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Autor Thema: Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit  (Gelesen 10418 mal)

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Epines

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Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit
« am: 27 September 2011, 22:11:02 »

Hallo liebe Leute

Im Verlaufe meiner Suche nach Informationen über das Münchhausen-Syndrom bin ich darauf gestoßen, dass krankhaftes Lügen nach ICD (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) eine Impulsstörung und demnach oftmals Teil der narzisstischen Persönlichkeitsstörung und des Münchhausen-Syndroms ist.

Pseudologen bezeichnet man krankhafte Lügnerinnen und Lügner, die versuchen damit Anerkennung und Zuwendung zu erhalten und durch ihr Lügen in der Regel kindliche Entbehrungen mit Hilfe von Lügengeschichten  kompensieren. Die Lüge dient demnach einer seelischen Entlastung in Situationen, die ein Pseudologe anders nicht bewältigen kann.

Meine Eltern waren Meisterlügner und es hat lange gedauert bis ich ihre "Wahrheiten" hinterfragt habe. Und auch ich selbst musste als Kind oft lügen, um einer körperlichen Gewaltanwendung auszuweichen.
Lügen kann folglich  im kindlichen Alter brenzlige Situationen entschärfen und auch nützlich sein.

Ist lügen demnach auch etwas Gutes?

Warum haben Erwachsene es noch nötig zu lügen und Fehler zu vertuschen, oder diese gar durch ihre Lügengeschichten einem anderen unschuldigen Menschen anzulasten?

Weshalb drängt man Menschen mit unbequemen Fragen dazu zu lügen, denn wenn eine ehrliche Antwort kommt sind wir oft beleidigt oder verletzt, wollen wir die Wahrheit gar nicht hören?

Darüber und übers Lügen im Allgemeinen würde ich gerne mit euch diskutieren, wenn ihr Lust habt.

Hier einige interessante Fakten:

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/KommLuegen.shtml

http://www.gesund-magazin.de/luegner-luege-geltungsdrang-narzisstische-stoerung

Alles Liebe
Epines
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nubis

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Re:Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit
« Antwort #1 am: 01 Oktober 2011, 08:06:28 »

Hallo @Epines


Ich habe mir auch die Berichte (aus den Links) durchgelesen und finde es interessant: vor allem, was die schon als 'Lüge' bezeichnen.

Irgendwie würde ich darunter grundsätzlich eher die Form des Lügens verstehen, die ein 'aktives Unwahrheit sagen' beinhaltet.

So wie ich es in dem Artikel verstanden habe, zählen die aber ja auch schon das Verschweigen von Aspekten oder das Verwenden einer diplomatischeren Wortwahl dazu...

Da kommt man dann natürlich zu dem Schluss, dass ringsum permanent gelogen wird.


Ich finde es aber zB keine 'Lüge', wenn ich mich mit jemanden unterhalte, den ich nicht mag - ohne dem das vorher zu sagen: manchmal ergibt sich das aus der Notwendigkeit heraus - und würde ich gefragt werden, würde ich auch sagen, was ich über die Person denke ...aber ungefragt ist das Verschweigen dann doch nicht gleich eine Lüge?
Oder wenn ich dann bei der Nachfrage nicht sage: das ist ein A** - sondern es diplomatischer ausdrücke und sage, dass ich persönlich nicht mit der Person zurecht komme (aus diesen und jenen Gründen) - ist dass dann eine Lüge?

Ich finde jedenfalls, der Begriff wurde - vor allem im ersten Artikel - zu weit gefasst.


Krankhaftes Lügen habe ich hier im Forum erlebt - eine Userin, die sich mit immer schlimmeren Geschichten Aufmerksamkeit erschlichen hat - und nach dem 'Auffliegen' geächtet und beschimpft wurde - und ich will gar nicht wissen, wieviel von dem, was hier sonst so erzählt wird, nun stimmt oder nicht...
Die Annahme, dass es im anonymen Internet nicht als Lüge entlarft wird, verleitet offensichtlich viele dazu 'einfach irgendwas' zu schreiben - statt zB auch einmal zu sagen, dass man auf eine Nachfrage nicht antworten möchte - egal, ob es dabei zB um Altersangaben oder Wohnorte oder ganz andere Bereiche geht - und es ja keine 'Auskunftspflicht' gibt.


Ich selbst halte mich für 'diplomatisch ehrlich': ich sage die Wahrheit, sofern ich nicht davon ausgehe, dass es mein Gegenüber verletzt.
In dem Fall sage ich entweder gar nichts - oder ich mildere die Antwort ab und lasse 'offene Worte' weg - was laut der Studie ja auch schon eine Lüge wäre.





LG - und danke für die interessanten Links

nubis
« Letzte Änderung: 01 Oktober 2011, 08:08:55 von nubis »
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Fee

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Re:Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit
« Antwort #2 am: 01 Oktober 2011, 08:48:58 »

Auch ich mußte als Kind viel lügen,um mich aus Misshandlungen zu retten.

Und auch heute noch,benutze ich manchmal NOTlügen,um anderen nicht vor der Kopf zu schlagen.Da mich das aber belastet,ist das Thema Lüge,auch Gegenstand meiner Therapie.
Wobei natürlich meine Thera auch nur ihr persönliches Empfinden äußern kann.

Mal was nettes aus meiner letzten Therastunde dazu:

Ich hatte mich mit einigen Leuten zum Abschiedskaffee beim Bäcker verabredet.Nachdem sich die Leute,über einiges nicht einig werden konnten,habe ich abgesagt,wegen Zahnschmerzen.
Diese hatte ich zwar wirklich,aber nicht an den Füßen.Also ich hätte schon gehen können.

Nun Therastunde:

"Frau Fee,wie war denn ihr Abschiedskaffee ?"

"Die waren alle dermaßen blöde vorher,daß ich es wegen Zahnschmerzen abgesagt habe,wegen diesem ganzen Generve ."

"Na wenigstens sind sie ehrlich !"


:)))


Interessantes Thema,woran ich sehr gerne teilnehmen würde,aber ... ihr wißt ja ....

Hier aber noch `ne gute Seite dazu:

http://www.rhetorik.ch/Wahrheit/Luege.html


L.G. Fee
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nubis

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Re:Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit
« Antwort #3 am: 01 Oktober 2011, 10:00:11 »


@Fee

*ggg* - nette 'Anleitung' ;-)


__________________________________


Ich möchte dazu noch eine kleine - mich aber nachhaltig beeinflussende - Begebenheit erzählen:

Ich muss etwa 6 oder 7 gewesen sein, als ich meine Mutter einmal angelogen habe.
Ich weiß nicht mehr in welcher Sache - aber ich weiß noch, das ich mich wegen ihres (berechtigten) Vorwurfs zu Lügen schmollend in mein Zimmer gehockt habe - und mein Bruder dann leise den Kopf rein steckte... - mich nur traurig ansah und sagte: 'Mama weint' - und unausgesprochen: weil du sie angelogen hast...

Ich weiß nicht mehr, wie es weiterging - es war auch keine große Sache, wegen der ich gelogen hatte - aber ich weiß, dass mich die Erkenntnis, wie sehr es den Anderen verletzen kann, wenn man ihn anlügt sehr getroffen und für mein ganzes Leben geprägt hat.

Es folgte eine lange Phase solch schonungsloser Ehrlichkeit, dass ich anders herum damit die Leute vor den Kopf stieß, wobei ich aber 'Offenheit' mit 'Ehrlichkeit' gleich gesetzt hatte.
Im Laufe der Zeit habe ich eben das gelernt: es ist ganz einfach nicht angebracht jeden Gedanken weiter zu geben - manchmal ist still sein auch eine Option - und das betrachte ich auch nicht (mehr) als 'Lüge'.
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parapieps

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Re:Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit
« Antwort #4 am: 01 Oktober 2011, 11:15:10 »

liebe epines, nubis und fee
ein sehr interessantes thema, worüber ich auch schon einmal in einem kleineren kreis philosphiert habe. die statistik besagt, dass jeder mensch ungefähr 200 mal am tag lügt.das klingt schon ziemlich krass, weil fast jeder von sich behauptet, er wäre ehrlich und lügt nicht. mit eingezählt in diese statistik sind aber auch nicht ehrliche blicke, aufgesetztes lächeln und höflichkeitsfloskeln, wie "guten tag" obwohl es einem gar nicht interessiert, ob sein gegenüber einen schönen tag hat oder nicht. man bedankt sich aus höflichkeit, auch wenn man keinen dank empfindet. all diese dinge gehören irgendwie in fast jeden alltag und ich persönlich sehe sie nicht als willentlich lügen an, sondern einfach reaktionen, die uns die gesellschaft lehrt, um in ihr bestehen zu können. und ich gebe nubis recht, wenn sie sagt, man greift zu notlügen, wenn man konkret nach wohnort und namen gefragt wird im internet. es sind gewissermaßen schutzbehauptungen, denn ein "ich will mich dazu nicht äußern" wird doch kaum nirgendwo akzeptiert, ohne durchzufallen. was ich sehr beunruhigend finde, sind die wissentlichen lügen, um sich eine gewisse aufmerksamkeit zu erschleichen. oft resultieren sie tatsächlich aus einem manko, verlust oder fehlender liebe. in meinem privaten umfeld führten diese lügen zu einer ziemlich schlimmen sucht. die gesellschaftslüge. wer heute in sein will, muss mit dem strom der aussergewöhnlichen schwimmen. damals ging es um die lebensweise der emo´s. wer dazugehören will, muss sich anpassen und dinge tuen, die er eigentlich gar nicht will, was nicht in seiner natur liegt. reden mit derjenigen person half das nichts. das lügen- und verstellgeflecht wurde immer dichter und plötzlich war es zur sucht geworden. nunja, sie hat es letztlich mit therapeutischer hilfe geschafft aus diesem kreis auszubrechen und bedauert heute aufrichtig. aus erfahrung weiß ich, dass ich in gewisser hinsicht, vieles nicht anzweifel, sondern versuche den menschen zu verstehen, warum er so ist oder gewisse dinge von sich gibt. was ich nicht akzeptieren kann, sind ganze lebenslügen, weil der "täter" nicht die traute hat ehrlich zu sein. ich denke da an menschen die doppelleben führen, vlt in mehreren familien leben  und die menschen in ihrem umfeld nach strich und faden belügen und betrügen. für diese menschen empfinde ich nicht einmal mitleid, sondern einfach nur abneigung. und das ist meine ehrliche seite, da könnte ich nicht einmal drüber hinweglächeln.
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parapieps

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Re:Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit
« Antwort #5 am: 01 Oktober 2011, 17:48:07 »

lüge ist lüge lieber psychopath......

*du bewertest das jetzt subjektiv, welche lüge schlimmer ist.* ok das habe ich getan. dennoch unterscheide ich, ob mich jemand willentlich aus einer unangenehmen situation heraus anlügt oder willentlich mit verletzungsanbsichten.

*lügen würde ich nur dann als krankhaft einstufen, wenn es opfer gibt, die unter lügen leiden.
sonst nicht.* ....die einen leiden unter der lüge und andere wiederum nicht. ist man dann bei dem einen normal und bei dem anderen krank? bewertest du da nicht auch etwas subjektiv?
lg und dir noch einen schönen tag
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Epines

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Re:Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit
« Antwort #6 am: 01 Oktober 2011, 23:25:56 »

Hallo liebe Mitlesende

@Nubis
*So wie ich es in dem Artikel verstanden habe, zählen die aber ja auch schon das Verschweigen von Aspekten oder das Verwenden einer diplomatischeren Wortwahl dazu...*

Ja das hatte mich auch erstaunt, denn das Verschweigen schützt ja oft vor Schaden, ist also Selbstschutz. Dazu fällt mir eine interessante Geschichte ein.

Eine Kundin fragte mich ausgiebig, was die Bestandteile der einzelnen Honigsorten sind. Ganz zu Beginn erwähnte sie schon, dass sie Tannenhonig am Allerliebsten mag. Als sie dann fragte aus welchen Blüten der Tannenhonig sei, habe ich zuerst gezögert und dann die Wahrheit erzählt, dass er in der Tat nicht aus Blüten, sondern aus den Ausscheidungen der Blattläuse sei. Sie rümpfte die Nase und war entsetzt und natürlich kaufte sie nie wieder von diesem Honig. Es entstand mir demnach aus der Wahrheit einen Schaden. Heute erwähne ich es nicht mehr, wenn jemand fragt sage ich aus Tanne, was weder gelogen ist noch der Wahrheit entspricht.

Meine Mutter hat auch oft geweint, weil ich sie belogen habe, aber oft war es auch die Wahrheit und sie hat dennoch geweint und mir Lügen unterstellt. Dies ist ein klassisches Beispiel von emotionaler Erpressung und Manipulation, die man als Kind natürlich  nicht erkennt.

@Fee, zu den  Notlügen die man oftmals verwendet um andere nicht zu verletzen. Man möchte sich etwas nicht aussetzen und benutzt eine Ausrede. Man weiss ja wie die anderen oftmals durch die Wahrheit verletzt werden, ich habe jahrelang die Leute mit der Wahrheit beinahe erschlagen, heute versuche ich auch mich zu winden, um nicht lügen und niemanden verletzen zu müssen.

Z.B. hat mich meine Friseurin als sie 10 Monate in Südamerika war via Skype angeschrieben und gefragt, ob ich mich freue wenn sie wieder kommt. Ich war so perplex von der Frage, dass ich wahrheitsgetreu antwortete, dass sich meine Haare sicher riesig freuen würden. Dummerweise fragte sie weiter:" Und du, freust du dich auch?" Da sie echt nur meine Friseurin ist schrieb ich, dass diese Frage fast an SVV grenzt. Dann war sie natürlich beleidigt.
Was ich sagen will ist, dass gewisse Leute wirklich angelogen werden wollen, sie hätte sich vermutlich gefreut, wenn ich gesagt hätte, dass ich mich freue, aber da es nicht so war, konnte ich es einfach nicht aussprechen.

Ein noch schlimmeres Beispiel eines Arbeitskollegen. Seine Freundin fragte ihn einmal, ob er lieber kleine oder grosse Brüste toll findet, zuerst sagte er, dass er beides schätzen würde, aber sie ließ nicht locker bis er zugab, dass ihm größere Oberweiten bei Damen besser gefielen.  Nun fühlte sie sich ab sofort unattraktiv und es gab deswegen oftmals Streit und heute sind sie getrennt.
Auch sie wollte hören, was sie erhoffte.

Also sind nun Notlügen nicht oftmals besser, als die Wahrheit die verletzt?

@parapieps
**die statistik besagt, dass jeder mensch ungefähr 200 mal am tag lügt.das klingt schon ziemlich krass, weil fast jeder von sich behauptet, er wäre ehrlich und lügt nicht. mit eingezählt in diese statistik sind aber auch nicht ehrliche blicke, aufgesetztes lächeln und höflichkeitsfloskeln, wie "guten tag" obwohl es einem gar nicht interessiert, ob sein gegenüber einen schönen tag hat oder nicht. man bedankt sich aus höflichkeit, auch wenn man keinen dank empfindet. all diese dinge gehören irgendwie in fast jeden alltag und ich persönlich sehe sie nicht als willentlich lügen an, sondern einfach reaktionen, die uns die gesellschaft lehrt, um in ihr bestehen zu können**

Das werde ich nun morgen einmal bei mir nachzählen :-). Ich denke, dass man da dann wirklich jedes Lächeln, dass man jemandem einfach so schenkt dazu zählen muss.

Bleiben wir beim Lächeln, da gibt es wesentliche kulturelle Unterschiede die wirklich nichts mit Lügen zu tun haben. Um zu ergründen warum sich deutsche und amerikanische Geschäftspartner oftmals nicht verstehen, hat man dies einmal genauer untersucht und herausgefunden, dass der Deutsche anders lächelt als der Amerikaner.

Der Deutsche lächelt nach den Auswertungen dieser Forschungsergebnisse scheinbar nur, wenn er Kontakt aufnehmen will, wenn er jemanden kennt, oder wenn er etwas von der anderen Person will.
Der Amerikaner hingegen lächelt alle aus Höflichkeit an.

Nun treffen diese zwei Nationen aufeinander, der Amerikaner lächelt den Deutschen freundlich an, da der Deutsche ihn  nicht kennt, denkt er warum lächelt der? Was will der von mir?
Der Amerikaner hingegen bewertet den Deutschen als unhöflich und unfreundlich, weil er sein Lächeln nicht erwidert und schon entsteht eine unbewusste Abneigung.

Nun könnte man sagen, dass der Amerikaner unehrlich ist, aber ist es wirklich schon gelogen, wenn man jemandem ein Lächeln schenkt?

Ist dieses nicht von Herzen kommende Lächeln, nicht eher eine nette Geste, dem Gegenüber das Gefühl zu geben willkommen zu sein?
Ich empfinde es auf jeden Fall nicht als Lüge, denn oftmals fühle ich mich ausgesprochen gut, wenn eine fremde Person mich anlächelt, oder mein Lächeln erwidert.

Alles Liebe
Epines


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Fee

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Re:Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit
« Antwort #7 am: 02 Oktober 2011, 00:57:59 »

... apropos nette Gesten vers. "nette" Lügen.

Mich haben schon einige Leute davor gewarnt Inder nach einen Weg zu fragen.Denn offenbar belügen sie einen aus Höflichkeit lieber ,als zuzugeben,dass sie den Weg nicht kennen.


L.G. Fee
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parapieps

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Re:Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit
« Antwort #8 am: 02 Oktober 2011, 07:08:51 »

liebe epines,
ja das mit dem lächeln ist wirklich interessant. ich bin auch ein mensch, der gern lächelt. sicher fühle ich mich tief im inneren nicht immer nach einem lächeln. man könnte es also quasi als "lügen" bezeichnen. für mich selbst werte ich es aber nicht als lüge. es ist nun einmal meine art und wie du schon sagtest, wenn einem andere ein lächeln zurückschenken, fühlt man sich einfach besser. die welt ist und bleibt paradox und es wäre wohl das beste, nicht alles genau zu analysieren, denn sonst zerredet man noch das wenige, was man sich erhalten möchte. aus angst, dass es nur eine lüge oder selbsttäuschung ist.
ach übrigens, wegen dem lächeln. ich habe irgendwo auch einmal gelesen, dass die meisten menschen einfach lächeln, wenn sie etwas nicht verstanden haben zb. keine antwort auf eine frage wissen oder nicht den sinn der frage verstehen oder sie die sprache nicht kennen...oder oder oder... einfach mal drauf achten...und was macht der mensch dann? er lächelt! aber nicht weil er etwas nicht versteht, sondern weil er einfach zustimmen muss^^ ...paradox
liebe grüße das pieps
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Sternenkrieger

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Re:Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit
« Antwort #9 am: 02 Oktober 2011, 09:01:29 »

Fee schrieb: "Mich haben schon einige Leute davor gewarnt Inder nach einen Weg zu fragen.Denn offenbar belügen sie einen aus Höflichkeit lieber ,als zuzugeben,dass sie den Weg nicht kennen."

*lol*... was sind das denn für Inder? Kommen da nicht die ganzen Meditierer her?
Hört sich für mich an, als wärs ihnen nur unangenehm es nicht zu wissen... sehr schwache Persönlichkeiten. Hätt ich von Indern jetzt nicht gedacht, aber wahrscheinlich auch nur ein Vorurteil.

« Letzte Änderung: 02 Oktober 2011, 09:02:25 von Sternenkrieger »
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nubis

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Re:Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit
« Antwort #10 am: 02 Oktober 2011, 12:30:25 »


Hallo @Epines


Traurig, dass meine Schilderung solche Assoziationen bei dir weckt: meine Mutter hat das keinesfalls aus Berechnung oder zur Manipulation eingesetzt, sondern einfach, weil sie enttäuscht und traurig war in der Situation.

Ich hatte eine 'normale' Kindheit - was immer man darunter verstehen mag ;-) - und habe bis heute ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Mutter, die zwar immer schon bei rührenden Filmen ein Tränchen vergoss - an sonsten aber emotional stabil ist ...und wenn ich mir meine depressiven Phasen ansehe, vermutlich stabiler als ich...

Ich glaube auch, grade deshalb hat es mich so nachhaltig geprägt, dass ich meine Mutter wegen 'so etwas' zum Weinen gebracht hatte.



Mit dem 'Lügen durch verschweigen' möchte ich auch noch etwas anmerken: gemeint hatte ich damit, dass ich eben nicht gleich auf jemanden zugehen und ihm meine Meinung sagen muss, sondern diese auch mal für mich behalten kann.
Werde ich dagegen direkt gefragt, sage ich sie schon - wobei ich aber eben auch gelernt habe der Situation angemessen Auskunft zu geben - dein Beispiel mit dem Honig würde ich in dem Fall dazu zählen.

Es hängt in meinen Augen auch davon ab, in welcher Relation die Komponenten zueinander stehen.

Solange das Verschweigen eines Sachverhalts nicht zur Schädigung der anderen Person führt, finde ich es legitim auch mal etwas für sich zu behalten, sofern man nicht ausdrücklich danach gefragt wird.


Etwas anderes wäre zB, wenn jemand bei einer Schilderung absichtlich einen Teil weglässt um besser dazustehen.
Erzählt jemand zB nur, dass ihm ein Auto in die Seite gefahren ist - lässt aber weg, dass er selber bei Rot in die Kreuzung fuhr, ist das schon wieder arglistige Täuschung.




Das waren noch ein paar Gedanken von mir dazu :-)

LG
nubis
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Sintram

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Re:Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit
« Antwort #11 am: 02 Oktober 2011, 18:30:37 »

Der große Schamane Lie-To-Me sagte mal als Kind zu mir, wäre ich Pinocchio,  hätten schon Vögel ihre Nester in meiner Nase gebaut...
Ich hatte keine Wahl damals. Ist das zu läppisch?

Lieben Gruß allen, interessant!
Sintram
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Epines

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Re:Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit
« Antwort #12 am: 02 Oktober 2011, 23:15:57 »

Hallo liebe Mitlesende

@ Fee, gut das du dich mit den Sitten der Inder so vertraut gemacht hast, dann wirst du sicher  nicht kreuz und quer durch die Stadt gejagt, wenn du etwas suchst.

Auch von den Pakistani hat mir einmal jemand erzählt, dass Einladungen nicht ernst gemeint sind, sondern einfach nur Höflichkeit-Floskeln sind.

Allerdings ist es hier genau so.
Man trifft zufällig einen alten Bekannten, wechselt ein paar freundliche Worte und verabschiedet sich mit der Floskel:" Wir machen mal wieder was zusammen o.k?" Der andere nickt freudig, aber beide wissen jedoch ganz genau, dass dies nicht wirklich ernst gemeint ist, also gehört es ebenfalls zu den sogenannten Anstandslügen. Genau so, wie wenn man jemanden trifft den man flüchtig kennt und  fragt wie es geht, obwohl man im Grunde gar nicht daran interessiert ist, wenn man allerdings nicht fragt wird man für unhöflich gehalten.

Man unterliegt  folglich dem Zwang aus Höflichkeit zu lügen, nur damit man für eine freundliche Person gehalten wird. Mich nervt das schon ein bisschen.

@Nubis "Lügen durch verschweigen...." Da muss ich dir Recht geben, man muss auch nicht jedem sagen was man über gewisse Dinge denkt, und wenn jemand fragt, kann man durchaus bei der Wahrheit bleiben, wohl wissend, dass sie den anderen verletzen könnte, dies dann auszuhalten ist auch nicht immer leicht. Ich habe einige Freunde die fragen:" Sag mir ehrlich deine Meinung" und wenn ich sie dann sage, gucken sie mich an, als hätte ich sie gerade mitten ins Gesicht geschlagen..., dann denke ich oft, dass ich besser irgend eine Notlüge benutzt hätte. Allerdings frage ich mich, ob dies dann nicht mehr verletzen würde als die geballte Wahrheit.

Na ja "Reden ist Silber, Schweigen Gold",  hat schon seine Berechtigung.

@para
*ach übrigens, wegen dem lächeln. ich habe irgendwo auch einmal gelesen, dass die meisten menschen einfach lächeln, wenn sie etwas nicht verstanden haben zb. keine antwort auf eine frage wissen oder nicht den sinn der frage verstehen oder sie die sprache nicht kennen...oder oder oder... einfach mal drauf achten...und was macht der mensch dann?*

Persönlich finde ich dies sehr sympathisch, ist mir schon oft so passiert, dass mich jemand nicht verstanden hat und dann freundlich lächelte. Das hat wohl mit Lügen überhaupt nichts zu tun.

Ich würde gerne sagen, dass Lächeln alle Nationen verbindet, aber seit ich weiss, dass es Menschen gibt die mit dem Lächeln eine Absicht verbinden, stimmt es wohl so nicht mehr.

Oft  lächle ich auch wenn es mir nicht gut geht, weil ich nicht möchte, dass es andere merken und sich dann Sorgen machen.

@Sintram
Stell dir vor deine Nase wäre wirklich wie jene von Pinocchio soooo riesig geworden :-).
Als Kind habe ich dies eine Weile lang wirklich geglaubt.

Scheinbar wusste man  schon zu Meister Geppettos Zeiten, dass wer sich öfters an die Nase fasst wohl lügen muss.
Heute kann es es jedoch auch bedeuten, dass die Nasenschleimhaut des Gegenübers vom vielen Koksen  brennt und juckt und er sich deshalb  ständig an die Nase fast und reibt :-).

Noch früher schrieb Paracelsus; eine spitze Nase beispielsweise, sei das Merkmal eines listigen und spöttischen Menschen.
Ich kenne noch den Ausdruck:" Ich sehe es dir an der Nase an, dass du lügst."

Die Nase ist also körpersprachlich ein nicht zu unterschätzender Lügendetektor (humoristisch gemeint).

Alles Liebe Euch (dies ist ehrlich gemeint)
Epines


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Sintram

  • Gast
Re:Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit
« Antwort #13 am: 03 Oktober 2011, 10:23:59 »

*Alles Liebe Euch (dies ist ehrlich gemeint)*
Na, @epines, das wollen wir doch hoffen! :-))

Als Kind war ich zur Notlüge gezwungen, der nächste Schritt hin zur gezielten Lüge ist klein, Angst verleiht die Flügel der Lüge.
Andrerseits muss man nicht immer gleich jedem alles auf die Nase binden oder unter die Nase reiben, es kann freilich nie schaden, sich an die eigene Nase zu fassen...

Die gängigen Alltagsfloskeln als gezielte Lüge zu bezeichnen ist schon deshalb fragwürdig, weil derlei höfliche "Täuschungen" auf Gegenseitigkeit beruhen und vom Gegenüber ohnehin nicht geglaubt werden, man könnte sich den Schmarrn sicher sparen, klar, aber soo wichtig ist ein "man sieht sich" nun auch wieder nicht.

Die berechnende Lüge zur Vorteilsgewinnung und bewussten Täuschung eines Gegenüber, bei dem man Gutgläubigkeit voraussetzt und dessen Ehrlichkeit man diesbezüglich missbraucht, seiner Aufrichtigkeit mit Unaufrichtigkeit begegnet, um ihm unter Umständen gezielten Schaden zuzufügen, derlei Verhalten ist für mein Dafürhalten das, was unter Lüge zu verstehen ist.

Oder die Lüge der Heuchelei und Blendung, die dem Gegenüber einen Menschen präsentiert, den es erwartet und der ihm gefällt, um dadurch seine eigenen Ziele zu erreichen, also bewusste und überlegte Verstellung, die über Leichen und Vertrauen geht, die Vorspiegelung falscher Tatsachen, hier befinden wir uns im Land der Lüge.

Die beschönigende oder ausweichende Selbstschutzhaltung zur Vermeidung von Konfrontation, Ablehnung oder Streit hingegen ist lediglich Unehrlichkeit.
Ein klares wahres Wort zur rechten Zeit kann hier nicht schaden, aber mit Berechnung und Hintergehung hat das weniger bis nichts zu tun, weil sich für gewöhnlich Angst und Defensivhaltung dahinter verbergen und diese "Unaufrichtigkeit" ein Form der Notlüge ist, bei Depressiven in einer unverständigen Umwelt trauriger Alltag.

Manchmal ist es wirklich nur Klugheit, manchmal Feigheit, manchmal pure Bequemlichkeit, manchmal Überdruss und Resignation.

Das ist so in groben Zügen meine bescheidene Meinung dazu.
Guten Morgen allen!
Sintram

« Letzte Änderung: 03 Oktober 2011, 10:42:47 von Sintram »
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Hobo

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Re:Krankhaftes Lügen - Lügen als Krankheit
« Antwort #14 am: 03 Oktober 2011, 14:24:00 »

Hm, interessant. Wohl jeder hier kennt die beschriebenen Facetten des Lügens. Ein wichtiger Aspekt fehlt mir allerdings. Grundsätzlich kann der Mensch ja nur lügen, weil er die Vorstellungskraft dazu hat. Das heißt ja wohl, dass er über die Realität hinweg denken kann. Und sie dann eben nach seinen Wünschen oder Vorstellungen ändert, verdreht oder verleugnet.

Da genau kommt die Lüge her, die hier noch nicht angesprochen wurde. Ich meine die Lügen, die wir uns selbst "erzählen". Die, wenn auch noch so absurd, doch immer so gerne von uns geglaubt werden, was in sich ja schon völlig absurd ist. Und trotzdem tun wir es so gerne. Wir sind durchaus in der Lage in total hoffnungslose Situationen Dinge hinein zu "lügen", die uns hoffen lassen. Oder auf der anderen Seite, wir erkennen unsere eigene Situation einfach nicht an.

Insbesondere im Suchtbereich ist das sehr weit verbreitet. Der Abhängige wird immer bestreiten abhängig zu sein. Obwohl er es natürlich weiß. Und oft glaubt er seine "Lüge" auch noch selbst. Zumindest benutzt er sie als Schutzschild gegen die Realität.

Eine gefährliche Lüge, die schlimme Folgen haben kann...

lg
Hobo
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