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Autor Thema: Gefühllosigkeit durch Depression oder Medikamente  (Gelesen 350 mal)

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Skygirl07

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Gefühllosigkeit durch Depression oder Medikamente
« am: 11 September 2019, 15:23:46 »

Hallo, 

ich befinde mich seit 5 Monaten in einer schweren Depression und leide seit einigen Wochen sehr unter Gefühllosigkeit. Das Gefühl, nicht richtig da zu sein, keine Emotionen zu haben. Für mich ganz fürchterlich. Habe Angst, darin stecken zu bleiben. Zurzeit werde ich stationär behandelt und bekomme Medikamente. 

Kennt das jemand auch? 
Wie geht Ihr damit um?

Liebe Grüße 
Skygirl07
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InaDiva

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Re: Gefühllosigkeit durch Depression oder Medikamente
« Antwort #1 am: 11 September 2019, 15:55:55 »

 
Hallo und willkommen im Forum, Skygirl07!

Ja, leider kenne ich diese Phasen absoluter Gefühllosigkeit – und ich empfinde sie ebenfalls als fürchterlich. Alles scheint egal und sinnlos zu sein, die Zeit vergeht so langsam und rauscht doch in Windeseile an mir vorbei, ohne dass ich wirklich etwas davon mitbekomme bzw. sie nutze. Keine Freude, keine Trauer, kein Lachen, keine Tränen – nur Kälte und Gleichgültigkeit in mir... Bisher habe ich leider keine Möglichkeit gefunden, aktiv etwas an diesen Zuständen zu ändern. Ich weiß, es ist nicht gerade ermutigend und aufbauend, aber mir blieb bislang nichts anderes übrig, als abzuwarten, dass es wieder besser wird. Irgendwann kehrten die Gefühle immer zurück.

Bei mir hat es meist mit einer Art seelischem "Schock" zu tun. Die Emotionslosigkeit ist dann vermutlich ein Selbstschutzmechanismus – eine Reaktion auf eine enorme seelische Belastung, die meine Kräfte und Resilienz in dem Moment maßlos übersteigt.

Gut, dass Du eine stationäre Therapie machen wirst und auf Medikamente eingestellt wirst. Wenn man eine Therapie macht und sich wirklich darauf einlässt und "mitarbeitet", kommen die Gefühle in aller Regel nach einiger Zeit von ganz alleine zurück (bzw. "neue" / intensivere hinzu), weil die Gespräche auch nachhaltig im Innern "arbeiten".

Ich wünsche Dir alles Gute für Deinen Klinikaufenthalt und dass Du bald wieder mehr fühlst und wahrnimmst – in erster Linie Dich selbst!

Liebe Grüße
Ina
 
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Skygirl07

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Re: Gefühllosigkeit durch Depression oder Medikamente
« Antwort #2 am: 11 September 2019, 19:21:22 »

Liebe Ina,

Danke für Deine Antwort!  Es ist für mich als Gefühlsmensch ein wirklich schwer auszuhaltender Zustand mit der Emotionslosigkeit. Dabei ist das ja eine Trugwahrnehmung der Depression, Gefühle sind nur überdeckt. Es tröstet mich, zu hören, dass sie bei Dir immer zurück kamen.

Ich darf die Hoffnung nicht verlieren und sage mir immer, dass jede Depression vorbei geht, wir wissen nur nicht wann.

Liebe Grüße
Christiane
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hardworking fool

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Re: Gefühllosigkeit durch Depression oder Medikamente
« Antwort #3 am: 11 September 2019, 20:12:54 »


Ich darf die Hoffnung nicht verlieren und sage mir immer, dass jede Depression vorbei geht, wir wissen nur nicht wann.


Liebe Christiane,

ich hätte es nicht besser ausdrücken können! Auch die schlimmste und dunkelste Phase geht irgendwann vorbei, wir dürfen nur nicht aufhören zu hoffen und zu kämpfen.

Willkommen im Forum!

Fool
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Wahrlich, keiner ist weise der nicht das Dunkel kennt.
Hermann Hesse

InaDiva

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Re: Gefühllosigkeit durch Depression oder Medikamente
« Antwort #4 am: 11 September 2019, 20:17:17 »

 
Liebe Christiane,

ganz genauso sehe ich es auch. Depressionen sind leider nur bedingt "berechenbar". Manchmal tauchen sie (scheinbar) aus dem Nichts auf und obwohl man nicht einmal einen konkreten Auslöser erkennt, übernehmen sie sozusagen die Kontrolle und lassen einen nicht mehr los. Und doch schafft man es immer wieder, sich davon zu befreien und ein Licht in der Dunkelheit zu erkennen, welches einem neuen Mut, neue Hoffnung und Zuversicht schenkt. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Ich leide schon seit vielen Jahren unter Depressionen und weiß nicht, wie oft ich davon überzeugt war, nicht mehr zu können, das alles nicht mehr auszuhalten und dass es das Beste wäre, meinem Leben ein Ende zu setzen. Glücklicherweise habe ich mich jedes Mal getäuscht und es kamen doch wieder bessere Zeiten, in denen es bergauf ging! Es ist genau wie Du sagst: Die Depression überdeckt die Gefühle, insbesondere die schönen. Wie eine dicke, schwarze Wolke, die sich vor alles Positive schiebt und uns die Sicht verschleiert... Mir hilft es manchmal, mir dies bewusst zu machen. Dadurch fühle ich mich dann zwar auch nicht besser, aber wenigstens erscheint es mir dann nicht mehr so hoffnungslos, weil ich immerhin weiß (!), dass es wieder besser wird.

Man kann ja durchaus einiges tun, um der Depression entgegenzuwirken, aber wenn die Emotionen komplett verschwunden bzw. nicht mehr wahrnehmbar sind, ist es schwierig, aktiv etwas zu tun. Meinst Du denn, es liegt an dem Medikament? Einige Antidepressiva sind ja durchaus genau dafür gedacht, dass die Gefühlsspitzen nicht mehr so intensiv erlebt werden. Unter Umständen kann es leider auch vorkommen, dass man dadurch nur noch sehr wenig bis gar nichts mehr fühlt, weil man einfach nicht klar "anwesend" ist. Eventuell ist die Dosis dann zu hoch. Hast Du darüber schon mit Deinem Arzt gesprochen? Vielleicht eignet sich eine niedrigere Dosis – oder aber ein anderes Medikament – besser für Dich.

Es ist schon mal gut, dass Du den Weg in unser Forum gefunden hast! Über solche Dinge kannst Du mit uns nämlich bedenkenlos sprechen und wirst mit Sicherheit auf Verständnis stoßen. Ich wurde hier schon sehr oft liebevoll aufgefangen, wenn ich am Boden war. Diese Erfahrung wünsche ich Dir ebenfalls und werde, sofern es mir möglich ist, gerne dazu beitragen!

Ich halte es für sehr wichtig, dass man (sich) nicht "einfach so" aufgibt – egal wie schwer es auch sein mag. Man darf ruhig mal eine Weile am Boden liegen und sich schwach und kraftlos fühlen, nur sollte man nicht vergessen, irgendwann auch wieder aufzustehen und für sich und sein Wohl zu kämpfen. Und wenn man es alleine nicht schafft, sollte man jede Hilfe in Anspruch nehmen, die man bekommen kann.

Liebe Grüße
Ina
 
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Skygirl07

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Re: Gefühllosigkeit durch Depression oder Medikamente
« Antwort #5 am: 12 September 2019, 11:02:15 »

Liebe Ina,

ich habe deinen Beitrag mehrmals gelesen und er beruhigt mich. Vielen lieben Dank! 
Für mich ist im April, als es so schlimm wurde mit dem Kontrollverlust, meine ganze alltägliche Welt stehen geblieben.  Meine Arbeit,, die Fürsorge für mein Kind, alles. Einfach ein großes Loch. So schlimme Depressionssymptome wie die totale innere Leere kannte ich bis dato nicht.

Ich muss noch einige Zeit stationär bleiben, um mich zu stabilisieren und medikamentös eingestellt zu werden. Fühle mich tagsüber so gedämpft und taub. Welche Erfahrungen hast Du mit Medikamenten? Hattest Du vom Schweregrad auch schon eine schwere Episode?

Die Psychologin sagte heute,  dass die Gefühllosigkeit ein Symptom der Psyche bzw des Körpers als Schutzmechanismus ist, da jetzt Gefühle nicht  verarbeitet werden können. Ich frage aber heute nochmal beim Arzt nach, was mit den Medikamenten ist. Nehme Duloxetin und abends ein Neuroleptikum. Aktivitäten gehen zurzeit leider wenig.

Ich kannte auch depressive Episoden von früher, aber nie so schlimm. Ich komme auch nicht zu dem Punkt, zu verstehen warum es so schlimm wurde. 

Kannst Du trotz der Erkrankung Deinen Alltag und Beruf so gestalten, wie Du möchtest?

Liebe Grüße und Danke!
Christiane
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Skygirl07

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Re: Gefühllosigkeit durch Depression oder Medikamente
« Antwort #6 am: 13 September 2019, 09:46:49 »

Ich habe gerade wieder das Gefühl, total am Boden zu liegen. Hoffnungslos ohne Aussicht auf Besserung. Es geht mir so schlecht. In mein "altes Leben" kann ich nicht zurück, ein neues kann ich nicht sehen. Ich bin ohne Gefühle und fühle mich die meiste Zeit des Tages benommen und stehe neben mir. Ich brauche Geduld, für die richtige Medikamenteneinstellung und die Genesung insgesamt. Und weiß nicht woher ich sie nehmen soll.
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InaDiva

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Re: Gefühllosigkeit durch Depression oder Medikamente
« Antwort #7 am: 13 September 2019, 11:11:11 »

 
Hallo liebe Christiane,

gestern konnte ich Dir leider nicht mehr schreiben, da ich bis spät abends unterwegs war.


Für mich ist im April, als es so schlimm wurde mit dem Kontrollverlust, meine ganze alltägliche Welt stehen geblieben.  Meine Arbeit,, die Fürsorge für mein Kind, alles. Einfach ein großes Loch.

Das hast Du wirklich gut beschrieben. Bei mir hat sich die Depression eher über Jahre eingeschlichen, bis sie irgendwann so präsent war, dass man sie nicht mehr "übersehen" konnte. Es war also nicht "plötzlich alles weg"; vielmehr hatte bzw. habe ich das Gefühl, schon immer in einem solchen Loch zu sitzen und einfach nicht herauszukommen. Und es gab immer wieder Erlebnisse, die mich NOCH tiefer darin versinken ließen (obwohl ich dachte, schlimmer könne es nicht werden). Allerdings ist dieses Erleben kein Dauerzustand. Es gab und gibt immer wieder Phasen, in denen es mir deutlich besser geht, in denen mehr Antrieb da ist, in denen ich wieder lachen und mich an Dingen erfreuen kann.

Was für mich sehr wichtig war, war das Erkennen der Ursachen meiner Depression – und auch die Auslöser der jeweiligen depressiven Episoden benennen zu können. Als ich mir darüber noch nicht im Klaren war, habe ich mich völlig hilf- und machtlos gefühlt und hatte keine Hoffnung mehr, dass es jemals besser werden würde. Logisch, denn ich wusste einfach nicht, wo ich ansetzen könnte, um meine Situation zu verändern bzw. zu verbessern. Ich musste den Dingen auf den Grund gehen, um mich von dem, was mich quält, befreien zu können. Ambulante Gesprächstherapien und der Austausch im Forum sowie mit Freunden und anderen Betroffenen (Selbsthilfegruppe) war dabei sehr hilfreich; nicht zuletzt aber auch intensive Selbstreflexion.

Meiner Vergangenheit auf die Spur zu kommen und zu erörtern, inwiefern sie bis in die Gegenwart hineinwirkt und mein Denken, Fühlen und Handeln beeinflusst, war ein langwieriger, aber sehr wichtiger Prozess, der auch noch nicht abgeschlossen ist. Aktuell spielt es für mich aber keine besonders große Rolle mehr. Das, was mir bislang so alles bewusst geworden ist, hat mir nämlich immerhin schon mal geholfen, meine eigenen Denk- und Verhaltensmuster besser zu verstehen und teilweise auch zu verändern.

In den letzten Jahren lag mein Augenmerk verstärkt darauf, meine eigenen Bedürfnisse besser kennenzulernen und herauszufinden, was mir eigentlich fehlt, wonach ich mich sehne, was mir wichtig ist und was ich brauche / mir wünsche. Was tut mir gut und was schadet mir? Was müsste in meinem Leben anders sein, damit ich zufrieden(er) bin – und wie kann ich das erreichen? Was stört mich? Wovon bzw. von wem sollte ich mich besser distanzieren? Gibt es bestimmte Umstände / Bedingungen in meinem Leben, unter denen ich leide und die sich theoretisch ändern ließen?

Wann immer ich mir Fragen dieser Art beantworten kann, bin ich ein kleines Stückchen weiter. Teilweise war und ist es schwierig, Antworten darauf zu finden. Es erfordert viel "Innenarbeit", Selbstreflexion und dass man sich selbst gegenüber sehr ehrlich ist... Ich denke, auch das ist eine Entwicklung, ein Weg, der seine Zeit braucht.


Welche Erfahrungen hast Du mit Medikamenten?

Zu viele... In den letzten 13 Jahren habe ich ca. 25 verschiedene Psychopharmaka (Antidepressiva, Neuroleptika und andere) ausprobiert und hatte damit leider wenig Erfolg. Von den meisten Medikamenten habe ich gar nichts gemerkt, weder die erwünschte Wirkung noch Nebenwirkungen. Zwei oder drei habe ich hingegen gar nicht vertragen und musste sie nach kurzer Zeit wieder absetzen. Das soll Dich nun keineswegs entmutigen – ich wollte nur ehrlich antworten. Bei vielen ist es so, dass sie mehrere Medikamente ausprobieren müssen, bis sie das "richtige" für sich finden. Von daher ist es gut, dass Du zurzeit in der Klinik bist, denn dort lässt sich in aller Regel viel schneller herausfinden, welche Medikamente sich eignen.


Hattest Du vom Schweregrad auch schon eine schwere Episode?

Ja, schwere depressive Episoden wurden mir schon mehrfach diagnostiziert. Aber wie ich weiter oben bereits schrieb: Es ist nie zum Dauerzustand geworden! Es hat mal länger, mal kürzer gedauert, aber mein Zustand hat sich jedes Mal irgendwann wieder verbessert, sodass ich mich und mein Leben wieder etwas besser im Griff hatte, endlich wieder aktiver und auch fröhlicher wurde. Bitte gib die Hoffnung nicht auf, dass auch Du wieder aus dem Tief herauskommst! Ich weiß, dass das ganz, ganz schwer ist – leider ist es ja meist ein typisches Symptom der Depression, dass man die Zuversicht verliert...


Die Psychologin sagte heute,  dass die Gefühllosigkeit ein Symptom der Psyche bzw des Körpers als Schutzmechanismus ist, da jetzt Gefühle nicht  verarbeitet werden können. Ich frage aber heute nochmal beim Arzt nach, was mit den Medikamenten ist. Nehme Duloxetin und abends ein Neuroleptikum. Aktivitäten gehen zurzeit leider wenig.

Interessant – das ist ja in etwa das gleiche, was ich Dir auch geschrieben hatte.
Ja, sprich den Arzt auf Deine Medikamente und die Dosierung an. Schildere ihm Deine Wahrnehmung. Das ist wichtig, damit er sich ein Bild machen kann und ggf. entscheiden kann, ob sich etwas anderes evtl. besser für Dich eignet.


Kannst Du trotz der Erkrankung Deinen Alltag und Beruf so gestalten, wie Du möchtest?

Ganz ehrlich: Nein. Ganz und gar nicht...


Ich wünsche Dir jetzt erstmal alles Gute und viel Kraft, liebe Christiane!

Liebe Grüße
Ina
 
« Letzte Änderung: 13 September 2019, 11:18:11 von InaDiva »
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Skygirl07

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Re: Gefühllosigkeit durch Depression oder Medikamente
« Antwort #8 am: 13 September 2019, 15:10:57 »

Hallo liebe Ina,

ganz lieben Dank für Deine ausführliche Antwort!  Ich befinde mich leider gerade an einem richtigen Tiefpunkt. Dieses Gefühl, irgendwie neben mir zu stehen, nicht richtig da zu sein, macht mich fertig. Der Arzt meinte, an der Medikation würde es nicht liegen. Ich muss weiter machen, ich habe einen kleinen Sohn....aber ich fühle mich insgesamt so ratlos und ohnmächtig.

Zum Glück hat es bei Dir diesen phasenhafteb Verlauf, wo Du auch wieder raus kommst und aufatmen kannst. Bei mir ist es die erste so schlimme Episode. Bis an die Schmerzgrenze. Ich habe Angst, nicht mehr in mein Leben zurück zu finden. Ich habe mit Sicherheit mich oft ūberfordert, aber im Prinzip immer gerne viel gemacht.

Ich bin leider immer noch nicht stabil genug, in einer Psychotherapie meine Situation zu beleuchten. Ich finde es ganz wertvoll, was Du schreibst zur Aufarbeitung und Selbstreflexion!
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InaDiva

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Re: Gefühllosigkeit durch Depression oder Medikamente
« Antwort #9 am: 13 September 2019, 15:55:55 »

 
Es kann nur vorteilhaft für Dich sein, dass Du einen Grund zum Weitergehen und Kämpfen erkennst bzw. hast! Und ja, ganz sicher ist das ein guter (!) Grund: Dein Sohn braucht Dich!

Darf ich fragen, wie es mit dem Vater des Kleinen aussieht? Den hast Du bisher nämlich noch gar nicht erwähnt... Ist er noch an Deiner Seite? Und wenn: Fühlst Du Dich wohl in der Beziehung? Werden Deiner Bedürfnisse gestillt? Unterstützt er Dich und ist für Dich da?

Ich denke, es ist sehr, sehr wichtig, dass Du gerade jetzt in dieser schweren Zeit Menschen um Dich hast, denen Du Dich anvertrauen kannst, die Dir Halt geben und Dich bestenfalls ein wenig entlasten.

Ist Dir der Ursprung / Auslöser Deiner Depression bekannt oder hast Du zumindest eine Vermutung, wie und warum es dazu gekommen ist?

Wenn dieser Zustand der Gefühllosigkeit / Gleichgültigkeit und dass Du so neben Dir stehst, nicht auf die Medikamente zurückzuführen ist (nebenbei erwähnt: Die meisten Neuroleptika können je nach Dosierung ziemlich müde machen und sehr dämpfend / sedierend wirken.), klingt es für mich fast schon ein bisschen nach Dissoziationen. (Das war übrigens meine erste offizielle Diagnose: Depressive Episode mit dissoziativen Störungen.) Sagt Dir der Begriff etwas? Falls Du Zeit dafür hast, könntest Du Dich mal ein wenig darüber informieren und schauen, ob davon etwas auf Dich zutrifft. Das könntest Du dann natürlich auch bei der Psychologin ansprechen, um eine Einschätzung von ihr zu bekommen. Manchmal sind klare Diagnosen hilfreich, weil man dann evtl. etwas einfacher einen passenden Behandlungsansatz findet. Oftmals sind sie im Grunde aber auch völlig unwichtig, weil es an den Symptomen ja erstmal nichts ändert, ob man für das Ganze einen Namen hat oder nicht...


Ich finde es ganz wertvoll, was Du schreibst zur Aufarbeitung und Selbstreflexion!

Danke für Deine Wertschätzung! :)
 
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Re: Gefühllosigkeit durch Depression oder Medikamente
« Antwort #10 am: 13 September 2019, 15:57:52 »

Liebe Christiane,

auch ich kenne diese dunklen Zeiten in denen man innerlich wie tot ist, nichts fühlt und irgendwie in einer Käseglocke von allem abgeschnitten ist. Aber, da kann ich dich trösten, auch das geht vorbei.

Was ich allerdings nicht hilfreich finde, ist die Frage nach dem Schweregrad der Depression. Mir wurde einmal nahezu gleichzeitig eine leichte, mittlere und schwere Depression attestiert. Die Ärzte waren sich nicht einmal einig, ob ich nun eine depressive Episode oder eine chronische Depression habe. Im Grunde macht es auch keinen Unterschied. Die Diagnose Depression reicht doch.

Irgendwann war es bei mir so schlimm, dass ich wie gelähmt war. Da dachte ich auch ich würde nie wieder da raus kommen. Ich kam ja nicht mal mehr aus dem Sessel. Aber auch das ging vorbei.

Du schreibst, du seist noch nicht so weit, eine Psychotherapie zu machen. Das kann ich verstehen. Ich würde dir aber trotzdem raten, dich jetzt schon um einen Platz zu kümmern. Die Wartelisten für eine ambulante Therapie sind ziemlich lang.

Ich wünsche dir von Herzen, dass du, bzw. deine Ärzte ein Medikament finden was dir hilft. Wie Ina bereits erwähnte, das ist nicht so ganz einfach. 

Nur nicht aufgeben!

LG Fool
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Re: Gefühllosigkeit durch Depression oder Medikamente
« Antwort #11 am: 13 September 2019, 18:20:29 »

Liebe Ina,

Darf ich fragen, wie es mit dem Vater des Kleinen aussieht? Den hast Du bisher nämlich noch gar nicht erwähnt... Ist er noch an Deiner Seite? Und wenn: Fühlst Du Dich wohl in der Beziehung? Werden Deiner Bedürfnisse gestillt? Unterstützt er Dich und ist für Dich da?

Wir sind schon lange getrennt, teilen uns das Sorgerecht und er ist mein bester Freund. Er tut was er kann, um mich gerade zu entlasten. Zum Glück!

I

Ist Dir der Ursprung / Auslöser Deiner Depression bekannt oder hast Du zumindest eine Vermutung, wie und warum es dazu gekommen ist?
Es ist wohl eine Mischung aus Überforderung und Stress und belastenden Ereignissen in diesem Jahr, Unfall und Erkrankung. Aus der Kindheit trage ich schon lang ein Trauma mit mir herum.

Wenn dieser Zustand der Gefühllosigkeit / Gleichgültigkeit und dass Du so neben Dir stehst, nicht auf die Medikamente zurückzuführen ist (nebenbei erwähnt: Die meisten Neuroleptika können je nach Dosierung ziemlich müde machen und sehr dämpfend / sedierend wirken.), klingt es für mich fast schon ein bisschen nach Dissoziationen. Ja, das sagt mir etwas und ich würde das auch damit in Verbindung bringen. Auch hier weiß man ja wieder nicht was vom Medikament kommt und was nicht.
 
Ich bin heute sowas von traurig über meinen Zustand und fühle mich verloren.

LG
Christiane
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Re: Gefühllosigkeit durch Depression oder Medikamente
« Antwort #12 am: 13 September 2019, 18:23:39 »

Lieber Fool,

Danke für Deinen Trost!! Es muss vorbei gehen, sonst kann ich nicht weiter. Meine Gefühle sind ein essentieller Bestandteil von mir.
Geduld zu haben und auf die Zeit zu vertrauen, fällt mir so schwer:=((
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Skygirl07

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Re: Gefühllosigkeit durch Depression oder Medikamente
« Antwort #13 am: 14 September 2019, 10:06:28 »

@Fool : Ging es denn bei Dir von alleine vorbei? Die Symptome,  die innere Leere und Gefühllosigkeit,  und die Depression insgesamt? Ging das in Etappen? Was hat Dir geholfen?
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hardworking fool

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Re: Gefühllosigkeit durch Depression oder Medikamente
« Antwort #14 am: 14 September 2019, 12:55:11 »

Mir haben die Medikamente leider kaum geholfen, aber die Therapie, meine Sturheit und die damit verbundene Weigerung aufzugeben, das Schreiben, das Forum und die Tagesklinik. Manchmal dachte ich es ginge nicht voran, dann wieder machte ich riesen Schritte vorwärts.

Die Depression zu bekämpfen kostet Zeit und Kraft. Heute habe ich mich mit ihr arrangiert. Sie ist schrecklich, aber ich habe auch viel von ihr gelernt und achte viel besser auf mich.

Natürlich gibt es bis heute Phasen in denen es mir besser oder schlechter geht, aber zu wissen, dass nichts ewig dauert hilft.
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