Ein Schritt

Begonnen von nachtwind, 10 Mai 2025, 23:35:46

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nachtwind

Die äußerste Ecke der Liebe...
Ja, auch so ein Thema.

Auch da ist Leben schwer möglich. Ohne einen einzigen Stahl der Macht, der da reinblitzen kann.

Wenn Macht auch als ,ich!' gelesen werden kann, zum besseren  Verständnis, dann heißt die Liebe ,wir'.

Wenn ich jetzt die Liebe als Hingabe an das ,wir' verstehe - und bis in's Extreme verfolge, dann bleibt am Ende kein ,Ich' mehr übrig.
Nur Matschepampe. Pfütze.
Wenn ich glaube, Liebe ist Hingabe, ja, auch - aber niemals ohne dass da dann die eigene Macht, Kraft, dazukommt. Zu dem Verschmelzen. Dazu.
Ohne Macht ist das keine Liebe mehr. Sondern eben Pfütze.
Machtlos. Kraftlos. Ohne lebendige Stärke.
Ganz ohne Macht ist Liebe eine Pfütze. Sinnlos auch. Denn von dem Punkt aus geht keine Wirkung  mehr aus.
Da wird Liebe zur Unterwürfigkeit und hat keine Strahlkraft mehr. Die die Liebe immer! hat.

 Fritz Riemann (immer noch das einzige psychologische Buch, das ich besitze... wenn ich dran denk, dass ich es nur gekauft hab, weil es nur 5 Euro gekostet ha - oder 5 Mark? -, dann denk ich schon, dass selbst Geiz zu etwas Gutem führen kann) ;).... sagt: die größte Angst der depressiven Menschen die Angst vor der Selbst-Werdung.u
 Wenn das stimmt, erklärt das, warum Depressive so gute Zuhörer sein können. Ni hat immer sind. Aber schon immer wieder sein können.
Wenn ich so große Angst davor habe, selber mein Leben zu leben, dann wundert es nicht, dass ich lieber andren zuhöre, was sie in ihrem Leben so treiben.
Kann mich ja prima dann vor mir selbst verstecken. Vor meinem eignen Leben leben.

Also besser ein klares Taschenlampenlicht mit sich führen. Wenn man in einer depressiven Phase andren so viel Platz einräumt. Um rechtzeitig zu erkennen, dass Gefahr droht. Dass man sich bald vielleicht schon selbst nicht mehr spüren kann.
Ohne jede persönliche Kraft.
Das Rezept ist ja einfach. Es neigt sich dem Extrem zu? Rechtzeitig erkannt?
Führe eine gute Portion Macht dazu. Schon kommt das wieder in's Gleichgewicht.
Wie das geht?
Jeder muss da selber den leichtesten Weg dazu finden.
Nach meinem Dafürhalten ist es Wurscht, was du tust - Hauptsache du tust.
Betonung auf du = ich. Nebenbetonung auf tu.
wenn du sagst, ich kann nicht, da ist keine Kraft mehr in mir - dann werde kreativ. Kitzel deinen Reststolz. Willst du wirklich zulassen, dass du Pfütze wirst?
Formlos. Ohne jeden Knochen in dir, ohne Hände, ohne Beine ... hey!
Ich bin einfach gestrickt. Mir hilft so was.
Die Reaktion kann zeitlupenartig Wochen und Monate dauern. Das schon.
Aber die gute Nachricht ist: sie kommt!
Zumindest bis jetzt.

Wenn man das Prinzip erstmal zumindest als Arbeitshypothese in sich verankert hat, dann ist guter Rat nicht mehr so teuer.
Sicher, es ist mühsam, aus dem gefühlten Nichts doch noch einen Zipfel Macht in uns zu entdecken.
Deshalb ist ja rechtzeitig so ein Zauberzustand! In all solchen Disbalancen. Rechtzeitig heißt, ich hätte da noch einen Zipfel in petto. Nicht mehr rechtzeitig heißt nicht, es geht nicht mehr. Aber es ist wirklich mühsam.
Da muss man schon tapfer sein. Tapfer im Nicht- Aufgeben.

Aber man weiß. Dass es hilft. Auch wenn man nicht mehr recht dran glauben kann. Wenn man eine Zipfel findet. In sich. Einen Zipfel Macht.
Deshalb steh ich ja auch so auf Selbstwirksamkeit!! Das ist genau das - dieser Zipfel. Der Leben wieder möglich macht.
Der Zipfel Macht.

Liebe und Macht.... grundsätzlich nichts Neues.
Aber mir hilft das enorm.
Denn es ist nichts mehr richtig - und falsch. Gut - oder schlecht.
Beide sind herrlich - und beide nur dann, wenn es auch wirklich beide gibt!
Allein für sich sind beide
nix.
Also nix Erstrebenswertes.
Nur im Zusammenspiel gewinnt man die Vorzüge beider.
Und das Leben kann gelingen.
Es kommt immer auf die Balance an.

Das spielt sich im ganz alltäglichen ab: Liebe: mitfühlend, verletzlich auch...
Macht: cool, souverän...
wir entscheiden pausenlos, was von beiden jetzt angebracht ist.
Immer wieder neu.
Falls wir was verändern wollen in uns, können wir uns auch bewusst entscheiden, jetzt mal anders zu reagieren.
Wenn wir es satt sind, immer einen auf cool zu machen, dann liegt es an uns, uns für die andre Seite mal zu entscheiden. Wir können uns öffnen. Uns  auch mal verletzlich
zeigen. Selbst erleben. Aufregend? Ja! Aber geht.
Wenn wir es satt sind, immer der zu sein, der sich hintenanstellt und die andren auf sich rumtrampeln lässt, dann können wir sehr wohl mal üben, wie es ist, auch mal ,,Nein!" zu sagen. Aufregend? Ja! Aber geht!

Wenn wir es rechtzeitig merken, dass die Balance aus dem Ruder gerät, können wir da durchaus gegensteuern.
Wenn wir es verpassen, dann wird es mühsam. Da brauchen wir vielleicht auch Hilfe von außen. Eine gute Freundin. Ein richtig gutes Buch. Einen personal Trainer. Einen Therapeuten...
Rechtzeitig ist besser!!

Wir brauchen beide Pole. Im Leben.
Damit unser Leben gelingt.
Verlieren wir eine der beiden aus unserem Leben, dann kippt es ab.
Dann rutscht es weg.
Und wir finden uns hilflos wieder.
Machtlos. Ohnmächtig. Ohne Liebe. Ohne jedes Gefühl.

So weit die Theorie. In Kurzform.
Wenn ich abgerutscht bin, ist es alles soo mühsam.
Und hilft erstmal auch nicht mehr.
Aber dann eben doch. Mir zumindest.
Weil ich es besser einordnen kann.
Was wirklich los ist.
Dass nicht in mir drinnen alles falsch ist.
Sondern dass ich mich zu lange
auf einer Seite aufgehalten hab. Die andre vernachlässigt hab.
Ich brauch doch beide Beine.
Wenn ich vorwärts kommen will.
Spätestens wenn ich einseitig gelähmt bin, begreife ich, dass ich beide Beine brauch.
Zum gehen.
Und so brauch ich von beiden Großen Energieflüssen etwas in meinem Leben.
Wenn ich mich bewegen will.

Wenn ich immer nur vor allem ein Bein benutze, um vorwärts zu kommen, dann wird alles immer mühsamer und schwerfälliger. Je länger ich so geh.
Und irgendwann hab ich ein starkes Bein. Und ein verkümmertes.
Und wenn man älter wird, im starken Bein dann voll die Arthrose. ;)
Oder Knie. Oder beides. ;)
Dann fällt wirklich jeder Schritt schwer. Weil alles weh tut.
Das verkümmerte Bein.
Und das überangestrengte Bein.






nachtwind

Ich könnte ein ganzes Buch schreiben. Also zumindest was die Menge der Seiten angeht. ;)
Über die Macht  und die Liebe.
Und wir mittendrin.
Aber ich will mich ein bisschen sputen jetzt.
Ewig ist nichts. Außer die Ewigkeit. ;)

Also schau ich wieder nach mir.
Wie ich da so lieg. Wieder Zuhause. Nach einer langen Krankenhauswoche.
Und am ersten Morgen
allen Ernstes
meine Mitbewohnerinnen in unserem Zimmer vermisse.
Ihre Anwesenheit. In meinem Leben.
So krass!! So krass erstaunlich! Ungewöhnlich.
Nie vorher erlebt? Ich bin mir nicht sicher.
Ich erinnere nicht.
Aber das kann auch daran liegen, dass ich nicht aufmerksam war.  Dann.
Es nicht verstanden hab.  Was sich da auftut.
Vielleicht  nur als unangenehmes Gefühl wahrgenommen hab. Schnell weggedrückt. Ließ sich ja auch schnell wegdrücken. Ist ja nix Großes. Fertig.
Nicht erinnerungswürdig.
So könnte es auch gewesen sein.
Ich glaub es jetzt nicht. Aber das heißt nicht wirklich was.
Wär schon möglich auch.
Das Leben kurz mal geteilt mit anderen...
Also ganz vorübergehend. Ohne eigentliche Beziehung zwischen uns.
So kurz, dass ich dann bemerke:  wenn ich jetzt was vermisse, dann nicht jemanden speziellen. Sondern ich vermisse die Anwesenheit von freundlich gesinnten Menschen . In meinem Leben.
Ohne meine beiden so unterschiedlich lieben Frauen aus Zimmer 136 jetzt enttäuschen zu wollen. Natürlich vermiss ich sie auch persönlich.  Was wir miteinander erlebt haben, war doch sehr persönlich. Und sehr speziell gerade sie!

Aber nach nur einer Woche überwiegt doch eher diese andre Bedeutung.
Und die ist es, die die Glocken klingen liess. In mir.
Ich hab sie fast außerhalb von mir gehört!
So weltbewegend war das. In meinem klitzekleinen Leben doch weltenbewegend.
Wie sagte mal ein guter Freund unsrer Familie zu mir: ,,menschliche Kontakte können
auch schön sein."  Und er meinte es gut.

Ich habe ihm zugehört, und die Freundlichkeit darin gespürt. Seine Freundlichkeit.
Und ich wusste, er hat ja Recht damit.
Es war so, als wenn jemand dir erzählt, dass Thailand ein schönes Land ist.
Du hörst zu. Und freust dich dran. Und kannst es dir auch vorstellen.
Aber dahin selber kommen, das weißt du, wirst du nicht.
Du kannst nicht fliegen. Zu teuer.  Machst ja eh keinen Urlaub.
Das ist alles gar nicht schlimm.
Du hörst ihm gerne zu.
Und freust dich mit ihm.
Dass er da war.
Und dass Thailand so schön ist.
Auch wenn es mit dir jetzt nichts zu tun hat.
Das widerspricht sich ja nicht.

Die nächsten Tage bestanden wie die Tage im Krankenhaus aus:
jeden Tag ein bisschen mehr! Schaffen.
Viel liegen. Beine hoch. Die verlorenen Lymphknoten nicht vergessen!
Da klappt es jetzt nicht mehr so wie früher. Von allein. Da musst du jetzt was tun für.
Und immer wieder: ein Stückchen mehr schaffen.

Ein bisschen länger auf sein. Jeden Tag.
Das erste Mal einkaufen. Ein Erlebnis!
Und um den Beutel aus dem Wagen in den Kofferraum zu heben, einen starken jungen Mann drum bitten. Macht er gerne! Als er merkt, dass der Beutel jetzt nicht oberschwer ist, muss ich ihm dann doch in sein verdutztes Gesicht hinein erklären, frisch aus dem Krankenhaus, Op im Bauchraum... jetzt hat er es noch gerner gemacht!
Und ich danke ihm aus vollem Herzen. Nicht nur für den kleinen Hub.
Für sein Mitgefühl auch.
Win-win.

Zuhause dann: du darfst nur 5 Kilo tragen!
Gottseidank hatte die Freundin meiner Tochter eine grandiose Idee für dieses Problem: aufteilen. Zweimal gehen.
Wär ich jetzt nie drauf gekommen, so auf die Schnelle. Vielleicht nach zwei Monaten.
Ich also mal geraten - was sind wohl 5 Kilo?
Den Beutel über die Schulter gehängt. Ist bestimmt entlastender für den Bauch? Und dann mal vorsichtig losmarschiert.
Schaff es dann auch ohne Pause machen zu müssen.
Wiege gleich mal den Beutel - gut geschätzt.
Geschafft.
Jetzt das, was ich mir nicht so recht zugetraut habe - geh ich noch mal ein zweites Mal?
Mach ich überraschend ohne Widerstände. Wie selbstverständlich.
Und schaffe auch das.

So kleine Erfolge jeden Tag.
Kein Wunder, dass ich die Genesungszeit in wirklich schöner Erinnerung habe - jeden Tag ein bisschen mehr, jeden Tag ein bisschen besser, jeden Tag ein Stückchen mehr Selbstständigkeit wieder...
es war eine fruchtbare Zeit! Für mich.
Die einzigen zwei vorübergehenden Rückschläge waren beides auf die Medikation des Krankenhauses zurückzuführen. Wenn man mich einfach  lässt, dann wird es Tag für Tag einfach immer nur
ein bisschen besser. Das Leben. Mein Leben.
Das ist eine wirklich durch und durch stärkende Botschaft!
Ich bin sehr sehr dankbar. Dafür.
Das Leben meint es wirklich gut mit mir!

Mir tut das immer so gut. Wenn ich das wahrnehme.
Es ist einfach so schön, wenn es jemand gut meint mit einem.
hey :)

nachtwind

, ich liege auch viel. Es ist schon überraschend, wie schwach einen so eine Operation machen kann.
Überraschend wahrscheinlich, weil ich mich ja nicht an sie erinnere. Ich merke nur: ich bin ziemlich mitgenommen.  Warum das jetzt, das merk ich ja nicht. Es geschah mir. Aber ich war ja nicht dabei.
Ich merke nur die Spuren.

Und ich denke  vermehrt an meine Mutter.
Ob es daran liegt, dass ich an meine Gebärmutter denke? Immer wieder?
Im Krankenhaus war so viel los für mich... jetzt kann ich einiges nachholen.

Ja, meine Mutter... hartes Brot, über sie nachzudenken.
Wer war sie? Und: wer war sie wirklich?
Wovon hat sie geträumt? Aber vor allem: was war ihr einer, ihr ganz eigner Traum? Der wichtige? Der entscheidende?

Sicher hat sie davon geträumt, dass Nazideutschland das hält, was es versprochen hat. Ganz sicher! Die Augen leuchteten, wann immer das Thema wurde.
Und ganz sicher musste sie das auch - musste weiter dran glauben, dass das das einzig richtige war. Und ist.
Wie sonst konnte sie vor sich selbst verbergen. Was sie getan hatte.
An ihrem eignen Bruder.
Dann doch lieber mit Stolz davon berichten, wie sie den Hausarzt ,,überreden" musste. Dass er ihn einweist. Nach Meseritz. In die Heil-und Pflegeanstalt für psychisch Kranke. In der mehr als 10 000 Menschen ermordet wurden.  Ganz unter anderem auch ihn. Mit 15 Jahren.

Meine Mutter war nicht politisch interessiert. Sie war gläubig. Innig gläubig.
Mit Haut und Haaren gläubig.
Zur falschen Zeit. Am falschen Ort.
So einfach kann das manchmal sein.
Dass man sich in's Elend katapultiert.
Im besten Wissen und Gewissen
das Grausame wählt. Ohne es zu bemerken.
Was an innig gläubig kann denn falsch sein?

Eine erste große Entlastung in dem Grauen, das in mir sein Reich gefunden hatte, seit sie mir das das erste Mal erzählt hatte, mit leuchteten Augen..... ich war elf. Ich wusste nichts von Nazideutschland. Wir lebten in Namibia. Ehemals Deutsch-Südwest Afrika. Inmitten allumfassender Apartheit, die man nie in Frage stellen durfte. Und nie die Naziverbrechen gegen die Menschlichkeit erwähnen durfte. Nie!! Noch nicht mal, dass es Nazis gab.
Ich war elf. Und wir waren im Elternschlafzimmer. Ich seh es noch vor mir. Als gäbe es ein Foto davon. Als sie es mir erzählte.
Da ging in mir ein Fenster auf, unschliessbar ... und hereinströmte das Grauen. Unaufhaltsam. Und lebt seitdem in mir.
Wie eingeboren.
Vielleicht ist es mir ja eingeboren. Zumindest dieses eine Fenster. Durch das ich immer das Grauen sah.
Und nicht wusste, es ist meines.

Die erste große Entlastung kam mir, als ich beschloss, mal die  Bibel zu lesen. Du suchst bei den Indianern, bei den Buddhisten, bei den Sufis ... schau halt auch mal in deine eigne Kultur. Auf der Suche. Nach Antworten.
Wie denn das Leben gedacht ist.
Wie es gehen kann.
Wie leben geht.

Und ich auf Abraham stieß. Der seinen eignen Sohn töten wollte. Weil Gott das so wollte. Er mit seinem Sohn auf den Opferberg stieg. Der Sohn trug das Holz - er das Feuer. Und das Messer.  Oben auf dem Berg seinen Sohn fesselte, auf den Altar legte. Und schon das Messer in der Hand hatte, seinen Sohn zu schlachten - als der Engel ihn rief. Und verhinderte, dass er seinen Sohn schlachten konnte.
Genesis 22, 1-19
Und dieser Abraham nun von Gott verherrlicht wurde. Und mit großem Segen bedacht wurde. Er - und alle seine Nachkommen.
Deswegen.
Weil er seinen Sohn töten wollte. Weil Gott es gefordert hatte.

Er wird verehrt, dieser Abraham. Nicht nur von den Christen. Auch die Juden und Muslime berufen sich auf Abraham. Als ihren Vater. Von dem sie abstammen.
Und beanspruchen den Segen Gottes auch auf sich.

Ob es deshalb so viel Kriege gibt?
Weil alle stolz sind, von dem abzustammen, der seinen eignen Sohn schlachten wollte?! Weil sein Gott das von ihm wollte?!
Weil auch sie den Segen Gottes wollen. Dass er auf ihnen ruht?

Wie anders wäre unsre Geschichte gelaufen, wenn Abraham selbst innegehalten hätte. Und gesagt: Du mein Gott, ich wollte dir gehorchen. Du siehst: ich bin hier, mit meinem Sohn auf dem Opferberg. Ich habe es versucht. Ich kann es nicht tun. Er ist mein Sohn. 
Und er dann dafür geehrt worden wäre. Und mit großem Segen bedacht worden wäre. Er - und alle seine Nachkommen.
Alle drei Religionen, Christentum, Judentum und Islam verehren ihn als ihren Vater.
Wäre unsre Welt dann eine ruhigere?
Ich glaub es schon.

Damit wir zusammenleben können, brauchen wir gemeinsame Werte.
Sonst sind wir alle der Willkür der Stärksten ausgeliefert.
Wir brauchen gemeinsame Werte.
Sonst wird das nix. Mit uns.

Wenn unser Vater, auf den wir alle uns berufen, ein Vater ist, der seinen geliebten Sohn schlachten will, weil Gott es so will, dann prägt uns das alle: Juden. Christen. Muslime. Wir alle spüren in uns: du musst fähig sein, alles und jedes zu schlachten. Wenn es Gott so will.
Und wenn unser aller Vater, dessen Segen auch auf uns ruht, ein Vater ist, der seinen Sohn nicht opfern kann. Auch wenn Gott es so will, dann prägt uns das alle: Juden. Christen. Muslime. Wir alle spüren in uns: du musst nicht blind alles töten.  Nur weil Gott es so will. Du musst auch selbst entscheiden: ist das jetzt richtig? Oder falsch?
Unsere Welt wäre eine andre.
Ich bin mir da ziemlich sicher.

Das Grauen blieb. Klar. Aber Entlastung war es trotzdem. Vielleicht ist meine Mutter doch keine Hexe gewesen?
Wenn es doch andre auch tun? Menschen, die gerade deswegen so geachtet wurden?
Das Grauen verschob sich auf alle Menschen.
Und dass meine Mutter vielleicht doch keine Hexe war, war schon sehr erleichternd.
Sicher, ich war schon lange erwachsen, als ich die Bibel las. Und  Abrahams Geschichte las. Und verstand.
Aber der Kinderglaube und die Kinderfurcht  lebt ja weiter in einem. Egal wie alt man ist.
Das Gute ist: dadurch lässt sie sich auch im Nachhinein ein bisschen besänftigen.
Immerhin.