Ein Schritt

Begonnen von nachtwind, 10 Mai 2025, 23:35:46

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nachtwind

Und noch eins noch - sag jetzt mal ehrlich: kann ein Therapeut so was arrangieren?
Hat er doch gar keine Chance das hinzukriegen.
Egal wie super er sein mag.
Dieser Vergleich ist einfach nicht fair! Finde ich.
Ein Mensch kann eine solche Situation einfach nicht Wirklichkeit werden lassen. Wie denn?
Dazu müsste es erst eine anerkannte Therapieform sein: Patienten mit Bindungsstörung eventuell erst mal eine passende Narkose für nothing zu geben - und dann einen Platz in einer Überwachungsstation für Mutter und Kind zu organisieren .... Puh! Nicht vorstellbar. Wie soll sowas überhaupt ernsthaft untersucht werden? Ob das wirklich vielleicht ja hilft?
Zumal ja noch nicht mal klar ist, ob es diese eine Nacht war, die mich so subtil verändert hat. Oder nicht die besondere Situation, die Auseinandersetzung mit möglich drohendem Tod? Oder ganz was anderes??
Und genauso: ob das vielleicht ja auch nur bei mir so wirkt. Bei mir und vielleicht noch fünf andren. Von 1000.

Ich sag immer, mit einem Fünftel Spässchen dabei, wenn das Thema wird mit Therapie und so: ich bin beim größten Therapeuten ever - ich bin beim Leben.
Ab heute sag ich das nur noch mit einem Hundertstel Spässchen.
Bisschen Spässchen tut immer gut.
Aber eigentlich ist es einfach wahr.

Sicher, es ist wie im bekannten Leben eben auch: der beste Therapeut kann nichts bewirken, wenn du dich nicht drauf einlässt.
Wenn du nicht bereit bist, deine Komfortzone zu verlassen.
Dir viel wichtiger ist, dass du recht behältst. Als etwas zu verändern.
Wenn du darauf beharrst, erst schwimmen zu gehen, wenn du das Schwimmen schon erlernt hast. Und diese Haltung für Charakterstärke hältst. Und stolz auch noch bist darauf.
Wenn dir der Mut fehlt, die Hand zu ergreifen, die er dir hinhält.
Wenn du Angst hast, es nicht zu überleben. Wenn es diesmal wieder schief geht. Mit den Menschen.
Wenn du dir einfach nicht vorstellen kannst, dass auch du ein Mensch bist.
Dem geholfen werden kann. Auf deinem ganz eignen Weg.
Wenn du denkst, noch einmal Scheitern - das kannst du nicht mehr überleben.
Wenn du wie ein halbwildes Kätzchen bist: die Fürsorge deiner Menschen zwar annimmst, aber wenn sich einer dir nähert, du unvermittelt zubeißen kannst. Nicht vorhersehbar, wann - und wann nicht. Und du dich dann grämst, dass nach einer Weile keiner mehr kommen und dich mal streicheln mag. Oder einfach nur mal neben dir sitzen mag.
Wenn man glaubt, das Leben müsse sich ändern... oder der Partner... oder irgendwas... und man darauf beharrt. Und bös wird, richtig bös und um sich beißt, wenn es heißt: niemand und nichts wird sich ändern, das Leben nicht und niemand sonst, damit dein Leben leichter wird  - der einzige, der sich ändern kann, damit dein Leben leichter wird, bist halt nur du selbst.
....

Es gibt so viele Gründe, warum man sich nicht einlassen will.
Nur: ohne diesen Willen geht es nicht.
Man muss es nicht können, dieses drauf einlassen.
Es zu wollen, das schon. Das braucht es schon.
Wenn das fehlt, dann braucht man sich auch keine Mühe zu geben. Dann ist man einfach fehl am Platz.
Und niemand ist dran schuld.
Es passt einfach nicht zusammen.
Noch nicht. Vielleicht: irgendwann.
Der Weg zu diesem Willen ist nie verschlossen. Den kann man immer gehn.
Und es ist nie zu spät.

Zumindest erlebe ich das so.
So ziemlich jeden dieser Gründe, warum ich mich nicht ändern will, hab ich drauf.
So was von!
Ich muss, oft nächtelang und länger, kämpfen. Bis ich eine weniger wütende Sicht auf die Dinge finden kann. Bei Situationen, die mir nahegehen, wochenlang und monatelang und länger...
Und das ist sehr unangenehm. Also versuche ich, diese Versuche zu vermeiden.
Erst, wenn das Thema mich bedrängt und bedrängt, versuch ich es mal wieder eine Weile. Und führe  Nacht für Nacht eindringliche Gespräche mit dem, der sich ändern muss. Damit es mir endlich besser gehen kann.
Das einzige, wie es sich anfühlt, ist: aussichtslos.
Klar, ist es ja auch.
Aber es gelingt mir nicht, das einzusehen.
Bis ich es zu ahnen beginne. Irgendwann. Warum auch immer.
Und sich langsam, Stückchen für Stückchen, die Sicht millimeterweise verschiebt.
Und das Gefühl, dass es aussichtslos ist, Millimeter für Millimeter, auch.
Und Platz macht, Millimeter für Millimeter, für etwas anderes...
Zuversicht? Davon bin ich dann, wenn es so an's Eingemachte geht bei mir, noch meilenweit entfernt. Aber Monate oder Jahre später
kann es langsam anfangen, genau dem zu ähneln: Zuversicht.

Den Jüngeren mag das nun kein Trost sein... versteh ich. Den Mittleren unter uns wohl auch nicht ... versteh ich auch. Dann muss es eben ohne Trost gehen.
Geht es ja auch.
Trost ist so was wie die Rosinen im Müsli - es geht auch supergut ohne sie. Alles Nahrhafte, Wertvolle  ist ja auch ohne sie im Müsli drin.
Mit paar Rosinen schmeckt es einfach bisschen runder, das ist alles. Man freut sich mehr auf's Müsli. Und isst es mit mehr Freude.
Das Entscheidende des Müslis, das was uns weiterbringt, dafür braucht es keine Rosinen.... das hat man auch ohne sie.
(Nach vielen Jahren des täglich Müsli Essens hab ich vor zwei Wochen die Rosinen neu entdeckt - merkt man, oder?)  ;)


Ob ich damals schon geahnt hab, als ich da saß in unsrer Alte-Damen-Ecke und auf meinen Arzt wartete.... und mich beim Warten mit einem Mal so freute drüber, dass ich genau hier sitze in der Frauenklinik und nicht irgendwo anders, in der Kardiologie oder der Inneren...?
Dass das hier ein wirklich sehr sehr guter Ort ist zum Sterben. Für mich.
Ob nun geahnt oder ungeahnt - für mich
ist es zur Wahrheit geworden.
Obwohl: nur mit dem Sterben selbst
hab ich ja noch gar keine Erfahrung gemacht.
Mit vielem andren auf dem Weg dorthin
jetzt aber schon.


Ponyhof

Darf ich dich etwas fragen @nachtwind? Es geht mich selbstverständlich nichts an. Also ignorier' bitte die Frage, wenn sie zu persönlich ist.

Aber Du klingst wie eine Verwandte von mir. Sie war nicht meine Patentante, weil... Ach. Lange Geschichte, die hier nichts zur Sache tut.

Jedenfalls habe ich mich lange Zeit nicht getraut "sowas" zu fragen. Und wenn ich es gefragt habe, gab es Antworten wie "Wenn Du erstmal selber Kinder hast, wirst Du das verstehen."
Nun, ich denke wir können die Option, dass ich noch Kinder bekomme abhaken. Und sie, von der ich gern die Antwort gehört hätte, ist tot. Ich werde es also entweder einfach so verstehen müssen. Oder eben nie verstehen.

Daher die Frage @nachtwind.

Wie kommt eine Frau, die klingt wie Du, zu Kindern? Ich nehme nicht an, dass Du sie im Wald gefunden oder vor dem Tod gerettet hast wie Deinen Hund?
Was hat Dich dazu bewogen Kinder in diese Welt zu setzen und woher das Vertrauen, dass es ne gute Idee ist?




nachtwind

Wie kling ich denn?

Ponyhof

Zitat von: nachtwind in 11 Februar 2026, 13:35:20Wie kling ich denn?

Wie besagte nicht-Patentante von mir.

Die ich - falls das nicht rübergekommen ist - sehr geliebt habe. Ich versichere, dass es kein Du-klingst-wie-eine-furchtbare-Frau Vergleich ist. Ganz im Gegenteil.

nachtwind

Schon eine ziemlich harte Nuss zum Schlucken, was du mir da vorsetzt, Pony.
Ich versuch's mal aufzudröseln...

Erste Reaktion von mir,als ich das les:  O - das ist eine lange Geschichte...

Die zweite: Puh... will ich jetzt schon wirklich konzentriert über diese für jede Mutter heikle Frage nachdenken... bin ich schon so weit?  Bleib ich auch da möglichst ehrlich? Oder kneif ich doch - und auf meine Ehrlichkeit ist eben doch kein Verlass?!
Es ist doch für meine Kinder und Kindeskinder...aus Respekt vor ihren Nöten und Sorgen, vor ihren Problemen muss ich doch ehrlich sein. Wenn es ihnen helfen soll zu verstehen...

Die dritte: lies es halt erst noch mal...
Und da fällt mir dann ganz was andres auf: irgendwas ist komisch... irgendwas stimmt da nicht... aber was?
Einer der Gedanken: ist das jetzt eine Frage? Oder eine rhetorische? Und eigentlich eine deutliche Wertung? Abwertung?
,, wie kommt eine Frau wie du zu Kindern?" das klingt schon ganz schön hart.
Wen fragt man sowas? So?
Es ist sehr schwer, das nicht als völlige Abwertung zu lesen.

Seh ich das zu einseitig? Wie wäre denn die Gegenfrage?
,,Wie kommt es, dass eine Frau wie du keine Kinder hat?"
Klingt völlig anders. So positiv. Eine Frau wie du, so liebevoll, so geduldig, so klar auch, so friedlich, so wenig aggressiv..... fällt mir sofort ein Heuschober voll Adjektive ein, die in dieser Frage mitschwingen.... Alle in der Richtung: Du bist doch prädestiniert dafür, eine gute Mutter zu sein!

Deine Frage? 
Wie kommt eine Frau (die so klingt) wie du zu Kindern?!
Das klingt schon sehr nach Abwertung.
Mir fallen da genauso viele, nur diesmal negative Adjektive ein, die in dieser Frage mitschwingen... alle in der Richtung: Jemand wie du - und Kinder?!! Jemand wie du sollte keine Kinder haben dürfen! Mit welchem Recht hast  ausgerechnet du Kinder in die Welt gesetzt?!!!

Bin ich da zu empfindlich?
Ich finde keine neutrale und schon gar keine positive Richtung in dieser Frage.
Aber das heißt jetzt nicht zwingend, dass es keine gibt.
Also frag ich nach, ehe ich antworte ... verletzt, wie ich grad bin - ohnehin keine gute  Verfassung, um über so was nachzudenken.
So viel Hass und Wut kommt da bei mir an.
Das macht was mit mir. Bin ziemlich traurig. Hilflos fühl ich mich auch. Hilflos angesichts der Wucht. Dieser Wut.
Vielleicht ist es ja doch nur ein Missverständnis?

Und ich denke, wer eine möglichst ehrliche Antwort auf eine wichtige Frage haben will, der sollte sich auch die Mühe machen, möglichst ehrlich zu fragen. Das macht es doch viel einfacher. Für beide. :-)

Du sagst: Du klingst wie meine Verwandte.
Das ist alles an Info, warum du mich das jetzt fragst.
Ich frag also: wie kling ich denn?
Damit ich besser versteh, in welche Richtung denn deine Frage geht. In die Richtung Abwertung? Oder vielleicht in doch noch in eine andre? Die ich mir nur nicht vorstellen kann?
Deine Antwort: wie meine Verwandte.

Das ist für mich jetzt schon: frech. Oder feig. Oder frech und feig zugleich.
Da hinterfrag ich meinen Eindruck auch nicht.
Das ist was es ist.

Der Nachsatz? Geschenkt! Der reißt das Ruder jetzt nicht mehr rum.
Das einzige, was ich draus lesen kann, ist, dass dir selbst aufgefallen ist, wie abwertend doch alles ist, was du über mich geschrieben hast.
Und du dich jetzt irgendwie rausreden willst. Aus dem für dich unangenehmen, ungemütlichen  Bild.
Ich glaub dir natürlich, dass du deine Verwandte geliebt hast.
Aber ich sehe so was von keine Hinweise, dass das auch für mich gilt. ;-)
Es würde ja auch gar nichts ändern. An meinem Unverständnis: wie kann man eine Person, die man liebt, das fragen wollen?
Wie kommt eine Frau wie du zu Kindern?!

Mit den Nachsätzen
,,Ich nehme nicht an, dass du sie im Wald gefunden oder vor dem Tod gerettet hast wie deinen Hund."
Gut, vielleicht fandest du das witzig...
mir gelingt das nicht.
Es ist wie so oft: der, der es sagt, findet es cool, eine Auflockerung vielleicht, auf jeden Fall gelungen.
Der es hört oder liest, muss oft vor allem eins: schlucken.
In meinem Fall hier: die Demütigung schlucken.
Zu empfindlich?
Vielleicht.
Was nichts daran ändert, dass ich das als Demütigung empfinde - und schlucke.


Dann kommt der letzte Satz - und der ist dann der eigentliche Vorwurf:
,, was hat dich dazu bewogen, Kinder in diese Welt zu setzen...."
Nicht: in die Welt - in diese Welt.... Die Richtung ist eindeutig - der Satz , der so beginnt, geht immer auch unausgesprochen so weiter: in die man doch keine Kinder setzen kann!
Der Satz geht noch weiter: ,, und woher das Vertrauen, dass es eine gute Idee ist?"
Was impliziert: wie konntest du nur! Glauben, dass das eine gute Idee ist?!

Ich habe die letzten zwei Sätze hin- und hergedreht, immer auf der Suche nach einem Ausweg - ich habe keinen gefunden. Wenn wir uns ehrlich über das Thema unterhalten wollen, dann müssen wir doch beide zugeben, dass deine Gedanken in genau diese Richtung gehn.

Nur warum?
Woher diese Wut auf mich? Diese Lust am mich Niedermachen? Am mich Demütigen?

Ich mach erstmal Pause... will ich mich wirklich gerade mit solchen Fragen auseinandersetzen?
Erstmal will ich auf jeden Fall eine Pause.

nachtwind

Und nach der Pause setzt jetzt meine Küchenpsychologie ein. Wen fragst du da wirklich?
Deine geliebte Verwandte?
Ich krieg's einfach nicht auf die Reihe. Wie das gehen soll.
Du liebst sie. Du erhoffst dir von ihr eine Antwort auf eine dich quälende Frage.
Aber das passt einfach nicht zusammen.  Eine Frage mit soviel Wut? Soviel Hass?
Es sei denn, die Frage selbst, die richtest du gar nicht an sie.
An wen denn?
Naja... Küchenpsycholgie halt: an deine Mutter.
Da!
macht die Wut und der Hass dann Sinn.

Da fällt für mich sofort ein riesengroßer Schatten auf dieses Bild, dieses Thema, diese Emotion.
Der Schatten hat einen Namen - Opfer.
Diese Wut und dieser Hass ist Opferwut. Und Opferhass.

Verständlich, wenn man bedenkt, dass der Mensch nirgends so ohn-mächtig, so ohne jede Macht ist, wie in der Situation des Geborenwerdens.
Als Kind auch. Zwar immer einen Hauch weniger ohnmächtig, aber dann eben doch auch immer mehr: geprägt. Von denen, denen man ausgeliefert ist. Die man lieben muss. Ob man will oder nicht. Um aufwachsen zu können.
Und die neben ihren Genen einem auch tiefe Spuren hinterlassen. Prägungen.
Die man ebenso ohnmächtig in sich aufnimmt.

Klar, dass da dann Wut auch sich aufstaut. Unbändige Wut! Die man vielleicht auch gar nicht zeigen darf. Weil dann Schlimmeres droht. Die aber da ist. Und gärt und gärt und überschäumt. Manchmal.
Schnell wieder Deckel drauf! Weil selbst erschrocken! so viel Wucht!
In der gefühlt blinden Macht dieser Gefühle.

Alles nachvollziehbar. Ich denke von jedem Menschen. Jeder, denke ich, hat Einwände gegen das Leben, das er entdeckt führen zu müssen. Hat andre Vorstellungen davon, wie er sein will. Und nicht ist.
Und klar - das sind heftige Gefühle. Die brauchen ein Ventil. Wer eignet sich dafür als bestes? Die Eltern. Klar.

Braucht man jetzt keine Worte drüber verlieren. Ist einfach klar. Selbsterklärend.
Opfer.
Punkt.

Bleibt das so? Auf immer?
Die Gene bleiben doch dieselben, die Prägungen doch auch... bleibt also alles immer so?
Wenn du Opfer bleibst, dann bleibt es auch.
Wenn du Opfer bleibst, dann bleibt das so.
Immer.
Und die Wut bleibt. Und der Hass bleibt. Immer.
Immer in dir drinnen.
Wirst sie nicht los.
Egal was du versuchst.
Wenn du Opfer bleibst, dann bleibt es so.

Muss man Opfer bleiben?
Nein, muss man nicht.
Aber das ist mühsam. Muss man halt auch dementsprechend dringend wollen!
Kein Opfer mehr zu sein.
Sonst bricht man seine Versuche, da auszubrechen, schnell wieder ab.

Was ist das Gegenteil von Opfer?
Verantwortung. Vielleicht.
Für mich schon. Aber es gibt vermutlich einige Antworten auf die Frage. Wir alle leben verschiedene Leben.

Was hilft, um eindringlich zu erstreben, nicht mehr nur ein Opfer zu sein?
Für mich: Verantwortung.
Verantwortung heißt eigentlich: zu jeder Frage, zu jeder Situation eine Antwort zu suchen. Und im besten Fall: auch zu finden.
Verantwortung heißt nicht: das muss man können. Verantwortung ist die Entscheidung: ich will sie übernehmen.

Warum?
Weil es das Gefühl der Selbstwirksamkeit stärkt?
Und Selbstwirksamkeit der Schlüssel ist zum Leben. Dass man sich das überhaupt traut.
Ist jetzt so meine Spur durch diese Fragen.
Es wird ganz andre auch geben. Und: das widerspricht sich dann auch nicht.

Fakt, denke ich, bleibt: es gibt Opfersein -
und es gibt einen Gegenspieler.
Und es bleibt: es ist eine Entscheidung, wenn man das Opfersein versucht zu verlassen.
Man kann auch bleiben.

Hier jetzt Opferwut und Opferhass. Deine.
Gewaltige.
Hat jetzt mal mich erwischt.
Ist nicht schön. Ganz und gar nicht.
Andererseits hast du ja auch mal was sehr Wertvolles gesagt zu mir. Hab ich nicht vergessen.
Jetzt hab ich halt mal deine Wut, deinen Hass abbekommen.
Gleicht sich irgendwie wieder aus. Wären wir wieder auf der Nulllinie angekommen.
Fühlt sich jetzt noch nicht ganz so an. Aber da braucht es vermutlich einfach nur ein bisschen Zeit. Wunden heilen nicht Klack! Wunden brauchen seine Zeit.
Wenn's keine großen Wunden sind, braucht es nix andres als das.
Geht alles von selbst.
Also sind die Chancen groß, dass, wenn du mich einfach ein bisschen in Ruhe lässt , dann im Nu
und ohne jede nötige Aktionen
alles wieder verschwunden und vergessen ist.
Einmal hast du mir gutgetan. Einmal schlecht. Sind wir wieder quitt miteinander.
Also für mich sieht das so aus.
Jetzt fühlt es sich schon fast wie ausgeglichen an.

Ob du das genau so siehst, weiß ich jetzt nicht. Vielleicht ist doch die Wut nicht nur die Wut auf deine Mutter - vielleicht ist da auch was Persönliches mit dabei. Also ich sag mal, über das Maß der Übertragung hinaus.
Wenn du mich jetzt erstmal ein bisschen in Ruhe lässt, kannst du mir deine Rechnung präsentieren. Vielleicht hab auch ich dich ziemlich verletzt?

Sucre

Hui, liebe nachtwind ...

vorneweg ich bin nicht Ponyhofs Fürsprecherin, ich kann nicht für Ponyhof sprechen, das würde sie nicht wollen und ich kann es gar nicht.

Aber was ich sagen kann ist, dass ich ziemlich sicher bin, dass diese Frage nicht als Demütigung gemeint ist.

Auf mich wirkt es eher so, als ob eine Frage offen ist. Eine Frage, die sie ihrer Patentante stellen wollte, aber nicht mehr kann. Nicht um zu demütigen, sondern um zu verstehen. Vielleicht weil die Lebenswege ähnlich sind, vielleicht kann man dann stellvertretend eine Antwort bekommen und verstehen, wo die betreffende Person ja nicht mehr gefragt werden kann.

Mittlerweile wird hier an vier verschiednen Stellen über die Kinderfrage geschrieben. Und jeder aus seiner Sicht, aber niemand als Vorwurf an den anderen. Verschiedene Lebensgeschichten. Alle legitim, aber keiner als Vorwurf oder gar Demütigung.
Und nur wer fragt und erklärt bekommt kann verstehen. Kann den anderen Lebensweg vielleicht verstehen.

Ich für meinen Teil finde die Frage ziemlich spannend. Nein, ich frage nicht dich, ich hatte auch nicht das Bedürfnis, dich zu fragen.
Ich für mich kann sagen in meinem Bekanntenkreis gibt es eine Familie, die 5 Kinder hat.
Eine Familie, bei der mir ziemlich klar ist, dass sie nicht "einfach so" 5 Kinder haben. Und es ist eine gute und liebevolle Familie, mit, soweit ich das beurteilen kann gut und liebevoll erzogenen Kindern. Und ich bin schon ziemlich neugierig, weshalb sie sich für 5 Kinder entschieden haben. Es ist kein Vorwurf oder dergleichen, sondern reine Neugier und Interesse. Interesse an Lebensgeschichten.
Genauso haben wir im Freundeskreis ein kinderloses Paar. Und ich vermute die Entscheidung keine Kinder zu bekommen ist bewußt und gewollt, aufgrund der Lebensgeschichte. Dennoch würde mich auch hier interessieren, weshalb sie keine Kinder habe.
Doch weder die einen noch die anderen würde ich je fragen. Und weder bei den einen, noch bei den anderen wäre es ein Vorwurf oder als Demütigung gemeint.

Ich finde es einfach eine spannende Frage, weil die Antworten so unterschiedlich sind. Weil es nicht die einzig wahre Antwort gibt. Das meine ich ganz allgemein.
Wie gesagt ich kann und möchte nicht für Ponyhof sprechen.

Ich kann nur von meiner Seite her sagen, dass ich Ponyhofs Frage keineswegs als Demütigung an dich lese. Ich von meiner Seite her kann sagen, dass ich Ponyhof, ganz im Gegenteil, so lese, als ob sie dir, und genau dir,  diese Frage stellt, weil sie dich schätzt und aufgrund deines Lebensweges. Und sich wirklich eine Antwort von dir erhofft, damit sie verstehen kann ...
Ich von meiner Seite her kann sagen, dass ich dem ein oder anderen Menschen auch gerne diese Frage stellen würde, ohne Wut, ohne Demütigung. Doch da ich weiß, wie sie ankommen kann ... nie stellen würde.
Ich von meiner Seite kann sagen, dass es auf mich so wirkt, als ob es wirklich auch mit Wertschätzung dir und deiner Meinung gegenüber zu tun hat.
Nicht jede Frage die so klingt ist ein Vorwurf. Manchmal ist eine Frage einfach nur eine Frage.
Und es liegt an dir ob du sie beantworten möchtest oder nicht. Auch das hat Ponyhof deutlich gemacht. Dass auch keine Antwort zu geben absolut legitim ist.


Wie gesagt, mittlerweile wird an 4 Stellen über diese Frage gesprochen und an 3 von diesen Stellen nicht im Hinblick auf dich, sondern im Hinblick auf das jeweilige eignene Leben.

Liebe Nachtwind, teilweise kann ich nachvollziehen was du schreibst ... dennoch würde ich gerne den Arm auf deine Schulter legen und dir einfach sagen, ich glaube so ist es wirklich nicht gemeint. Und es steht dir frei eine Antwort zu geben oder nicht.
Liebe Nachtwind, ich glaube du wirst hier sehr geschätzt. Ich kann für niemanden außer mich sprechen. Und ich betone es nochmals, ich kann auch nicht für Ponyhof sprechen, aber ich kann dir sagen, auf mich wirkt es so, als ob auch Ponyhof dich schätzt, und dies mit ein Grund ist, weshalb sie dir die Frage stellt.

AAAAAber das ist nur mein subjektives Empfinden, ohne Anspruch auf Wahrheit!

Ponyhof

Ach Du liebe Zeit...

Also, ganz ehrlich. Jetzt ist es genug.

Ich entschuldige mich nochmals, Dir mit der Frage zu nahe getreten zu sein @nachtwind, aber das was Du mir da unterstellst, das hab ich schlicht und ergreifend nicht getan.

Ich wollte erst versuchen die ganze Geschichte von besagter nicht-Patentante zu erzählen. Und von deren Tochter, die... 

Aber ganz ehrlich. Ich hab keine Lust mehr. Beantworte mir die Frage nicht, @nachtwind, es war NUR ne Frage. Hätte mich interessiert. Aber ich bin nicht gewillt mich hier seitenweise zu rechtfertigen, nur damit Du mir noch weitere Dinge in den Mund legen kannst, die ich schlichtweg nicht geschrieben habe.

Meinst Du nicht, dass Du eventuell selbst ein klitzekleines bisschen übertreibst?

Also, ich nehme zur Kenntnis, Du bist tief gekränkt. Tut mir leid . Ich denke, es wird das beste sein, wenn ich nicht detailliert antworte. Ich habe nicht das Gefühl, dass es Dir oder mir hilft, wenn ich hier noch weiter auf deine letzten Beiträge eingehe.


Meine Mutter? Die hat damals meine "Warum hast Du Kinder in diese Welt gesetzt?" Frage übrigens mit "Ich mag Kinder. Mochte ich schon immer." beantwortet. Sie habe ich auch sehr geliebt, btw. Aber wenn sie reagiert hätte, wie Du gerade, hätte ich vermutlich "Jetzt komm Mal wieder runter!" geantwortet.


Nichts für ungut und schönen Abend.

nachtwind

Danke Sucre, für deinen Versuch, die Wogen zu glätten. Ds fand ich richtig lieb von dir. Danke.
Danke auch dir Pony, für deine Rückkopplung, wie du unsre Auseinandersetzung siehst.
Und dieses Statement: komm vielleicht einfach mql runter, das hab ich mir selbst immer wieder gesagt. Zwischendrin. Mich selber hinterfragt.
Und dass die Wut nicht deiner Mutter sondern deinem Vater gilt, das freut mich einerseits für dich. Weil ich finde, Mutterbindung ist schon noch ne Ecke entscheidender. Vermute ich nur.
In der Sache tut sich da jetzt nichts, aus meiner Sicht. Außer, dass es jetzt korrekter ist.
Wenn die Küchenpsychologin jetzt sagt: deine Wut auf deinen Vater.

Gedanklich bin ich noch bei Opfer...
was hilft konkret, seine Opferrolle zu hinterfragen?
zB.: so was wie die Vorstellung, es gebe Reinkarnation. Man muss das gar nicht glauben. Es reicht, darüber nachzudenken. Ernsthaft mal.
Was verändert das?
Naja, dass du deine eigne Spur verfolgst. Dass du eigne Themen hast. Und ein dementsprechendes Leben führst. Einen dementsprechenden Lebensentwurf hast.
Damit du genau das lernen kannst. Was dir fehlt.
Wie gesagt, du musst das nicht glauben. Drüber nachdenken, dass es eventuell auch so ist, öffnet ungemein.
Ich persönlich glaube nicht an Reinkarnation im klassischen Sinne. Aber es tut mir total gut, darüber nachzudenken. Egal bei welchem Thema.

Selber Kinder bekommen. Da verlässt man automatisch die Opferrolle in die Täterrolle. Also jetzt nicht im moralischen Sinn Täter. Aber eben Aktiver, Prägender - im Vergleich zum ohnmächtigen Opfer.
Man versteht einfach besser. Dadurch. Vieles.

Wenn man an der Wut in einem selbst, am Hass in einem selbst beginnt zu leiden. Wenn man spürt, wie es einen selbst vergiftet. Einen selbst verletzt. Einem die Perspektive nimmt, ein eignes, selbstverantwortliches Leben zu führen. So Zeugs halt. Das kann einen auch mords motivieren.

Wenn man zufällig an Astrologie ein bisschen interessiert ist.
Das ist ein ungemein öffnender Gedanke. Nur mal so als Möglichkeit.
Da entscheidet die Situation deiner Geburt darüber, wie du was erleben wirst.
Da hast du nix erlebt, aber die Spuren sind schon gelegt.
Nicht, was du draus machst!!!!! Nur, wie du sie erlebst.

Wie gesagt auch hier: Du musst nicht dran glauben. Es reicht, dass du solche Gedanken einfach mal zulässt.
Dass auch sowas möglich sein könnte.
Es gibt sehr viele andre Möglichkeiten, wie unser Leben auch sein könnte.
Als nur die eine. Die wir gewohnt sind, als die einzig wahre anzunehmen.
Opfersein ist nicht zwangsläufig die einzige Antwort auf die Lebensumstände, die man so vorgefunden hat.

Es gibt auch ein Leben
jenseits des Opferseins.
:)

Warum ich die Frage jetzt doch beantworte? Egal wie unterschiedlich wir einiges sehen, glaube ich doch, dass die Frage dir ernst war. Und ist.

Und deshalb versuch ich  trotz allem, was dagegen sprechen könnte, deine eigentliche Frage zu beantworten. Ich geb mir Mühe, zumindest.
Wie seh ich das, wie das so passiert mit Kindern und ihren Eltern. Wie die Eltern zu ihrem Kindern kommen.... Und die Kinder zu ihren Eltern....

nachtwind

Ich denke und erleb es so:
Es gibt Kinder, die werden ersehnt und gerufen. Wunschkinder. Die werden gewollt.
Bevor sie da sind. :)
Dann gibt es Kinder, die werden eingeladen. Also,alles ist gerichtet jetzt im Leben - also wenn da jetzt ein Kind kommen will, dann kann es kommen.
Verhütung wird abgesetzt... eingeladen.
Und dann gibt es Kinder, die kommen einfach. Ohne ersehnt zu sein, eingeladen zu sein. Die kommen einfach. Sind weder eingeladen noch abgelehnt.
Zumindest bewusst. ;)

Ich hab jetzt keine Statistik zur Hand, aber ich schätze, das ist die nicht die kleinste Gruppe.

Ich versteh jetzt den Wunsch, dass das anders sein sollte, dass jedes Kind wohl bedacht sein sollte, bevor es kommt. Das versteh ich. Schließlich geht es hier um ein neues Leben.
Aber ich fürchte, es ist weltfremd. Lebensfremd. Zumindest für einen Anteil aller Kinder. Wie gesagt, für die Vermutung, wie groß nun diese Gruppe ist, habe ich keine Grundlage.
Was ich weiß: klein ist sie nicht.

Sicher, ich kenne den Vorwurf: heutzutage muss kein Kind mehr abgetrieben werden. Man hätte ja verhüten können.
Ich hab mir solche Gedanken abgewöhnt. Sie haben mit dem Leben nicht viel zu tun. Es gibt so mannigfaltige Gründe, warum ein Kind sich einnistet, bevor es die Eltern gefragt hat. Oder eben andersherum, warum Eltern ein Kind bekommen haben, ohne es ausdrücklich gewollt zu haben.
Der Gedanke mit den sozialen Schichten, in denen so was stattfindet, ist nichts als irreführend. So wie sich lange der Gedanke hielt, Gewalt in der Ehe  finde nur in eben diesen Gesellschaftsschichten statt.
Das sind keine guten Gedanken. Aus denen heraus viel Leid zusätzlich entstehen kann. Aus nur Gedanken dazu. Unnötiges Leid.

Wie auch immer: es mag ein hoher Anspruch sein. Dass Kinder von vornherein eingeladen sein sollten. Die Lebenswirklichkeit ist oft anders. Es dreht sich eben nicht immer alles um dieses eine Kind. Ob es nun eingeladen oder vielleicht sogar ersehnt war. Oder eben einfach gekommen ist. Sich eingenistet hat. Und gefragt hat : kann ich jetzt kommen? Passt es?
Es gibt noch eine ganze Menge Leben drumherum. Nicht alles ist planbar im Leben.
Oft ist Leben eben auch das, was passiert, während man eifrig beschäftigt ist damit, das Leben zu planen. Soll John Lennon mal gesagt haben.
Ist was dran.

Und so ist es eben auch mit den Kindern. Es gibt nicht nur weiß oder schwarz.
Es gibt nicht nur die Wahl zwischen ersehnten oder zumindest eingeladenen Kinder auf der einen und klar keine Kinder auf der andren Seite.
Es gibt auch das ganze große wogende Meer an Leben auch
dazwischen.
Und weder schwarz noch weiß noch die ganze Vielfalt dazwischen hat Recht.

Was passiert denn bei so einem Kind, dass weder eingeladen noch strikt abgelehnt wurde? Es kommt halt, also eine Anlage von einem Kind,und nistet sich schon mal ein.
Was jetzt?
Jetzt stellt sich die Frage. Die du gern am Anfang gehabt hättest.  Die sich eben jetzt stellt - nur jetzt stellt sie sich anders.
Nicht mehr Kind in die Welt setzen oder nicht.
Jetzt heißt es wirklich: Leben oder töten?
Da ist ein Unterschied.
Und jetzt ist jede Mutter ganz allein. Wenn sie keinen Rückhalt hat, der sie unterstützt. Und muss entscheiden. Über mehr als sich allein.
Und niemand, niemand sollte über sie urteilen. Egal wie sie sich entscheidet.

Danke, Sucre, dass du vorsichtshalber keine Fragen stellst zu solchen Themen. Obwohl es dich wirklich interessiert. Einfach, weil du weiß, es könnte verletzen. Nirgendwo ist eine Frau so verletzlich wie wenn es um ihre Kinder oder nicht- Kinder geht.
Muss man nicht  rühren dran. Wenn man nicht dazu eingeladen ist.
Das ist respektvoll.
Danke dafür.

Irgendwie habe ich mittlerweile ganz aus dem Blick verloren, auf was die Frage eigentlich gezielt hat.
Insofern hab ich auch völlig den Überblick verloren, ob sie möglicherweise beantwortet ist jetzt. Oder nicht. Aber es scheint ja auch gar nicht mehr so wichtig zu sein.
Dann ist es auch in Ordnung so.
Ich bin müde jetzt. Ich geh jetzt schlafen.
Wie gut, dass ich keine kleinen Kinder mehr hab.
:-)

nachtwind

Eine Korrektur am Anfang: (ich war dann doch müde gestern und hab es nicht mehr durchgelesen, bevor ich es abgeschickt habe):
Braucht man nicht lesen:
[In dem Absatz, der mit ,,Ich hab mir solche Gedanken abgewöhnt." beginnt, steht am Ende ,,warum Eltern ein Kind bekommen haben"... ist mir wichtig, dass genauso zu benennen wie im vorherigen Satz: dass das kein ,,ein Kind bekommen" bedeutet, sondern genauso natürlich ,,dass sich ein Kind einnistet". Also: ,,warum sich bei Eltern ein Kind einnistet, ohne dass das ausdrücklich so gewollt ist."]

Der Einfachheit halber im Ganzen:
Ich hab mir solche Gedanken abgewöhnt. Sie haben mit dem Leben nicht viel zu tun. Es gibt so mannigfaltige Gründe, warum ein Kind sich einnistet, bevor es die Eltern gefragt hat. Oder eben andersherum, warum sich bei Elteprn ein Kind eingenistet hat, ohne dass es ausdrücklich gewollt ist. Oder eingeladen.
...
Was passiert denn bei so einem Kind, dass weder eingeladen noch strikt abgelehnt wurde? Es kommt halt, also eine Anlage von einem Kind, und nistet sich schon mal ein.
Was jetzt?
Jetzt stellt sich die Frage. Die du gern am Anfang gehabt hättest. Die sich eben jetzt stellt - nur jetzt stellt sie sich anders.
Nicht mehr: Kind in die Welt setzen oder nicht.
Jetzt heißt es wirklich: Leben oder töten?
Da ist ein Unterschied.

Ich erinner mich noch deutlich an die Zeit, in der meine Tochter in die Zeit eintrat, in der man sich auch Frauenfragen stellen muss. Rein theoretisch erst einmal. ;)
Da hab ich ihr gesagt: Ich hab dafür gekämpft, dass Frauen abtreiben dürfen - und auch können!  - und ich werd immer dafür kämpfen, wenn es wieder nötig werden sollte!
Und gleichzeitig hab ich zu oft erlebt, dass das auch schmerzvolle Spuren hinterlassen kann. In der Seele einer Frau.
Also tu alles, damit du nicht in diese Situation kommst.
Und wenn doch, dann triff keine leichtfertigen Entscheidungen. Lass uns zusammen überlegen, wie es gehen könnte. Wir werden schon was finden, wie es gehen könnte. Triff die Entscheidung nicht allein.

Wir hatten Glück, alles gut gegangen. :)

An dieser meinen Haltung hab ich nichts geändert. Genauso steht es immer noch.
(Auch meine Bereitschaft, auch meine Lebensplanung noch mal zu ändern. Um es möglich zu machen. Dass es irgendwie geht. Um meinen Enkeltöchtern Rückhalt zu geben. Die beiden Großen werden jetzt bald 16 und 14... sie sind nicht nur meine Enkelkinder und ich ihre Omama. Wir alle sind auch einfach Frauen. Und stehen füreinander ein. Wenn Frauensachen passieren. So gut, wie wir halt können.)

An dieser meinen Haltung hat sich nichts geändert. Aber etwas ist dazugekommen. Im Laufe meines Lebens. Die Erkenntnis, dass wir dem Recht auf Abtreibung auch etwas sehr wertvolles verdanken. Dass kein Kind mehr auf die Welt kommt, ohne dass sich die Mutter oder die Eltern
klar dafür entschieden haben.
Das war ohne die Möglichkeit abzutreiben nicht so.
Da waren all die kleinen ich-kann-mal-ein-Mensch-werden- Zellhaufen, die sich unaufgefordert oder uneingeladen eingenistet haben, Schicksal. Für,die meisten zumindest. Man nahm es an ... oder man ertrug es kaum. Und trug es doch aus. Die meisten.
Die Möglichkeit der Abtreibung stellt jeder Frau die ernste Frage: sagst du ja zu diesem deinen Kind?
Keine kommt ungefragt durch diese Pforte.
Und die Kinder, die geboren werden, sind alle mit einem klaren ,,Ja!" begrüßt. Bevor sie entscheidende Gestalt annehmen.
Das gab es vorher nicht.
Das ist ein Segen. Für die Kinder. Finde ich.
Allein schon deshalb sollten wir immer dafür kämpfen. Dass Frauen dieses Recht bekommen und behalten. Ja zu sagen zu ihrem Kind - oder auch nein.
Nichts davon, keine Entscheidung, ist immer richtig. Und nichts davon ist immer falsch.
Niemand hat das zu beurteilen. Noch nicht mal in Gedanken. Naja, eigentlich.
Ist schon ein bisschen lebensfremd. Natürlich beurteilt man das immer wieder.
Aber wenigstens in Gedanken, hoffe ich. Und dass man schnell wieder zu dem ,niemand hat das zu beurteilen' zurückkehrt. Das hoffe ich auch.
Dann ist schon alles gut.

nachtwind

Ich weiß ja nicht - ich habe die Frage, die all diese Gedanken aufgewirbelt hat, immer noch nicht richtig verstanden. Ich hab mich mal auf meiner Suche danach geeinigt auf:
gibt es eine andre Möglichkeit  als niemals Kinder in diese Welt setzen!
als Antwort auf die Frage: Kinder oder nicht? - mit dem Zusatz wahrscheinlich: wenn man selbst gezeichnet aus seiner eigenen Kindheit herausgegangen ist?
Ich weiß nicht, ob ich so dem Kern der Frage nahe gekommen bin.
Es fällt mir einfach kein anderer Ansatz sonst ein. Der Sinn ergeben würde.

Falls das der eigentlichen Frage nahe kommt, dann ist darauf meine Antwort:
Die Frage ,Kinder oder nicht' ist theoretisch. Erstmal. Der Versuch, das Leben zu ordnen. Im Vorhinein. Zu beantworten. Ihm die eigne Linie einzuzeichnen.
Absolut sinnvoll. Erstmal. Theoretisch.
Für mich keine Frage. Da war nicht ein Gedanke dazu nötig. Das war einfach klar: ich bekomme keine Kinder. Aus anderen Gründen als bei dir.
Es war die Zeit zwischen den Kriegen damals.
Im Rücken noch die alten Nazis an allen Schlüsselstellen, das Grauen noch ungefiltert an der Macht.
Stimmt nicht - gefiltert schon. Durch verordnetes ,,woke-sein".
Deutschland darf nur weiterexistieren, wenn es demokratisch ist. Also schon scheinheilig gefiltert durch ein nur nicht auffallen. Aber in allen wichtigen Entscheidungen musste man sich gewaltig gegen dieses alte Nazigeklüngel stemmen. Um wenigstens das Wichtigste ein bisschen zu retten.

Und vor einem der nächste Krieg. Der Atomkrieg. Mit klar definiertem Schlachtfeld schon: Deutschland.  Das Land an der Grenze. Zwischen den beiden Blöcken.
Selbst die Amis würden uns im Falle eines Krieges bombardieren. Um eine zerstörte Zone zu erreichen. Durch die die Armee der Sowjetunion dann nicht mehr weiter vorrücken kann. Alles war ausgesprochen.
Hinter einem das bleierne Grauen.. vor einem das blendendgrelle Feuergrauen...
Kinder? Ach du lieber Gott!!! Jeder Gedanke daran nichts als vergeudete Energie.
Wie  gesagt: noch nicht mal einen Gedanken hab ich daran verschwendet - es war einfach klar: Ich bekomme kein Kind.
Noch nicht mal:  ich will kein Kind in die Welt setzen.
Einzig eine glasklare Sicherheit: ich bekomme kein Kind.

Dahinter noch ein Fundament dazu: ich kann keinerlei Verantwortung übernehmen. So ohne jeden Bodenkontakt - ich stehe nicht im Leben. Überhaupt nicht.
Wie sollte ich für jemand andres sorgen? Wenn ich noch nicht mal für mich selber sorgen kann.

Und ein letztes noch, aber das musste ich noch nicht mal denken - so deutlich war die Klarheit schon längst! ...nur der Ordnung halber erwähnt: Ich hatte wenig Kontakt zu mir selbst. Und zur Wirklichkeit. Aber ich wusste: Irgendetwas stimmt nicht mit mir. Anders ausgedrückt und damit näher an der Wahrheit: es gab eigentlich nichts, was stimmte an mir. Ich war vermutlich gar kein Mensch. Nur jemand, der so tat, als sei er einer... und immer von der großen Furcht getrieben: bald
fällt es jemanden auf!
Dann
bin ich erledigt.

So weit das theoretische.
Wenn dann das Leben andre Pläne hat
oder andre Wege sucht,
oder noch mal ganz anders betrachtet der Zufall das Höchstunwahrscheinliche durch eine unglaubliche Laune möglich macht ...
oder wie immer man das einordnen und benennen mag - wenn sich ein Zellhäufchen einnistet und dich fragt: also,ich wär jetzt da, ich bin bereit - was sagst jetzt du dazu? - dann
stellt sich genau diese eine Frage
jetzt nicht mehr theoretisch.
Dann stellt sie sich wirklich. Voller Leben! Voller Wirklichkeit. Ganz ungeschminkt.
Das ist dann
ein gewaltiger Unterschied. Zur Theorie.
Da kannst du dich nicht mehr verstecken.
Da schaut das Leben dich ernst an. Und fragt dich seine Frage.
Da ist das keine Theorie mehr.
Das ist dann schon die praktische Prüfung.
Was ist jetzt
deine Antwort darauf?

Ist das jetzt eine Antwort auf deine Frage?
Solang du die Möglichkeit hast, theoretische Antworten geben zu können, ist es einfach, Klarheit zu halten. Es findet ja im Denkbereich statt. Keine Kinder zu bekommen ist einfach. Wenn du genügend Argumente hast dafür.
Wenn du dort nach einer Antwort suchst, ob dich etwas umstimmen könnte, bist du schnell durch. Ich wüsste nicht was das sein könnte. So wie scheinbar du auch.

Was aber geschieht, wenn du die freie Wahl hast - aber ein schon eingenistetes Versprechen in dir: wenn du mich lässt, dann werde ich ein Mensch... ?
Dann ist die große Frage: beantwortest du die Frage weiter theoretisch?
Dann ist alles klar.
Oder fasst dich das Leben an?

Die Fürsorge an?
Die Verantwortung an?
Die Liebe an?

Es gibt, glaub ich, nur eins, was dich umstimmen kann in deiner Haltung:
wenn das Leben dich anfasst.
Wenn du die Theorie verlässt und dich anfassen lässt
vom lebendigen Leben.

Du hast die freie Wahl - beides ist möglich. Nicht nur theoretisch. Konkret.
Wofür du dich entscheidest, weißt du nur, wenn es so weit ist.
Das kannst du nicht vorher sehen, vorausdenken, planen, wissen.
Das weißt du nur, wenn du dich vom Leben anfassen lässt.

Aber eben da
kann sich etwas zeigen, was dich dazu bringt, dich noch mal anders zu entscheiden.
Muss es nicht.
Aber kann.

In der Theorie nicht.
Und auch nicht: theoretisch zu erkennen.
Du musst dich schon anfassen lassen von dem Leben -
da kann es dann sein, dass es da etwas gibt,
das größer ist als alle Gedanken.

Falls das jetzt überhaupt deine Frage ist, nützt dir die Antwort vermutlich erstmal nix. Weil du nie wissen wirst, wie du dich entschieden hättest.
Und du so zumindest eine Ahnung davon hättest, was jemanden mit ähnlicher theoretischen Grundhaltung doch dazu bringen kann, sich für das Leben zu entscheiden.
Trotz alledem.

Die gute Nachricht ist: man braucht dafür keine Kinder zu bekommen.
Um das zu erfahren. Zu erleben. Zu begreifen.
Dass da etwas ist, das größer ist als alle Gedanken.
Machtvoller ist als all dein winziger Menschenwille.
Bedeutender ist als alles, was du kennst.

Man braucht dafür keine Kinder zu bekommen. Noch
vor überhaupt dieser Frage zu stehen.
Das Leben fasst einen immer wieder an.
Man bemerkt es nur oft kaum. Weil man so beschäftigt ist damit, das zu leben, was man für ein wichtiges Leben hält.
Wenn man das ein paar Mal erlebt hat, erkennt man es ein bisschen leichter wieder.
Und wird schneller still.
Und lässt es geschehen.

Dafür braucht man keine Kinder.
Gott sei Dank!!

hey :-)


nachtwind

Dann ist es plötzlich vorbei mit dem Frieden. Erst merk ich es nicht. Es fängt ganz harmlos an.
Eine vornehme Dame erscheint, in Zivil, hat ein obligatorisches tablet in der Hand und befragt mich. Kenn ich ja schon. Das ist hier so Sitte. In diesem sehr eignen Land. Krankenhausland.
Aber dann wird es mühsam.
Es geht um's Essen. Ist ja jetzt nicht so, dass ich mir dazu keine Gedanken gemacht hätte. Im Vorfeld. Aber hilfreich war das trotzdem nicht.
Was ich denn essen will diese Woche. Sie legt mir einen Speiseplan vor.
Ich sehe, was ich vermutet habe. Nix für mich. Ich sag: nix - ich komm schon zurecht, hab mir was mitgebracht. Am Morgen ein Stück Obst, und am Abend einen Salat.  Beides aus der Teeküche. Wird doch angeboten. Frühstück und Abendessen. Das reicht mir.
Ja... das geht jetzt so gar nicht! Sie ist leicht empört. Lässt sich aber kaum was anmerken.
Als ich ihr später noch mal auf dem Flur begegne und ihr gedankenversunken nachschau, denk ich plötzlich, dass sie bestimmt mal ein gehobenes Restaurant als Servicekraft geleitet hat. Sie hat so was.
Auf jeden Fall komm ich nicht durch mit meinem Plan. So geht das hier nicht. Ich muss mir was aussuchen aus dem Plan. Schließlich hatte ich eine schwere Op und muss jetzt versorgt werden. Und das will sie jetzt in die Wege leiten.
Ausnahme? Höflich völlig ausgeschlossen! Entschieden!
Ich versuch es noch einmal mit der Teeküche. Ich finde die Idee immer noch super. Aber irgendwas versteh ich scheinbar total falsch. Ist das Speiseangebot in der Teeküche nicht für alle Patienten? Vielleicht nur für Privatpatienten?
Ich rudere zurück. Erkläre, dass ich mich vegan ernähre. Wenn ich da jetzt was bestelle, dann muss ich das ungegessen zurückschicken - das ist doch Nahrungsverschwendung?! Vorhersehbare. Das will ich doch nicht.
Auch das beeindruckt die vornehme Dame nicht. Ich glaube, sie hält mich für eine verwirrte Alte. Der man auf den rechten Weg helfen muss. Und darin ist sie eisern.
Höflich. Gnadenlos höflich.
Wir kommen nicht zu Streich.
Ich fühl mich immer mehr als Störenfried. Einer funktionierenden Ordnung. Bis ich dann kam. Will raus aus dem Ganzen.
Irgendwann rückt sie raus damit, dass es auch ein Angebot vegan gibt. Sie sagt es so ungern, dass ich sofort verstehe, dass das keine erwünschte Wahl ist.
Und ich denke an unsre Küche in der Klinik - die richtig gut war. Aber sich höllisch schwer tat damit, vegetarische Mahlzeiten anzubieten. Am Anfang.  Vor zwanzig Jahren. Ich seh immer noch so einen Teller mit dicker Polenta, nur mit Käse überbacken... die Teller waren alle fast unangerührt. Nur Probiererhäpple - und dann retour.
Was das für ein veganes Angebot ist, hat sie nicht auf ihrem Plan. Aber wir haben hier doch so nette Angebote für Vegetarier ... und sehen Sie hier: hier gibt es doch Möhrchen als Beilage - die können Sie doch dann essen...
Ihre Geduld nimmt fühlbar ab. Und ich kapituliere. Alles - nur raus aus dieser Situation.
Ich nicke alles ab, sie wird immer zufriedener - irgendwann ist das Gottseidank vorbei... ein ungutes Gefühl bleibt.
Aber darauf kann ich jetzt nicht weiter eingehen, zwei Ärztinnen kommen zur Visite in's Zimmer...
Verschwunden ist dieses Gefühl dadurch nicht. Bei jeder Mahlzeit taucht es wieder auf. Und macht mich unglücklich. Kurz.

nachtwind

Zuerst gehen sie zu der Patientin mir gegenüber, die flinke ältere Frau mit dem wehenden Patientenkittel. Und bleiben über die Viste hinaus bei ihr, hören ihr zu, geben passende Kommentare dazu - die Patientin blüht förmlich auf.
Ich schaue und höre fasziniert zu - so was kenn ich jetzt nicht. Ich erinnere mich an eine Ärztin in der Klinik, die sich auch so Zeit nahm, menschliche Zeit nahm. Eigenartiger Weise war sie fachlich die beste bei uns. Und gleichzeitig immer nachdenklich fragend dabei. Es reichte ihr nicht, dass sie die Situation einschätzen und helfen konnte.
Warum der Notfall jetzt eingetreten war - oder auch manchmal warum ihr Eingriff jetzt so eine wohltuende Reaktion hervorgerufen hatte, das beschäftigte sie hinterher  oft. Was ich nur deshalb weiß, weil sie offen war... offen für Fragen hinterher... auch von einer medizinisch nicht ausgebildeter Hilfskraft. Wie ich es eine war.
Wirklich offen!!
Ich war immer erleichtert, wenn ich auf die Frage, wer unser AvD diese Nacht ist, ihren Namen hörte. Die Patienten sind in guten Händen. Diese Nacht. Wenn was sein sollte. Sehr gut!

Als die zwei jungen Ärztinnen sich zu mir wenden, lachend, weil mit der Patientin noch verbunden, da rutscht mir ein ,,Gott, sind Sie süß!" heraus.
Sofort flammt ein ,,Himmel, was tust du hier?!" auf - aber noch steh ich scheinbar unter dem Einfluss der Narkosedrogen. Impulskontrolle eindrucksvoll senkend. Und so blitzschnell, wie es aufgetaucht ist, sinkt der innere Einwand in die Grube ,,voll egal" - und bleibt da auch.
Und ich? Wiederhol das sogar noch mal.
Weil ich von diesem Gefühl gerade durchschwemmt werde. Nichts bedeutsames - aber durch und durch. Diese Drogen...!
Erst stolpern sie eine Zehntelsekunde lang ... aber ein Blick auf mich reicht ihnen, um zu verstehen: ,, die meint das wirklich so!".
Und so lächeln wir uns an, bevor wir miteinander zu tun haben. Auch mal nett.

Eine von beiden ist eine Spur ernsthafter, auch: konzentrierter - die andre schwimmt eher ein bisschen kindlich in den Emotionen mit. Ich nehme an, sie ist die Azubine. Und die eine ihre Anleiterin.
Macht sie aber gut. Hält sich zurück. Greift nur manchmal ein. Dann auch wirklich klärend.
Ich mag sie.

Also: Op soweit gut verlaufen, alles weibliche in mir herausgeschnitten. Tumor auch, vollständig. Vier Lymphknoten auch. Zwei auf jeder Seite. Einer mit sichtbarer Metastase. Die andren werden noch daraufhin untersucht. Genaueres folgt.
Ok. Klingt ja erstmal den Umständen entsprechend doch gut, oder? Ja schon... die 4 Lymphknoten machen mir schon Sorge. Ob das gut geht?
Und: ob das jetzt wirklich nötig war?
Egal, erstmal weiter: Was ist mit dem Katheter? Kann der jetzt gezogen werden?
Nein. Bei der Op wurden Nerven an der Blase und noch was) durchtrennt - der Katheter muss eine Woche bleiben, damit die Blase die Chance bekommt das zu heilen. Genaueres sieht man dann.
Nerven durchtrennt? Was für Nerven denn?! Und was noch mal auch noch?
Und vor allem: was bedeutet das jetzt? Droht mir jetzt Inkontinenz?

Da sind die zwei schon auf dem Weg zu meiner Nachbarin neben mir.
Die Narkosedrogen zeigen eine neue Nebenwirkung - die Zeit in mir
und die Zeit um mich herum
stimmen nicht überein.
Meine Uhr geht deutlich langsamer. Als die im Leben. Um mich herum.

Es gelingt mir nur, die letzte all der Fragen in ihren Rücken zu stellen. Durchaus freundlich die Antwort, genauso freundlich auch noch mal das Umdrehen: ,,das wird man dann sehen." Ich nicke in demselben move, lächelnd. Was für eine dusselige Frage!
Natürlich machen wir uns erst dann einen Kopf. Das ist energieschonend. Und ressourcenschonend. Ressource Zuversicht.
Ich bin d'accord.

Also eine ganze Woche Katheter.... wieviel Katheterbeutel ich schon so geleert hab in meinem Leben? Viele... hunderte, tausende... ich überschlag mal vorsichtig: mehr als sechzigtausend Mal bestimmt. Krass: wenn ich für jedes Leeren fünfzig Cent bekommen hätt, dann hätt ich jetzt 30 000 Euro! Wie cool wär das denn!! Das wär so cool!
Wie oft in der Zeit in der Klinik hab ich mit Grausen gedacht: so einen Beutel willst du nie haben! Nie! Manche Patientinnen haben so geklagt darüber. Andre tapfer gelächelt. Manchen hat es garnichts ausgemacht. Je nachdem vermutlich, wo genau er liegt.
Komischerweise habe ich nie damit gerechnet, dass ich dann zu der letzten Gruppe gehören könnte. Gehör ich aber.
Die ersten Male aufsetzen hab ich das innig gefeiert! Dass da nichts stört. Drückt. Wehtut.
Wie das immer so ist, mit zunehmender Dauer sinkt die Freu!bereitschaft.
An Schmerzen gewöhnt man sich schwer - an keine Schmerzen atemberaubend schnell.
Jetzt aber feier ich noch einmal tief und anhaltend! Meinen Körper.
Eine Woche quälendes Unwohlsein - diesen Kelch hat er an mir vorbeigehen lassen! So was von locker! Mein Körper halt!
Immer eine Feier wert!

nachtwind

Ein Gedanke noch zum Krankenhaus-Essen: ich glaube, wir müssen uns verabschieden von dem eher kindlichen Gedanken, dass Krankenhaus eine Rundum- Versorgung leisten kann. Kann es schon. Aber bezahlen will es dann auch keiner. Noch höhere Krankenkassenbeiträge? Will keiner. Mehr Lohn für Pflegende? Wollen viele. Passt eben nicht zusammen. Irgendwo muss gespart werden. Bloß wo?
Ich denke, bei unseren Ansprüchen!

Wir müssen begreifen, dass das Krankenhaus dafür sorgt, dass keiner verhungern muss, der keine Freunde oder Angehörigen hat.
Aber dass das dann eher in Mangelernährung rutscht, muss jedem klar sein.

Hab einen Beitrag gesehen darüber. Was einen eben alles so interessiert, wenn man selber was in diese Richtung erlebt hat.
Da ging es um Ältere. Die in's Krankenhaus müssen. Was mit denen dann passiert. Egal, weswegen sie dort sind. Sie liegen. Zumindest viel. Minimale Bewegung = Muskelabbau. Ältere sollten sich eh schon proteinreich ernähren. Plus auf Vitamine und Mineralstoffe achten. Um eben dem ohnehin zunehmenden Muskelschwund entgegenzuarbeiten. Muskelschwund => immer weiter eingeschränkte Selbstständigkeit.
Eine Woche liegen und gleichzeitig Krankenhauskost bedeutet bis zu 10% der Muskelmasse verloren. Sagt der Beitrag. (Zum Teil sogar irreparabel. Weiß nicht mehr warum.) Jetzt liegen Ältere aber eben oft länger als eine Woche. Da wird's dann schon richtig kritisch.
So weit so bekannt. Gute Ernährung immer wichtig - in der Kindheit und im Alter besonders. Kann aber ein Krankenhaus aus ihrem Budget nicht einfach so leisten. Und mehr bezahlen will ja auch keiner. So bleibt es eben bei der Ernährung keiner-muss-hungern. Und das ist ja schon viel!! Sooo viel!!! Wieviele Länder beneiden uns darum!
In der Sendung wurde auch der Klinikchef dazu befragt. Gab die ehrliche Antwort: ja schon Mangelernährung - aber wir bemühen uns ja sehr darum, dass die Belegdauer durchschnittlich nur eine Woche  beträgt - und eine Woche schlechte Ernährung richten noch keinen (irreparablen?)Schaden an. Auf die Nachfrage: ,,und über eine Woche Aufenthalt?" konnte er nur verlegen lachen: ,, Ja, dann schon".
Früher war es üblich, dass man zu einem Krankenhausbesuch Obst mitbrachte. War Sitte so. Blumen und Schoko für die Seele - Obst für den Körper. Da müssen wir wieder hin. Dass es normal ist, für den zu sorgen. Der da krank daniederliegt. Dass man ihm Gesundes zu essen mitbringt. Damit er wieder auf die Beine kommt.
Denn das
kann ein Krankenhaus nicht leisten. Wenn wir nicht mehr zahlen wollen.

 Bei uns in der Klinik gaben sich türkische Angehörige die Klinke in die Hand. Mit für sie gewohntem Essen. Immer. Verlässlich. Zum Haare waschen. Duschen. Nägel schneiden. All so'n Kram.
Das war mitunter nervig. Für den Mitbewohner im Zimmer. Ganz schön laut oft. Und ganz schön viel Raum einnehmend. All die Essensschüsselchens und Gedönse. Kein Platz dann mehr für das Wundtablett. Oder Ähnliches. Das man aber in Bettnähe braucht. Um ordentlich zu arbeiten.
Musste man dann zuerst mal schichten. War jetzt auch nicht immer beliebt. Grad wenn nebendran im Flur die Klingeln um die Wette leuchten. Und jeder
sofort!
drankommen will.

Muss ja jetzt nicht solche Ausmaße annehmen. Aber dass es wieder normal wird. Dass man sich selbst Gedanken macht. Über die Ernährung des Kranken.  Und ihn nicht einfach im Krankenhaus abliefert. So - jetzt hab ich nichts mehr mit zu tun. Doch - hast du.
Nicht schimpfen über das Krankenhausessen. Selbst dafür sorgen. Für das Grundbedürfnis wird ja gesorgt. Das ist doch toll! Und entlastet enorm.
Aber für eine gute Ernährung, dafür müssen wir schon selbst sorgen. Ist ja auch nicht schwer. Müssen es nur tun.
Das ist mir ein Anliegen. Statt Blumen lieber Obst. Oder einen leckeren Salat. Irgendetwas Kleines, Feines. Nahrhaftes halt. Ein Immunbooster. Was er/sie auch mag. Ein eiweißreicher Smoothie, frisch zubereitet. Ein Schälchen Nachtisch, Quark mit Sandorn und Leinsamen geschichtet... es gibt so viele Kleinigkeiten, die gut schmecken. Und ein richtig kräftiger Immunbooster sind.
Allein das gut schmecken kann schon die Lebensgeister wieder wecken.
Wenn man nicht was mit spucken hat, weswegen man da ist.
Dann vielleicht lieber was, was gut riecht. ;)