Nur Ruhe - Selbsthilfeportal über Depressionen und Selbstmord

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Mond

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« am: 07 November 2021, 23:17:30 »

Guten Abend,
Ich bin seit längerer Zeit wieder öfter hier.
Nicht nur, um jemanden wieder zu finden...sondern weil
Ich zur Zeit mit einer Sache zu kämpfen habe, die mir grade ziemlich den Boden unter den Füßen weggelaufen hat.
Vor ca 9 Jahren war ich schonmal hier...für eine längere Zeit.
Damals hat Pudel den entscheidenden Anstoß gegeben...
Und mein Weg raus aus der damaligen Depression ging voran.
Ich habe in den letzten Jahren hart an mir gearbeitet und
es ging mir irgendwann besser.

Depressionen gehen nie mehr ganz...Man bleibt sehr emotionsgeladen und man muss immer wieder aufpassen, nicht zurück zu fallen.

Bisher klappte es immer gut...aber jetzt ist ein Punkt, wo ich emotional am Ende bin.

Vor fast genau 10 Monaten ist meine Mutter im Alter von 66 Jahren innerhalb von 23 Tagen an Corona gestorben.
Mein Vater ...84 Jahre...hat es knapp überlebt...war 3 Monate ein Pflegefall...hat sich aber wieder weitgehends erholt.

Es war eine verdammt schwere Zeit, in der man nur noch funktioniert hat.
Beide Eltern zeitgleich schwerst an Corona erkrankt...

Mich plagen wahnsinnige Schuldgefühle...die mir auch keiner nehmen kann.

Das schlimmste ist...dass ich eine Entscheidung getroffen habe....die meiner Mutter letztendlich das Leben gekostet hat.
Sie hat sich in einem Krankenhaus mit Corona infiziert...
Eigentlich sollte sie in die Klinik nach Düsseldorf...aber die Wartezeit war zu lange.
Ich habe dafür gesorgt, dass sie nach Essen konnte...wo sie sich dann angesteckt hat.

Dann gab es noch so einige Dinge...die ich vorher hätte sehen müssen.
Meine Mutter war unglücklich...verzweifelt...und ich habe nicht reagiert.
Sie hat später im Krankenhaus die Behandlung auf der Intensivstation abgebrochen...sie hat den Sauerstoff verweigert...sie wollte nicht intubiert werden.
Sie wollte nicht mehr nach Hause.

12 Stunden  nachdem sie den Sauerstoff abgelehnt hat, ist sie an Corona gestorben.
Ihre Lunge war zerstört...und ohne Druck-Sauerstoff wurden ihre Organe nicht mehr mit Sauerstoff versorgt...und ihr Herz blieb stehen.

Ich weiß  nicht, wie ich jemals damit Leben soll...
Seit 10 Monaten heule ich jeden verdammten Tag...
Ich bin kaum mehr in der Lage, irgendwas zu tun.
Ich gehe arbeiten..kann mich ablenken...sber danach falle ich immer wieder in dieses tiefe Loch.

Ich vermisse sie...und ich muss mit dieser Schuld irgendwie leben.
Es gab leider schon Gedanken...dass ich bei ihr sein möchte.

Ich hatte Kontakt zur Trauerbegleitung, die mich aber wieder wehmggeschickt haben. Es geht weit über die normale Trauer...Man könne mir nicht helfen.
Seit ein paar Monaten warte ich auf einen Therapieplatz.

Bis dahin muss ich irgendwie durchhalten.

Ich kann mit keinem sprechen...denn ich merke schon jetzt, dass ich viele Leute einfach überfordere.
Mit meinen Erwachsenen Kindern kann ich nicht sprechen...sie trauern selbst noch um sie.
Ich würde es ihnen dann noch schwerer machen.

In meiner Familie spricht keiner über meine Mutter. Das Geschehene war so krass...dass jeder noch damit zu kämpfen hat...und jeder versucht irgendwie damit klar zu kommen.

Wir durften 2x unsere Mutter besuchen...und was wir da auf der Intensivstation miterleben mussten...das war so unfassbar schrecklich.

Innerhalb von 23 Tagen hat corona den Körper vollständig zerstört.
Sie hat tief Luft geholt...aber die Lungen konnten den Sauerstoff nicht mehr aufnehmen...
Sie hatte immer das Gefühl zu ersticken.

12 Stunden bedarf sie starb...rief das Krankenhaus an und wir mussten uns verabschieden.
Klar bei verstand...hat sie tschüss gesagt...was ihr noch wichtig ist...und dass wir sie verstehen sollen.

Keine Ahnung..ob mir das hier jetzt hilft...aber ich weiß nicht mehr..wohin mit meinen Gedanken.

Danke fürs lesen...
Mond

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Mond

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Re: Zurück
« Antwort #1 am: 07 November 2021, 23:24:06 »

Entschuldigt die Fehler im Text..autokorrektur vom Handy.
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Wohlstandspudel

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Re: Zurück
« Antwort #2 am: 08 November 2021, 11:40:21 »

Hallo Mond, ich kann mich noch gut an deinen Nick erinnern.

Ich freue mich immer wieder ehemals verschollene User zu lesen, mal abgesehen von den Gründen weswegen sie wieder hier sind.

Es gibt keine Gründe dass du Schuldgefüle haben musst wegen deiner Mutter, denn du wolltest nur das Beste für sie!

Du hast deine Mutter in eine nahegelegene Klinik geholt, eben damit sie in deiner Nähe ist und du dich besser um sie kümmern kannst.

Ich würde es wahrscheinlich genauso machen.

Niemaden wollte und konnte ahnen, dass sie sich mit Corona ansteckt.

Genauso hätte sie sich wo anders anstecken können und man darf auch nicht außer Acht lassen: Sie gehörte mit 66 zur Risikogruppe.

Und wie man dir schon in der Trauerbegleitung sagte, deine Trauer geht weit über *normale* Trauer hinaus und bedarf professioneller Hilfe.

Du schreibst auch dass du auf einen Therapieplatz wartest, was bedeutet dass du dich kümmerst, mal abgesehen von den langen Wartezeiten.

Für den Notfall kann dir eventuell dein Arzt Medikamente verschreiben, dazu sollte man aber immer zum Facharzt gehen.

Schreibe dir doch auf ein Blatt Papier dass du nur das Beste für deine Mutter wolltest und du an ihrem Tod keine Schuld hast.

Hänge es dir an eine Stelle wo du es immer im Blick hast, vielleicht hilft es dir etwas.

Ansonsten ist eine Therapie angebracht, aber wie du bereits geschrieben hast, muss man leider länger warten.

Viele Grüße
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Tobe

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Re: Zurück
« Antwort #3 am: 08 November 2021, 13:36:01 »

Hallo Liebe Mond,

wir kennen uns noch von damals...
Vielleicht erinnerst Du Dich noch an das Forumstreffen in Köln.

Auch ich bin zurückgekommen aus einem sehr traurigem Anlass, der mir ebenfalls den Boden unter meinen Füßen weggerissen hat.
Demian ist an Krebs erkrankt und am 17.08.2021 daran verstorben.
Seidem entgleitet mir mein Leben immer mehr und auch bei mir ist der Wunsch sehr groß, ihm einfach zu folgen.

Du trägst keinerlei Schuld daran, daß Deine Mama gestorben ist (auch wenn Du dies jetzt vielleicht noch nicht annehmen kannst).
Mein ganz herzliches Beileid an dieser Stelle für den schmerzlichen Verlust.
Keiner kann Dir sagen, ob sie sich nicht vielleicht auch in dem anderen Krankenhaus angesteckt hätte.

Auch wenn es hart klingt,...
ich finde die Entscheidung Deiner Mama gegen eine invasive Beatmung nachvollziehbar und auch richtig.
Die Lunge war schon geschädigt, so daß sie nicht mehr ausreichend Sauerstoff aufnehmen konnte.
Die invasive Beatmung hätte auch vielleicht nur ein paar Tage herausholen können. (Dich mal ganz lieb drücke)

Auch ich habe Demian jeden Tag (auch auf der Intensivstation) besucht und gesehen wie er gegen die "Druckbeatmung" angekämpft hatte.
Es war furchtbar mit anzusehen...
Da er sich wehrte, wurde er sogar noch am Bett fixiert.
Ich musste für ihn kämpfen, daß er nur noch palliativ behandelt wird und auf die Palliativstation verlegt wird, da er selber nicht mehr eindeutig dazu in der Lage war.
Er war durch die Hirnmetastasen, Hirbestrahlung und Morphin stark verwirrt und teils auch sehr aggressiv.
Sprich geistig nicht mehr dazu in der Lage, daß solche Äußerungen von ihm ernst genommen würden.

Es war für mich sehr hart, seine Wünsche für ihn durchzusetzen und auch ich kämpfe heute immer noch mit den Schuldgefühlen.
Er ist in der darauf folgenden Nacht gestorben.


Ich verstehe Dich sehr gut und kann Deine Gefühle sehr gut nachempfinden.
Ich bin Gott sei Dank schon länger in Psychotherapie (seit Januar 2021) und auch auf Psychopharmaka eingestellt (seit April 2021)
und trotzdem bekomme ich momentan mein Leben nicht in den Griff...
Bin seit Ende September 2020 schon AU geschrieben und das Krankengeld wird demnach auch bald auslaufen...

Alles dreht sich nur um die Trauer und die Gedanken an Demian.
In meiner Wohnung ist alles noch so, wie an dem Tag als Demian ins Krankenhaus gekommen ist.
Mir fehlt die Kraft für alles... Habe es seit dem gerade einmal geschafft die gleben Säcke herauszutun.
Du kannst Dir vielleicht vorstellen, wie es mittlerweile hier aussieht.

Ich weiß auch noch nicht, wie ich daß schaffen soll, mein Leben wenigstens einigermaßen wieder in den Griff zu bekommen.
Ich denke aber daß ich ohne die Psychopharmaka schon nicht mehr auf diesem Planeten verweilen würde.

Ich kann Dir nur raten die Wartezeit vielleicht ebenfalls mit Medikamenten zu überbrücken.
Es gibt parallel zur Psychotherapie aber auch noch die Möglichkeit die Psychotheraputische Sprechstunde zu nutzen.
Diese müssen Psychotherapeuten anbieten.
Sie ist zwar nicht so zeitintensiv wie eine richtige Psychotherapie, können jedoch auch schon eine Hilfe sein, die Wartezeit zu überbrücken.

Ich drücke Dich nochmal ganz lieb.

L.G. Tobe
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Haltet die Welt an, ich will aussteigen.

claudi

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Re: Zurück
« Antwort #4 am: 08 November 2021, 14:11:17 »

Liebe mond,

Ich möchte dich wissen lassen das ich dich lese u wahrnehme.

Auch was du mir privat schreibst lese ich u nehme ich wahr.

Bisher konnte ich nicht wirklich drauf eingehen.

Ich fühle mit dir und der verlust deiner mama tut mir echt leid.
Ganz besonders diese krasse art u weise wie sie gehen musste.

Ich sehe es ganz genauso wie meine vorschreiber. Auch wenn du es aktuell weder sehen noch annehmen kannst:dich trifft keinerlei schuld.

Wir können alle nicht wissen wann u wo uns eine tödliche erkrankung ereilt u auch nicht wo wir uns damit anstecken oder wann oder ob sie ausbricht.

Das du traumatisiert bist ist in so einer extrem situation völlig nachvollziebar.
Und auch das dadurch dein trauerprozess ein andrer verlauf ist!

Ich möchte mich gern tobe anschließen. Auch wenn es sich hart u herzlos liest. Ich bin froh das deine mama in dieser situation frei entscheiden konnte.
Was das beatmen betrifft.
Auch das sie f sich die Möglichkeit hatte sich zu verabschieden.

Ich lehne mich jetz mal sehr weit ausm fenster.
Ich lag zwar in einer völlig andren aber auch lebensbedrohlichen situation auf der intensiv.
Es war f mich auch ein stück weit traumatisierend
Aber noch viel schlimmer war es eben f meine angehörigen.

Was ich gut finde das du in deiner situation f dich sorgst aktiv auf hilfesuche gehst und es langsam etwas sichtbarer machen kannst

Das du dich hier mitteilst finde ich einen guten schritt.
Den die vorstufe zum reden ist das schreiben.

Was ich noch herraus lese ist das die stimme der depression u des traumas dir vorgibt das ein austausch mit deinen lieben nicht möglich ist und ihr aktuell nicht drüber sprechen könnt.

Es ist völlig klar das jeder von euch anders tickt u jeder auch seine zeit u sein tempo in diesem prozess benötigt.

Ich finde es aber so überaus wichtig das ihr euch mitteilt wie es euch geht.

Wenn aktuell die worte fehlen geht es sicher auch in schriftlicher form
Oder irgendeinen andren weg des ausdrucks.

Ich glaube es ist viel mehr belastung f alle wenn jeder für sich als eben miteinander.
Ihr seit auf augenhöhe ihr habt alle das selbe erlebt u gesehen.

Ich wünsche dir ganz viel kraft und ganz viel raum u verständniss!

Lg claudi
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Step by step!!

stern

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Re: Zurück
« Antwort #5 am: 08 November 2021, 17:48:39 »

Liebes Möndchen,

schön sich wieder zu lesen ,auch wenn der Anlass ein trauriger ist, gut das du den Weg hier her zurück gefunden hast.

Unseren chat gibt es auch noch https://server1.webkicks.de/nuruhe/
er ist etwas anders wie der vorher ,aber dort findest du noch andere Stammis von früher.

Auch ich möchte dir sagen, du hast keine Schuld- es hätte in der Form in jedem anderen KH auch passieren können.
Gut das du nach Hilfe gehst ,auch wenn es leider so lange dauert.

Fühl dich lieb gedrückt von sterni/sternchen
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stern(Admin)

Mond

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Re: Zurück
« Antwort #6 am: 08 November 2021, 18:46:14 »

Hallo ihr lieben,
Erstmal ist es "schön" zu lesen, das noch einige von damals da sind. Auch wenn es natürlich anders besser wäre.
Die Zeit damals war so intensiv und wir standen uns alle irgendwie nah, weil man verstehen konnte, wie sich der andere fühlt.
So eine intensive Zeit...und die Menschen dazu..vergisst man nicht mehr.

Pudel...danke für deine Worte und schön, dass du dich noch an meinen Nick erinnerst.
Wir haben oft geschrieben und du warst mir damals wirklich eine große Hilfe.

Tobe..Natürlich erinnere ich mich. Damals in Köln hatte ich noch große Probleme mit großen Menschenmengen.
Aber das Treffen war sehr schön und hat alle noch ein bisschen mehr zusammen geschweißt.
Mit Demian tut mir wahnsinnig leid..und auch die Situation, in der du dich jetzt grade befindest.
Kannst du so gar nicht zulassen, dass dir jemand zuhause hilft? Das sich wenigstens deine wohnsituation wieder bessert?

Claudi... du bist für mich jemand, die ganz tief im Herzen ist. Wir hatten damals einen schönen Kontakt zueinander.
Ich musste nur irgendwann für mich eine Entscheidung treffen...und habe mich in die Arbeit verkrochen
Die Arbeit hat mir im Endeffekt mein Leben gerettet.
Als Gast war ich sehr oft hier...einmal hab ich mich auch mal gemeldet...

Stern... ich komme vielleicht mal in den Chat..ich überlege es mir.
Auch du hast mir damals sehr geholfen..und ich kann mich noch gut daran erinnern..
Es war zwar eine sehr schwere Zeit..und du warst immer da und vor allem sehr aufmerksam.


Diese Schuldgefühle gehen noch weit über diese eine Krankenhaus Entscheidung hinaus.
Ich kann heute nicht so viel dazu schreiben, weil ich ein bisschen auf mich aufpassen muss.
Ich fühle mich ziemlich schlecht...weil grade jetzt die Zeit sehr schwierig ist.
Ich trage so viel mit mir rum...was ich alles falsch gemacht habe...
Vielleicht kriege ich es mal hin..davon zu schreiben.

Eigentlich ist jeder Monat schwierig, aber der November ...Da fing alles irgendwie an.

Seit 10 Monaten...ab dem 17.ten...läuft ein Film bei mir ab.

17.12.ich weiß ganz genau.. was von dem Tag bis zum Tod passiert ist.
Es kreist durch meinen Kopf..

Und jetzt muss ich aufhören...weil ich zu tief wieder rein rutsche.

Nochmal lieben Dank an Euch

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Tobe

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Re: Zurück
« Antwort #7 am: 09 November 2021, 21:10:46 »

Mit Demian tut mir wahnsinnig leid..und auch die Situation, in der du dich jetzt grade befindest.
Kannst du so gar nicht zulassen, dass dir jemand zuhause hilft? Das sich wenigstens deine wohnsituation wieder bessert?

Leider nein, da mir das alles wahnsinnig unangenehm und extrem peinlich ist.
Ich schäme mich sehr für meinen Zustand uns mein Verhalten.

L.G. Tobe
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