um Anerkennung und Liebe. Immer wieder erlitt ich Verluste von Menschen, die mir sehr viel bedeutet haben.
Ich kann und will nicht mehr, habe aber noch ein wenig Zeit.


Man soll sich mehr um die Seele als um den Körper kümmern; denn Vollkommenheit der Seele richtet die Schwächen des Körpers auf.
                   Demokrit griechischer Philosoph (um 460 vChr - um 370 vChr)

In diesen sinne vom Herzen
Gast985
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Ponyhof

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #14 am: 25 Oktober 2020, 17:17:51 »

Hallo Gast985

interessant, Deine Geschichte. Aber ich frage mich, ob Du Recht hast. Geht das? Niemanden enttäuschen durch am-Rand-bleiben? Oder entäuscht man nur andere als man sonst enttäuscht hätte? - z.B. die, die Dich gern Mitten in ihrem Leben gehabt hätten, nicht nur am Rande?
Jaja, bei anderer Leute Leben hat man immer leicht reden...

Ich bin heute mal wieder besonders müde. Habe auf absolut gar nichts Lust. Wozu das ganze??? usw.
An solchen Tagen denke ich, es war ne blöde Idee mit dem Sport anzufangen. Kostet Energie, die ich nicht habe, aber dringend brauche um hier ein gewisses Maß an Normalität aufrecht zu erhalten (Job, Haushalt usw.). Aber was würde ich statt dessen tun? - Rumsitzen und mich schlecht fühlen? Ach... 24 Stunden sind einfach zu viel für einen Tag für mich. Ich wünschte, ich könnte 20 davon schlafen, das wäre es.
Keine Ahnung. Mal sehen, wie ich es morgen fertig bringe zur Arbeit zu gehen. Hilft ja nix...

Viele Grüße

Ponyhof
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