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Autor Thema: Berufe und Depression - klappt das?  (Gelesen 679 mal)

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ZukunftsAngst

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Berufe und Depression - klappt das?
« am: 02 November 2017, 15:45:10 »

Vor gut einem Monat habe ich erneut meine Ausbildung begonnen. Die ersten 3 Monate lief es in dem Betrieb gut. Seit kurzem hat jeder im Betrieb was an meiner Arbeit rum zu maulen.

Problem ist, dass ich alles zu doll an mich heran lasse, Abends dann daheim sitze und mich am liebsten verletzen möchte.
- Einige Male habe ich auch schon versucht, alles zu beenden - Diese Phase ist nun vorbei.

Sollte ich auf Arbeit eventuell zur Chefin gehen und sagen, dass ich Depressionen habe?

Wie geht ihr mit sowas um? Könnt ihr euch da an jemanden wenden oder steht ihr mit euren Problemen auch alleine dar?

Bin wieder an dem Punkt angekommen, wo ich alles lieber aufgeben würde...

Jemand Tipps, wie ich mich wieder wohl fühle?
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Jack

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Re: Berufe und Depression - klappt das?
« Antwort #1 am: 02 November 2017, 22:48:57 »

Hallo ZukunftsAngst,

auch wenn ich in meiner Seele sehr zerüttet bin, in meinem Kopf total wirr und meine Hände zittern ohne dass es jemand sehen kann.
Nach außen hin funktioniere ich in meinem Beruf perfekt, lebendig und kompetent.
Wenige Menschen auf Erden kennen meine Sorgen, es geht nicht jeden etwas an.
Aber egal was ich auch nun geschrieben habe, Du bist wichtig!
Du sollst nicht unter Deiner Ausbildung leiden, Du sollst doch gesunden.

Egal was Du auch alles aufgibst in Deinem Leben, vergesse Dich niemals dabei.
Sollte ich nun schreiben, "hey reiß Dich mal zusammen" ?
Nein....teile Deine Sorgen mit Menschen die nicht nur davon profitieren wenn es Dir gut geht.
Es sind Jene die sich nur erfreuen dass Du da bist!

Liebe Grüße
       
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nubis

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Re: Berufe und Depression - klappt das?
« Antwort #2 am: 03 November 2017, 09:08:01 »


Hallo ZukunftsAngst,

eine grundsätzliche Antwort gibt es sicher nicht, aber eine Arbeitstelle kann sogar sehr hilfreich sein: sie gibt Struktur, eine Aufgabe, Ablenkung und im besten Fall auch Anerkennung oder zumindest eine innere Befriedigung.
Zum Nachteil wir es erst, wenn die Arbeit für mehr Stress sorgt oder gar demotiviert - das muss aber alles gar nichts mit Depressionen zu tun haben.

Das kann etwas grundsätzliche sein: dass man eine Arbeit gewählt hat, die gar nicht zu einem passt - dann sollte man mal in sich gehen und überlegen, warum man sich grade diesen Job ausgesucht hat?
Eigene Interessen? Wunschberuf? - oder haben einen Andere dazu gedrängt, überredet?
Vielleicht auch eher zufällig so irgendwie hineingerutscht?

Da muss man sich dann fragen, wieviel Spaß einem der Beruf macht, ob man Ziele hat - oder vielleicht auch einfach nur erstmal dies macht, bis sich eine bessere Gelegenheit ergibt.
Dabei muss man aber auch auf dem Boden der Tatsachen bleiben: kein Job ist einfach nur toll. Man muss auch bereit sein  Kompromisse zu schließen und (grade in der Ausbildung) vielleicht auch mal eine Durststrecke überwinden.

Und dann gibt es natürlich noch die äußeren Umstände: wenn man mit dem Beruf an sich zufrieden ist - es aber am Arbeitsplatz und/oder den Kollegen liegt.

Da hilft meiner Ansicht nach nur Eines: reden!

'outen' muss man sich dazu nicht: wenn Du nicht grade ein aktuelles Problem hast (zB dass eine nahestehende Person verstorben ist oder ähnliches), dann braucht man meiner Erfahrung nach nicht auf Verständnis hoffen.
Ist leider so.
Und seine gesamte Lebens- und Leidensgeschichte zu erzähen hat zum einen auf der Arbeit nichts zu suchen - würde Kollegen eventuell auch überfordern - oder schlimmsten Falls nur weiteres Unverständnis/Ablehnung hervor rufen.

Ich denke eher: wenn Du mal in ruhe darüber nachdenkst: wenn es erst seit kurzem ist, dass 'jeder im Betrieb was an Deiner Arbeit rum zu maulen' hat - ist denn etwas dran?
Woran liegt es?
Hast Du vorher anders/besser gearbeitet?
Grade in der Ausbildung: hast Du jetzt vielleicht einen anderen Aufgabenbereich?
Fühlst Du Dich überfordert oder kommst nicht mit?

Auf jeden Fall solltest Du, wie gesagt, das Gespräch mit dem Chef oder dem Ausbildungsleiter suchen: wenn man in dem Moment, wo man angemault  wird, reagiert, ist es kontraproduktiv: Du fühlst Dich verletzt und zu unrecht getadelt, die Person, die Dich anmault  ist aber ja offensichtlich unzufrieden - da kann sich keine sachliche Diskussion entspannen.
Statt dessen solltest Du versuchen ein Gespräch zu Deinen Bedingungen zu führen: sorge dafür, dass Du Dich gut fühlst, zieh an dem Tag etwas an, in dem Du Dich wohl fühlst oder nimm einen Talisman mit, achte darauf, dass Du an dem Tag ausgeruht bist und mache Dir selbst klar: Du bist kein Bittsteller - sondern Du tust denen einen Gefallen!
Die wollen etwas von Dir! - nämlich, dass Du für sie arbeitest!

Wenn Du Dir zuvor überlegt hast, woran es in Deinen Augen liegt, dann kannst Du (auch gerne mit einem Notizzettel) Dein Anliegen vortragen, vielleicht ein Beispiel nennen und sagen, wie Du die Kritik empfunden hast und was Dir in der Situation eher geholfen hätte: also zB statt angemault werden, noch einmal gezeigt bekommen.
Erinnere daran, dass Du zur Ausbildung bist und nun mal noch kein Profi - und selbst denen können mal Fehler unterlaufen.
Wenn Du Dich zu unrecht kritisiert fühlst kann es hilfreich sein mal so etwas einzuflechten wie 'ich weiß ja, die Kollegin steht auch unter Zeitdruck/hat viel zu tun, aber...'


Mir wurde auch schon das eine oder andere Mal gesagt: 'der Ton macht die Musik' - und 'achte mal darauf WIE du das sagst...' - 'du hast ja recht, aber...'
:-)

Ich arbeite daran.
Ich weiß, wenn ich unter Stress stehe, werde ich auch gerne mal 'bissig' - und das tut den anderen (von mir unbeabsichtigt!) auch weh.

In der Situation merke ich es aber nicht - eben weil ich unter Stress stehe. Und wenn mir dann jemand etwas sagt, reagriere ich eher ungehalten als einsichtig.
Wenn man mich dann aber in einem ruhigen Augenblick anspricht, dann sehe ich es und bedauere es auch.
Und: wie man sieht, mache ich mir auch im Nachgang noch Gedanken dazu und versuche mich zu bessern.

Auch wenn ich es Dir nicht versprechen kann: wenn Du bei Deinen Überlegungen nicht grade zu dem Schluss gekommen bist, dass der Beruf gar nichts für Dich ist, dann ist solch ein Gespräch mit Deiner Cheffin vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung :-)


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Gegen Schmerzen der Seele gibt es nur zwei Arzneimittel: Hoffnung und Geduld

(Pythagoras)

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Re: Berufe und Depression - klappt das?
« Antwort #3 am: 03 November 2017, 18:29:47 »

Hallo ZukunftsAngst,
bei meiner Arbeit wissen es alle (wir sind nur zu viert), wie es psychisch um mich steht. Es hilft mir nicht besonders, es schadet aber auch nicht. Ich kann mich mit meinen Kolleginnen nicht darüber austauschen, aber ich weiß, dass sie mir den Rücken freihalten, wenn ich mal nicht so produktiv bin. Aus diesem Grund habe ich es auch schon sehr früh erzählt, quasi schon im Vorstellungsgespräch: damit ich nicht noch zusätzlichen Druck bekomme, wenn es mir schon nicht gut geht. Ob das bei allen Arbeitsstellen funktionieren würde, weiß ich nicht. Mir persönlich fällt es leicht, offen damit umzugehen.

Die Arbeit an sich finde ich aus den Gründen, die nubis schon schrieb, sehr wichtig: Struktur, Aufgabe, Ablenkung, Anerkennung. Ich stehe morgens auf, ohne mich fragen zu müssen, warum. Ich gehe einfach hin. Das hilft mir. An meinen freien Tagen kann ich mich oft nicht aufraffen, das Bett zu verlassen.

Ich hoffe, das hilft dir?!
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