Nur Ruhe - Selbsthilfeportal über Depressionen und Selbstmord

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Autor Thema: Das Leben ist kein...  (Gelesen 18811 mal)

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Ponyhof

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #210 am: 25 Juni 2022, 16:13:53 »

Liebe Ina 😃

tja, was fällt mir ein, wenn ich darüber nachdenke, was ich gern tun würde?
Als erstes wichtigstes und konkretestes fällt mir ein, dass ich mich gern umbringen würde, aber das führt ja bekanntlich nirgendwo hin.
Dann würde ich noch gern meinen Job kündigen, meine Haare grün färben, Nadeln in meinen linken Arm stechen, um da in den richtigen Momenten dran reißen zu können und noch so ein paar Dinge, zu denen man "Jetzt sei doch Mal VERNÜNFTIG Ponyhof" sagen würde ...

Danach wird alles sehr vage und verschwommen. Und ich sehe nur noch solche "Wenn es nicht unmöglich wäre, würde ich gerne" Punkte mit Unmöglichkeitskomponente (heißt das so?)

ZUM BEISPIEL würde ich gern ein Buch schreiben. Theoretisch. Praktisch habe ich eine Zeitlang Kurzgeschichten geschrieben und eine Zeitlang ein Blog geführt.
In beiden Bereichen kam der Punkt, an dem alles gesagt war. Ich stand nur noch vor der "Bring Dich um oder lass es" Entscheidung.
Seit dem habe ich nichts mehr zu sagen.
Wenn ich also in "Was mache ich jetzt mit dem Rest des Lebens " Stimmung am Laptop sitze - dann gibt es NICHTS zu sagen - weil ich den Tod - und damit das einzige Thema zu dem ich je was zu sagen gehabt habe - gerade aktiv außen vor gelassen habe.
Und so sitze ich da und starre auf den leeren Bildschirm. Nix-zu-sagen.
In vielen Bereichen, kann man beschließen etwas zu tun und das dann "einfach " machen. Ob man Lust hat oder nicht, ob man depressiv ist, oder nicht... meine ich. Im Bereich Kreativität, Spaß, Lebensfreude usw. geht das nicht. Ich kann keine Ideen erzwingen. Wenn ich nichts zu schreiben habe, habe ich nichts zu schreiben. Ich kann nicht beschließen Spaß zu haben, das funktioniert so nicht.

Ich mache was falsch, ich seh' es ein. Aber ich habe absolut keine Idee, wie es denn anders ginge...

Alles kein Ponyhof...

Danke fürs lesen...
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Ponyhof

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #211 am: 06 Juli 2022, 07:04:41 »

Was ich am Leben ganz furchtbar finde, ist, dass es dazu verurteilt anderen beim sterben zuzusehen.

Ich meine:
Ich muss etwa fünf gewesen sein, als ich den Einfall hatte, vom Auto überfahren zu werden. Hätte ich das damals in die Tat umgesetzt, hätte ich meine Oma nicht verlieren müssen.
Wenn ich mit 15 von der Brücke gesprungen wäre, wäre mir der Tod meiner Mama erspart geblieben, hätte ich mit 23  Nägel mit Köpfen gemacht, der Tod meiner anderen Oma ... usw.

Manchmal habe ich nicht das Gefühl es noch lange ertragen zu können. Vier Nahe Angehörige habe ich noch. Drei davon mit Krebs, bei zweien sieht es nicht gut aus zur Zeit, die dritte ist über 80.
So wie es aussieht, werde ich also mindestens drei von ihnen noch sterben sehen - am wahrscheinlichsten ist wohl, dass ich die letzte sein werde.
Manchmal  denke ich, ich bin froh, wenn alle mit sterben fertig sind, ich kann diese ewigen Hiobsbotschaften nicht mehr ertragen.
Und wieso ist es eigentlich verwerflich, wenn ich anderen zumuten möchte mich sterben zu lassen - aber vollkommen normal, dass ich dazu verflucht bin, alle anderen sterben zu sehen? Bis irgendwann alle tot sind und ich einsam verschimmeln darf...

Ach...

Alles kein Ponyhof... 
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Mitleser

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #212 am: 12 Juli 2022, 18:29:29 »

Hallo Ponyhof.

Deine Fragestellung kann man Systemisch betrachten.

Du bist Teil eines Systems.

Du bist natürliches Mitglied an deiner ererbten Position.

Du bist Teil der Ordnung, durch nichts als Deine Anwesenheit.

Ein System, in diesem Fall das System Familie, hat ein Anfang und ein Ende.

Das System als solches weiß wer der Erste und wer der Letzte dazu gekommene ist. Alle Teile des Systems wissen das ebenso. Das ist ein Teil der natürlichen Ordnung.
Jeder Abgang einer  dem System angehörigen Figur schafft erstmal einen unbesetzten Raum innerhalb des Systems. Ein Platz wird frei, eine neue Ordnung muss sich den Raum nehmen. Die Reihenfolge verändert sich.

Je mehr der Abgang sich am Eintritt ins Familiensystem und der Reihenfolge orientiert, um so einfacher ist damit innerhalb des Systems umzugehen.
Wird jetzt an irgendeiner Stelle diese natürliche Ordnung ins Ungleichgewicht gebracht, durch einen verfrühten Tod zb., schafft das Unruhe im System. Diese Unruhe kann sich im System ausbreiten, bis hin zu totalem Systemversagen.

Für einen "unordentlichen" Tod, ist erstmal keine Akzeptanz vorhanden. Diese muss erarbeitet, erschaffen werden. Das benötigt Kraft aus dem System.
Man kann sich das etwas besser Vorstellen in dem man sich in verschiedene Positionen innerhalb der Reihenfolge versetzt.

Die meisten, "länger" dem Familiensystem Angehörige, akzeptieren irgendwann ihren Austritt und es gibt umgekehrt Akzeptanz innerhalb des Systems für den Austritt. Man akzeptiert einfach das daß 80jährige Familienmitglied das Ende seiner Lebenserwartung erreicht hat. Das ist die Natur der Sache und entspricht der natürlichen Ordnung. Der gegebenen Reihenfolge. Hier fällt nichts aus der Reihe, trotzdem auch dieser "ordentliche" Tod schmerzhaft sein kann.

Man kann aus der systemischen Arbeit gut ablesen das ein unvorhersehbarer Systemaustritt mehr Unordnung bringt, als ein der Abfolge entsprechender Austritt.

Um sich dieser Betrachtung gut zu stellen, ist eine gewisse Sachlichkeit von Nutzen.

Wir machen manchmal aus unserem Leben kein Ponyhof, weil wir uns der Tatsache unserer Position nicht stellen. Dabei ist diese Positionierung unabänderlich und vollkommen natürlich.

Beste Grüße.
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Ponyhof

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #213 am: 12 Juli 2022, 19:19:58 »

Ja, da hast Du Recht @Mitleser interessante Betrachtungsweise, Danke für Deinen Beitrag.
Tatsächlich hatte ich vor ein paar Jahren Krebs, hatte also die perfekte Gelegenheit in der Reihenfolge ein paar Plätze "vorzudrängeln".
Da mir vordrängeln fies erschien, habe ich hart gekämpft... Und bin auf diese Weise wieder auf meinem ursprünglichen Platz ganz hinten in der Schlange... 🙈🙈🙈 Schön dumm...
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Ponyhof

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #214 am: 13 Juli 2022, 07:35:33 »

Nur Ruhe... ein guter Titel. Ich bin unglaublich müde und erschöpft... gleichzeitig kann ich nicht ausruhen. Vermutlich ist das albern, aber ich weiß nicht wie das geht.

Konnte ich es Mal? Gefühlt nicht, aber vielleicht hab ich es auch vergessen?

Früher habe ich viel gelesen und Hörbücher gehört. Gefühlt gab es damals noch fesselnde Geschichten. Jetzt fesselt mich nix mehr, ich schweife ab, kann mich auf nichts konzentrieren...
Früher habe ich gern Filme und Serien geguckt. Damals mochte ich das total. Heute hänge ich immer nach 2 Minuten am Handy...

Nichts ist mehr spannend genug um die Anstrengung des konsumierens dafür durchzuhalten. Und was soll das dann mit Entspannung zu tun haben? Mit Gewalt zur Arbeit, mit Gewalt zum Sport, mit Gewalt Freunde treffen um nicht zu verschimmeln. Mit Gewalt Haushalt und Steuer und alles was so anfällt, damit blooooooß nicht wieder irgendwas altes anbrennt.

Irgendwo zwischen Gewalt und Langeweile müsste doch ein Mittelweg existieren? Entspannung? Interesse? Spaß? Ihr könnt mir nicht erklären, wie Ihr das macht, oder? Das kann "man" vermutlich "einfach"? *seufz*
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Gast

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #215 am: 21 Juli 2022, 23:23:27 »

Wo steht geschrieben dass es eine natürliche Ordnung gib5t?
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Ponyhof

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #216 am: 22 Juli 2022, 19:40:12 »

Dass es eine natürliche Ordnung gibt, steht nirgendwo geschrieben @Gast (oder besser gesagt, es steht an 1000 Orten geschrieben, aber keiner ist "die" Referenz schlechthin)

Trotzdem glaube ich, dass @Mitleser richtig liegt, wenn er sagt, dass wir "normalerweise" erwarten, dass erst die Uroma, dann die Oma, dann die Mutter und dann das Kind stirbt.
Stirbt das Kind vor der Uroma finden wir das "besonders" schrecklich.
"Natürliche Ordnung der Dinge" finde ich dafür eine gute Beschreibung.
Hast Du nicht diese Erfahrung gemacht?
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Gast

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #217 am: 24 Juli 2022, 21:42:41 »

Ja, wenn Sie an diesen Unsinn glauben und es Ihnen hilft!
Lesen bitte diesen Beitrag und Sie verstehen mich besser.
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Gast

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #218 am: 24 Juli 2022, 21:48:01 »

menschplanet.de/ordnung/
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Ponyhof

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #219 am: 25 Juli 2022, 11:55:29 »

Gelesen habe ich (jedenfalls einen Teil) verstanden habe ich ehrlich gesagt NIX.

Nochmal zu der hier genannten Situation:

Mitleser meinte, dass wir Menschen üblicherweise annehmen, dass die Kinder nach den Eltern sterben.
Dass "das" Alter zum sterben 80 und nicht 8 ist.
Wir müssen das nicht "natürliche Ordnung nennen" und es ist ja auch nicht immer der Fall.

Aber mir ist tatsächlich in meinem ganzen Leben noch niemand begegnet, der w-i-r-k-l-i-c-h ehrlich und wahrhaftig JEDEN TAG mit diesem "jeder Tag als wäre er der letzte" Gefühl verbracht hat. Der w-i-r-k-l-i-c-h jeden Tag mit dem gleichen "die Oma ist 98, ich bin dankbar, dass sie noch lebt" Gefühl über seine Kinder und Enkel gedacht hat "dankbar, dass Kevin HEUTE nicht vom Auto überfahren wurde, morgen wird man sehen"? "Wir fahren JETZT übers Wochenende weg, wer weiß was in 3 Monaten ist?" ...

Meiner Meinung nach GEHT das auch gar nicht, weil man dann nämlich verrückt wird.

Daher nochmal die Frage: Hast Du tatsächlich was komplett ANDERES erlebt oder missfällt Dir "nur" der Begriff "Ordnung" in dem Zusammenhang?
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Gast

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #220 am: 28 Juli 2022, 22:21:23 »

Es gibt keine Reihenfolge beim Tod. Pandemie, Krieg, Hohe Kindersterblichkeit in anderen Kulturkreisen.
Sehen Sie eine natürliche Ordnung?
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Ponyhof

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #221 am: 29 Juli 2022, 07:36:04 »

Ja, sehe ich.

Nicht Mal so sehr tatsächlich beim TOD. (Wobei natürlich auch da trotz Pandemie, Krieg und Hunger doch noch mehr alte als junge Menschen sterben) Aber ganz besonders bei der Art und Weise wie wir das EMPFINDEN. "Er war noch viel zu jung" "Wir müssen die Kinder schützen" usw usw usw.
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Gast

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #222 am: 29 Juli 2022, 21:57:30 »

Das sind Ihre Vermutungen. Sie wissen nicht wie Menschen empfinden.
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Ponyhof

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #223 am: 31 Juli 2022, 14:48:14 »

Es sind meine Erfahrungen und meine Empfindungen.
Ich bin ein Mensch und weiß, wie ich etwas erlebt habe und
was ich empfinde. Dass andere Menschen das anders erlebt haben und / oder anders empfinden können, wollte ich nicht in Abrede stellen.

Deshalb habe ich nach Ihren Erfahrungen gefragt. Weil ich tatsächlich noch nie jemanden getroffen habe, der von anderen Erfahrungen berichtet hat. Würde mich daher interessieren.


Erzählen Sie doch was von Ihren eigenen Erfahrungen?
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Gast

  • Gast
Re: Das Leben ist kein...
« Antwort #224 am: 01 August 2022, 15:12:17 »

Im Lauf der Zeit hat sich die Sterblichkeit und das Empfinden darüber geändert.Die. Sterblichkeit in Deutschland zeigt langfristig unterschiedliche Teilprozesse: Im Jahr 1901 war jeder zweite männliche Gestorbene ein Kind unter 10 Jahren. Vier von fünf dieser Kinder hatten nicht einmal das erste Lebensjahr vollenden können. Bei den weiblichen Gestorbenen lagen diese Anteile nur leicht niedriger. Entscheidend 9für die Sterblichkeit ist die Altersstruktur und nicht die "natürlich Ordnung" die es nicht gibt.
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