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Autor Thema: Entfremdung, Vereinsamung und was dann?  (Gelesen 164 mal)

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Baijjuu

  • Gast
Entfremdung, Vereinsamung und was dann?
« am: 04 Februar 2019, 12:41:02 »

Hy alle zusammen,

mein Name ist weiblich, ich bin mitte 30, keine Kinder, berufstätig im Handwerk und hab die orientierung verloren, um nicht zu sagen

ich hab mich wohl ins Aus befördert..

Ich stecke in einer Phase fest in der ich sowohl Vereinsame und gleichzeitig überhaupt keinen Kontakt mehr nach außen haben möchte.

Ich fühle mich allein und will`s auch sein und bin sauer das sich niemand um mich kümmert!
Ich würde mich am liebsten verkriechen, was ich auch tue und wenn das Telefon klingelt, dann verkrieche ich mich noch mehr.
Gleichzeitig sehe ich, dass mein Leben durch dieses Verhalten inzwischen fast komplett leer ist.
Ich habe keine Hobbys, keine Freunde und weder Neugier noch Antrieb mich um solche Dinge zu bemühen.

Beruflich mußte ich auch schon einiges aushalten, bis ich das Berufsfeld gewechselt hab und jetzt, nach rund 2 Jahren, daran scheitere das der "harte Kern" der Firma mich auf so irritierende Weise ablehnt, dass ich nicht mehr weiß, was ich tun soll, während ich gleichzeitig dermaßen unter Druck gesezt werde, weiter zu machen, dass ich allein deshalb schon nicht mehr will. Ich will gar nichts mehr!!

Ich lebe in einer dauerhaften Beziehung, aber mein Partner kann meinen Schmarrn nicht abfangen. Er konnte das noch nie, aber bisher habe ich auch noch nie so aufgegeben.

Meine Familie wäre gar nicht so weit weg, aber die sind mir auch zuviel. Wegen denen bin ich nicht nur selbst Betroffene, sondern auch eine Angehörige und sie wünschen sich ja nur das ich mich einbringen, damit wir eine glückliche Famielie sein könne (was wir schon ewig nicht mehr sind). Zusammenhalt und son Bullshit? Jetzt, auf einmal, und mit so nem Druck dahinter, dass ich auch da nicht mitmachen will!
 
Ich will nichts mehr und hab Angst davor etwas Neues anzufangen, was dann auch nur wieder ins Nichts führt.
Aber in meinem jetztigen Zustand ausharren darf ich nicht, weil dann alle von mir enttäuscht sind und es auch für mich nicht gesund ist.

Insgesamt fühlt sich alles nur noch nach Zwang und Druck an, den ich ganz alleine wegstemmen soll, was ich überhaupt nicht einsehe!

Ich bin also einsam, trotzig, wütend, entäuscht, fühle mich verlassen und fallen gelassen, will aber allein sein, mich nicht erklären und rechtfertigen müßen, mir die Decke über den Kopf ziehen und alle anderen sollen mich entweder vergessen oder mir mal tatsächlich helfen (keine Ahnung wie die das machen sollten), ich will nichts mehr und weiß nicht wo ich anfangen soll!

Was macht ihr um aus so einem Loch wieder rauszukommen?

Danke für eure Zeit und eure Antworten

Liebe Grüße




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Mitleser

  • Gast
Re: Entfremdung, Vereinsamung und was dann?
« Antwort #1 am: 04 Februar 2019, 14:13:08 »

Manchmal ist wohl einfach die Zeit um sich in seine Löcher rein zu kuscheln, noch tiefer drin zu versinken und es einfach so wie es ist gut sein zu lassen.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen das sich das Aufbäumen immer etwas später gerächt hat. Das trotzig sein will geliebt werden, die Einsamkeit gepflegt, die Enttäuschung gefühlt und die Wut gespürt.

Ich lief jahrelang dem Thema hinterher das ich anders sein müsste als der Moment es wohl verlangt. Also war ich fröhlich wenn ich traurig war und freundlich wenn ich am liebsten zugeschlagen hätte.
So wütet es also in mir und türmt sich immer höher auf.
Seit ich die Gefühle zulasse und meine Bedürfnisse nicht mehr völlig ersticke gehts etwas besser und wird auch immer besser.

Na ja, und dann kommen wieder so Phasen und Tage. Aushalten, Wunden lecken, schlafen legen, ausruhen, bei mir bleiben.
Immer wieder bei mir bleiben.
Ausleben was sich zeigt. Das ist das bisher beste Pflaster was ich gefunden habe.

Im übrigen, meine Eltern wünschen sich auch ein zusammenleben das "so einfach sein könnte". Ja, wenn es nach ihren Vorstellungen und Regeln geht. Wenn ich mich unterdrücke und einfach tue was man verlangt, dann wären wir eine heile Familie. Heil, heil Dir du Schöne. Heile Welt. Heil mein Führer, heil dem Glauben und der Gerechtigkeit. Heile, heile Hänschen. Nur die heiligen kommen in den Himmel. Ich heile Dich, Du heilst mich.

Da könnte ich mich richtig drin verlieren in dem ganzen Gesunden und Heilen.
Ist richtig schön wie heil wir alle sind.

---

Orientierung fängt da an wo ich mich kennenlerne und mir vertraue.

lg
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Re: Entfremdung, Vereinsamung und was dann?
« Antwort #2 am: 06 Februar 2019, 18:18:18 »

 
Hallo Baijjuu,

in Teilen Deines Textes kann ich mich (leider) wiederfinden...
Bei diesem Absatz musste ich allerdings an ein Gespräch mit zwei Teilnehmern meiner ehemaligen Selbsthilfegruppe denken:

Ich lebe in einer dauerhaften Beziehung, aber mein Partner kann meinen Schmarrn nicht abfangen. Er konnte das noch nie, aber bisher habe ich auch noch nie so aufgegeben.
[...]
Insgesamt fühlt sich alles nur noch nach Zwang und Druck an, den ich ganz alleine wegstemmen soll, was ich überhaupt nicht einsehe!

Ich bin also einsam, trotzig, wütend, entäuscht, fühle mich verlassen und fallen gelassen, will aber allein sein, mich nicht erklären und rechtfertigen müßen, mir die Decke über den Kopf ziehen und alle anderen sollen mich entweder vergessen oder mir mal tatsächlich helfen (keine Ahnung wie die das machen sollten), ich will nichts mehr und weiß nicht wo ich anfangen soll!

Was macht ihr um aus so einem Loch wieder rauszukommen?

Die beiden waren so froh, dass sie der Gruppe beigetreten sind, weil dieser Druck unter anderen Betroffenen nicht vorhanden war, sie sich nicht verstellen mussten, auch einfach mal traurig oder schweigend dasitzen konnten, aber insgesamt auch wieder mehr rausgekommen sind, da es hin und wieder auch außerhalb der regulären Gruppenabende Freizeitaktivitäten gab (z.B. zusammen frühstücken gehen, kleine Ausflüge u.ä.). Zudem war ihnen die Gruppe auch eine Hilfe, weil sie sich über Themen austauschen konnten, über die sie mit Familienangehörigen und Freunden nicht reden konnten, da diese entweder nicht daran interessiert waren oder "das alles" nicht verstanden haben und sich da nicht hineindenken bzw. es nachfühlen konnten, weil sie selber nie von Depressionen betroffen waren.

Wäre das einen Versuch wert, Baijjuu? Vielleicht wäre das Bedürfnis, allein zu sein, dann nicht mehr so stark, weil auch das ständige Erklären und Rechtfertigen wegfiele und hinsichtlich vieler Dinge einfach direkt Verständnis da wäre.

Mir selbst fällt es meistens jedenfalls leichter, mich mit Menschen zu umgeben, die wissen, wovon ich rede, weil sie es selber kennen. Da brauche ich in der Regel keine Angst zu haben, blöd angeguckt zu werden oder blöde Kommentare zu hören zu bekommen... Ich habe im Übrigen auch keinen großen Freundeskreis (im realen Leben) und möchte diesen auch gar nicht haben. Mir reichen ein oder zwei Freunde, die eben wirklich (!) Freunde sind und vor denen ich ich sein kann und darf. Und ich habe keine Lust auf Smalltalk oder irgendwelche Unternehmungen mit möglichst vielen verschiedenen Leuten, nur weil viele andere das so machen. Ich brauche meine Ruhe und davon recht viel – Du offenbar auch. Die dürfen wir uns auch nehmen!

Ich wünsche Dir alles Liebe und dass Du einen Weg aus der "Isolation" findest!

Ina
 
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„I couldn't sleep and wouldn't sleep when love came and told me I shouldn't sleep“
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