Ich bin wieder hier - die Vergangenheit holt mich erneut ein...

Begonnen von LostSoul, 27 Januar 2026, 13:01:37

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LostSoul

Hallo liebes Forum...

Da ich gerade einfach nicht weiß, wohin mit mir, und ich noch sehr gute Erinnerungen an dieses Forum hab, da mir hier viel geholfen wurde, schreib ich hier einfach mal wieder. Auch wenn mir eigentlich selbst dazu die Kraft fehlt...

In meinem Leben hat sich sehr viel geändert in den letzten Jahren. Ich habe meinen Partner geheiratet, wir sind seit 2017 zusammen, wir haben uns beide dazu entschieden auszuwandern, weil wir mit der Gesellschaft in Deutschland einfach nicht mehr klar kamen. Ich habe eine Möglichkeit gefunden, online ein wenig Geld zu verdienen, außerdem gehen wir zwischendurch immer mal wieder arbeiten in Saison-Jobs und finanzieren so unser leben. Wir reisen viel mit einem Camper, den wir uns gekauft haben, leben ansonsten relativ autark auf einem Grundstück hier im Ausland in einem kleinen Dorf.

So jetzt könnte man meinen, was will die denn dann hier, die hat doch ein super Leben.
Tja, das habe ich auch gedacht, aber irgendwann holt einen die Vergangenheit doch wieder ein. Es fing etwa im Dezember wieder an. Zunehmend machte ich mir mehr Gedanken, war oft grundlos traurig - und eines nachts dann kamen wieder die Träume aus der Schulzeit. Es war so real, so klar. Ich wachte schweißgebadet auf und konnte nicht mehr einschlafen. Das Mobbing hab ich bis heute nicht überwunden.

Es waren damals von der Grundschule bis zur 10. Klasse viele viele Jahre der Demütigung. Als ich letztens aufwachte kam mir sofort plötzlich der Satz in den Kopf, den sie mir damals sagten "Es wäre besser, wenn du tot bist". Und dann kam alles wieder hoch... Sie lachten täglich über mich, sie grenzten mich aus, sie machten Kotzgeräusche, sobald sie mit mir in einer Gruppenarbeit zusammenarbeiten mussten. Sie beschmissen mich in den Pausen mit Hundescheiße, sie sagten ich bin so hässlich ich würde nie irgendjemanden finden, der mit mir zusammen sein will. Sie versuchten mir die Haare anzuzünden. Egal was ich sagte, selbst im Unterricht, es wurde einfach nur gelacht. Einfach weil ich es war, die den Mund aufmachte. Jeden Tag Ausgrenzung und Erniedrigung. Und das fast 10 Jahre lang. Und in der Ausbildung danach ging es weiter. Der Grund: Ich unterstützte eine Mitschülerin, die von anderen gemobbt wurde - und wurde dann selbst wieder zum Opfer, wurde angeschrien, beleidigt, keiner wollte mehr etwas mit mir zu tun haben... Das macht was mit einem Menschen. Das macht dich psychisch einfach komplett kaputt, das traumatisiert und zerstört dich innerlich.

Derzeit geht's mir richtig schlecht. Ich komme irgendwie gar nicht mehr klar, bin absolut antriebslos seit Wochen, könnte nur noch im Bett liegen und nix tun. Manchmal lieg ich da und fang einfach so an zu heulen...
Es ist eigentlich genauso schlimm wie damals. Und ich hab das Gefühl, derzeit nix tun zu können, um aus diesem Loch rauszukommen. Es sind auch noch viele andere Dinge, die mich belasten, in Bezug auf meine Eltern, in Bezug auf kaputte Freundschaften und seelische Verletzungen, die ich im letzten Jahr erfahren musste. Extreme Enttäuschungen. Fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel, nachdem ich es nach langer Zeit geschafft hatte, endlich jemandem zu vertrauen und über mein Leben zu reden.

Aber das wäre jetzt zu viel, um das alles noch zusätzlich aufzugreifen. Ich bin kaputt. Ich hab auch so eine extreme soziale Angst seit der Schulzeit.. Immer, wenn es darum geht, fremde Leute wegen irgendwas anzusprechen, schicke ich meinen Mann vor. Ich traue mich einfach nicht, aus Angst, wieder ausgelacht oder abgelehnt zu werden... Wenn andere auf mich zukommen geht's. Aber selbst den ersten Schritt machen, keine Chance.

Naja, soviel erstmal dazu..
Tat gerade gut, das mal alles niederzuschreiben.

Liebe Grüße
LostSoul

claudi

Liebe Lost Soul,

Ich finde es liest sich doch ganz positiv bei dir.

Vielleicht ist jetz der richtige Zeitpunkt um das Erlebte der Vergangenheit zu verarbeiten.
Vielleicht gerade deshalb weil du sicherheit um dich hast.
Deinen mann, deinen flecken erde auf dem du gerne lebst, deine unabhängigkeit.

Ich weiß nicht. Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit dir professionelle hilfe zu holen.

Den ersten Schritt hast du ja schon getan du hast es hier schon mal fließen lassen können

Du hast worte dafür gefunden.

Das schreiben ist immer die vorstufe zum sprechen

Also schön das du wieder hergefunden hast
Auch wenn der anlass erstmal nicht so toll ist.

Lg claudi
Ich kämpfe-bis zum Schluss!!
Step by step!!

nachtwind

Ich will noch zwei Sätze dazustellen, die mir jetzt so in den Kopf kommen, wenn ich deine Zeilen les.

Halte unbeirrt Ausschau nach irgendetwas, dass dich mehr interessiert als dein Elend.
In den Zeiten, in denen man hilflos im Loch festzustecken scheint, ist es immer hochhilfreich, irgendetwas zu finden, und wenn es nur für 5 Minuten ist (länger natürlich gerne !), dass einen eben mehr interessieren kann als nur immer wieder das gleiche alte Elend.
Es muss nix Wichtiges sein! Nix, was weiterhilft! Nix Befreiendes! Nix Sinnvolles.
Dass es einen überhaupt mal interessieren kann, ist schon genug.
Irgendein Kram... Steine auflesen auf eurem Grundstück. Große zu großen sammeln, mittlere zu mittleren, kleine zu kleinen. Irgendwas. Jeden Tag 5 Vokabeln lernen in der Sprache des Landes, in dem ihr lebt. Halt nur irgendwas.
So lange du halt durchhältst. Es gibt kein Limit. Keine Linien, die man einhalten muss.
Es reicht erstmal schon, wenn du dich gar nicht aufraffen kannst, wenn du dir das wenigsten vorstellst. Wie du das tust.
Sei aufmerksam dabei.

Anderer Gedanke: wenn du gar nichts findest, was dich mehr interessiert als deine Probleme, dann nutze eben genau das.
Irgendwo in eurer Nähe wird ein Bach sein, ein bewegtes Wasser. Bei Wind geht auch stehendes Wasser.
Such dir dort einen guten Platz für dich. Das Gesicht zur Sonne.
Und dann tu halt das, was dir zur Zeit am wichtigsten ist: denk über dein Elend nach.
Und behalte dabei die kleinen Twinkles im Auge, die die Sonnenstrahlen auf dem Wasser tanzen lässt. Nur das. Sonst nix. Sonst kannst du über alles nachdenken, was dich belastet. Nur schau halt immer auf die Twinkels dabei.
Mehr nicht.
Wenn du eh nix andres machen kannst grad, dann such dir eben diesen Platz aus. Und geh dorthin.
Ist ein völlig kostenloses Geschenk der Natur. An uns.
EMDR. Einfach so. Kann man machen.
Besser als nix.

Erwarte keinen direkten Nutzen!
Tu es einfach.
Du bist nicht allein.

Ponyhof

Liebe lostsoul

Keine Ahnung, ob Dir das hilft. Aber ich kenne sowohl das mit dem Mobbing, als auch das mit dem mit-den-Sätzen-von-damals-aufwachen. (Mein Satz zum damit aufwachen lautet "Ich schlag' Dich tot". Aus irgendeinem Grund kommt der viel häufiger als "Geh und erschieß' Dich!". Ob der noch im Unterbewusstsein wartet, bis ich so weit bin? 🤷🏼�♀️).

Jedenfalls habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese Erinnerungen mit dem Satz in Wellen zurück kommen. Immer, wenn es Zeit wäre einen Teil davon zu verarbeiten.
Wäre wohl etwas viel verlangt sowas am Stück zu verarbeiten, insbesondere weil, wie Du ja selbst schreibst, ein Stück Entwicklung dadurch fehlt, dass es so lange ging.

Ich meine: Ich verstehe. Wirklich ehrlich und aus eigener Erfahrung, dass Du den Menschen nicht trauen magst. Wieso solltest Du auch?
Aber ich fürchte, dass der Mensch nicht dafür gemacht ist alleine zu leben. Und dass wir deshalb die Fähigkeit *brauchen* mit anderen zusammen zu arbeiten.
Ihnen *ein Stück weit* zu trauen. Und *ein Stück weit* skeptisch zu bleiben zum eigenen Schutz.

Und deshalb glaube ich, dass solche alten Geschichten dann hochkommen, wenn es "eigentlich" an der Zeit wäre, die Fähigkeiten zu nutzen, die wir damals-hätten-lernen-sollen, aber nicht gelernt haben. Weil sie fehlen.

Und wenn man bis zu diesem Punkt gekommen ist. Dann liegt mMn klar auf der Hand, dass man lernen muss, was man nicht kann - weil dann und nur dann diese Bilder und Alpträume verschwinden.

Ätzend? Japp. Ganz deiner Meinung...

Weißte @LostSoul, die Therapeuten erzählen immer, man *dürfe* Vertrauen lernen und so ein Zeug.
Finde ich vollkommen idiotisch. Erstens würde ich lieber drauf verzichten, was hat das also mit "dürfen" zu tun?
Und zweitens halte ich blindes Vertrauen für ebenso lebensuntauglich wie blindes Misstrauen.

Fakt: Fremde Menschen sind fremd. Sie sind möglicherweise potentielle neu-Freunde. Und möglicherweise potentielle neu-Sadisten. Welches von beiden weiß man nicht. Aber da man nicht jedem Menschen aus dem Weg gehen kann. (Funktioniert nicht, merkste gerade, siehst Du es?) Bleibt meines Erachtens nichts, als sie vorsichtig kennen zu lernen. Erstmal nur ein bisschen. So kann man sich nach und nach rantasten. Dann wird man ja sehen, ob sie Freund oder Feind sind...

Ich bin lange Zeit für Freunde durchs Feuer gegangen. (Wer mit "ich schlag' Dich tot" aufgewachsen ist, weiß Menschen zu schätzen, die einen nicht totschlagen wollen. Finde ich ziemlich logisch.) Aber natürlich steckt viel Enttäuschungspotential darin sein Leben geben zu wollen für Menschen, die einen nicht totschlagen wollen. Weil das sooooo spektakulär halt nicht sein sollte...
Der normale (sagen wir lieber: normalere. Der Weg ist noch weit!) - normalere - Umgang mit Menschen, die mir nicht ewige Treue schwören, mich aber auch nicht umbringen wollen, will gelernt, geübt und eingewöhnt werden.

Nach und nach.

Man kann wohl nicht jedem Bekannten Blutsbruderschaft schwören und für ihn sonstwas tun. Aber deshalb ist auch nicht gleich jeder, der dafür ungeeignet ist der Feind...

Mein Vorschlag wäre, dass Du anfängst die Menschen wegen Sachen anzusprechen, die Dir eigentlich egal sind. Um es zu üben. Nehmen wir an, Du fragst mich nach der Uhrzeit und ich sage "Sag ich nicht!"
Letztlich egal, oder?
Du brauchst die blöde Uhrzeit doch gar nicht. Die Mutprobe mich zu fragen, hast Du bestanden! Und "Ponyhof war grundlos unfreundlich!" weißt Du dann auch.
Wie wohl der nächste Mensch reagiert...

nachtwind

Geht mir das Herz auf, wenn ich das les.
Danke, Pony, dafür.

Ponyhof

Ich nochmal.

Bist Du noch hier @LostSoul?

Mir ist noch eine Art "Fortsetzung" von meinem letzten post eingefallen. Aber die schreib ich in meinen eigenen Thread.
Weil sie von mir handelt. Und weil sie kein Rat ist, sondern nur eine Anekdote...