Ein Schritt

Begonnen von nachtwind, 10 Mai 2025, 23:35:46

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nachtwind

Jetzt hat's geklappt!
Danke ina!!!
Mit dir an seiner Seite hat man gute Karten, dass es klappt!
Schon besonders...

nachtwind

Das kommt jetzt ganz überraschend: ,,Frau nachtwind, Sie müssen jetzt gehen."
Ich bin verwirrt. ,,Ich hab doch noch um 12 den CT-Termin?" ,,Sie können vor dem Stationszimmer in der Wartesitzgruppe warten - oder im Buffetraum..."
Jetzt bin ich erleichtert. Da zu warten geht. Tisch und Stuhl, kann ich mir nen Tee kochen - und es ist ein eigener Raum für sich ... das geht. Das geht gut.
Ich pack mein Köfferchen, dauert ja nu nicht lang, kuck mich noch mal um. War jetzt schon ein bisschen plötzlich. Aber ich hätt's mir denken können.
Ist wie im Hotel - eine Übernachtung endet um 11 Uhr. Nicht, dass ich in Hotels übernachte - aber man hört das ja immer.
Also ein letzter Blick - nix vergessen? - und dann  verlass ich meinen Raum. Mein Bett - das war mein Raum. Er war mir ein guter Raum. Dankschön dafür.
Und jetzt noch verabschieden und dann war's das wieder.... oha! Wie verabschiede ich mich jetzt bei Frau niemand-kann-mir-helfen? Was sag ich ihr zum Abschied? Am ersten Tag hat sie mir einiges erzählt, heute hat sie sich nur einmal an mich gewandt... in ihrer Verzweiflung. Wegen der Schmerzmedis. Das alle-drei-Stunden-Desaster lief ja währenddessen immer weiter. Und immer gleich hoffnungslos."Verstehen Sie...?!" hat sie in ihrer ganzen Qual gesagt, und ich hab auf vollem Herzen ja! gesagt. Mehr hatten wir zwei beide nicht miteinander geteilt heute.... Ich kann ihr ja wünschen, dass ein Schmerzmediziner ganz bald kommt und für sie eine gute Lösung findet für ihre Schmerzen - aber eigentlich wünsch ich ihr was andres. Dass Ruhe in sie reinkommt....  dass sie irgendeinen Frieden finden kann, ihren Frieden... dass das möglich wird, das wünsch ich ihr so. Aber wie sag ich das?! ,,frohes Frieden finden, liebe Frau niemand-kann-mir-helfen!" ?? Das hätt ich mir jetzt mal früher überlegen sollen! Jetzt steh ich vor ihr und muss jetzt auch was sagen.
Ich entscheide mich für den Abschiedsgruß, der immer passt auf einer Station:
,,Alles Gute Ihnen, alles,alles Gute!" - und da rein kann man dann all seine Emotionen, Wünsche packen, die man gerade hat. Für denjenigen.
In meinem ersten Jahr, im Tagdienst, da habe ich das gelernt. Das Abschied nehmen. In einer Rehaklinik bleiben die Patienten länger, 3,4,6,8 Wochen oder auch länger. Je nach dem, wie die Krankenkassen bezahlen. Und der Patient auch Fortschritte macht. Da bekommt man schon auch mal das eine oder andere mit von einem Patienten. Und seinem Lebensweg. Da hab ich schon das eine oder andere Mal dem Patienten nachgeschaut, wenn er uns verließ - und ganz manchmal auch noch, wenn er oder sie schon um die Ecke war...
Lange geht nicht. Es wuselt zu sehr. Auf Station. Aber auch das war manchmal hilfreich.
Also sag ich mein ,,alles,alles Gute Ihnen!" - und mein es auch so. Und pack da alles rein, was ich grad so fühl, wenn ich sie anschau. Ach Mensch, ein bisschen Frieden nur, wenn sie nur ein bisschen Frieden finden kann - ich wünsch es ihr so. Und weiß: soo lange Zeit hat sie nicht mehr, ihn zu finden....
Sie wünscht es mir auch, und da werd ich wieder ein bisschen flapsig positiv:,,Wird schon!" Aber im gleichen Augenblick seh ich sie - sie hatte die gleiche Diagnose. Ich spür förmlich, wie sich mein Gesicht sofort eintrübt.... ,,Wird schon" kann sehr gut so enden wie bei ihr. Ich sag nix, mach nur eine Bewegung zu ihr hin, hilflos... sie versteht. Sofort. Und in ihrer ganzen Angespanntheit, ihrem ganzen Leiden
tröstet sie mich.
,,Nur bei 20% endet es so", sagt sie.
Ich würd jetzt wirklich gerne erzählen, dass sie gelächelt hat. Oder freundlich geschaut hat. Aber ich kann es nicht. Sie kommt nicht an gegen diese dicke Schwere, die um ihr ist. Und ihr die Luft zum Atmen nimmt. Und jede Bewegung mit Beton belegt. Auch innerlich, denke ich kurz.
Aber sie hat mich in all ihrem Elend doch verstanden, auch ohne Worte. Und sie hat mich getröstet. In all ihrer Not.
Da steigt eine Welle in mir auf, eine so warme, ganz warme, ganz arg warme....
und genau so schau ich sie einfach an. Und sehe, auch das nimmt sie wahr. Und wieder: auch ohne Worte.
Es kommt an. Bei ihr.
Und so ist zu guter Letzt doch Nähe möglich geworden.
Für einen kurzen Moment.

Ich geh dann ganz schnell. Jetzt nur kein Wort mehr oder so. Es war schon sehr sehr warm. Nur nicht stören jetzt, das soll so lang wie nur irgend möglich wärmen...
Und ist es jetzt grad wieder. Beim Schreiben.
Wo immer Sie grad sind - ich wünsch Ihnen alles, alles Gute! Alles alles Gute!
Und dass Ihnen dann doch
jemand helfen konnte. Wirklich helfen. Das wünsch ich Ihnen. Egal, wo sie jetzt sind.

Unsre neue Mitbewohnerin ist ja noch unterwegs, mit ihren Krücken, und bekommt einen Crashkurs in Sachen was darf man auf keinen Fall machen; was kann man wie machen; worauf muss man auch noch achten, und wie lange...
Sie hat was am Knie. Und ist noch nie mit Krücken gegangen. Sie verstehen sich gut, sie und die Kglerin. Ab und zu kommen sie ja an einem vorbei. Beim Üben.
Sie sieht wirklich wiederbelebt aus. Es tut ihr so gut.
Und mir dadurch auch. Ich mach's mir in der Teeküche gemütlich, koch mir nen Tee und hol meine Schreibsachen raus. Es ist alles so viel... so viel geschieht. Gleichzeitig, kommt's mir irgendwie vor. Weil's so viel ist. Was sich da staut.
Wie gut, dass ich jetzt noch warten muss... Ruhe ... zum Durchschnaufen...
Ruhe kann so fürsorglich sein.
Wäre sie ein Mensch, ich tät sie jetzt umarmen.



nachtwind

Für ne kurze Umarmung hätt's grad so gereicht.
Nach und nach trudeln auch all die andren Rausgeschmissenen hier ein. Und es wird lustig. Alle, bis auf ich, werden ja nach Haus entlassen, nach einer eignen Zeit. Klar, ist die Stimmung gut! Fast wie vor ner Heimfahrt von nem Schulausflug, denk ich für mich. Fröhliches Gewusel. Alle warten darauf, abgeholt zu werden. Quicklebendiges Geflachse untereinander immer wieder. Die meisten kennen sich. Längerer Aufenthalt, denke ich. Zwei haben große Herzkissen dabei. Sehen sehr ähnlich aus. Die Damen vom Altenwerk nähen sie - und ab und an kommt eine von ihnen und verteilt sie. Unter den Brustpatientinnen, erfahre ich. Ich ahne - zum Lagern. Und bin gerührt. Sie sehen wirklich passend praktisch aus. Wie schön.
Andre häkeln die wunderschönen bunten Mützchen. Wie ich später mal erfahre, auch sie ganz praktisch gebraucht, nicht nur schön. Es soll sehr kalt werden, wenn die Haare ausfallen, jede Bewegung, jedes bisschen Zugluft soll anfangs sehr unangenehm sein. Wusste ich auch nicht. Ich dachte, sie sind für schön.
Schön sind sie ja trotzdem noch. Sehr schön.
Es bewegt mich. Da sind draußen Menschen, die sagen: komm, wir machen was für die, die's schwer haben grad. Und wie's dann so meistens ist, jemand kennt jemanden, der kennt jemand und der weiß dann eben, dass in den Krankenhäusern genau so was gebraucht werden würde, wenn es das gäb.
Und so bildet sich ne Gruppe, und die treffen sich und nähen und häkeln zusammen und tun das, was sie gerne machen. Und gut können. Andre wieder
spenden Stoff und Wolle oder sammeln diese Spenden ein. Und allen geht es gut dabei. Und die, denen es grad nicht so gut gehen, bekommen ein Geschenk. Einfach so. Weil es ihnen nicht so gut geht. Punkt. Und hilfreich, richtig hilfreich ist es dann auch noch, das Geschenk.
Das Leben kann so einfach sein!
Und ist das glatte Gegenteil von alles zerstören einfach so. Weil man es kann.
Das kriegen wir Menschen eben auch gut hin - dieses glatte Gegenteil.
Und macht keinen Krach und kein Gedöns, hinterlässt nicht verbrannte Erde für Jahrzehnte, zerreibt und zermalmt keine Seelen, keine großen nicht und keine kleinen... tut einfach nur gut. Ohne jeden Nutzen dahinter. Tut einfach nur gut. Denen, die zum Sterben gehen. Und denen, die sich wieder in's Leben drehen, ganz egal. Tut einfach nur gut.
Auch das können wir Menschen.
Das vergesse ich manchmal, wenn mich der große Kummer packt.

Als ich jung war, hab ich mich verzweifelt gefragt: wenn man in einem Land lebt, und man sieht, hier geschieht Mord und Totschlag, Folter und Unterdrückung - und ich kann nicht tun dagegen - bleibt immer noch ein Ausweg...: dann geh ich ins Exil. Wo aber kann man hin, wenn es kein Land ist - sondern die Menschheit?
Wohin kann ich dann
in ein Exil?

Und so denke ich über den großen Kummer nach. Und über meine Suche nach Erlösung. Kurz flackert Hoffnung auf .... Aber ehrlich:
KZ vs nähende und häkelnde Damen ???
Ich schäme mich sofort.

Aber es bleibt etwas hängen.... Ich sollte da noch mal genauer hinschauen. Irgendwas ist da. Keine Erlösung. Kein vs. Aber irgendwas ist da.
Ich hab nicht mehr unbegrenzte Zeit. Mich um meine wirklich Großen Kummers zu kümmern.
Alles, was man nicht selber lösen kann, das müssen dann die Nachkommen übernehmen, heißt es. Ich kann mir das vorstellen. Dass es so ist.
Ist natürlich dann ein richtig wichtiger Punkt auf der Bucket List:
Kümmer dich um deine großen Schmerzen und Verzweiflungen.... hinterlass das mal besser nicht deinen Lieben!
Bring Frieden rein!
Trägst es doch dein Leben lang schon in dir.... finde eine Antwort!
Auch wenn es keine Frage gibt.

Gut, jetzt KZ und Frieden reinbringen ist jetzt nicht wirklich eine leichte Aufgabe.
Es ist keine Schande, sein Leben lang drunter zu leiden.
Wann immer es aufploppt. Und das tut es ja oft.
In der letzten Zeit so quälend quälend hart ...
geht gar nicht, das auszuhalten.
Dass da die Nachkommen derer, die das Leben mussten, jetzt selber genau das wieder neu in die Welt schleudern. Und sich gut fühlen dabei.
Es ist nicht auszuhalten.
Wie soll man das
wie
 

So einen Abstieg in tiefere Regionen hab ich währenddessen natürlich nicht unternommen. Das seh ich ja erst jetzt, beim Schreiben. Währenddessen war ganz andres angesagt.
Da waren wir paar Frauen, mit Herzkissen oder ohne, jede mit ihrem eignen Schicksal, jede die versucht hat, auf den Beinen zu bleiben, auch in schwereren Zeiten, jede, die sich jetzt so freut, nach Haus zu kommen, jede, die ihre Fröhlichkeit darüber mit den andren teilt, indem sie witzelt oder lacht oder zumindest das Lachen der andren nicht stört mit demonstrativem Schweigen... da waren wir jüngere und ältere Frauen und feiern das Leben so vor uns hin. Und mittendrin da im Getümmel ich,
und ich gehöre dazu.
Das war schon schön.

Also gut: erstens waren es nicht viele. 5 oder sechs.
Und zweitens war's ja jetzt kein Kaffeekränzchen. Das
könnt ich immer noch nicht.
Was uns verbunden hat, war ja nun unsre gemeinsame Begegnung mit einer potentiell tödlichen Krankheit. Jede ganz für sich allein. Aber jetzt eben mal kurz vereint. In der Freude, nach Haus zu dürfen. Dass es ein zu Hause noch gibt. Für uns.
Auch bei mir. Auch wenn ich keine Op überstanden hab. Noch nicht. Das Thema ist ja nicht weg. Nur weil man nicht dran denkt, grad. Das Thema sendet pausenlos Signale. Kleine, nicht störende, leicht zu überhörende... aber dafür permanent. Das reicht schon. Um alle Kräfte zu mobilisieren: kuck, dass du auf den Beinen bleibst! Wenn du jetzt einknickst, dann hilft dir lange nix mehr weiter!
Ich denke, es ging uns allen so. Jeder auf ihre eigne Weise so. Und jetzt war eben klar: keine von uns ist eingeknickt. Bis jetzt.
Das ist natürlich ein Grund uns mal kurz zu feiern.
Und da war es dann auch für mich ziemlich einfach möglich:
dazuzugehören.

Auch unsre Mitbewohnerin hatte sich nach ihrer Kg zu uns gesellt. Sie war wie ausgewechselt. Und zeigt gleich mal fast übermütig, wie gut sie mit den Krücken umgehen kann. Ich denke an die eher mühseligen Bemühungen im Zimmer am Anfang und freu mich. Das Üben hat's gebracht! Da sagt eine der Frauen: ,,o! Das ist mein Mann!" Wir kucken sie an. ,,Ich hab seine Stimme gehört - das ist mein Mann!", und wir freuen uns mit ihr. Aber es tut sich nix.
Nach ner Weile frag ich: ,,Soll ich mal kucken?" in die zunehmende Ratlosigkeit hinein. Ja, soll ich. Ich geh also zur Tür und seh in der Ferne gegenüber dem Stationszimmer einen Mann stehen. Ein wenig orientierungslos.
Natürlich - unsre Station halt. Hätt ich mir ja nun wirklich denken können.... nix ist einfach für sie. Noch nicht mal einen Mann zu seiner warteten Frau schicken, scheint einfach zu sein. 
Also winke ich, bis er mich sieht und zeige auf unser Teeküchenzimmer. Und wenn er es jetzt nicht ist? Egal. Alle sind mittlerweile gespannt.
Er kommt rein - und ist es. Freude allenthalben. Der erste Abschied, und der mit allgemeinem Gelächter. Und so geht es weiter. Eine Frau, deren glockenhelles Lachen ich immer mal wieder gehört hab in der Zeit dort auf Station, wird abgeholt und ich sag ihr zum Abschied, dass ich so eine Freude an ihrem Lachen hatte. Und es mir abgespeichert und eingerahmt hab ,,für schlechtere Tage". Sie schaut erst ganz verblüfft, dann freut sie sich. Ihr Mann ist überhaupt nicht verblüfft, er lächelt sie sehr liebevoll an. Ich glaub, er mag es auch - ihr Lachen.
So wird eine nach der anderen nach und nach abgeholt, und so schön es war, ist es die Ruhe auch.
Die da wieder einzieht in unser Teestübchen. Ich kann sie kaum genießen, ich muss jetzt auch gleich los, zum CT. Mein Köfferchen kann ich im Stationszimmer deponieren, das ist schon mal gut. Weil ich noch nicht wusste, wo das MRT ist, ist extra für mich ein Hol-und-Bringdienst gebucht worden. Ganz ein freundlicher, er lotste mich unauffällig durch die Gänge. Ich versuchte gut aufzupassen. Muss doch möglich sein, sich hier zurechtzufinden. Ist ja hier nicht Lissabon. Nur ein paar Kliniken. Und so ist es auch. Ich fand gut wieder raus. Und jetzt auch wieder rein. Same procedure as last time. Nur ist CT viel kürzer, viel leiser, und man muss sich nicht eine ellenlange Spritze einführen vorher. Große Verwunderung und Erleichterung, dass das schon alles war. Geschafft.
Nu nix wie nach Haus.
Dann aber doch noch nicht. Ich soll warten auf den Arztbrief. Vorher darf ich nicht.
Also gut. Ich hab zwar Hunger, ist auch schon Mittag durch. Aber macht ja nix. Ich mach mir noch einen Tee und hab ja vorgesorgt. Man weiß ja nie. Wie das so ist in der Fremde. Hab eine Dose dabei mit Knabberzeugs. Hab ich immer dabei. Wenn ich mich in der Fremde beweg. Könnte ja der große Hunger kommen. Dann hilft das sehr.
So auch eben jetzt. Mach es mir gemütlich und hol mein Schreibzeugs raus. Es ist so unglaublich viel passiert. Endlich find ich mal Zeit zum Nachsinnen.
Ich muss dazu sagen, dass ich sehr zurückgezogen lebe. Ich geh nur raus zum Spazierengehen. Und einkaufen. Und ab und an mal ein Termin. Wegen irgendwas. Ich treff mich nicht zum Kaffee, unternehm nix, merke erst sehr spät, wenn ich heiser bin. Weil ich tagelang mit niemanden sprech. Also Ruhe pur. Einsiedelei light. Ich glaub, Einsiedler gehen nicht einkaufen.
Und jetzt prasselt so viel auf mich ein. Es ist ja ok so. Aber ich bin es einfach nicht gewohnt.
Ich liebe schon die Ruhe. Sehr.
So sitz ich da und freu mich. Essen gesichert. Tee ist ein unerwartetes Geschenk. Draußen regnet's, es ist Oktober, hier drinnen ist es warm und trocken. Und ich kann sitzen. An einem Tisch. Und schreiben. Idylle.
Dann trudelt noch eine Dame ein, auch mit Koffer. Setzt sich an den Nebentisch.
Wir begrüßen uns kurz. Und machen dann weiter unsre Sachen. Irgendwann denk ich, was, wenn sie gar nicht abgeholt wird sondern vielleicht ja auch grad angekommen ist? Und ich frag sie. Ja nee - grad angekommen. Ach herrje, sag ich, da haben Sie ja vielleicht Durst oder Hunger und zeig ihr all die kleinen und großen Möglichkeiten, die unsre Teeküche so hergibt. Soweit ich sie halt schon mal entdeckt hab. Sie ist sehr bescheiden. Ich frag mich, ob sie lieber ihre Ruhe will? Oder bisschen schwätzen? Lass einen Versuchsballon starten - und erfahre viel. Sie ist gestern erst angerufen worden, dass sie heute kommen kann. Sie hatte ihren Op-Termin erst in drei Wochen. Und wie das dann so ist - holterdipolter hat definitiv seine Vorteile.... Aber eben auch Nachteile. Aus dem einen ergibt sich das andre, und im Nu sind wir beim Essen angelangt. Und tauschen uns interessiert aus. Wir haben ja auch beide Hunger. Da macht so was besonders Spaß.

Weißt du, oh jetzt weiß ich gar nicht, ob ich deinen Namen hier sagen darf... bin mir nicht mehr sicher wo du das gesagt hast, hier im offenen Bereich? Oder doch im geschlossenen?....weißt du, mit smalltalk ging und geht es mir genauso. Schon der Gedanke daran - Knoten in der Zunge. Tilt im Kopf. Und Verspannung - überall. Erst im Nachtdienst hab ich begonnen, es zu üben.  Und ich mache gute Fortschritte. Bin noch in der ersten Übungsphase. Aber auf einem guten Weg. ;-)
Es war reine Notwehr.
Jetzt nicht mit den Patienten. Das nahm ich schon ernst. Kein smalltalk.
Aber mit Kolleginnen in der kurzen Raucherpause draußen. Da sitzt du so zu zweit in der Nacht, weit und breit niemand und nichts, und wenn du dir nicht was zu sagen hast, dann wird es manchmal ungemütlich.
Kollegin von mir erzählt von neuen Fenstern, die sie eingebaut haben. Ich höre interessiert zu. Bauen find ich immer spannend.
Nächste Nacht erzählt sie mir wieder davon. Eins zu eins dieselbe Geschichte.
Na gut, denk ich, es beschäftigt sie halt.
Das war's. Leider nicht. Sie hatte wenige Prozente, machte wenige Nächte. Als ich das nächste Mal mit ihr hatte, saßen wir zu dritt draußen, und sie fängt wieder damit an. Ich versuche nicht zuzuhören. Wir zwei beiden waren jetzt nicht das Dreamteam - und die Nacht war noch lang. Nur keine Misstöne!
Aber als sie dann bei einer nächsten Zigarettenpause schon wieder damit anfangen wollte, da bin ich ihr in's Wort gefallen. War reine Notwehr!!
Nochmal hätt ich's nicht ertragen. Und die Nacht immer noch nicht vorbei. Also hab ich in Notwehr einfach losgelegt.... So wie das Spiel hier bei uns ,,assoziieren" .... irgendwas halt. Was mir grad einfiel. Zu Fenster. Egal was! Alles war besser als noch mal ihre Story.
Das war das erste Mal. Zumindest dass es mir auffiel - hoch, ich kann das ja! Und: es macht sogar Spaß! Besonders das war ziemlich überraschend.
Und natürlich den Umständen geschuldet.
Ein rundum guter Einstieg.
Seitdem üb ich das. Und habe festgestellt - der Schlüssel ist ganz einfach: es muss einem egal sein, ob es grad blöd ist oder klug.... Es muss einem einfach egal sein. Dann klappt's.
Meine Erfahrung mit smalltalk.

Wir zwei beiden smalltalken schon nicht mehr, sondern unterhalten uns schon. Zugewandt. Mittlerweile hat sie auch von meinen Dinkelecken was angenommen. Sie muss ziemlich Hunger haben. Aber uns geht es gut. Bemerk ich zwischendrin. Ist gar kein Warten mehr. Macht richtig Spaß. Sie pflichtet mir fröhlich zu. Das schön. Ich mein, sie fährt holterdipolter hierher, Op nach vorne verschoben auf morgen - hat ne lange Fahrt hier her hinter sich.... und bekommt dann noch nicht mal ein Zimmer zugewiesen, kein Bett, kein Essen, nix!
Muss hier im Nirgendwo sitzen in der Teeküche.... da ist es doch gut, wenn sie nicht allein ist in ihrer Ratlosigkeit und Sorge auch. Geht das daheim alles gut, so unvorbereitet ohne sie? Wie wird das morgen? Sie ist doch nicht wirklich vorbereitet, mental, wenn ich das mal so sagen darf. Wenn das holterdipolter ist. Da ist es doch schön, wenn sie sich bisschen entspannen kann. Und sich nett unterhält. Was zu knabbern hat. Feeling fast wie in nem Café. Das tut doch gut.
Mir ja auch. Langsam will ich ja nu auch mal nach Haus.
Kommt die Ärztin. Bringt mir den Brief. Ich bin aber auf'm Klo grad. Legt ihn mir halt auf meinen Tisch. Ich pack also erfreut meinen Kram wieder zusammen, da kommt sie noch mal rein, hat mich gesehen. Freut sie, dass sie mich noch mal sieht und persönlich den Brief abgeben kann. Ich bin ganz überrascht. Ich muss dazusagen, ich bin gesichtsblind. Ich erkenn Menschen nicht wieder. Es sei denn, ich kenne sie gut. Aber dann fällt es mir wieder ein. Heute Morgen war auch Arztvisite. Sie waren zu zweit. Und es war anders als gestern. Frau niemand-kann-mir-helfen wurde ernst genommen, das tat einfach richtig gut, und ich war ja immer noch die, die nix hat und nix braucht, und da waren wir halt ein bisschen fröhlich miteinander, alle zusammen. Nichts, was mir in Erinnerung blieb. Aber ihr.
Auch schön. Arbeitest den ganzen Tag - da ist es ne feine Sache, wenn du auch mal Spässchen hast. Freut mich im Nachhinein.
Nach ein paar Sätzen wollt sie dann weiter, aber ich hab die Gunst der Stunde genutzt und ihre Aufmerksamkeit auf meine liebe Kollegin hier gelenkt. Die doch schon so lange da wär und noch kein Bett und kein Essen bekommen hat. Ob sie da nicht was machen könnt.
Ohja - ach herrje! Natürlich! Auf ihrer Liste steht sie schon seit zwei Stunden.
Siehst du, denke ich - sie braucht gar nicht auf ihre Listen kucken, sie hat's im Kopf! So geht das! Sie ist eine von den Guten! Ich bin so froh! Zeig ihr das auch und lass die beiden dann allein.... winke noch meiner erleichterten Kollegin zu, um nicht zu stören,  und mach mich befreit vom Acker!

Und denke durchaus zufrieden, in meiner Straßenbahn: ging dich! Kannste! Krankenhaus!
Hast dich gekümmert, hast Frau Meier aus'm Ruhrpott froh gemacht, sie hat sich gleich dreimal innig von mir verabschiedet. Auch ihr Schwiegersohn war sehr persönlich beim Verabschieden. Er hatte mir auch kurz von seiner Frau erzählt, dass er gar nicht gerne hier ist in der Uni, in der seine Frau verstorben ist. Ich sag ihm, ja - hat Ihre Schwiegermutter schon erzählt. Und dass sie so dankbar ist, dass Sie sich so um sie kümmern jetzt, seitdem. Sagt er: ,,Ja" und denkt kurz nach ,,sie hätte das so gewollt." Das rührt mich schon. Und ich versteh spontan ohne nachzudenken: ,, dann sind Sie ihr dadurch wieder nah..." und das hat dann ihn berührt und er hat sich abgewendet und lange aus dem Fenster geschaut.
Wir wollen doch alle irgendwie gesehen werden. Das tut doch gut. Auch wenn's nur kurz ist. Ist doch so.
So war auch der Abschied. Zwischen uns. Persönlich irgendwie. Ohne Schnickschnack, ohne Worte. Hand gedrückt, gelächelt, fertig. War ja alles gesagt.
Und auch Frau niemand-kann-mir-helfen und ich hatten unsere gemeinsamen Momente, sie war froh, dass sie nicht ganz allein war in dem drei-stündlichen Wahnsinn. Und mich hat berührt, dass sie mich in all ihrem Elend noch trösten wollte. War schon ein sehr inniger, warmer Moment: sie geht ins Sterben, und hofft gleichzeitig mit mir, dass meine Schiene eine Weiche hat... wir haben uns angeschaut und da waren keine Worte mehr. Da war nur diese ernste warme Nähe.
War schon speziell. Macht mich jetzt noch, beim Schreiben, wieder ganz warm in der Brust. War schon besonders.
Und unsrer Mitbewohnerin konnt ich auch was leichter machen. War aber auch schon eine verrückte Station! Da hat's uns schon gegenseitig gebraucht untereinander. Dass wir uns unterstützen gegenseitig. War schon gut, dass wir da waren. Für uns.
Und zu guter Letzt noch die nette Frau aus den Bergen. Die wär hungrig dagesessen und hätte gewartet, bis einer sie entdeckt in ihrem Elend - das hätt dauern können. Auf dieser Station.
War schon alles ziemlich gut gewesen. Dass wir uns so hatten. Und uns gegenseitig helfen konnten. Das macht einfach ein gutes Gefühl.

Doch! Ich lächle vor mich hin in der Linie 4. Ich kann Krankenhaus! Geht!
Unten, im Erdgeschoss, da benehm ich mich seltsam. Aber hier oben, im Stationsgeschoss, da bin ich erwachsen. Und benehm mich eigentlich ganz gut. Freut mich. Freut mich sehr.
Ich bin zufrieden. War schon gut alles.
Keine Sorgen mehr, diesbezüglich.
Auf Station, das kann ich.
So fahr ich heim.
Warm um's Herz.
Alles gut.

Und jetzt mach ich auch mal Schluss. Draußen klopft schon ne ganze Weile eine Hornisse gegen mein Fenster. Wird Zeit, dass ich sie erlöse. Und Licht ausmach.
Ich denk an Ina und hoffe, dass sie heute mal tief und fest und auch mal lang
schlafen kann. Und an gucker und hoff, dass der Kamillentee mit Salbei und Honig Sanftes um ihre Magenwände gelegt hat, damit auch sie heut ruhig schlafen kann... wünsch uns allen eine friedliche gute Nacht. Schlaft gut! Gut Nacht!  🌙


claudi

Liebe Nachtwind

Ich war diejenige welche mit dem thema smal talk.

Ich hab dazu was in meinen geschützten bereich reingeschrieben

Meinen nicknamen kannst du gerne verwenden, auch hier im offenen bereich.

Allein schon wenn ich dir hier schreibe sieht man ja mein Profil
Das stört mich nicht.

Ich möchte nur nicht das mein Klarname öffentlich verwendet wird. Egal in welchem Bereich
Weil auch ein geschützter rahmen auch immer noch öffentlich ist.

Und ich würde nicht wollen das inhalte vom geschützen bereich in den öffentlichen kopiert werden

So wie du es gehalten hast finde ich es gut.

Zum einen weil ich deine sicht zum thema smal talk intressant u hilfreich finde u zum andren weil du sehr wertschätzend u wohlwollend mit mir umgehst.

Danke dafür und auch für deine ganzen andren zeilen die du hier mit uns teilst!

Lg claudi
Ich kämpfe-bis zum Schluss!!
Step by step!!

nachtwind

Ach - jetzt freu ich mich! Ich hab gehofft, du liest es und erinnerst dich an dein Post. Und weißt dann, das ist für dich. Ich freu mich, Claudia, dass das jetzt so geklappt hat!
Ich wollt dir einfach sagen, dass ich dich so versteh!
Ich hab oft gedacht, das haben sich bestimmt ein paar Adlige ausgedacht! Und dann deutlich meine proletarische Seele gespürt. So konnt ich es besser ertragen. Dass ich das nicht kann. ;-)
Du,ich freu mich, dass du das hier weiterhin liest. Es ist einfach schön, wenn vertraute da sind. Dann schreib ich für vertraute. Das einfach schön.
hey :-)
Ps.: natürlich schätz ich dich, claudi! Was denkst denn du! Du machst es einem ja auch verdammt leicht... geht eigentlich ganz von selbst. Dich wertzuschätzen.
hey :-)

claudi

Korrektur es steht unter der ruprik das macht mich traurig.
Aber nachdem ich dich jetz so gelesen hab find ich es vielleicht gar nicht so schlimm das ich smal talk nicht wirklich mag

Immerhin hat das thema jetz für einen netten Austausch zwischen uns gesorgt.

Und einen intressanten Gedankenaustausch

Ich bin ja lernfähig
Glaub wenn nötig beherrsch ich den schon auch.
Aber mich langweilt sowas oberflächliches schnell u ich sehe es dann nicht wirklich ein über was zu reden was sich von selbst erklärt oder total sinnfrei ist.

Ich kann da noch nicht in diese egalhaltung gehen.

Ich kämpfe-bis zum Schluss!!
Step by step!!

nachtwind

Ja, das versteh ich gut. Dass dich das langweilt.
Und dass du das kannst, im Notfall, daran zweifel ich nicht, claudi. Allein schon, weil du ne ordentliche Portion spontanen und kreativen Witz in dir hast. Das ist hochhilfreich! Nicht nur in solchen Situationen.
Ich bin ja, wie gesagt, erst noch in der Anfängerklasse  im smalltalk - wär das jetzt ein etwas altmodischer Fußballverein, dürfte ich grad nur die Ballnetze  und Hütchen tragen, die Tore hin- und herschieben und ganz sicher nicht den Mund aufmachen, egal worüber.
Aber ich bin hier ja nicht in einem altmodischen Fußballverein. Trotz fehlender Kompetenz und Erfahrung sag ich mal so: smalltalk ist, glaub ich, sowas wie das grunzen und schnauben und grummeln und gurren von Herdentieren untereinander, wenn sie in Ruhe sind. Was zumindest Tierforscher so benennen: sie versichern sich gegenseitig ihrer Zusammengehörigkeit.
So interpretieren die das. Logisch gesehen können sie das ja gar nicht wissen, dass es so ist. Es ist ja reine Annahme. Es kann ja nun auch schlicht Übertragung sein. Vermenschlichung der Tiere.
Aber eins kann man daraus sicher entnehmen: es ist als menschliches Urbedürfnis bekannt. Dass man sich, durch sinnvolle oder eben auch sinnentleerte Laute, der gegenseitige Zusammengehörigkeit versichert.
Ich denke, smalltalk ist sowas.
Erst dacht ich, wie Chorsingen, nur für Unmusikalische - aber das ist ja reiner Quatsch. Beim Chorsingen treffen sich ja alle, und das ganz bewusst, um gemeinsam ein Ziel zu verfolgen, ein Stück einzuüben, ein Lied zu singen.
Smalltalk ist, denk ich mit meiner wenigen Erfahrung eher so was wie PingPong zu spielen, im Urlaub, mit einigen ganz Zufälligen, alle um eine steinerne Platte.
Du sitzt da am Strand und schaust ihnen zu, wie sie da so pingpongen, ohne jeden sportlichen Ehrgeiz, einfach so. Und dann kullert ein Ball in deine Nähe und du hebst ihn auf und versuchst ihn zu ihnen zu werfen, aber dann klappt das nicht, zu starker Windzug, zu leichter Ball, und du bringst ihnen halt an den Tisch, weil du ihn eben jetzt in den Händen hast, und da sagt einer, er hört jetzt mal auf, er holt was zu trinken für alle, und du bekommst dessen Schläger in die Hand gedrückt und ehe du es realisierst, pingpongst du jetzt halt mit. Ohne Sinn, ohne Ziel, ohne sportlichen Anspruch... ihr pingpongt halt so vor euch hin, lacht, wenn was schiefgeht, lacht, wenn nix schiefgeht, alles ganz unkonzentriert aber mit Spaß.
Irgendwie löst sich das ganze wieder auf, vielleicht hat der mit den Getränken jetzt einen neuen Plan mitgebracht, aber soweit willst du jetzt auch nicht mit - egal. Du setzt dich wieder hin, hast nullkommanull  etwas irgendwie sinnvolles,
befriedigendes getan oder erreicht - und trotzdem merkst du: es hat mir Spaß gemacht. Das war jetzt richtig nett.
Ich glaube, so in etwa geht smalltalk. Und ich glaube, jeder hat schon mal sowas erlebt. Dass das einfach Spaß macht. Zusammen was zu machen. Einfach nur: wegen zusammen.
In dem Fall eben: eben mal nicht gepingpongt - geschwätzt halt.

Also,so erlebe ich das.
Da gibt's bestimmt noch viele andre Aspekte. Des Smalltalks.
Wenn jemand andres noch was andres kennt beim smalltalk - gerne mitnachdenken.
Schwarmintelligenz. Ist doch immer spannend.
Auch wenn das Thema jetzt nix ist, was einem unter den Fingernägeln brennt. ;-)

Ansonsten
haben wir zwei das grad eben mal so gemacht. Schwärmchenintelligenz.
Vielleicht fällt ja auch dir noch was ein.
Hat auf jeden Fall Spaß gemacht, claudi.
hey :-)

claudi

Okay dann kann smal talk aber auch ein bischen Netzwerken sein.
Sich den ball hin u her werfen. Kleine wortspiele.
Joar sowas kann spaß machen.
Oder dafür sorgen das du vielleicht was machst was du sonst nie getan hättest

Du nimmst witz bei mir war?
Dein Ernst?
Ich hab einen staubtrocknen humor
Oft lache ich über dinge die wohl überhaupt nicht witzig sind
Jedenfalls versteht das nicht jeder.

Aber da ich schlagfertig bin macht Schlagabtausch mit mir spaß

Und ansonsten halte ich den ball flach
Schmeis ich ihn halt mal unterm netz durch als oben drüber😜
Ich kämpfe-bis zum Schluss!!
Step by step!!

nachtwind


Sucre

Nein, es brennt nicht unter den Fingernägeln, trotzdem wollte ich auch was dazu sagen.
Heute nicht mehr.
Manchmal ist man in Stimmung zu schreiben, und dann kommt was anderes, und dann geht es nicht mehr ...

Aber ich kann nur sagen, ich hatte heute ein sehr schönes Smalltalk Erlebnis.
Mit der typischen Wetterthematik.
Aber es war gut und hat einen kleinen Lichtstrahl gesendet, obwohl unser Thema Herbstwetter war.

Ein anderes Mal vielleicht mehr dazu ...

Sucre

Für mich ist Smalltalk Kontextabhängig.
 
Auch wie ich es bewerte. Also für mich ganz persönlich bewerte und wie ich damit umgehen kann, bzw. wie es mir selbst gelingt, Smalltalk zu führen.
Es gehört für mich unabdingbar zum Alltag. Und ich fände es vermutlich ziemlich schlimm, wenn er nicht stattfände.
Es bedeutet ein Gespräch mit der Nachbarin zu haben.
Oh man, ist das heiß. Ich mag gar nicht rausgehen, aber der nächste Winter kommt bestimmt. Hast du schon Holz bestellt? Bei wem denn? Was hast du für dein Holz bezahlt?
Es bedeutet für mich einerseits in Kontakt zu sein, mit der Nachbarin und eine gute Basis zu haben, durch solche Gespräche, es bedeutet aber auch Alltagsinformationen zu bekommen, in dem Fall wie der Holzpreis gerade ist, kann aber auch ganz andere Dinge beinhalten.

Denke ich mir diesen Smalltalk weg, dann wäre es nur ein Hallo. Nicht mehr. Das fände ich ziemlich schade. Dieses kleine Gespräch kann bedeuten, ich sehe dich, ich nehme dich wahr, und du mich auch.
Und ich möchte mit meiner Nachbarin keine tiefgehenden Gespräche führen.
Wobei wir das zuweilen schon tun, wir wissen um die jeweiligen Probleme. Allein schon als ihr Mann starb, als unser Sohn weg war ...
Und ich finde es eine gute, lockere Beziehung mit ganz oft Smalltalk, wenn wir uns sehen. Wenn wir was voneinander brauchen, dann wissen wir, wir können uns aneinander wenden. Und auch das sind die banalen Sachen, wie Gartengeräte oder Lebensmittel.

Wenn ich in der Stadt bin, dann kann es auch der Smalltalk sein, der eine gute Basis für die Stimmung schaffen kann.
Gestern war ich in einer Tchibo Filiale und ich habe eine Kundenkarte, habe ich eher selten. Aber hier schon.
Ich kaufte für meinen jüngsten für den Herbst eine Regenjacke.
Als ich bezahlte, fragte mich die Verkäuferin, ob ich eine Kundenkarte habe. Bevor ich ja sagen konnte, sagte sie, ja, ich kenne sie, sie sind hier ab und zu. Und ich freute mich darüber, dass sie mich offensichtlich wahrgenommen hat, obwohl ich gar nicht so oft dort bin.
Und dann sprachen wir, aufgrund der Regenjacke, über das kommende Herbstwetter.

Ich fand das gut, und ich ging gut gelaunt dort raus.

Mein ältester Sohn war als Kindergartenkind sehr gut in Smalltalk. Wenn wir an einer Kasse oder an einem Verkaufsstand standen, sagte er immer: hallo, wie heißt du?
Er wartete die Antwort ab und sagte dann und ich heiße Fridtjof.
Und meist entstand dann eine kleine Unterhaltung.
Und ich kann nur sagen, wir kennen die Namen einiger Verkäuferinnen, und an der Wursttheke gibt es eine Verkäuferin, die immer noch, nach nunmehr 15 Jahren, nach unserem großen fragt.
Und wir hatten immer nur belanglose Gespräche, aber nett.

Auch bin ich der Meinung, dass Smalltalk einen Überblick über alltägliches verschaffen kann, beispielsweise, wie andere das Wetter empfinden, dass es in mancher Hinsicht jedem so geht, oder eben nicht. Manchmal kann es auch zu Empfehlungen führen, wie beispielsweise, wenn du in der Hitze der Stadt rumläufst, dort gibt es Fächer zu kaufen, oder dort gibt es einen Wasserspender, oder was auch immer..., oder ich mulche mit diesem oder jenem, damit meine Pflanzen nicht vertrocknen ....

Ich möchte nicht mit jedem über meine Probleme oder Sichtweiten aufs Leben sprechen.
Und manchmal finde ich es irritierend, wenn Gespräche mit irgendwelchen Personen auf einmal in eine Richtung gehen, die ich nicht erwartet habe.
Bemerkenswert fand ich immer, zu welchen intimen Gesprächen es von jetzt auf gleich, aus dem Nichts heraus, mit fremden Frauen kommt, wenn man gerade schwanger ist, oder vor kurzem ein Kind bekommen hat, bzw. ein Kleinkind hat. Ich finde es wirklich sehr, sehr bemerkenswert, weil es eher selten ist, dass man mit Fremden Menschen solche Gespräche führt. Wie gesagt, von jetzt auf gleich ....
 
Unabhängig davon, habe ich eine Bekannte, die ich in der Krabbelgruppe kennengelernt habe, mein jüngster und ihr zweiter Sohn sind gleich alt und waren eben in dieser Krabbelgruppe, bis die Kinder etwa 2 waren.
Seither treffen wir uns vielleicht zwei Mal im Jahr zufällig in der Stadt. Dann sprechen wir immer kurz miteinander, unterhalten uns über Einschulung und was gerade ansteht. Smalltalk eben.
Und einmal kam es dazu, dass wir über Kinderkrankheiten sprachen.
Und jetzt muss ich wohl eine Trigger Warnung aussprechen, weil es etwas eklig wird.
Sie erzählte mir, dass eines ihrer Kinder einen Infekt hatte, und sich übergeben hat, sie sagte mir, dass sie dann ... neeee, ich finde das wirklich etwas grenzwertig ....
Ich schildere es jetzt nicht, aber sie hatte eine Lösung, wie sie es schafft, dass sie nicht jedes Mal das Bett neu beziehen muss.

Und hier kann ich sagen, das war mir wirklich etwas zu ,,tiefgründig", hätte ich nicht wissen wollen. Ansonsten freue ich mich immer, wenn wir uns zufällig treffen und ein paar Minuten plaudern.

Das Leben ist meiner Meinung nach nicht nur tiefgründig, es ist auch oberflächlich. Und ich finde genauso ist es hier in diesem Forum. Beides hat seine Berechtigung. Sowohl tiefründiges als auch oberflächliches. Und wenn man sich umschaut hier im Forum, wenn man die Beiträge statistisch erfassen würde, dann gibt es doch wesentlich mehr Beiträge in den "oberflächlichen Smalltalk-Kategorien"

Das war meine ganz subjektive Abhandlung zum Thema Alltags-Smalltalk, der in der Arztpraxis stattfinden kann, im Supermarkt, mit Nachbarn, wo auch immer....

Ach ja, und während ich das schreibe, fällt mir ein, dass ich es manchmal ziemlich verkrampft finde im Leben, und dass dann Smalltalk sehr guttäte und auflockern würde.

Ich muss immer daran denken, wie eine Freundin mir erzählte, dass sie in einer Arztpraxis saß und eine Frau, die, wie sie meiner Freundin später erzählte, aus Brasilien kam, freundlich in die schweigende Runde der Wartenden grüßte. Die meisten sagten nichts, oder brummelten vor sich hin. Meine Freundin, die extrovertiert ist, grüßte mit gleicher Freundlichkeit laut zurück. Und die beiden Frauen unterhielten sich. Und die junge Frau aus Brasilien, sagte, dass es in ihrem Land nicht so sei, wie in Deutschland.  Dort sei es üblich, sich zu grüßen, ins Gespräch zu kommen, auch wenn man sich nicht kenne. Auch wenn es klar sei, dass dies nur ein kurzer Moment sei, den man im Leben miteinander verbringt.

Und ich stimme dem total zu.
Kommst du irgendwo hin, wo du warten musst, spricht doch niemand mit dir, ok, ich gehe nicht auf das Handy ein, es war vorher, ohne Handy, doch auch schon so.
Kommste in einen Fahrstuhl ... ich grüße und verabschiede mich zumindest, und versuche das auch meinen Söhnen weiterzugeben, dass das das Mindeste ist.
Smalltalk im Fahrstuhl, oder in der Arztpraxis, wie ein Sechser im Lotto, es sei denn die Leute kennen sich sowieso ...
Aber ich bin der Meinung es täte dem ein oder anderen wirklich gut, gerade wenn er auf dem Weg  zum oder vom Arzt ist, damit es ,,lockerer" wird, auch in der Person selbst.

Und manchmal ist Smalltalk auch "was für eine schöne Bluse", das freut doch jeden ...

Ich finde Smalltalk hat absolut seine Berechtigung und ist meiner Meinung nach auch wichtig.

Das war die eine Seite.

Die andere Seite ...
Im Alltag bin ich eigentlich ganz gut darin, dann gibt es aber andere Situationen. Diese Party Situationen, wo man auf Leute trifft, die man nicht kennt ...
Da ist es, zumindest für mich, oft schwieriger. Und führt auch manchmal zu schlechter Stimmung, einfach deshalb, weil man sich vielleicht bemüht, oder weil man von Menschen angesprochen wird, mit denen man sich nicht mal im Bereich Smalltalk unterhalten will. Es ist vielschichtig, und auch hier könnte ich noch so viel mehr dazu schreiben, aber das dauert zu lange. Ich kann nur sagen, es gibt Situationen, die meide ich ganz bewusst, was unter anderem mit dem Smalltalk zu tun hat ...
Wie gesagt, ich könnte auch das viel weiter ausführen ...

Und natürlich gibt es dann auch die Momente, wo man in die Tiefe gehen möchte, einfach, weil es passt, und man denkt man kann sich mit diesem Menschen tiefgründiger unterhalten.
Oder vielleicht auch umgekehrt.
Es ist eben Situations- und Personenabhängig.

Ach ja, auch hierzu fällt mir was ein, ich weiß nicht, ob ich in einer anderen Rubrik hier schon davon berichtet habe.
Ich war in einer großen Stadt, um eine kulturelle Veranstaltung zu besuchen.
Es ging mir zu der Zeit sehr schlecht, also psychisch.
Ich lief durch die Stadt und dachte, wie furchtbar das alles ist, so viele Menschen, so unfassbar viele Menschen und keiner nimmt dich wahr ... Alle rennen von hier nach da, aber wo ist das Leben, das innere Leben ...
Ich blieb zwei oder drei Tage dort. Am dritten Tag, bevor ich wieder zurück fuhr aß ich in einem kleinen selbstbedienungs Restaurant. Leute kamen und gingen.
Und irgendwann setzte sich eine Frau an den Nachbartisch, sie sah nett aus.
Und ich dachte, ich muss jetzt jemandem von meinem ganz konkreten Problem erzählen. Ich spreche diese Frau an, und frage, ob es ok ist, wenn ich ihr etwas erzähle.
Und was mich daran ganz besonders gereizt hatte war, dass sie mich nicht kannte, und ich sie nie wieder sehen würde ...
Und wenn ich ehrlich bin, es hat wirklich nicht viel gefehlt, dass ich sie angesprochen hätte.
Manchmal hat man das Bedürfnis, keine blabla Gespräche zu führen, sondern "richtige" ...



Es ist mir klar, dass nicht jeder das so sehen muss wie ich, es ist meine ganz subjektive Meinug zu diesem Thema :)

nachtwind

O - danke, Sucre! Das ist jetzt viel neuer Input. Jetzt doch Schwarmintelligenz.
Ich hab Lust, gleich mal nachzudenken, aber heut und morgen komm ich nicht dazu. Ich will nur schnell antworten, dass ich mich freu... Danke Sucre!
Jetzt sind grad family-Tage angesagt bei mir. Deshalb hab ich's nur schnell mal überflogen.
Aber es kommt ja auch nicht drauf an, was ich jetzt dazu sag oder denk. Es lesen ja viele... ich bin ja nur eine davon.
Ich freu mich, Sucre, für's Mitdenken.
hey :-)

nachtwind

Ich hab's mir noch mal durch den Kopf gehen lassen, was du geschrieben hast, sucre... und ich hab verblüfft festgestellt, dass ich all diese geglückten kleinen Austauschmomente, die du so beschreibst, gar nicht als smalltalk eingeordnet hab. Nur diese ungemütlichen Situationen, in denen es eben nicht von selber glückt, das war für mich smalltalk.  Nur die.
Ohne deine Gedanken dazu wär mir das nie aufgefallen.
Danke dafür!

So gesehen bin ich gar kein völliger Anfänger in der Trainingsstufe. ;-)
Bin gleich mal einen Kurs weitergerutscht!
Ohne Prüfung.
Fühlt sich gut an!
 

nachtwind

Diesmal rette ich mich nicht nach Haus, in meine Höhle - diesmal komm ich mit prall gefüllten Körben nach Haus. Das nährt mich wochenlang, denke ich. Ich fühle mich beschenkt.
Wir haben uns in der kurzen Zeit schon einiges mitgegeben, wir paar Frauen, ältere und jüngere, da auf Station.
Vielleicht auch ein Vorteil von einer eigenartig skurril geführten Station - da müssen sich die Patienten eben selber helfen, sonst wird das nix. Und dann tun sie das eben auch. Da schaut dann der eine auf den anderen, und alle gehn zufrieden nach Haus.
Nicht alle. Manche bleiben. Und finden keinen Frieden.
Aber wir halt, wir handvoll Frauen von Station  Hanswurst, an diesem Tag, im Teestübchen von Station.
Wir waren schon nicht ohne. :-)
In diesen zwei halben Tagen.

Wie's weitergeht, ist ziemlich schnell zusammengefasst. Ergebnisse der Untersuchungen: Tumor 4,7 cm max., min. eine Lymphknotenmetastase, keine Metastasen in der Lunge. FIGO IIA2. Falls es jemanden vom Fach interessiert. ;-)
Soweit so gut, könnte besser sein, könnte aber auch viel schlechter sein. Alles in allem jetzt keine soo große schlechte Überraschung. Dass ein Lymphknoten auch schon befallen ist, macht mich traurig und mir Sorgen. Aber Gottseidank keine Metastasen in der Lunge!!
Gut. Aber dann erfahre ich, dass das jetzt die Ergebnisse der bildgebenden Untersuchungen sind - scheinbar gibt es da doch auch Überraschungen, wenn dann der Bauchraum tatsächlich aufgemacht wird. Dass die Chirurgen öffnen, schauen, und dann gleich wieder zunähen. Zu viel.
Find ich jetzt gruselig.
Ich beschließe: bei mir ist das nicht so. Das möcht ich jetzt doch nicht. Mein Körper hat nix versteckt. Hat alles gezeigt. Also keine Überraschungen.
Gut, wär das auch geklärt. ;-)

Was bleibt, ist die klare Linie jetzt.  Die zweite Biopsie hat zwar tatsächlich wieder nix genaues gebracht, aber da ist der Prof. Dr. jetzt energisch. Darauf warten wir jetzt nicht mehr. Es wird jetzt operiert. Nächstmöglicher Termin. Er fragt mich jetzt nicht mehr viel - er nimmt es in die Hand. Irgendwie bin ich froh darüber. Ich wusste doch immer eigentlich viel zu wenig, um da was Genaues zu entscheiden. Nein, eher: ich entscheide nicht gern. Ganz und gar nicht. Und wenn ich dann auch noch nicht viel weiß, dann dreht sich sofort ein Karussell in mir. Und klare ja- oder nein-Ausschläge sind nicht mehr wahrnehmbar. Für mich. Bin halt eher ein Schisser. Der Gedanke, eine falsche Entscheidung zu treffen, lähmt mich treffsicher sofort.
Also hör ich ihm zu und versuch gar nicht erst, ihn zu unterbrechen oder was zu fragen. Es fragt sich nichts in mir.
Und so sag ich ihm zum Abschluss des Gespräches etwas, dass mich stutzig macht, gleichzeitig. Ist jetzt nicht wirklich so meine Art bis jetzt. Ich sage: ,,Herr Prof.Dr. - ich vertraue Ihnen!". Nachdrücklich. Es klingt ziemlich kindlich, denke ich. Und eigentlich ist es mir doch so eminent wichtig, alles selbst zu durchdenken.... Wo ist das jetzt hin??
Ich sage es nochmal: ,,Ich vertraue Ihnen!", als wär das eine Lösung für mich. Ich versteh mich selber nicht. Aber scheinbar ist es mir sehr wichtig damit.
Er schaut mich an. Hört er dieses Kindliche auch so wie ich? Er schaut mich an und sagt mit Gefühl: ,,das ist schön!". Genauso wie man es sagen würde, wenn ein Kind da sässe.
Für mich ist es gut so. Er hat verstanden. Er trägt jetzt die Verantwortung. Ich hab sie ihm in die Hände gelegt. Jetzt kann ich nur noch vertrauen. Und das tu ich jetzt. Mit aller Kraft und Entschlossenheit. Mit all meiner Energie. Er muss jetzt was Gutes draus machen. Das hat er verstanden.
Das ist unser Deal.
Er wird es gut machen. Ich werde für ihn beten. Es ist noch immer gut gegangen, wenn ich für jemanden gebetet habe, der etwas an mir machen musste.
Und er ist entspannt. Und versteht. Und hat viel Erfahrung.
Das kriegen wir zwei beide schon gut hin. Wir haben einen klaren Deal.
Wir machen das jetzt. Und es wird gut.
Punkt.

Daheim dann beginnt wieder eine neue Phase der Spaziergänge. Nur noch ein paar Tage ... nur noch ein paar Tage Zeit, mich von meiner Gebärmutter anständig zu verabschieden.
Das tiefe Schuldgefühl ist wieder da. Frisch aufgeflammt. War das nicht schon mal durch? Scheinbar nicht.
Doch. Es war schon durch. Ich muss nur was tun. Wenn ich nix tu, flammt es auf. Wenn ich was tu und mich bedank und würdige und ehre, dann ist sofort wieder Frieden drin. Also tu ich, was ich tun muss. Für mich ist das beten. Ich bete für sie. Und ihre Freunde. Eierstöcke, Wächterlymphknoten, obere Drittel der Vagina, Blase und Darm sind auch berührt, könnte sie auch treffen bei
der Op.... Ich habe viel zu tun.
Irgendwann fällt mir auf einem Spaziergang siedendheiss ein, dass das ja jetzt auch ein Eigentor werden kann! Was, wenn sich jetzt alle andren Körperteile auch so eine Aufmerksamkeit wünschen?! Nicht auszudenken!!! Himmel, ich muss was tun! Sonst werd ich überall krank.... Das ist jetzt doch nicht so ein guter Plan, wie ich dachte. Leichte Panik.
Ich versuch sofort, Aufmerksamkeit in alle meine Zellen zu schicken... und Zellorganismen...und Organe.... und überhaupt in alles, an was ich gar nicht denken kann... - mit dem Erfolg, dass ich ziemlich beschwipst nach Hause komme. Kaum noch die Füße voreinander bringe.
Und beschließe: das überfordert mich jetzt.
Ich schicke ein klare ganz kurze Botschaft in mich hinein.
Dass jeder und jedes wichtig und geachtet ist in mir. Von mir.
Und auf gute Zusammenarbeit weiterhin!!! Mit wirklich tief empfunden Dank.

Und dann ist auch mal gut!
Das muss jetzt reichen.
Ist ja auf jeden Fall viel mehr als sonst jeden Tag. In jedem Jahr.
Das reicht.

Nachdem ich so meine unzähligen Wildpferdherden wieder alle vertrauensvoll auf ihre so unterschiedlichen Weiden entlassen hab (und mich dabei immer verständnisloser  gefragt habe, wie um alles in der Welt ich denn auch nur dran denken konnte, auch nur ein einziges Wildpferd aus diesen unfassbar großen Herden allen Ernstes zähmen zu wollen..??!!  Auch nur ein einziges von den abermillionen ...??!!),
ist alles wieder friedlich in mir. Und im Takt.

Ich denk halt viel. Und ich wär nicht die ich bin, wenn ich nicht immerzu so viel denken würde. Aber in manchen Bereichen taugt das einfach nix. Sobald ich's Denken da anfang, komm ich aus dem Takt. Und fang an zu stolpern. Und hör nimmer auf damit.
Das weiss ich schon länger. Und es tut meiner Liebe zu meinem Denken keinerlei Abbruch. Ich liebe, dass ich denken kann. Und das weiß mein Denken! Das nimmt mir die Scheu, so was zu sagen. Ich mein: es hört ja immer mit!

In der Ruhe, die sich jetzt wieder ausbreitet in mir, wird mir klar wie doppelt und dreifach dämlich ich doch grad war! Meine unzähligen kraftvollen Wildpferdherden tun doch vor allem eins: sie leben! Und: sie lieben es zu leben!
Wieso sollten sie denn krank werden wollen und vielleicht sogar sterben, dran? Nur für ein bisschen Aufmerksamkeit?!
Sie wollen gar keine Aufmerksamkeit! Sie wollen das tun, was sie am besten können. Und am liebsten tun! Sie wollen leben. Ihr Leben leben!

Ich hab mich mal wieder maßlos überschätzt! Sowas von überschätzt!!
Das einzige, was für mich spricht,ist, dass ich nicht ewig brauch dafür, das zu realisieren. Das ist aber jetzt auch das allereinzigste. Ohjeh..

Aber auch schön, irgendwie. Ich hab vorher nie über so was nachgedacht. Jetzt habe ich unzählige Wildpferdherden in mir, die es lieben, ihre ganze große Lebendigkeit, ihr selbstverständliches Zusammenhalten zu feiern.... jede Sekunde.. in mir.
Da ist ganz schön kraftvolles Leben in mir!!
Ich hör das dumpfe Trommeln ihrer Hufe in mir. Wie sie so dahinjagen. Volles Engagement!  In vollem Einverständnis mit sich selbst.
Voller Freude. Am Leben zu sein!
Hör ihr ausdrucksstarkes Schnauben. In voller Übereinstimmung mit sich selbst!

Es ist schon sehr beeindruckend! Sehr!!
Was da so abgeht. In mir. In mir!
Jeden Tag.
Ich wusste das bis jetzt gar nicht.
Jetzt
spür ich das.
Wow


nachtwind

Die ganze Zeit denk ich unterschwellig darüber nach, warum ich innerlich so garstig werd, wenn andre Kompetenz ausstrahlen wollen, aber gar keine haben.
Da geht bei mir ne Klappe runter - rums! Keine Chance mehr! Gar keine. Eiseskälte.
Seit ich über die Station, die erste Ärztin, die unglaubliche Lady Paukenschlag geschrieben hab. Warum ist da so radikal Schluss in mir?
Schluss mit möglichem Verständnis; Schluss mit Nachdenken darüber..... - da ist dann nix mehr. Nix! Nur Ablehnung. Ganz und gar.
Pures Ablehnen.
Zieht sich durch mein Leben, ist selbst meinen Kindern aufgefallen. Da war ich ganz erschrocken - dachte, ich verberge es geschickt hinter zivilisierter Höflichkeit. Sie waren noch eher klein, als meine Tochter mich das zum ersten Mal fragte: ,,Mama, warum bist du sauer auf die Verkäuferin?"  Eine Verkäuferin im Reformhaus, ich hatte sie was gefragt, sie versuchte ellenlang fachmännisch zu antworten, und ich wusste nach einer Minute zweifelsfrei - sie hat keine Ahnung von dem Thema. Aber sie tat so, als hätte sie.
Das ist der Moment, in der Eiszeit einzieht bei mir.

Es ist auch nicht das keine Ahnung haben.... weder bei Freunden, meinen Kindern oder Enkelkindern, Bekannten, noch nicht mal bei fast gar nicht Bekannten - wenn die Blödsinn reden, aber behaupten, das sei jetzt richtig so, dann bemerk ich das schon, aber dann sag ich was, wenn's wichtig ist, oder überschweig's auch mal - aber alles ohne diese Eiseskälte.
Es ist diese Kombination mit Autorität, scheinbarer. Die Verkäuferin ist jetzt keine Autorität für mich, aber sie hielt sich für eine. Dann schnappt die Kühlkammertüre auf. Und alles wird im Nu mit Kälte durchflutet.
Kann ich gar nix machen.
Dann zeig ich meine garstige Seite. Dann
verachte ich.
Sonst nicht meine Spezialität - aber da , in diesen seltenen Momenten, da bin ich erbarmungslos. Verachte ich.
Radikal vernichtend.

Warum ist das so? Wo kommt das her? Was für eine Haltung steckt dahinter?
Wie gesagt, mit Freunden, Bekannten egal was und wie hab ich das null. Egal, wie dusselig manches sein mag - nullkommanull. Ich weiß doch, dass ich selber oft dusseliges raushaue. Nur bei solchen, die sich anmaßen, eine Autorität zu sein. Da dann aber
sofort
und unaufhaltsam.

Ich suche, aber ich finde nix. Nur eine Erinnerung eine spezielle Zeit in meinem Leben, in der diese Eiseskälte schon prägnant war. Sich durch eine ganzes Jahr zog. Vielleicht dort in mein Leben einzog? Ich bin mir nicht wirklich sicher. Ich weiß nur: da war es so.
Und (vielleicht seitdem) in meinem Leben drin. Seltenst.
Aber erinnerbar.

Es war in der Zeit meines letzten Schuljahres. Meine Eltern zogen nach Wien, meine Schwester mit, hatte grad Abi gemacht, wollte zu Semesterbeginn in Köln das Studium anfangen und jetzt die paar Monate überbrücken in Wien halt.
Ich hatte noch ein Jahr bis zum Abi, klar war, ich wollte nicht nochmal die Schule wechseln, also - ich bleib.  Bloß wohin jetzt mit dem Kind?
Ein Jahr vom Abi ist man keine Kind mehr.
Aber es waren andre Zeiten.
Volljährig war man erst mit 21. Und Kinder waren gewohnt, das zu tun, was die Eltern entscheiden. Jede Generation wächst in eine andre Welt hinein - und lernt sich anzupassen. An die Bedingungen. Die grad so herrschen.
Der Mensch ist nicht nur ein komplexes Wesen.
Der Mensch ist auch: hoch anpassungsfähig.
Sonst hätte er nicht hunderttausend Jahre überlebt.
Die Welt hat sich schon gewaltig verändert in dieser kurzen Zeit.
Da muss man anpassungsfähig sein, um zu überleben.

Also wohin nun mit dem Kind?
Meine Mutter .... nun ja..... die fiel bei so Entscheidungen schon mal aus.
Sie fiel bei eigentlich allem von vorneherein einfach: aus....
war schwere Alkoholikerin - zu der Zeit schon längst schwerste.
Ich kenne meine Mutter eigentlich gar nicht.... Ich kenne sie nur besoffen.

Ich war 8, fast 9, als mir klar wurde, dass sie das nicht mehr hinkriegt. Das Leben. Das ganz alltägliche Leben.
Danach war ich nicht mehr die, die ich vorher war.
Ich war aufgewacht.

Es war Winter, der Winter, in dem wir von Griechenland nach Namibia umzogen.
Mein Vater war schon vorgefahren, vor drei Monaten. Wir sollten nachkommen.
Kurz vorher, wir lebten schon in einer Pension, Abflugtickets schon griffbereit, mussten wir noch einmal in unser altes Haus. Es ging um Handwerker, die dort  bereits renovierten, da musste was geklärt werden wegen irgendwas mit der Heizung, und einiges letztes, endgültiges.... und dann nix wie zum Flugplatz am nächsten Tag und Abflug.
Ich weiß nicht mehr, wie viele Tage wir in dieser Pension waren, ich glaub nicht lange. Und ich weiß auch nicht mehr, wie es da so ging, das Leben. Ich glaub, nicht gut - ich weiß nur, dass ich mit einem ziemlich miesem mulmigen Gefühl dorthinfuhr. In unser ehemaliges Haus.
Ich musste mit. Meine Mutter sprach kein Griechisch. Ich schon. Und meine Schwester hatte irgendeine Zauberkraft, dass sie solche Situationen nie mitbekam. Nicht mitmusste.
Bleib ja nur ich noch übrig. Also fuhr ich mit.
Mit furchtbar mulmigen Gefühl.

Und es trügte nicht. Wir waren kaum da, da eskalierte alles. Brach alles zusammen.... Die Handwerker wollten ja irgendwas, ich übersetzte - sie lallte nur noch. Grinste dieses schreckliche Grinsen, dass Besoffene so grinsen, wenn sie sich neben den Sessel setzen - und sich auf dem Boden wiederfinden... mir dreht sich immer noch der Magen um, wenn ich nur dran denke. So unerträglich!! So unerträglich demütigend!! Für sie. So unerträglich demütigend für jeden Menschen. Und sie sind doch auch Menschen! Auch wenn sie besoffen sind.
So fürchterlich
unerträglich
erbärmlich.
Mich schüttelt's immer noch. Der Gedanke daran reicht schon.
Ich wünschte, ich hätte das nie gesehen.
Und hab es so viele Tage, viele Jahre sehen müssen.
Ich hab mich nie daran gewöhnt.

Manchmal, wenn man etwas wunderschönes Bild sieht, dann ist es doch so, als schaue man auf das Bild - und gleichzeitig durch das  Bild hindurch in etwas, das so etwas wie die Personifizierung des Wunderschönen ist. Also wenn wunderschön eine ich-sag-jetzt-mal Gottheit wäre, dann schaut man auf das Schöne des Bildes - und durch das Bild hindurch auf die Schönheit an sich.

So war das damals.... Man schaut auf dieses armselige, erbärmliche Grinsen - und sieht die Erbärmlichkeit an sich .... sieht die Armseligkeit an sich.
Das ist so trostlos.

Man sagt ja, alle unterdrückten Konflikte, alle Probleme, die man nicht angeht, weil man sie scheut.... all das Liegengebliebene, was keiner anpacken wollte, das muss dann eben die nächste Generation übernehmen. Ich glaub, dass da was dran ist.

Bei uns lag viel Schuld auf dem Boden rum. Ich hab sie brav eingesammelt.
Und getragen. Mein Leben lang.
Die Schuld meiner Eltern.
Die sie nicht haben wollten.
Meine Mutter war hilflos verstrickt, verlorengegangen darin. Mein Vater fand das einen coolen move. So machen das die Starken. Sein Grinsen an dem Punkt war nicht erbärmlich - es war siegesbewusst. .Stolz. Mit viel Verachtung vermischt für die, die das nicht konnten. Die Schwachen halt.
Das war dann ich.

Vielleicht ist das bei Alkoholikern auch so - solang sie das Erbärmliche, das Armselige nicht wahrhaben wollen, solange müssen das eben die Angehörigen, die Freunde, irgendwer andres halt für sie aufsammeln. Und sehen. Und fühlen. Und wahrhaben.
Liegenbleiben gibt es da scheinbar auch nicht. Da wird nix liegengelassen. Das muss aufgesammelt werden. Und getragen werden. Und gefühlt werden. Und gelebt.
Und wenn nicht von ihnen selbst, dann eben von den nächsten.
Das war dann eben auch
ich.
Meine Schwester nicht. Sogar mein Vater nicht. (Aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.) Warum auch immer nicht,ich versteh's bis heute nicht.
Das war einfach nur ich.
Aber wie gesagt, das wusste ich ja damals nicht. Und lange, lange nicht.
Es macht ja auch nichts besser oder schlimmer dadurch. Ist halt so.
Fertig.

So hab ich in das armselige Grinsen meiner Mutter geschaut. Und in die Große Armseligkeit geblickt. In die Große Erbärmlichkeit geblickt.
Die dahinter glimmte.
Konnte den Blick nicht abwenden.
Und etwas erstarrte in mir. Vor Entsetzen.
Aber die Handwerker wollten Antworten. Auf ihre Fragen.

Und so hab ich tief Luft geholt. Hab mich groß gemacht, ganz groß. Und hab es angenommen.
Es blieb nichts anderes zu tun. Nichts anderes übrig. Also gut. Dann
hab ich eben gefragt, worum es genau geht. Hab mir das erklären lassen. Und dann, ich kann es selbst heute noch nicht ganz glauben, habe ich entschieden.
Erst wollten sie nicht. Es waren andre Zeiten. Auch in Griechenland.
Kinder hatten still zu sein. Und überraschender Weise taten sie es auch. Wenn Erwachsene sich unterhielten. Ihre Angelegenheiten abwickelten.
Das war einfach so.
Aber durch irgendeine Frage hatte ich ihren Respekt erworben. Wenigstens ein kleines bisschen. Und außerdem waren sie pragmatisch. Ich sah ihre Blicke auf die Erbärmlichkeit meiner Mutter, ich sah, wie sie sich ansahen - und dann war scheinbar auch ihnen klar: da gibt es jetzt keinen andren Weg mehr raus.
Also gut, irgendwann war alles geklärt, ich musste sogar irgendetwas unterschreiben, ich mit meiner Kinderschrift. Meine Mutter weigerte sich.
Also unterschrieb ich, erst mit lateinischen Buchstaben, dann noch mal mit griechischen..... Ich wusste ja nicht, wie man sowas macht.
Dadurch, glaub ich, hatte ich ihre Zustimmung gewonnen, und das half mir dann beim nächsten Problem sehr.
Denn nachdem alles geklärt war, alle Aufträge erteilt, alles geregelt,  da mussten wir dann ja als Nächstes wieder in die Pension zurück. Und da hab ich kurz extrem geschwächelt. Bis dahin war ich hochkonzentriert.... verhandeln, Probleme verstehen lernen und Entscheidungen treffen, zwischendurch ständig meine Mutter besänftigen, die sich völlig gehen ließ. Und ständig irgendwas wollte oder zu tun versuchte .... nichts davon war eine gute Idee. Wahrscheinlich, denke ich heute, konnte sie sogar in ihrem Suffkopp irgendwie mitkriegen, dass das grad eine gar nicht gute Situation ist. Und hat gelitten darunter. Ich weiß es nicht. Ich war nie so betrunken. Ich kann das nicht beurteilen.
Auf jeden Fall war ich hochkonzentriert... bis alles geregelt war. Da hab ich wohl nachgelassen. Und als dann das nächste Problem anstand, da hat es mich auf dem falschen Fuß erwischt. Ich hätte heulen können.
Ich glaube, ich konnte einfach nicht mehr....
Aber das war ja keine Option. Also: Taxi rufen.
Aber wie?
Das Telefon war absolut tabu für uns Kinder. Wir durften nie dran. Nie!
Und wir waren Kinder, die sich an so was hielten.
Befehl ist Befehl. Der wird ausgeführt.
Undenkbar, dass nicht.

Mein Vater ist im Dezember 16 geboren. Sein Vater ist aus dem ersten Weltkrieg nicht mehr heimgekommen. Er selbst, nach der Schule, in's Arbeitslager. Das war eine schlimme Zeit für ihn. Dann ist er in die Wehrmacht eingetreten. Da war es viel besser als im Arbeitslager. Und dort ist er geblieben. Nach dem Krieg dann noch lange in Gefangenschaft.... er kannte nichts anderes. So war seine Welt. Und unsre damit auch.
Alle Kinder wachsen in die Gesellschaft rein, die sie vorfinden. Das ist ihr Job. Pass dich an. Werde nützliches Mitglied dort. Das ist der Gang der Dinge. Bei Tieren, bei Menschen... pass dich an. Und das tun alle Kinder. Wenn sie es denn können. Es ist ihr Job.
Und den tun sie, so gut es eben geht.

Ich also, mit heißen Tränen in den Augen und einem Rest Pflichtbewusstsein in den Knochen, frag nach, wie man Taxis ruft. Jetzt sind sie sehr freundlich. Das weiß ich noch bis heute. Schreiben mir eine Nummer auf - weil ich mir nix mehr merken kann .... und dann steh ich vor dem Telefon an der Wand - und weiß nicht mehr weiter. Wahrscheinlich nur Sekunden. Mir kam's vor wie eine Ewigkeit.
Eine erbarmungslose Ewigkeit. An ihrem Ende stand immer
das Telefon.
Also wring ich aus mir das letzte bisschen Tatkraft. Benutze das Telefon. Kein Blitz erschlägt mich. Im Gegenteil - eine menschliche Stimme meldet sich. Ich melde tonlos meine Bitte, krieg's kaum raus. Bin überrascht, wie schnell es erledigt ist. Ich leg auf.
Ab jetzt bin ich im Stromsparmodus. Im extremen Stromsparmodus. Ich will nur noch auf's Klo. Ne Runde spucken vielleicht. Es fühlt sich so an.
Geht aber nicht. Meine Mutter hat entdeckt, dass sie zu Hause ist - und Gäste hat - sie will Kaffe kochen und lässt sich nicht davon abbringen. Verkündet mit Grandezza den Segen ihrer Gastfreundlichkeit.... was natürlich keiner versteht. Damals konnte noch kein Grieche deutsch. Es war noch vor der Gastarbeiterzeit. Und ich versteh auch nur so eine ungefähre Richtung.
Macht auch nix. Sie findet ja auch nix. Das macht sie erst wütend! Aber das ist nur ein Strohfeuer... sie sinkt wieder in sich zusammen, und ich bugsiere sie grad noch rechtzeitig Richtung Tür. Aus den einzigen Stuhl.
Irgendwann dann kommt das Taxi. Ich versuche mich irgendwie angemessen von den Handwerkern zu verabschieden. Entschuldige mich unbeholfen aber aus tiefster Seele für all die Erbärmlichkeit, für all diese Armseligkeit . Bedanke mich für alles. Und drücke ihnen einen Geldschein in die Hand. Ich hab öfters mal beobachtet, dass man das so macht. Sie wollen es erst nicht annehmen, vielleicht war es auch viel zu wenig? Ich habe kein Maß. Aber ich kann jetzt nicht mehr eine einzige unnötige Minute mehr aushalten - und zeige ihnen einfach die offene Geldbörse meiner Mutter. Es ist genug da. Nehmt nur. Es tut mir alles so leid.
Schwanke mit meiner Mutter im Arm Richtung Taxi - der Fahrer versteht schnell - und hilft. Gottseidank hab ich mir die Adresse unserer Pension eingeprägt! Dann weiß ich nix mehr - nur noch eine Szene: meine Mutter sitzt in ihrem Sessel und ich knie vor ihr. Zieh ihr die Schuhe aus. Und stülpe ihr die Pantoffeln über. Was gar nicht so einfach war. Und dann ist es vollbracht - und alles ist vollbracht! Und mit einer einzigen nicht endenwollender Bewegung
fällt alles von mir ab.
Tausende Tonnen, ganz geräuschlos, fallen von mir ab.
Und ich
falle mit ihnen
....
irgendwohin