Überfordert mit dem Enkel

Begonnen von sensibel, 07 Dezember 2025, 10:55:23

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sensibel

Seit 5 Jahren ist mein Enkel bei mir. Mein Körper zeigt mir, dass es zuviel wird, ich habe seit Juni Magenprobleme und etwas länger Herzprobleme . Letztes Jahr habe ich ihm gesagt er möchte nach Hause gehen, es geht nicht mehr. Es kam zu Diskussionen, seine Mutter will ihn offensichtlich nicht. Von da kommt also keine Unterstützung.
Ich bin 63 Jahre und er ist 21. Selbst jetzt wo ich es schreibe geht es mir schlecht, ich zittere am ganzen Körper und mir ist schlecht. Da kommen Schuldgefühle, schlechtes Gewissen und Ängste durch...
Unterstützung und Hilfe bekomme ich kaum von ihm, nur Mehrarbeit. Es ist wie Hotel Oma.
Ich kann nicht mehr...


Hardworking Fool

Der Satz "Geben ist seliger denn nehmen." Ich halte das irgendwie für falsch. Immer nur geben ist nicht gut. Manchmal muss man auch nehmen. Und wenn es "nur" Zeit für sich selbst ist, die man sich nimmt.


sensibel

Ich habe es meinem Enkel gerade gesagt.
Ich danke dem Mitglied für ihre Antwort, bin neu und habe noch nicht rausgefunden wie es hier funktioniert, deshalb antworte ich nicht direkt.
Es gab schon öfter Probleme, nach einem Gespräch funktioniert es für kurze Zeit, dann ist alles beim Alten. Ich wasche und putze , was mir mehr oder weniger gelingt, je nachdem wie schlimm die Depression ist. Seit 20 Jahren habe ich sie und war in der Zeit nur dreimal für 2-3 Wochen raus. Es ist so schön sehr schwer immer weiter zu machen. Richtig Essen kochen gelingt mir auch nicht mehr, bin damit vollkommen überfordert, ich fange an zu zittern und bekomme Kreislauf Probleme. Der ganze Stress ist mir zuviel, ist ein Enkel da ist alles anders als wenn man alleine ist. Mach ich sauber, dann bleibt es sauber, bei meinem Enkel muss ich viel mehr hinterher Putzen und dafür fehlt oft die Kraft, sodass das andere liegen bleibt....Ich habe ihn sehr lieb, aber es geht nicht mehr. Wenn ich so weiter machen würde, kommt als nächstes ein Herzinfarkt, wie bei meiner Mutter, sie ist leider nur 64 Jahre geworden... Hoffentlich werde ich nicht wieder weich weil mir die Kraft zum durchsetzen fehlt. Nein ich muss jetzt an mich denken und hoffentlich wieder etwas erholen.

nachtwind

Hey sensibel..
das klingt nicht gut, was du über deinen körperlichen Zustand schreibst. Klingt wirklich nach: ich kann nicht mehr! Das ist überhaupt nicht schön...
Wenn ich merke, dass ich wirklich nicht mehr kann, dann ist es immer! ein Alarmzeichen an mich: Du musst was ändern!! Dringend!

Jetzt hab ich erstmal eine Frage an dich - willst du in den Austausch gehen zu deinem Thema? Oder lieber einfach nur alles mal losschreiben, rausschreiben, loswerden?
Beides ist gut und wirksam, und für beides ist hier Platz.
Ich frag nur,weil ich erstens dich nicht zuschütten will mit fremden Gedanken - und zweitens weil, wenn du Austausch suchst, es vielleicht geschickter wäre, dafür einen eignen Platz zu schaffen.
Ina kann sowas. Und: sie hat eine Engelsgeduld mit ihren Mitmenschen, die erstmal hilflos sind... digital - und sonst wie.
Und falls du Austausch magst: hat dein Enkel Arbeit?

sensibel

Danke, er ist im 2. Lehrjahr und muss noch ein Jahr, solange wollte ich durchhalten aber schaffe ich nicht mehr.
Ich habe ihn lieb und er ist auch lieb und hängt an mir, hilft aber auch nicht weiter. Wirklich Hilfe bekomme ich nicht, nur Mehrarbeit. Ich habe in meinem Profil auch was geschrieben, weil wirklich zurecht komme ich hier noch nicht. Bin neu. Hilfe und Unterstützung wäre schön

nachtwind

Liebe sensibel,
wir kennen dich nicht, ich kenn dich nicht... wenn ich also hier aufschreibe, was mir durch den Kopf geht, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich ziemlich oft ziemlich daneben liegen werde. Trotzdem versuch ich's mal. Und taste mich vor. Auf der Suche...

Ich versteh gut, dass du dir mehr Unterstützung wünscht. Mehr noch: so brauchst, dass es förmlich knirscht.
Und ich versteh auch gut, dass du es von deinem Enkel- und Ziehsohn erwartest. Wer, wenn nicht er?
Er wohnt bei dir. Du hast so viel für ihn getan. Er ist jung, hat noch Kraft.
Und lieb hat er dich auch.

Aber so wie ich das Leben verstehe, ist er kein guter Partner für so etwas.
Für Unterstützung grad.
Er ist ein ganz junger Mensch. Irgendwo zwischen Kind und schon mal ein bisschen Erwachsen werden.
Er hat so viel Zweifel auch, ob er das schafft. Erwachsen zu werden. Das braucht so viel Kraft. Immer wieder: weiterzumachen. Auch wenn was schiefgeht. Und er wieder zweifelt. An sich. An seiner Chance.
Dass sein Leben wirklich gelingt.
Er hat ja nun auch schon einen heftigen Schlag weg. Was gesundes Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, Zutraun in sich und seine Fähigkeiten angeht.
Seine Mutter will ihn nicht mehr.
Sein Vater? Schon früh ihm gezeigt, dass er nix wert ist?
Zumindest nicht wert ist, dass er bei ihm bleibt?
Oder sonstwie abhanden gekommen?
Hat der Kerle denn überhaupt jemanden, der ihm zeigt: du bist es wert, dass ich mich um dich kümmer?
Ja, hat er. Seine Oma. Die hat ihn lieb. Die glaubt an ihn. Die unterstützt ihn, wie sie nur kann.
Kochen geht nicht mehr. Und putzen auch nicht mehr. Nicht mehr genug für zwei.
Und die förmlich zusammenbricht. Grad.

Soweit ich das verstanden hab, was Depression ist und was sie anrichten kann in einem, (je nachdem, wie einer so gestrickt ist halt), dann liegt es nahe zu sagen: wir Depressive reagieren oft gleich. (Nicht alle. Aber viele eben.)
Wird's schwierig, versuchen wir nicht in die Welt zu greifen. Und zu versuchen, dort Hilfe zu finden.  Sondern wir greifen in unser eigenes Energiesystem. Und versuchen dort, die Lösung zu finden. Die Kraft. Die fehlt.
Solange, bis das System zusammenbricht. Klar. Ist logisch. Irgendwann ist leer.

Hättest du jetzt keinen Enkel- und Ziehsohn, ich hätte wenig Hoffnung, dass es Sinn macht, dir so was zu sagen.
Aber du hast ihn. Du hast ihn lieb. Du hast ihn so lieb, dass du vieles auf dich genommen hast. Um ihn zu unterstützen.
Und nur, weil du ihn hast, weil du ihn liebst, macht es Sinn, dir zu sagen: tu es für ihn!! Überwinde dich mehr, als du scheinbar kannst! Aus Liebe zu ihm.
Was wird aus ihm, wenn seine Oma und Ziehmama auch noch wegbricht??
Nur weil sie gewohnt ist,niemals draußen eine Hilfe zu erwarten.
 Nur weil sie sich die Schande nicht antun will. Um Hilfe zu bitte.
Hey.... Es ist keine Schande, sensibel. Es ist Liebe! Liebe zu deinem Enkel und Sohn... es ist die größte Überwindung vielleicht in deinem Leben.
Und hättest du nicht diese Liebe in dir, ich hätte nicht viel Hoffnung.
Das du das auch nur erwägst.
So aber
glaube ich ein bisschen daran. Dass du es schaffen könntest. Wenn du nur all deine Liebe zusammenpackst und ergreifst. Und es
für deinen Enkelsohn
wagst.
Um Hilfe zu bitten. Draußen.

Bitte!! Erwäge es zumindest. Bitte.
Für deinen Enkelsohn.
Er hat doch nur noch dich.
So schilderst du es zumindest.

Und die ganze Kraft aus dir selber zu ziehen, das ist ganz deutlich nicht mehr möglich.
Es muss sich etwas ändern! Ja.

Aber es  muss nicht unbedingt so aussehen, dass er weg muss. Damit du nicht untergehst.
Es kann auch sein: dass du dir Unterstützung suchst. Draußen. Für euch beide.
Damit ihr beide
zusammen
es schafft. Euer Leben zu leben.

Es gibt Unterstützung! Auch für euch.
Nur leider bin ich ein hundsmiserabler Sozialarbeiter. Ich hab viel zu wenig Ahnung von Hilfestellen, an die man sich wenden kann.
Hausarzt als erstes, ja. Er soll und kann es in die Wege leiten.  Denke ich mir so. Keine Ahnung. Bei uns gibt es Haushaltshilfen. Die kommen, wenn die Mutter krank wird, zB. Die wuppen den Haushalt, und die Kinder auch. Solange, bis es besser wird..
Ich glaub, die Krankenkasse zahlt es.
Bei euch gibt's ja keine Kinder mehr. Ihr kommt doch zurecht miteinander, oder?
Bei euch wär's ja nur der Haushalt. Muss ja auch nicht jeden Tag sein.
Ist doch auch für die Allgemeinheit die mit Abstand!! billigste Lösung.
Dass dein Enkelsohn seine Ausbildung fertig machen kann.
Und im Beruf Wurzeln schlagen kann.
Und du nicht vor die Hunde gehst.
Sondern für ihn da sein kannst. Und für dich. Dich freuen kannst.
An eurem gemeinsamen Leben.

Kann dein Enkelsohn vielleicht sowas in die Wege leiten? Für dich?
Oder willst du es lieber selber tun?

Es gibt noch bestimmt ganz andre Ideen, wo ihr Unterstützung bekommen könnt.
Ich bin da sehr schlecht dadrin.
Aber vielleicht fällt dem einen oder anderen hier noch was ein.
Es ist doch nur der Haushalt!!!  Erstmal...
Das muss doch irgendwie gehen.

Falls ich jetzt völlig daneben lieg, oder auch knapp - sag es. Vielleicht findet sich doch eine Lösung. Eine andre dann eben.
Hey:-)





nachtwind

Ich weiß nicht, was dich gerade umtreibt...  mich beschäftigt es noch.
Ich denke mal so: wär es nicht schön, wenn du etwas tust für deinen Enkel - und selber profitierst?
Kuck, er wird dich eh in spätestens 2,3 Jahren verlassen. Er wird eine Freundin oder einen Freund finden und zusammenziehen wollen.
Und dann bist du allein.
Wär es da nicht schön, wenn du jemanden hättest, der ein, zweimal in der Woche nach dir schaut? Dir ein bisschen unter die Arme greift? Mal Fenster putzt, weil deine Schulter nicht mehr so richtig mitmacht...  das Bad mal schrubbt, auch in den Ecken... halt einfach das, was dir eben schwer fällt.
Und es dir ermöglicht, in deinen vier Wänden bleiben zu können. Ohne Sorgen.
Dass du das nicht mehr schaffst?
Vielleicht ist sie ja auch nett. Die Hilfe, um die du dich jetzt kümmern könntest.
Und die bleiben wird, wenn es für dich stimmt. Auch wenn dein Enkelsohn auszieht.
Wär das nicht eine gute Hilfe für dich? Eine Entlastung nicht nur jetzt, in der Großen Not. Sondern langfristig. Für dich.
Wenn du so lange ein so schweres Leben hast führen müssen - meinst du nicht, dass du es verdienst, ein bisschen Unterstützung zu bekommen? Im Alltag?
Damit du ein klein wenig aus dem Druck rauskommst. Nur ein klein bisschen. Meinst du nicht, dass das einen Versuch wert ist?

Wenn du Probleme mit deinem Enkelsohn hast, vielleicht sogar Angst hast vor ihm - sicher, dann sollte man anders drüber denken. Dann ist das vielleicht keine Lösung für euer Problem.
Aber selbst dann wär es doch trotzdem wichtig und richtig für dich, oder?
Auch für dich ganz allein.
Ich würde es auf jeden Fall versuchen - so oder so. Mit oder ohne Trennung.
Für dich.
Aber wie gesagt, ich glaube, für ihn darum zu bitten, wäre einfacher für dich.
Und das wär doch schön, oder? Wenn du auch davon profitierst. Dass du für ihn da bist. Oder gewesen bist.

Hilfreich ist auch immer, sich mal vorzustellen, wie es wär, wenn er nicht mehr bei dir wohnt. Also nicht jetzt die große Erleichterung, die du dir davon versprichst. Und die ganz sicher eintreten wird.
Ich meine eher das zu suchen, das dir dann fehlen würd.
Er tut dir doch auch gut.
Nicht so, wie du es gerne hättest und ganz gewiss auch dringend brauchst - aber eben anders. Wo tut er dir denn gut? Wohnt ihr im dritten Stock und er trägt dir die schwereren Einkäufe hoch? Wechselt er die Glühbirnen, weil dir auf der Leiter schwindlig wird? Lacht ihr manchmal zusammen? Erzählt er manchmal was? Foppt ihr euch manchmal, weil ihr eure Schwächen so gut kennt?
So Zeugs halt. Was würde dir fehlen?

Mir hat das immer geholfen, wenn eine Beziehung zu anstrengend für mich wurde. Ich sie aber aus irgendwelchen Gründen nicht einfach zur Tür hinaus bugsieren  konnte. Oder wollte. Es hat mir geholfen, nicht nur auf das zu schauen, was es mich kostet. Eindeutig kostet. Sondern auch auf das, was ich bekomme von demjenigen.
Sicher, aufrechnen geht so nicht so gut. Also bei mir war das gefühlt immer auch Schieflage. Aber um's aufrechnen geht es auch gar nicht. Nur um's aushalten. Dass das leichter wird.
Und wenn es leichter wird, wird es meistens besser.

Und irgendwann taucht ja dann immer auch ein ganz  andres Problem auf, ganz von allein. Und verdrängt das jetzige. An Wichtigkeit.
Und vielleicht ist es dann sogar ganz gut, jetzt nicht allein zu sein. Dass man durchgehalten hat. Und jetzt nicht allein ist. Damit.
Oder man ist froh, dass man Gottseidank jetzt allein ist. Weil man so das neue Problem viel leichter lösen kann.

Man kann es einfach nicht wissen.
Vor allem wir Außenstehenden mal überhaupt nicht.
Kannst nur du. Entscheiden.
Wissen tut man ja eh erst sehr viel später. Ob es gut war. Oder nicht.
Wenn überhaupt.

Keine leichte Zeit für dich!
Das tut mir leid.
hey