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Autor Thema: Danke, Martin.  (Gelesen 431 mal)

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Freudestrahlend

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Danke, Martin.
« am: 25 März 2018, 18:52:43 »

Gerade eben erfahre ich es erst, dass du schon im Dezember gestorben bist. Aber unser Kontakt war auch nicht so kontinuierlich - ganz im Gegenteil. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich dich wirklich kennengelernt habe. War es echt erst bei der DeCeFix-Aktion im TM? Oder hatte ich dich vorher schon bei Achim getroffen oder vielleicht in der Barrikade? Seltsamerweise warst du nur selten in meinem Leben, aber ich würde sagen, durchaus an den wichtigen Punkten. Das Praktikum in deiner Agentur hat meinen weitern Weg nachhaltig bestimmt. Du warst so erfrischend in diesem Werbemarkt, so gegen den Strich, so herrlich sarkastisch aber immer grundehrlich. Niemals habe ich erlebt, dass du für irgendetwas Ausflüchte gesucht hast. Du hast dich Problemen und Kritik immer in derselben Weise gestellt: durch Handeln. Das habe ich an dir bewundert.

Als wir uns durch Achims Tod näherkamen, fühlte ich mich dir erstmals als eigenständige Person verbunden. Du warst nicht mehr der Bekannte von Achim, sondern du wurdest mein Bekannter - will nicht sagen Freund. Wir hatten ungefähr zur gleichen Zeit die wunderbare Gelegenheit, engen Kontakt zu geflüchteten Menschen zu entwickeln. Und wie unterschiedlich waren die Ergebnisse! Du hast einen Verein gegründet, der diesen Menschen hilft und ich bin eine der über 400 Personen, die diesen Verein unterstützen. Und doch warst du nie arrogant, hast dich nie über mich und meine Dinge gestellt. Ich kenne kaum eine Person, die mich und andere (fast) fremde Menschen immer wieder so völlig uneigennützig unterstützt hat. Wie hast du es da bloß noch geschafft, ein Familienleben zu haben, einen Haufen Bücher zu schreiben und ein kleines Dorf vor dem Vergessen zu retten?

Ich werde dich nie vergessen. Ich werde dich weiterhin als glorreiches Beispiel nennen, wie ein Unternehmen Geld verdienen und Mitarbeiter*innen (inklusive schwerstbehindertem Grafiker) gut behandeln und bezahlen kann, ohne anderen damit zu schaden. Die Geschichte, wie deine Belegschaft einen großen Kunden "abgewählt" hat, dient mir immer wieder dazu, meinen eigenen Moralkompass zu eichen.

Ich danke dir für all diese Dinge, die Inspirationen, deine Kreativität und den Spaß. Iss deine Spaghetti, als wären es die ersten und trink einen Wein auf mich.
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